mini|Die HMS Victorious ist ein mit US-amerikanischen Trident-Interkontinentalraketen (SLBM) beladenes Atom-U-Boot der britischen Royal Navy. Großbritannien betreibt seit dem Ende des Kalten Kriegs vier dieser beweglichen Trägersysteme zur nuklearen Abschreckung, da alle anderen Kernwaffensysteme deaktiviert wurden. Großbritannien ist mit diesen strategischen Systemen Teil der NATO. Mit dem Begriff Atomstreitkraft (seltener: Nuklearstreitkraft) ist im Allgemeinen die nukleare Streitkraft einer Nation gemeint, die im Besitz von Kernwaffen ist. Letztere ist eine Atommacht. Diese strategischen und teilweise taktischen Streitkräfte sind neben den konventionellen bzw. nicht-nuklearen Teilstreitkräften aufgestellt. Je nach Strategie und Wahl der Trägermittel sind die Atomstreitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft in der Lage, Kernwaffen einzusetzen bzw. bereitzuhalten, um die nukleare Abschreckung zu gewährleisten.

Infrastruktur der Atomstreitkräfte Nationen, die im Besitz von Kernwaffen, oder genauer Kernsprengköpfen und Trägersystemen sind, betreiben diese Waffensysteme im Rahmen ihrer nationalen Sicherheit und Verteidigung. Diese speziellen Waffen werden im Rahmen von Kernwaffenprogrammen seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt und hergestellt. Um sicherzustellen, dass sie im Notfall einsatzbereit sind, werden sie in verschiedenen Bereitschaftszuständen (wie Einsatzbereitschaft und Reserve) gehalten. Sie werden auch ausgemustert und vernichtet, wenn nicht mehr benötigt oder technisch überholt.

Das nukleare Kommando und die Kontrolle der Atomstreitkräfte sind in der Regel zentralisierte Einrichtungen des Militärs. Der Befehl über den Einsatz obliegt fast ausschließlich dem Präsidenten oder dem Premierminister einer Nation, wenn diese Rolle den Status des Oberbefehlshabers der Streitkräfte inkludiert. Zur Aufrechterhaltung einer Atomstreitmacht müssen die Atommächte neben Fachpersonal auch hohe Betriebskosten einkalkulieren. Zudem müssen sie die entsprechenden Einrichtungen unter besonderen Schutz stellen und permanent warten.

Die Atommächte USA und Russland verteilen ihr Arsenal an Atomwaffen auf mehrere Trägersysteme bzw. stationäre oder mobile Einheiten. Diese werden umgangssprachlich auch als „Triade“ bezeichnet, wenn es land-, see- und luftbasierte Kernwaffensysteme gibt. Bei China wird davon ausgegangen, dass alle drei Mittel vorhanden sind, wobei der historische Fokus auf landgestützten Interkontinentalraketen liegt. Frankreich und Großbritannien betreiben eine minimale nukleare Abschreckung. Alle bekannten Systeme basieren auf Spaltmaterialien wie Uran und/oder Plutonium in waffenfähiger Konzentration bzw. Reinheit und mit anderen Eigenschaften.

Das Abschreckungspotential der Atomwaffenarsenale stützt sich dann auch darauf, dass nicht alle Einheiten zerstört werden können und dadurch ein atomarer Gegenangriff möglich ist, die sogenannte Zweitschlagskapazität. Letztere Fähigkeit besitzen jedoch nicht alle Staaten mit Kernwaffen, d. h., manche verfolgen eine sogenannte minimale Abschreckungsstrategie bzw. -policy. Im Vergleich zu den offensiven Atomstreitkräften der USA und Russlands verfolgt China eine Nuklearstrategie des Nichterstschlags. Die genau Aufstellung und Konfiguration der Einheiten und Trägersysteme ist jedoch von vielen der Atommächte unbekannt.

Die Trägersysteme sind neben landgestützten Interkontinentalraketen (ICBM) auch seebasierte Atom-U-Boote, luftbasierte (strategische) Bomber oder Kampfflugzeuge, die mit entsprechenden Atomwaffen bestückt werden können.

Im Folgenden werden die bekannten Atomstreitkräfte mit Daten zu ihren Einsatzmöglichkeiten durch verschiedene Trägersysteme aufgelistet. Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da es über viele Jahrzehnte hinweg zahlreiche Wechsel der Systeme und Aufstellungen gab.

