Messer im Kopf ist ein deutsches Spielfilmdrama aus dem Jahr 1978 von Reinhard Hauff mit Bruno Ganz und Angela Winkler in den Hauptrollen.

Handlung Bei einer Razzia in einem von der Polizei als „konspirativ“ eingestuften Jugendzentrum, das geräumt werden soll, wird der 35-jährige Biogenetiker Berthold Hoffmann, der dort seine von ihm getrennt lebende Ehefrau Ann besuchen will, angeschossen und fällt daraufhin, am Kopf schwer verletzt, ins Koma. Als er nach geraumer Zeit wieder aufwacht, hat er das Gedächtnis verloren, ist ein Mann ohne Erinnerung und Sprache. Auch ein erheblicher Teil seiner motorischen Fähigkeiten ist verloren gegangen, selbst das Gehen muss der halbseitig gelähmte Hoffmann völlig neu erlernen. Rasch konfrontiert man ihn mit Beschuldigungen. Polizei und die Medien nennen ihn einen mutmaßlich gefährlichen Terroristen, der seinen Beruf nur als perfekte Tarnung einsetzt. Hoffmann soll unmittelbar vor dem Unglück einen Beamten mit einem Messer bedroht und mehrfach verletzt haben. Dem widersprechen Bertholds Freunde und Verwandte, die ihn als Paradebeispiel eines weltabgewandten Wissenschaftlers im Elfenbeinturm seiner Forschung bezeichnen und ihn zum Opfer polizeilicher Willkür zu stilisieren versuchen. Die linke Szene instrumentalisiert ihn als Märtyrer und Opfer staatlicher Gewalt. Alle zerren an dem Verletzten, der doch nichts anderes anstrebt, als endlich seine Erinnerung wiederzuerlangen. Ihn beschäftigt zuerst die Tatsache, dass er durch die Amnesie sein eigenes Ich, seine Identität verloren hat.

Mit der wiederkehrenden Erinnerung wird Berthold Hoffmann klar, dass man ihm nicht nur die Erinnerung „weggeschossen“, sondern ihn zugleich aus seinen eingefahrenen Gleisen herauskatapultiert hat und ihm dadurch die Möglichkeit gab, zu neuen Erkenntnissen und neuen Einstellungen zu gelangen. Um nicht länger instrumentalisiert, nicht länger von den konträren Gegenpolen ge- und missbraucht zu werden, beginnt Hoffmann, sich mit seinen Möglichkeiten als Gedächtnisverlustiger auf eigene Wahrheitssuche zu begeben und die Gesellschaft, deren Teil er ist, und auch seine eigene Rolle in ihr sorgfältig zu sezieren und zu hinterfragen. Er spielt den Verwirrten, lässt seine Gegenüber im Unklaren über seinen derzeitigen Geisteszustand und beginnt nun seinerseits, demjenigen nachzustellen, dem er seinen Zustand „verdankt“: dem Polizeibeamten Schurig, der aus einem Moment der Angst heraus seine Dienstpistole abfeuerte. Dessen „lebensgefährliche“ Stichwunde, die ihm Hoffmann laut Polizeiaussage mit dem Messer zugefügt haben soll, entpuppt sich als harmloser Kratzer seitlich am Bauch. Das extreme Unrecht, das Hoffmann durch den Kopfschuss angetan wurde, wandelt dieser in extreme Energie um, die nunmehr auch vor eigener Gewalt nicht mehr Halt zu machen gewillt ist. In Schurigs Wohnung stellt Hoffmann seinen Peiniger, der dort mit seiner Frau und dem Hund Wotan lebt, und in getauschten Rollen beginnen sich beide zu belauern. Hoffmann nimmt Schurigs Dienstwaffe aus dem Halfter und zielt auf ihn: „Ich bin du“ sagt er, und in seinem Gesicht zeigt sich erstmals ein leichtes Lächeln.

Produktionsnotizen Messer im Kopf ist stark beeinflusst von den Ereignissen des später so genannten Deutschen Herbsts rund um den Terror der RAF und die staatlichen Gegenmaßnahmen im Vorjahr 1977. Die Dreharbeiten zu dieser Film-Fernseh-Gemeinschaftsproduktion fanden zwischen dem 28. März und dem 11. Mai 1978 in München und Umgebung statt. Die Fertigstellung erfolgte am 24. September 1978, uraufgeführt wurde Messer im Kopf am 6. Oktober 1978 auf dem Pariser Filmfestival. Die deutsche Erstaufführung fand am 27. Oktober 1978 während der Hofer Filmtage statt. Deutscher Massenstart war der 17. November desselben Jahres in München, Stuttgart und Köln.Deutsches Institut für Filmkunde (Hrsg.): Deutsche Filme 1978, zusammengestellt von Rüdiger Koschnitzki. S. 140

Eberhard Junkersdorf übernahm die Herstellungsleitung. Heidi Lüdi entwarf die Filmbauten, Monika Altmann die Kostüme. Peter Fratzscher war Hauffs Regieassistent, Barbara von Weitershausen Schnittassistentin.

Auszeichnungen Prädikat „besonders wertvoll“ 1978 FIPRESCI-Preis und Antenne d’or Messer im Kopf wurde 1979 mit dem Filmband in Silber ausgezeichnet. Kameramann Frank Brühne erhielt für seine Leistung das Filmband in Gold. Hans Christian Blech erhielt für seine schauspielerische Leistung 1979 den Bambi Messer im Kopf wurde 1980 mit dem NBR Award ausgezeichnet.

Kritiken

Einzelnachweise

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Kategorie:Filmtitel 1978 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmdrama