mini|hochkant=1.6|Die Ruinen von Pumapunku mini|hochkant=1.6|Computergestützte Rekonstruktion von Alexei Vranich: Zu sehen ist der gesamte aus etwa 150 separaten standardisierten Andesit-Monolithen nach dem Baukastenprinzip zusammengesetzte Monumentalkomplex von Pumapunku. Sowohl die perfekt horizontal vermauerten Andesit-Aufbauten als auch die vier Fundamentplatten aus Sandstein (die jeweils mehr als 130 Tonnen wiegen) wurden mit Krampen aus einer einzigartigen Kupfer-Arsen-Nickel-Bronze-Legierung zusammengehalten. Zu sehen ist zudem, dass am vordersten Tor Andesitblöcke mit der weltweit einzigartigen Technik der „versteckte Krampen“ befestigt und gestapelt wurden, wodurch sich eine verlängerte Wand ergab. Pumapunku, auch Puma Punku (Aymara und Quechua für „Tor des Puma“), ist ein strategisch ausgerichteter, vollständig künstlich angelegter, terrassierter Plattformhügel in Bolivien, der ein labyrinthisches System von Monumentalkanälen beherbergt und auf dem sich unter anderem eine – heute in Ruinen liegende – Monumentalstruktur sowie ein abgesenkter Hof befinden.
Pumapunku ist Bestandteil des Pumapunku-Komplexes, einer Anordnung auf den Pumapunku-Plattformhügel zentrierter Plätze und Rampen. Gebietsuntersuchungen mit einer Drohne ergaben, dass der Pumapunku-Komplex eine Fläche von siebzehn Hektar umfasst, was dreimal so groß ist wie die der Cheops-Pyramide.
Pumapunku ist Teil der archäologischen Fundstätte Tiwanaku nahe der gleichnamigen Ortschaft im Westen Boliviens. Tiwanaku liegt 3.850 Meter über dem Meeresspiegel in der Hochebene des Altiplano nahe dem Titicacasee. Innerhalb von Tiwanaku liegt Pumapunku südöstlich seiner Zwillingskonstruktion Akapana.
Pumapunku ist mit einem weiten Vorplatz im Osten assoziiert. Der Monumentalkomplex besteht aus zwei Basisstrukturen: einem Fundament aus vier Sandsteinplatten (von denen jede etwa 100 Tonnen wiegt), deren Fragmente jeweils mit Metall-Krampen zusammengehalten wurden, und mehr als 150 separaten Andesitblöcken, die puzzleartig zu Aufbauten gefügt und ebenfalls mit Metall-Krampen fixiert sind. Die Gebäude, die einst auf den Fundamentplatten standen, wurden durch Schatzsucher und Plünderer zerstört, sodass heute keiner der Blöcke mehr an seiner ursprünglichen Position steht. Weitere Andesit-Blöcke sind in der Landschaft verstreut, befinden sich noch unter der Erde oder sind im örtlichen Museum ausgestellt.Alexei Vranich: Reconstructing ancient architecture at Tiwanaku, Bolivia: the potential and promise of 3D printing. S. 15.
Da einige Andesitblöcke und Fundamentplatten einen unfertigen Zustand zeigen, gehen Architekturhistoriker und Archäologen davon aus, dass die Monumentalkonstruktion auf dem terrassierten Plattformhügel nie vollendet wurde.
Das häufigste Wort in der Beschreibung dieser komplexen Ruine ist laut dem Archäologen Alexei Vranich „unvorstellbar“ (inconceivable).Alexei Vranich: Reconstructing ancient architecture at Tiwanaku, Bolivia: the potential and promise of 3D printing., S. 1. Nach Alan Kolata sei Pumapunku – obwohl es praktisch völlig zerstört ist – eines der schönsten und architektonisch komplexesten Bauwerke der Andenwelt.Alan Kolata: The Tiwanaku: portrait of an Andean civilization. Blackwell, Cambridge 1993, ISBN 1-55786-183-8, S. 99.
Schon früh wurde Pumapunku als die bemerkenswerteste Konstruktion in der gesamten präkolumbischen Ära bezeichnet.Alexei Vranich et al.: Advances in Titicaca Basin Archaeology-III. Museum of Anthropology, University of Michigan (2012), S. 129 Einige technische und architektonische Merkmale der Tiwanaku-Architektur gelten als weltweit einzigartige Erfindungen, ohne bekannte Vorläufer zu haben. Auch der Komplex an sich stellt eine bemerkenswerte Innovation dar, für die sich weder Vorläufer noch Nachahmer finden.Helaine Silverman, William H. Isbell: Andean Archaeology II: Art, Landscape, and Society. Springer, 2015, S. 221. Laut Alexei Vranich liegt mittlerweile ein bestätigtes und gut erhaltenes Analogon vor (siehe #Atlantis- und Ufo-Enthusiasten).
Geschichte In der Geschichtsschreibung wurde die Stätte zuerst von dem spanischen Conquistador Pedro de Cieza de León erwähnt. Er entdeckte die Ruinen von Tiwanaku und Pumapunku 1549 zufällig auf der Suche nach der Inkahauptstadt.Alan Kolata: The Tiwanaku: portrait of an Andean civilization. Blackwell, Cambridge 1993, ISBN 1-55786-183-8. Schon die spanischen Entdecker waren von den riesigen Monolithen und der technisch perfekten Konstruktion fasziniert.Maria Longhena, Walter Alva, Marion Pausch: Die Inka: das große Volk der Anden. Karl Müller Verlag, 2002, S. 206.
