mini|hochkant=2.5| Der 800-Meter-Lauf der Frauen bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro wurde am 17., 18. und 20. August 2016 im Estádio Nilton Santos ausgetragen. 65 Athletinnen nahmen teil.
Olympiasiegerin wurde die Südafrikanerin Caster Semenya. Silber errang Francine Niyonsaba aus Burundi. Die Kenianerin Margaret Wambui gewann die Bronzemedaille.
Für Deutschland starteten Christina Hering und Fabienne Kohlmann, die beide im Vorlauf ausschieden. Die Schweizerin Selina Büchel scheiterte im Halbfinale. Athletinnen aus Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.
Rose Lokonyen aus dem Südsudan nahm als aus ihrem Heimatland geflohene Flüchtlings-Athletin unter der olympischen Flagge und dem Kürzel ROT (Refugee Olympic Team) teil.
Aktuelle Titelträgerinnen OlympiasiegerinMarija Sawinowa ()1:56,19 minLondon 2012WeltmeisterinMaryna Arsamassawa ()1:58,03 minPeking 2015EuropameisterinNatalija Pryschtschepa ()1:59,70 minAmsterdam 2016Nord-/Zentralamerika-/Karibik-MeisterinChanelle Price ()2:00,48 minSan José 2015Südamerika-MeisterinDéborah Rodríguez ()2:01,46 minLima 2015AsienmeisterinTintu Lukka ()2:01,53 minWuhan 2015AfrikameisterinCaster Semenya ()1:58,20 minDurban 2016OzeanienmeisterinDonna Koniel ()2:09,58 minCairns 2015
Rekorde Bestehende Rekorde WeltrekordJarmila Kratochvilová ()1:53,28 minMünchen, BR Deutschland (heute Deutschland)26. Juli 1983Athletics - Progression of outdoor world records, 800 m - Women, sport-record.de, abgerufen am 7. Mai 2022Olympischer RekordNadija Olisarenko ()1:53,43 minFinale OS Moskau, Sowjetunion (heute Russland)27. Juli 1980 Der bereits seit 36 Jahren bestehende olympische Rekord wurde auch bei diesen Spielen nicht erreicht. Die schnellste Zeit erzielte die südafrikanische Olympiasiegerin Caster Semenya mit 1:55,28 min im Finale am 20. August. Den Olympiarekord verfehlte sie damit um 1,85 Sekunden. Zum Weltrekord fehlten ihr genau zwei Sekunden. Rekordverbesserungen Es wurden fünf neue Landesrekorde aufgestellt: 1:59,12 min – Noélie Yarigo (Benin), vierter Vorlauf am 17. August 2:00,14 min – Aníta Hinriksdóttir (Island), vierter Vorlauf am 17. August 2:11,70 min – Elisabeth Mandaba (Zentralafrikanische Republik), achter Vorlauf am 17. August 1:55,28 min – Caster Semenya (Südafrika), Finale am 20. August 1:57,02 min – Melissa Bishop (Kanada), Finale am 20. August Anmerkung:Alle Zeitangaben sind auf die Ortszeit Rio (UTC-3) bezogen.
Geschlechtsstatusfrage Immer wieder taucht im Zusammenhang mit der Athletin Caster Semenya die Frage nach dem Geschlechtsstatus auf. Hier handelt es sich um eine heikle Problematik, die Frage ist, wo sind die Grenzen zu setzen, wie sollen entsprechende Kontrollen gestaltet werden, inwieweit sind Athletinnen in ihrer Persönlichkeit beeinträchtigt oder verletzt. Auch in der Vergangenheit war die Frage nach dem Geschlechtsstatus immer wieder aktuell. In den 1930er Jahren ging es um den Deutschen Heinrich Ratjen, der als Hochspringerin unter dem Namen Dora Ratjen bei zahlreichen nationalen und internationalen Veranstaltungen teilweise sehr erfolgreich teilnahm. Alle seine Resultate wurden nach 1938 gestrichen. Allerdings war er im Gegensatz zu Caster Semenya eindeutig ein Mann.Das Doppelleben der Dora Ratjen, Norddeutscher Rundfunk 18. November 2011, ndr.de, abgerufen am 7. Mai 2022
In den 1960er Jahren wurde das Thema noch einmal aktuell im Zusammenhang mit den Geschwistern Irina und Tamara Press aus der Sowjetunion, bei denen die Vermutung auftauchte, dass sie Hermaphroditen seien.WEIBLICHKEITS-TEST Mit Bärtchen. In: Der Spiegel 4. September 2966, H. 37/1966, spiegel.de. Abgerufen am 7. Mai 2022 Beide verschwanden nach Einführung der damals sogenannten Sextests, die in der Leichtathletik erstmals bei den Europameisterschaften 1966 realisiert wurden.Intersexualität als Problem des Hochleistungssports, Jennifer de Antoni, Diplomarbeit, Wien, Mai 2011, core.ac.uk (PDF; 757 KB), abgerufen am 7. Mai 2022
