Die hessische Gemeinde Elz im Landkreis Limburg-Weilburg weist zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude auf.
Ortsentwicklung Im Kern geht Elz auf ein frühmittelalterliches Straßendorf entlang der Fernhandelsstraße zwischen Frankfurt am Main und Köln zurück. Bis ins 19. Jahrhundert blieb das Siedlungsgebiet auf den Raum zwischen dem Elbbach im Osten, dem Erbach im Süden, dem ehemaligen Befestigungsgraben (Gräbengasse) im Westen und dem vergleichsweise steilen Hang des Straßenbergs im Norden beschränkt. Ein erster großer Erweiterungsschub erfolgte ab dem späten 18. Jahrhundert vornehmlich in Richtung Westen in das so genannte „Oberdorf“, anschließend entlang der Limburger Straße nach Süden und im 20. Jahrhundert in nahezu alle Himmelsrichtungen.
Ensembleschutz mini|links|Ensemble der Bachgasse mini|Altes Gebäudeensemble in der Pfortengasse mini|Einfahrt zur Lehrstraße mit den Einzeldenkmalen Lehrstraße 5/7 (links) und Lehrstraße 8/10 (rechts) Zwei Zonen im Ortsgebiet stehen als Gesamtanlagen unter Denkmalschutz, da sie noch viele Bauten und Grundstücksaufteilungen aus dem 17. Jahrhundert enthalten, wenn auch teilweise überformt. Es handelt sich zum einen um beide Seiten der Pfortengasse von der Kirche bis zur Einmündung des Alten Straßenbergs und der so genannten „Gemeinschaftlichen Scheune“ mit der Westseite der Rathausstraße von der Kirche bis zur Einmündung der Lehrgasse und um den unteren Teil der Lehrgasse bis zum heutigen Bürgerhaus. Die zweite, deutlich kleinere Gesamtanlage erstreckt sich am südlichen Ufer des Erbachs entlang der Bachgasse bis zu einer platzartigen Ausweitung rund um die Erbachbrücke der Gräbenstraße. Dort sind nur noch wenige Bauwerke in ursprünglicher Fachwerkbauweise erhalten oder diese ist durch Verputz verdeckt. Allerdings orientieren sich auch die Massivbauten jüngeren Datums an überkommenen Grundstücksgrenzen und Kubaturen, was den Denkmalwert dieser Straßenflucht ausmacht.
Sakralbauten Katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer und Pfarrhaus mini|Pfarrkirche St. Johannes der Täufer Der Vorgängerbau an gleicher Stelle stammte aus dem 12. oder 13. Jahrhundert und war Mitte des 19. Jahrhunderts in einem sehr schlechten Bauzustand. Erste Vorarbeiten für den Bau nach einem Entwurf des Baumeisters Rock aus Nassau begannen 1851. Die Grundsteinlegung erfolgte am 27. Juni 1852 im Rahmen einer feierlichen Messe mit Bischof Peter Josef Blum und Generalvikar Karl Klein. Eine Steinplatte mit der Jahreszahl „1852“ über dem Sandsteinsockel in Richtung Pfortenstraße erinnert an die Grundsteinlegung. Nach rund zwei Jahren wurde die Kirche (zwar noch ohne Turm) am 19. November 1854 durch Bischof Blum eingeweiht. Im Altar befinden sich seitdem Reliquien der Märtyrer Bonifatius, Clemens und Blandinia.Diözesanarchiv Limburg, E 14 Elz: O. E. 1004, 1854, Nov. 21 Am 22. April 1908 stimmten der Kirchenvorstand und die Gemeindevertretung dem Bau eines neuen Turmes zu. Dieser hat eine Höhe von 48 Metern und ist seit dem 8. Dezember 1952 mit einem Vierergeläut bestückt.Pfarrarchiv, Elz. S. 86 Die Glocken stammen von der renommierten Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen. Sie lieferte im Jahr 1909 vier Bronzeglocken, von denen zwei im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurden. Nach dem Krieg wurde das Geläut durch die Fa. Otto durch zwei neue Bronzeglocken ergänzt. Hubert Foersch schätzt die Klangqualität im Limburger Glockenbuch als überdurchschnittlich ein.Gerhard Reinhold: Otto Glocken - Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto, Selbstverlag, Essen 2019, 588 Seiten, ISBN 978-3-00-063109-2, hier insbes. S. 517, 550.Gerhard Reinhold: Kirchenglocken - christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen 2019, 556 Seiten, Diss. Radboud Universiteit Nijmegen, nbn:nl:ui:22-2066/204770, hier insbes. S. 481, 506.
