Herwig Pöschl (* 7. April 1950 in Oberndorf bei Salzburg; † 22. Juli 2022 in Berlin) war ein österreichischer Musiker, Kulturmanager und Kurator. Er lebte und arbeitete seit 2009 in Berlin.
Leben und Wirken Studien Herwig Pöschl studierte (1969–1971) Komposition und Musik bei Mauricio Kagel und Iannis Xenakis in Köln, sowie bei Karlheinz Stockhausen in Darmstadt. Er absolvierte damals auch Instrumentalstudien bei Christoph Caskel (Percussion) in Frankfurt sowie Studien in „Tonsatz und Schlagwerk“ am Mozarteum Salzburg.
Dazu kamen (1972–1976) Studien der Psychologie und Psychiatrie bei Igor Alexander Caruso und der Musikpsychologie bei Wilhelm Revers an der Universität Salzburg (ohne Abschluss).
Tätigkeit als Musiker Herwig Pöschl war 1970 Mitglied des von Mauricio Kagel gegründeten „Ensembles für Neue Musik“ (Köln) als Schlagzeuger und spielte dann auch in bekannten Ensembles der Neuen Musik, wie „Spontan Music Group“ (1971)Infos zu Spontan Music Group, abgefragt am 17. August 2016., „Just Music“ (1971–1972), beide abgefragt am 4. September 2016., sowie bei „Schallmomente“ (1971–1974), abgefragt am 17. August 2016. mit, bevor er 1974 wegen einer ererbten Muskelschwäche die Arbeit als Musiker beenden musste.
Tätigkeit als Kulturforscher und Kulturentwickler Institut für Alltagskultur Herwig Pöschl gründete 1981 das „Institut für Alltagskultur“ (IAK, mit Raimund Gutmann)Publikationen des IAK, abgefragt am 4. September 2016.. Bis 1990 arbeitete er hier (meist im Auftrag des österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky) an Entwicklungsprojekten zum kulturellen, sozialen und ökonomischen Wandel in Bergbau- und Industriegebieten, wie z. B. Mühlbach am Hochkönig, sowie Eisenerz. Er gründete damals (1985) mit Friedrich Bahner in der Salinenstadt Hallein das bis heute aktive „Kulturforum Hallein“Homepage Kulturforum Hallein, abgefragt am 17. August 2016..
Kulturentwicklungsplan der Stadt Salzburg 1986 bis 1989 leitete Herwig Pöschl den ersten Kulturentwicklungsplan der Stadt SalzburgSiehe: Stadt Salzburg (Hg.): Kulturleitbild und Kulturentwicklungsplan der Stadt Salzburg, Salzburg 2001, S. 46, S. 65, auch online, abgefragt am 4. September 2016. (als Stabsstelle von Bürgermeister Josef Reschen, inklusive der Ausschreibung für das dann nicht realisierte Projekt Guggenheim-Museum in SalzburgInfos zum Museumsprojekt, abgefragt am 4. September 2016.). Aufgrund des damaligen Kulturentwicklungsplans Salzburg wurde das Budget für freie Kulturförderung stark erhöht und ein Kulturstättenprogramm mit Neugründungen (vom „Rockhaus Salzburg“Infos zum Rockhaus Salzburg, abgefragt am 4. September 2016. bis zum Literaturhaus Salzburg) verwirklicht.
Kunstkurator der Stadt Bernau bei Berlin 2011 wurde Herwig Pöschl nach einem Ausschreibungsverfahren zum Kunstkurator der Stadt Bernau bei Berlin bestellt, abgefragt am 4. September 2016.. Dort kuratierte er die bestehende Sammlung von Bildhauern der früheren DDR wie Fritz Cremer, Waldemar Grzimek u. a. Er leitete (gemeinsam mit Rudolf J. Kaltenbach und Silvia Ch. Fohrer) das internationale Bildhauer-Symposium Steine ohne Grenzen VIII, das 2011 in Bernau stattfand. Er arbeitete an strategischer Kulturplanung für Bernau mit unterschiedlichen Teilprojekten, wie dem Architekturprojekt „Moderne trifft Geschichte“.vgl. Bernauer Stadtmarketing (Hg.), Herwig Pöschl (Red.): Moderne trifft Geschichte. Baukunst-Architektur-Leben, Bernau 2012, auch online, abgefragt am 4. September 2016.