Übersicht der Bestände

{| class="wikitable sortable" |+ Geschätzte Bestände und Status (Stand 2025 SIPRI) |- style="background:#ececec" ! Land || colspan="3" | Kernsprengköpfe (strategische Waffen) |- ! !In Betrieb (Offensiv) !Reserve !Gesamt (Stockpile) |- | colspan="4" | Nach Atomwaffensperrvertrag (NVV), P5

|1.718Begrenzt worden bis zum Auslaufen von START / New START |2.591 |4.309 |- | || 1.770Begrenzt worden bis zum Auslaufen von START / New START; ebenfalls wurden MIRV-fähige ICBMs auf einen Kernsprengkopf (vgl. W87/W78) begrenzt (Stand 2026). SLBMs und taktische Atomwaffen sind ausgenommen. |1.930 |3.700 (inkl. NATO) |- | || 24 |576 |600 |- | || 280 |10 |290 |- | || 120 |105 |225 |- | colspan="4" |Nicht-NVV |- | || 0 |170 |170 |- | || 0 |180 |180 |- | || 0 |50 |50 |- | colspan="2" |Andere (Nicht-NVV, Vermutet)

|0 |90 |90 |} Hinweis 1: In der folgenden Tabelle sind alle Staaten aufgeführt, die im Nichtverbreitungsvertrag (NVV) als Staaten mit Atomwaffen genannt sind und auch als Kernwaffenstaaten bezeichnet werden. Darüber hinaus sind drei weitere Länder aufgeführt, von denen gesichert ist, dass sie im Besitz von Atomwaffen sind, den NVV jedoch nicht unterzeichnet haben. Israel ist vermutlich im Besitz von Atomwaffen, äußert sich dazu jedoch nicht offiziell. Weltweit gibt es demnach fünf Kernwaffenstaaten: zwei ehemalige Supermächte aus dem Kalten Krieg, die noch heute im Besitz von rund 80 % aller Kernwaffen sind, sowie drei weitere Staaten. Hinzu kommen vier weitere Länder, die gesichert oder ungesichert im Besitz von Atomwaffen sind und über ein mehr oder weniger großes Arsenal verfügen.

Hinweis 2: Diese absolute Darstellung der Anzahl der Kernsprengköpfe basiert auf einer Schätzung öffentlich zugänglicher oder bekannter Informationen und Daten. Die genauen Details sind von mehr als der Hälfte der Länder, die im Besitz von Kernwaffen sind, nicht offiziell bekannt, das heißt, die Regierungen halten sich bedeckt. Die meisten Informationen stammen aus den USA und Russland. Diese Kennzahlen genügen jedoch nicht, um ein vollständiges Bild der nuklearen Waffensysteme und der damit verbundenen Problematik der Abrüstung oder Rüstungskontrolle zu erhalten. Sie dienen hier nur der Übersicht.

US-Atomstreitkräfte

mini|Die United States Strategic Command (USSTRATCOM) ist die Kommandozentrale der US-amerikanischen Atomstreitkräfte. Sie befindet sich auf der Offutt Air Force Base (AFB) und wurde ab 2012 umfangreich modernisiert. Ihr Motto lautet: „Peace is our profession.“ (Frieden ist unser Beruf). Auf dem Globus sind einige Nullen und Einsen zu erkennen. In dem Gebäude laufen Millionen von Informationen zusammen, die den Atomstreitkräften ein Lagebild der nationalen Sicherheit vermitteln. Die USA waren das erste Land, das Atomwaffen in großer Stückzahl produzierte. Diese Entwicklung begann unmittelbar nach den beiden ersten und einzigen Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945. Bis ca. 1980 wurden unzählige Kernwaffen entwickelt, darunter die 1954 erfundene Wasserstoffbombe. Zu dieser Zeit begann auch die Entwicklung der Raketentechnik, speziell der Interkontinentalraketen (ICBM). Die erste atomare Interkontinentalrakete war die Atlas.

Die AEC war für die gesamte Entwicklung der zivilen und militärischen Kernenergie zuständig.

Während des Kalten Kriegs war das Strategic Air Command (SAC) für den Einsatz von Atomwaffen aus der Luft und vom Land aus zuständig. Die ICBMs waren Teil der US Air Force. Die seebasierten Kräfte der US Navy mit Atom-U-Booten gehen auf das Naval-Reactors-Program zurück und besitzen eigene Entwicklungslinien von Interkontinentalraketen (SLBM). Weitere Trägersystem sind verschiedene Kampfjets und Bomber.

Die USA betreiben eine nukleare Triade, d. h. nuklear-bewaffnete Trägermittel bzw. -geräte zu Land, See und Luft. Diese Triade besteht (seit den 2010er Jahren) aus:

Land-basierte Minuteman III ICBMs Luft-basierte B-52H Stratofortress und B-2 Spirit Bomber (der B-1 wurde auf konventionelle Einsätze abgerüstet) See-basierte Ohio-Klasse SSBN Atom-U-Boote mit SLBMs (rund 80 % der nuklearen Kapazitäten), auch bekannt als Fleet Ballistic Missile Submarines

Die USA stellen taktische Atomwaffen für einige Allianz-Mitgliedstaaten. Für weitere Details, siehe die Atomstreitkräfte der USA.