Heute sind die Tests zur Feststellung des Geschlechtsstatus in ihrer früheren Form abgeschafft. Allerdings stellt sich auch heute wieder die Frage, wo die Grenzen für die Teilnahme von Athletinnen im Frauensport liegen, und es gibt durchaus auch kritische Stimmen zu einer Teilnahmeberechtigung für Caster Semenya.Stichwort Sex-Test. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, faz.net, 20. August 2009, abgerufen am 7. Mai 2022Olympias »schöne« Töchter von Petra Welzel, der Freitag 15. September 2000, freitag.de, abgerufen am 7. Mai 2022
Tatsächlich wurden beim Olympia-Wettbewerb 2016 letztlich alle drei Medaillen von "46 XY DSD"-Athletinnen gewonnen, die also bei der Geburt als Frauen identifiziert wurden, aber die Geschlechtschromosomen XY haben und auch eine männliche Pubertät durchgemacht haben.Mit der Antibabypille lässt sich das Problem biologischer Männer im Frauensport nicht lösen. In: NZZ, 21. Juli 2022, abgerufen am 21. Juli 2022
Doping Der 800-Meter-Lauf der Frauen war von einem Dopingfall betroffen: Die im Halbfinale ausgeschiedene Ukrainerin Natalija Lupu wurde bei einer nachträglichen Analyse von Dopingproben im Mai 2017 positiv auf den Einsatz verbotener Mittel getestet, wodurch sie sich eine achtjährige Sperre einhandelte, denn sie war bereits bei einer Dopingkontrolle im Jahr 2014 positiv getestet worden. Somit war sie eine Mehrfachtäterin.6 track athletes handed doping bans after Olympic retests apnews.com 31. Mai 2017 (englisch), abgerufen am 7. Mai 2022
Leidtragende war die Äthiopierin Gudaf Tsegay, die sich über ihre Zeit eigentlich die Berechtigung zur Halbfinalteilnahme erlaufen hatte.
Vorrunde Die Vorrunde wurde in acht Läufen durchgeführt. Für das Halbfinale qualifizierten sich pro Lauf die ersten beiden Athletinnen (hellblau unterlegt). Darüber hinaus kamen die acht Zeitschnellsten, die sogenannten Lucky Loser (hellgrün unterlegt), weiter.
Lauf 1 mini|hochkant=0.7| 17. August 2016, 10:55 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) 1 Lynsey Sharp 2:00,83 2 Amela Terzić 2:00,99 3 Sahily Diago 2:01,38 4 Angie Petty 2:02,40 5 Justine Fedronic 2:02,73 6 Olha Ljachowa 2:03,02 7 Florina Pierdevară 2:03,32 8 Ciara Everard 2:07,91 Weitere im ersten Vorlauf ausgeschiedene Läuferinnen:
Lauf 2 mini|hochkant=0.9| 17. August 2016, 11:02 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) Anmerkung 1 Caster Semenya 1:59,31 2 Ajee Wilson 1:59,44 3 Shelayna Oskan-Clarke 1:59,67 4 Wang Chunyu 1:59,93 5 Margarita Mukaschewa 2:00,97 6 Claudia Bobocea 2:03,75 7 Rose Lokonyen 2:16,64 Heimatland: Südsudan 8 Houlèye Ba 2:43,52 DNF Rababe Arafi Weitere im zweiten Vorlauf ausgeschiedene Läuferinnen:
Lauf 3 mini|hochkant=0.6| 17. August 2016, 11:09 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) Anmerkung 1 Selina Büchel 1:59,00 2 Margaret Wambui 1:59,66 3 Natalija Pryschtschepa 1:59,80 4 Gudaf Tsegay 2:00,13 eigentlich für das Halbfinale qualifiziert 5 Sifan Hassan 2:00,27 6 Tintu Lukka 2:00,58 7 Selma Kajan 2:05,20 8 Tsepang Sello 2:10,22 Weitere im dritten Vorlauf ausgeschiedene Läuferinnen:
Lauf 4
17. August 2016, 11:16 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) Anmerkung 1 Melissa Bishop 1:58,38 2 Maryna Arsamassawa 1:58,44 3 Habitam Alemu 1:58,99 4 Noélie Yarigo 1:59,12 NR 5 Halimah Nakaayi 1:59,78 6 Aníta Hinriksdóttir 2:00,14 NR 7 Christina Hering 2:01,04 8 Fatma el-Sharnouby 2:21,24