Es handelt sich um einen neuromanischen Bau aus unverputzten Natursteinen. Rundbögen bestimmen die innere wie die äußere Gestaltung. Außen kontrastieren sie mit rechteckig gehaltenen Blenden. Die Portale an den Langseiten weisen byzantinische Stilelemente auf. Der Altaraufbau, der die Krönung Mariens zeigt, stammt aus dem Kloster Ilbenstadt. Innen gestalten achteckige Pfeiler und eine Kassettendecke den Kirchenraum, während die Decke des Chorraumes als Baldachin ausgeformt ist. Zwei Seitenaltäre aus dem Limburger Dom und die Kreuzigungsgruppe werden dem Hadamarer Barock zugeordnet. Der Aufsatz des Hauptaltars stellt in einem Relief vom Anfang des 18. Jahrhunderts die Krönung Mariens dar. Er stammt aus dem Kloster Ilbenstadt. Adresse: Pfortenstraße 1
mini|Pfarrhaus Das benachbarte Pfarrhaus wurde 1894 fertiggestellt, möglicherweise unter der Leitung von Diözesanbaumeister Max Meckel. Es sticht durch Klinkersteine als Baumaterial und seinen Landhausstil aus der umliegenden Fachwerk-Architektur und Gebäuden neueren Datums hervor. Besonders Baudetail ist das schmiedeeiserne Schmuckgatter auf dem First des Westflügels. Adresse: Pfortenstraße 3
Alter Friedhof mini|Ehrenhalle mit den Grabkreuzen der Armen Dienstmägde Jesu Christi im Vordergrund Ab 1950 wurde der untere Teil des damaligen, 1839 angelegten Friedhofs nicht mehr belegt und anschließend zur Denkmalanlage umgestaltet. Dominiert wird dieser Bereich durch eine offene Ehrenhalle, die bereits 1935/36 für die Opfer des Ersten Weltkriegs errichtet wurde. Der Bruchsteinbau erhält durch die Verwendung von leicht buckligen Quadern eine mittelalterliche Anmutung. Innen ist die Figur eines betenden Soldaten aufgerichtet. Später wurden Namenstafeln mit den im Zweiten Weltkrieg gefallenen Elzern ergänzt. Zudem enthält die Denkmalanlage des Friedhofskreuz von 1905 und einen Obelisken, der den Opfern der Deutschen Revolution, des Deutsch-Dänischen Krieges und des Deutsch-Französischen Krieges aus dem Ort gewidmet ist. Freistehend und in Mauern eingelassen befinden sich in der Anlage mehrere Grabkreuze des 17. bis 19. Jahrhunderts. Grabkreuze der ehemals im Ort caritativ tätigen Armen Dienstmägde Jesu Christi sind besonders gruppiert und hervorgehoben. Einheitskreuze für die Gefallene des Ersten Weltkriegs wurden ebenfalls in diesem Areal gesammelt.
Johanneskapelle Hadamarer Straße mini|Johanneskapelle Die Kapelle kurz vor dem heutigen Ortseingang aus Richtung Hadamar geht auf eine angeblich heilkräftige Quelle zurück, die bereits im Barock erwähnt wird. Die heutige Kapelle nach einem Entwurf von Diözesanbaumeister Max Meckel entstand 1891, um einen Vorgängerbau aus dem 17. Jahrhundert zu ersetzen. Der sechseckige Hauptbau mit Vorhalle ist neogotisch geprägt mit Spitzbogenfenstern, hohem Dachreiter und Kreuzrippengewölbe.