NATO-Atomstreitkräfte

Im Rahmen einer verlängerten nuklearen Abschreckung verfügen die NATO-Staaten Deutschland, Türkei, Italien, Belgien und Niederlande über Kampfflugzeuge, die mit Vorrichtungen zum Abwurf von B61-Kernwaffen aus US-amerikanischen Beständen ausgestattet sind.

Britische Atomstreitkräfte Die britischen Atomstreitkräfte wurden ab den 1950er Jahren in einem unabhängigen Programm zu den USA aufgebaut (vgl. Aldermaston). Das Land wurde von den USA unilateral durch den ersten U.S. Atomic Energy Act von 1946 von der gemeinsamen Entwicklung ausgeschlossen. Zuvor war Großbritannien zusammen mit den USA und teilweise auch Kanada im Manhattan Engineer District (MED) an der Erfindung der Atombombe beteiligt.

Großbritannien bewies sich selbst und der damaligen US-Regierung auf diese Weise, dass es die Kernphysik, die Kerntechnik und die Kernchemie vollständig beherrschte – alles Grundlagen für den Bau von Kernwaffen. Ab etwa 1958 kam es im Rahmen einer nuklearen Kooperation wieder zur gemeinsamen Entwicklung zwischen den beiden Ländern, die bis heute andauert.

Luftbasierte Atomstreitkräfte Ab den 1950ern waren auch US-amerikanische Atomwaffen in Großbritannien stationiert. Großbritannien hat jedoch eigene luftbasierte Atomstreitkräfte, die sogenannte V-Flotte, aufgebaut und betrieben – und das über mehrere Jahrzehnte hinweg, speziell bis zum Ende des Kalten Kriegs. Etwa 1998 wurden die letzten für den Einsatz durch Kampfflugzeuge bestimmten Freifallbomben vom Typ WE 177 ausgemustert.

Seebasierte Atomstreitkräfte Großbritannien setzt seit dem Ende des Kalten Kriegs als einzige Atommacht ausschließlich auf seegestützte Kernwaffensysteme, d. h. Atom-U-Boote mit Interkontinentalraketen (SLBM). Großbritannien verfügt über vier ballistische Atom-U-Boote der Vanguard-Klasse, welche im schottischen Faslane-on-Clyde stationiert sind.

Jedes britische Atom-U-Boot ist mit maximal 16 US-amerikanischen Trident II D5 SLBMs ausgestattet, welche mit britischen Kernsprengköpfen bestückt sind. Viele Jahre zuvor waren die Resolution-Klasse Boote mit Polaris-Raketen der USA ausgerüstet.

In Großbritannien liegt das Kommando und die Kontrolle der Systeme beim Premierminister. Die Systeme werden in einem Kontrollzentrum nahe London rund um die Uhr betrieben und überwacht. Die britischen Atomstreitkräfte sind Teil der NATO und sind Teil der Nuklearen Planungsgruppe. Im Vergleich dazu sind die Atomstreitkräfte Frankreichs seit 1966 kein Teil der integrierten Militärstruktur der NATO mehr.

Im Regelfall sind zu jedem Zeitpunkt zwei der vier britischen Atom-U-Boote auf See im Einsatz; davon trägt nur eines tatsächlich Atomwaffen. Ein drittes Boot befindet sich in Faslane-on-Clyde in Bereitschaft, während das vierte gewartet, repariert oder modernisiert wird. Diese Praxis geht auf den Beschluss der Regierung Blair aus dem Jahr 1998 zurück, nur noch jeweils ein U-Boot im Rahmen der nuklearen Abschreckungspolitik einzusetzen.

Die Anzahl der Kernsprengköpfe wurde zuerst auf 48 Stück pro U-Boot begrenzt, später weiter auf 40 Stück. Typischerweise trägt eine Trident-Rakete drei Sprengköpfe. Ein britischer Kernsprengkopf basiert auf einer Variante des US-amerikanischen Warheads W76. Ob den U-Booten auch eine „sub-strategische“, d. h. nicht-nukleare, taktische oder Gefechtsfeld-Rolle zukommen, ist unbekannt.

Die exakte Anzahl der britischen Kernwaffen ist nicht öffentlich bekannt, sondern nur ein Obergrenze. Das britische Kernwaffenarsenal wurde 2021 jedoch auf etwa 225 Kernsprengköpfe geschätzt. 2021 sagte der britische Premierminister Boris Johnson, er werde das ursprüngliche Ziel für 2025 von 180 auf 260 Sprengköpfe erhöhen.