Pumapunku wird auf das 6. Jahrhundert n. Chr. datiert. Der Hügel war eine bedeutende Stätte der präinkaischen Tiwanaku-Zivilisation wie auch der nachfolgenden Inka-Kultur. Als die Inka Tiwanaku entdeckten, hielten sie es einer Sage zufolge für den Ort, an dem die Welt erschaffen wurde. Der gesamte Komplex besteht aus einem Freiplatz, der zentralen Esplanade, der terrassierten, plattformartigen und mit Stein verkleideten Aufschüttung sowie einem weiteren ummauerten Platz.William H. Isbell: Palaces and Politics in the Andean Middle Horizon. In: Susan Toby Evans, Joanne Pillsbury: Palaces of the Ancient New World. Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Washington, D.C. 2004, ISBN 0-88402-300-1, S. 191–246.A. Vranich: Interpreting the Meaning of Ritual Spaces: The Temple Complex of Pumapunku, Tiwanaku, Bolivia. Dissertation. The University of Pennsylvania, 1999.A. Vranich: The Construction and Reconstruction of Ritual Space at Tiwanaku, Bolivia: A.D. 500-1000. In: Journal of Field Archaeology. Band 31, Nr. 2, 2006, S. 121–136.
Lage Der vollständig künstliche Plattformhügel wurde an der neben Akapana einzigen Stelle in Tiwanaku errichtet, die freien Blick auf die drei Gipfel des Illimani und den Titicacasee bietet.Jean-Pierre Protzen, Stella Nair: The Stones of Tiahuanaco: A Study of Architecture and Construction. Band 75. Cotsen Institute of Archaeology Press, University of California, Los Angeles 2013, S. 133.
Anlage Der Komplex besteht aus einem westlichen Vorhof, von dem einst eine Rampe bis hin zum Westeingang führte, dem eigentlichen Pumapunku, und einem östlichen Vorhof, der etwa die gleiche Grundfläche aufweist.Alexei Vranich: Reconstructing ancient architecture at Tiwanaku, Bolivia: the potential and promise of 3D printing. S. 4.
Der „eigentliche“ Pumapunku ist ein terrassierter Plattformhügel mit einem abgesenkten Hof in der obersten Plattform. Dieser ist 167,36 Meter lang in seiner Nord-Süd-Achse und 116,7 Meter in der Süd-West-Achse. In den Nordost- und Südost-Ecken befinden sich etwa 20 Meter breite Auskragungen, die sich 27,6 Meter nach Nord beziehungsweise Süd erstrecken. Am östlichen Rand befindet sich die sogenannte „Plataforma Lítica“ (span.: steinerne Plattform). Sie besteht aus einer mit zahlreichen enorm großen Steinblöcken befestigten steinernen Terrasse von 6,75 × 38,72 Meter Grundfläche.C. Ponce Sanginés, G. M. Terrazas: Acerca De La Procedencia Del Material Lítico De Los Monumentos De Tiwanaku. (= Academia Nacional de Ciencias de Bolivia. Publication no. 21). La Paz 1970.
Fast alle in Pumapunku verwendeten Steine bestehen aus einer Mischung aus Andesit und rotem Sandstein. Vorrangiges Baumaterial ist ansonsten Lehm sowie in tieferen Schichten vereinzelt Flusssand und Feldstein ohne Lehm.
Aufgrund diverser Ausgrabungen geht man davon aus, dass es drei Hauptepochen gab, in denen intensiv gebaut wurde, zusätzlich zu einzelnen kleineren Ausbesserungs- und Umgestaltungsarbeiten.Jean-Pierre Protzen, Stella E. Nair: On Reconstructing Tiwanaku Architecture. In: The Journal of the Society of Architectural Historians. Band 59, Nr. 3, 2000, S. 358–371. Westlich vom östlichen Vorhof wurde der Pumapunku-Monolith entdeckt.Anna Guengerich, John W. Janusek: The Suñawa Monolith and a Genre of Extended-Arm Sculptures at Tiwanaku, Bolivia. Ñawpa Pacha, 2020, S. 4.
Auf dem Höhepunkt, so wird vermutet, muss Pumapunku „geradezu unvorstellbar schön gewesen sein, reich verziert mit Metallplatten, farbenfrohen Keramiken und Ornamenten, besucht von vornehm gekleideten Bürgern, Priestern in prächtigen Gewändern und Eliten, geschmückt mit exotischen Juwelen.“ Aufgrund fehlender schriftlicher Aufzeichnungen sind gesicherte Aussagen zu Alter, Herkunft und Verwendung dieser Anlage jedoch nur schwer zu treffen. Darüber hinaus gab es verschiedene Veränderungen aufgrund von Plünderung, Steinabbruch zu Bauzwecken und Wettereinflüssen.
Das gesamte Gebiet in einem Umkreis von etwa einem Kilometer zwischen dem Pumapunku- und dem Kalasasaya-Komplex wurde mittels Radar, Magnetometrie sowie Geoelektrik und Geomagnetik untersucht. Die geophysikalischen Daten, die während dieser Untersuchung und den Ausgrabungen gesammelt wurden, ergaben eine Vielzahl weiterer von Menschen gemachten Strukturen zwischen beiden Komplexen. Zu diesen Strukturen gehören unter anderem Grundmauern, Wasserkanäle, poolähnliche Einrichtungen, Terrassen, Wohnviertel sowie ausgedehnte Schotterwege, die heutzutage alle unter Bodenschichten vergraben sind.E. G. Ernenweini, M. L. Konns: Subsurface Imaging in Tiwanaku’s Monumental Core. Technology and Archaeology Workshop. Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Washington, D.C. 2007.P. R. Williams, N. C. Couture, D. Blom: Urban Structure at Tiwanaku: Geophysical Investigations in the Andean Altiplano. In: J. Wiseman, F. El-Baz (Hrsg.): Remote Sensing in Archaeology. Springer, New York 2007, S. 423–441.
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