mini|Biskuitporzellankopfpuppe auf bekleidetem Körper aus Kompositionsmasse; Foto aus der Puppensammlung des Guildhall Museum in Rochester, England
Ernst Heubach (EH) oder Heubach Köppelsdorf war eine 1887 im thüringischen Köppelsdorf gegründete Porzellan-Manufaktur.Jean Bach: Internationales Handbuch der Puppenmarken. Ein Puppen-Bestimmungsbuch, englischer Originaltitel: The main street dictionary of doll marks, übersetzt von Wolfgang Hartmann, München: Laterna Magica, 1989, ISBN 3-87467-389-8; S. 59f.Adressbuch der keramischen Industrie 1906, S. 78;
Geschichte Die Firma wurde 1887 von Ernst Heubach in Köppelsdorf Nr. 1 gegründet. Die Köppelsdorfer Porzellanfabrik Ernst Heubach produzierte Puppen-Köpfe und -Arme aus Biskuitporzellan, Porzellanwalzen für Walzenstühle und Porzellan-Artikel für den elektrotechnischen Bedarf. Nach 1910 spezialisierte Ernst Heubach das Unternehmen auf den Entwurf und die Herstellung von Charakterpuppen. Dazu zählten auch die seinerzeit sogenannten Negerpuppen. Heubach produzierte zudem Köpfe für andere Puppenhersteller wie zum Beispiel Adolf Wislizenus, Gebrüder Ohlhaver, Cuno & Otto Dressel oder Luge & Co.
Nach dem Ersten Weltkrieg fusionierte Ernst Heubach mit Armand Marseille im Jahr 1919 unter dem neuen Namen United Porcelain Factory of Köppelsdorf oder Vereinigte Köppelsdorfer Porzellanfabrik vorm Armand Marseille and Ernst Heubach.Dawn Herlocher: Heubach, in: Collectible Dolls, 2008, passim; Vorschau über Google-Bücher Die Partnerschaft der beiden Unternehmen endete im Jahr 1932.
Bei Bombardierungen der Stadt Sonneberg am 14. Februar 1945 war auch das Unternehmen Heubach betroffen. Am 31. Juli 1945 wurde der Fabrikbesitzer Ernst Heubach, der seit 1937 NSDAP-Mitglied und außerdem SS-Oberscharführer war, in Köppelsdorf von der sowjetischen Besatzungsmacht festgenommen. Am 18. September 1945 wurde er aufgrund Ukaz 43 vom Sowjetischen Militärtribunal der 8. Gardearmee wegen Verhöhnung von Kriegsgefangenen, die in seiner Fabrik arbeiten mussten, zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 29. September 1945 durch Erschießen vollstreckt.Mike Schmeitzner, Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt: Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947): Eine historisch-biographische Studie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 260 f.;
1951 wurde das Unternehmen verstaatlicht und mit den Unternehmen Hering in Köppelsdorf, Rauschert in Hüttensteinach und Bernhardtshütte in Blechhammer zu den Vereinigten Porzellanfabriken Köppelsdorf zusammengeschlossen,Historischer Abriss, sonneberg.de, 29. Dezember 2007, archiviert auf archive.is, 9. Oktober 2013 ab 1954 bis 1964 VEB Vereinigte Porzellanwerke Köppelsdorf,Robert E. Röntgen: Marks on German, Bohemian and Austrian porcelain: 1710 to the present. Schiffer, Atglen, PA 2007, ISBN 978-0-7643-2521-2, S. 270; danach Zusammenlegung mit dem VEB Keramische Werke Neuhaus-Schierschnitz zum VEB Elektrokeramische Werke Sonneberg.Horst Klengel: Isolatoren und Armaturen für Isolatorketten in Starkstrom-Freileitungen. new-ebooks, Dresden 2012, ISBN 978-3-95501-126-0, S. 579 (CD-ROM);
Markungen und Formnummern Frühe Schulterköpfe von Ernst Heubach wurden mit einem Hufeisen und dem Produktionsjahr, mitunter mit DEP. für „Deposeé“ (= „Schutzmarke“, „gesetzlich geschützt“) markiert. Zudem werden dem Unternehmen folgende Formnummern zugeschrieben: 219, 235, 236, 237, 238, 241, 242, 250, 251, 252, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 266, 267, 268, 269, 271, 274, 275, 276, 281, 282, 283, 284, 289, 291, 292, 300, 301, 302, 312, 313, 317, 320, 321, 323, 334, 339, 340, 341, 342, 344, 345, 348, 349, 350, 399, 400, 406, 407, 414, 418, 427, 437, 438, 439, 444, 445, 448, 450, 451, 452, 458, 459, 463, 471 sowie 480.
Außerdem sind Markungen mit dem Buchstaben H zwischen Ziffern oder in einer Fahne bekannt, außerdem E . H . und der Begriff Germany als Hinweis auf den Export sowie D.R.G.M..
Siehe auch Gebrüder Heubach, 1840 von der Familie Heubach in Lichte gekaufte PorzellanfabrikJean Bach: Internationales Handbuch der Puppenmarken. München 1989, S. 60
Literatur
mini|Grabmal der Familie von Ernst Heubach auf dem Friedhof in Köppelsdorf
Jean Bach: Internationales Handbuch der Puppenmarken. Ein Puppen-Bestimmungsbuch, englischer Originaltitel: The main street dictionary of doll marks, übersetzt von Wolfgang Hartmann, München: Laterna Magica, 1989, ISBN 3-87467-389-8; S. 59f.; Inhaltsverzeichnis Lydia Richter, Karin Schmelcher: Heubach-Puppen: Gebr. Heubach, Lichte, Ernst Heubach, Köppelsdorf; Charakterpuppen, Figurinen. Hrsg. Joachim F. Richter, Laterna Magica, München 1989, ISBN 978-3-87467-383-9, Inhaltsverzeichnis Jürgen Cieslik, Marianne Cieslik: Cieslik's Lexikon der deutschen Puppenindustrie. Marken, Daten, Fakten, 2., überarbeitete Auflage, Hamburg: Marquardt & Wellhausen; Jülich: Cieslik, 1989, ISBN 978-3-939806-20-2 (Wellhausen & Marquardt) und ISBN 3-921844-20-7 (Cieslik) Dawn Herlocher: Heubach, in: Collectible Dolls, 2008, passim; Vorschau über Google-Bücher Robert MacDowell: The Collector's Digest on German Character Dolls. Hobby House Press, 1986, S. 44ff. ISBN 978-0875881775
Weblinks
Puppen von Ernst Heubach in der Deutschen Fotothek Täufling: Babypuppe im Steckkissen im Museum Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin Ernst Heubach mit beispielhaften Fotografien und Informationen auf der Seite die-puppenfee.de von Gisela A. Kirbach Ernst Heubach Dolls 1887-1932+ German (in englischer Sprache) auf dollreference.com mit beispielhaften Fotografien und Abzeichnungen verschiedener Markungen sowie weiteren Informationen Sylvia Wentzlau: Ernst Heubach Köppelsdorf
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemaliger Porzellanhersteller (Deutschland) Kategorie:Puppenhersteller Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Sonneberg) Kategorie:Unternehmensgründung 1887 Kategorie:Aufgelöst im 20. Jahrhundert Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Sonneberg)