Lauf 5
17. August 2016, 11:23 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) Anmerkung 1 Eunice Sum 1:59,83 2 Kate Grace 1:59,96 3 Renée Eykens 2:00,00 4 Tigist Assefa 2:00,21 5 Winnie Nanyondo 2:02,77 6 Amina Bakhit 2:07,65 7 Swe Li Myint 2:16,98 DOP Natalija Lupu 1:59,91 für das Halbfinale zugelassen
Lauf 6 mini|hochkant=0.8| 17. August 2016, 11:30 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) 1 Angelika Cichocka 2:00,42 2 Yusneysi Santiusti 2:00,45 3 Rose Mary Almanza 2:00,50 4 Malika Akkaoui 2:00,52 5 Hedda Hynne 2:01,64 6 Déborah Rodríguez 2:01,86 7 Simoya Campbell 2:02,07 8 Charline Mathias 2:09,30 Weitere im sechsten Vorlauf ausgeschiedene Läuferinnen:
Lauf 7 mini|hochkant=0.7| 17. August 2016, 11:37 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) 1 Joanna Jóźwik 2:01,58 2 Winny Chebet 2:01,65 3 Esther Guerrero 2:01,85 4 Lisneidy Veitía 2:02,10 5 Rénelle Lamote 2:02,19 6 Eglė Balčiūnaitė 2:02,98 7 Kenia Sinclair 2:03,76 8 Flávia de Lima 2:03,78 Weitere im siebten Vorlauf ausgeschiedene Läuferinnen:
Lauf 8 mini|hochkant=0.7| 17. August 2016, 11:44 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) Anmerkung 1 Francine Niyonsaba 1:59,84 2 Lovisa Lindh 2:00,04 3 Natoya Goule 2:00,49 4 Lucia Hrivnák Klocová 2:00,57 5 Julija Karol 2:01,09 6 Chrishuna Williams 2:01,19 7 Fabienne Kohlmann 2:05,36 8 Elisabeth Mandaba 2:11,70 NR Weitere im achten Vorlauf ausgeschiedene Läuferinnen:
Halbfinale In den drei Halbfinalläufen qualifizierten sich die jeweils zwei besten Athletinnen (hellblau unterlegt) für das Finale. Darüber hinaus kamen auch die zwei Zeitschnellsten, die sogenannten Lucky Loser (hellgrün unterlegt), weiter.
Lauf 1
18. August 2016, 21:15 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) 1 Margaret Wambui 1:59,21 2 Francine Niyonsaba 1:59,59 3 Ajee Wilson 1:59,75 4 Natalija Pryschtschepa 1:59,95 5 Renée Eykens 2:00,45 6 Halimah Nakaayi 2:00,63 7 Yusneysi Santiusti 2:00,80 8 Angelika Cichocka 2:01,29 Weitere im ersten Halbfinale ausgeschiedene Läuferinnen:
Lauf 2 mini|hochkant=2| 18. August 2016, 21:23 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) Anmerkung 1 Joanna Jóźwik 1:58,93 2 Melissa Bishop 1:59,05 3 Selina Büchel 1:59,35 4 Lovisa Lindh 1:59,41 5 Shelayna Oskan-Clarke 1:59,45 6 Habitam Alemu 2:00,07 7 Eunice Sum 2:00,88 DOP Natalija Lupu 2:02,10 Im zweiten Halbfinale ausgeschiedene Läuferinnen:
Lauf 3
18. August 2016, 21:31 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) 1 Caster Semenya 1:58,15 2 Lynsey Sharp 1:58,65 3 Kate Grace 1:58,79 4 Maryna Arsamassawa 1:58,87 5 Noélie Yarigo 1:59,78 6 Winny Chebet 2:01,90 7 Amela Terzić 2:03,81 8 Wang Chunyu 2:04,05
Finale mini|hochkant=1.5| 20. August 2016, 21:15 Uhr Platz Name Nation Zeit (min) Anmerkung 1 Caster Semenya 1:55,28 NR 2 Francine Niyonsaba 1:56,49 3 Margaret Wambui 1:56,89 4 Melissa Bishop 1:57,02 NR 5 Joanna Jóźwik 1:57,37 6 Lynsey Sharp 1:57,69 7 Maryna Arsamassawa 1:59,10 8 Kate Grace 1:59,57 Für das Finale hatten sich jeweils eine Athletin aus Belarus, Burundi, Großbritannien, Kanada, Kenia, Polen, Südafrika, und den USA qualifiziert.
Als Favoritinnen traten die südafrikanische Olympiasiegerin von 2012 Caster Semenya sowie die belarussische Europameisterin von 2014 und amtierende Weltmeisterin Maryna Arsamassawa an. Weitere Kandidatinnen für vordere Platzierungen waren die kanadische Vizeweltmeisterin Melissa Bishop und die britische Vizeeuropameisterin von 2014 Lynsey Sharp. Aber auch die beiden Afrikanerinnen Margaret Wambui aus Kenia und Francine Niyonsaba aus Burundi, die im ersten Halbfinale einen sehr guten Eindruck hinterlassen hatten, waren als starke Läuferinnen einzuschätzen.