Leitung und Entwicklung von Kulturmanagement-Ausbildungen etc. Kultur- und Medienmanagement am International Centre for Culture and Management (ICCM) 1989 entwickelte Herwig Pöschl gemeinsam mit Hermann Glaser, Ingo Mörth, Walter Reicher, Franz Sattlecker (heute Leiter der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft), Burghart Schmidt, Heiner Zametzer und anderen einen vom damaligen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Sport (Kunstsektion) geförderten Lehrgang Kulturmanagement besonders für Aktivisten einer autonomen Kulturarbeit im Dritten Sektor, der zuerst als Diplomlehrgang am Berufsförderungsinstitut (BFI) Oberösterreich, dann ab 1991 als Universitätslehrgang an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) unter der Leitung von Pöschl selbst (organisatorische Leitung) sowie Ingo Mörth und Walter Sertl (wissenschaftliche Leitung) durchgeführt wurde. 1992 erfolgte dann die Gründung des „International Centre for Culture and Management“ (ICCM) mit Sitz zuerst in Gmunden (bis 1995) und dann in Salzburg, das ab 1992 statt des BFI als organisatorischer Träger der Ausbildung unter der Leitung Pöschls fungierte. 1997 wurde der Lehrgang in einen postgradualen Universitätslehrgang „European Management Programme for the Arts and Media“ mit dem Abschluss „Master of Advanced Studies (Arts and Media Management)“ und dem Anspruch einer allgemeinen Kulturmanagement-Ausbildung für alle Bereiche umgewandelt. siehe Infos zur Kulturmanagement-Ausbildung an der Universität Linz, abgefragt am 4. Mai 2020.
2004 wurde der Kooperationsvertrag JKU – ICCM aufgelöst, und der Lehrgang als Angebot der Universität Linz beendet. Die Ausbildung wurde dann in Kooperation ICCM – SMBS – University of Salzburg Business School (auch in Zusammenarbeit mit dem Columbia College Chicago und der Fudan-Universität in Schanghai) als MBA „International Arts Management“Infos zur Ausbildung "Arts Management" in Kooperation ICCM-SMBS, abgefragt am 5. September 2016. (bis zur Insolvenz des ICCM 2008) weitergeführt.
Zwischen 1989 und 2008 wurden in diesen Ausbildungen ungefähr 1000 Kulturmanager aus 60 Herkunftsländern ausgebildet.
Internationale Sommerakademie für Kulturmanagement / Salzburg Culture Forum Von 1990 bis 2005 leitete Herwig Pöschl die „Internationale Sommerakademie für Kulturmanagement“ in Salzburg, ein gemeinsam mit Kulturkontakt Austria gegründetes sog. „Capacity-Building-Trainingsprojekt“, welches gemäß dem Ziel von Kulturkontakt Austria vor allem für Teilnehmer aus Ost- und Südosteuropa Kulturprojekte entwickeln und umsatzbar machen sollte. Nach dem Ausstieg von Kulturkontakt Austria aus dem Projekt (2003) wurde dieses noch zwei Jahre in Kooperation mit den Open Society Foundations von George Soros als „Salzburg Culture Forum“Beschreibung Salzburg Culture Forum, abgefragt am 5. September. für Teilnehmer speziell aus den UdSSR-Nachfolgestaaten in Zentralasien fortgeführt.
Hochschulkurs für Kulturjournalismus und kulturelle Öffentlichkeitsarbeit Herwig Pöschl entwickelte auch in Kooperation mit dem Kommunikationswissenschafter Kurt Luger an der Universität Salzburg einen „Hochschulkurs für Kulturjournalismus und kulturelle Öffentlichkeitsarbeit“, der 1994–1997 mit dem ICCM als organisatorischem Träger angeboten wurde.Hinweis auf den Hochschulkurs Kulturjournalismus auf der Homepage Kurt Luger, abgefragt am 4. September 2016.
„Music for Film & Media“ an der Donau-Universität Krems Ab 2007 entwickelte Herwig Pöschl in Kooperation mit der University of California, Los Angeles (UCLA) und dem Komponisten Peter Wolf ein Masterstudium „SCORE: Music for Film & Media“, zunächst für das ICCM selbst, und dann für die Donau-Universität Krems. Dieses postgraduate-Studium (Abschluss Master of Arts – M.A.) verbindet Kompositionstudien für verschiedene Medienformate (Film, TV, interaktive digitale Medien und Business Audio) mit neuester Audiotechnologie und Musikbusiness-Wissen, abgefragt am 4. September 2016.. Es startete in etwas modifizierter Form 2013 an der Donau-Universität Krems. Der Lehrgang wurde 2018 in „Music for Applied Media“Infos zur derzeitigen Ausbildung an der Donau-Universität, abgefragt am 14. November 2020. umbenannt.
Weitere Tätigkeiten und Ehrungen Weitere Tätigkeiten Gründungsmitglied der italienischen Kultur-Organisation „Fondazione Fitzcarraldo“vgl. Fondazione Fitzcarraldo (Hg.): Rapporto attività 2012 Fondazione Fitzcarraldo, Turin 2012, S. 8,auch online, abgefragt am 4. September 2016. (1998); Mitherausgeber des „International Journal for Arts Management“ () des Kulturmarketing-Experten Francois Colbert an der HEC Montréal (1998–2008); Mitbegründer (1992) und Präsident (1996–2000) des „European Network for Cultural Administration Centres“ - ENCATC mit Sitz in Brüssel, abgefragt am 4. September 2016.. Mitglied des Internationalen Beirates des „UNESCO Cultural Management and Cultural Policy Chair“, Vilnius Academy of Fine Artss. ENCATC (Hg.): Training in Cultural Policy and Management. International Directory of Training Centres - Europe, Russian Federation, Caucasus, Central Asia, Brüssel 2003, S. 218, auch online, abgefragt am 4. September 2016.; Gastprofessor für Kulturmanagement an der Moholy-Nagy-Universität für Kunsthandwerk und Gestaltung, Budapest (1995 bis 2001); Gastprofessur für Projektmanagement an der „Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana“ - SUPSI, abgefragt am 4. September 2016., Lugano (2014); Vortragender und wissenschaftlicher Co-Leiter des jährlichen „Corso di Perfezionamento per Responsabile di Progetti Culturali“ - CPRC der Fondazione Fitzcarraldo (2008–2016), abgefragt am 4. September 2016.; Universitätslektor für Projektmanagement an der Johannes Kepler Universität Linz (1998–2004); Mitglied des Kulturbeirates des österr. Bundesministeriums für Unterricht und Kunst (1992–1998). Mitglied des Salzburger Landes-Kulturbeirates (1990–1999) , abgefragt am 4. September 2016.
Ehrungen Verleihung des österr. Berufstitels Professor (2004)Bericht zur Verleihung des Berufstitels, abgefragt am 4. September 2016.. Ehrenmitglied des Vereins „G34 StadtRäume e.V. Verein für urbane Lebenskunst und kulturelle Vielfalt“, München (zusammen mit Julian Nida-Rümelin und Ernst Pöppel, 2003);
Publikationen (Auswahl) (mit Raimund Gutmann): Kultur und Arbeit: Entwicklung von Schritten zu einer aktivierenden Kulturarbeit für Arbeitnehmer. Salzburg 1983: Institut für Alltagskultur;siehe den dt. Bibliothekseintrag, abgefragt am 24. November 2024. (mit Raimund Gutmann): Kultur im Betrieb - Probleme und Perspektiven von Kulturarbeit für Arbeitnehmer. Ergebnisse einer Untersuchung in Salzburger Betrieben, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie (Schwerpunktheft „Kunst-Kultur-Gesellschaft“, hg. Ingo Mörth), , Heft 1-2 / 1984, S. 168–182; Kulturentwicklungsplanung für die Stadt Salzburg: Vorstudie erstellt im Auftrag der Stadt Salzburg, Salzburg 1986: Stadt Salzburgsiehe den Bibliothekseintrag im Öst. Bibliothekenverbund OBSV, abgefragt am 24. November 2024. Stadtkultur - Lebenskultur, in: Heinz Dopsch (Hg.): Vom Stadtrecht zur Bürgerbeteiligung. Festschrift 700 Jahre Stadtrecht von Salzburg. Salzburg 1987: Museum Carolino Augusteum, S. 213–217; (mit Walter Reicher) Heiße Lava oder kalte Asche. Die Salzburger Museen aus anderer Sicht, in: Neues Museum. Die österr. Museumszeitschrift, , Nr. 1/1989, S. 35–40 (). (mit Otto Hofecker) Kultur und Stadtentwicklung in Österreich. Studie für das Forschungsprojekt „Die Bedeutung der Kultur für die wirtschaftliche Entwicklung von Städten in Deutschland“, Forschungsfeld „Städtebau und Wirtschaft“ … im Auftrag des Bundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau und der Bundesanstalt für Landeskunde und Raumordnung, Dortmund 1991: IRPUD - Institut für Raumplanung der Universität Dortmund; Be-Denkens-Werte vor dem Großen Geld, in: Franz Sattlecker, Gerda Themel (Hg.): Die Praxis des Kunstsponsorings. Ein Leitfaden für Künstler und Kulturgruppen. Signum Verlag, Wien 1991, ISBN 3-85436-107-6, S. 38–42; Saitensprünge, in: Ernst Strouhal (Hg./ Red.): Kultur, Kunst, Staat. Aufschwünge und Abgesänge zur Zukunft der Kulturförderung. Wien 1991: Zukunfts- und Kulturwerkstätte - Arbeitskreis Zukunft der Kulturförderung, ISBN 3-9500021-2-X, S. 77–82;