Marienkapelle Alexanderstraße mini|Marienkapelle Alexanderstraße Am gleichen Standort befand sich eine 1791 errichtete Fachwerkkapelle. Der heutige Bau wurde 1933/34 als Ersatz dafür errichtet. Die Bauform ist recht einfach und nur durch das ausgeprägte Zeltdach und die beiden flankierenden Ochsenaugfen neben der Tür hervorgehoben. Die Kapelle enthält eine spätgotische Pietà. Stilistisch und in ihrer Bauzeit ist die Kapelle mit ihrem Gegenstück am Alten Straßenberg verbunden.
Josephskapelle Alter Straßenberg mini|Josephskapelle Der heutige Bau ersetzte 1933 einen älteren Josephs-Bildstock. Die kleine Kapelle ist durch Rundbögen und weitere Elemente leicht romanisierend ausgeführt und weist ein betontes Zeltdach auf. Innen ist sie mit einer volkstümlichen Heiligenfigur, Legendebildern der Bauzeit sowie kleineren Figuren Jesu und der Muttergottes ausgestattet. Stilistisch und in ihrer Bauzeit ist die Kapelle mit ihrem Gegenstück in der Alexanderstraße verbunden.
Öffentliche Bauwerke
Rathaus mini|links|Neubautrakt des Rathauses, vom Hirtenplatz aus gesehen mini|Rathaus, im Hintergrund der Turm der Pfarrkirche Das 1561 errichtete, großformatige Fachwerkhaus im spätgotischen Stil enthält im Westgiebel noch Mauerreste eines spätmittelalterlichen Vorgängerbaus. Das Dach dieser Anlage brannte vermutlich im Dreißigjährigen Krieg ab und wurde 1664 erneuert. Das Fachwerk ist vergleichsweise einfach ausgeführt und weist lediglich einige Mannformen sowie im Obergeschoss einfache Bogenstreben auf. Bis um 1800 herum war der straßenseitige Part des Erdgeschosses als Arkadenhalle sowohl zur Straße hin als auch zu den Seiten offen und wurde als Gerichtslaube genutzt. Von einem vermutlich repräsentativ ausgeführten Mittelständer im Inneren der Laube sind noch beschnitzte Balkenköpfe vorhanden. Der einstige Gewölbekeller wurde 1973 seitlich geöffnet, um eine Passage für den Bürgersteig der Rathausstraße zu schaffen.
mini|links|Ensemble aus Stricksine Haus, Rathaus-Neubau und Rathaus-Altbau (von links) von der Rathausstraße aus gesehen mini|Musikantenskulptur im Innenhof des Rathauses Von 1991 bis 1993 erfolgte eine grundlegende Sanierung sowie der Bau eines modernen Gebäudetrakts, der weitere Büroräume enthält. Dieser moderne Bau besteht aus zwei Trakten, von denen einer leicht versetzt hinter dem historischen Rathaus dessen Kubatur kopiert und durch Verbindungsbauten an den Altbau sowie den zweiten, etwas südlich gelegenen Neubautrakt angeschlossen ist. Dieser zweite Neubau-Körper ist deutlich größerformatig, greift aber in seinem Giebelformat und der Ausrichtung zur Straße die Vorgabe des historischen Rathauses auf. Zwischen den nun drei Elementen des Verwaltungskomplexes entstand ein kleiner Platz, auf dem eine Bronzeskulptur des Bildhauers Helmut Moos auf die örtliche Tradition des Borterwerbs als reisende Spielleute aus der Zeit des Pauperismus erinnert. Das Haus Lehrstraße 4/6 ist mit dem neuen Verwaltungskomplex nicht verbunden, steht aber in engem architektonischen Bezug zu ihm. Die ehemalige Gerichtslaube im Rathaus-Altbau wird heute als Veranstaltungssaal genutzt, das Obergeschoss beherbergt weiterhin Diensträume der Gemeindeverwaltung und den ehemaligen Ratssaal als Amtszimmer des Bürgermeisters. Adresse: Rathausstraße 39
Bahnhof mini|links|Bahnhof aus Richtung Norden mini|Bahnhof aus Süden, mit neuem Ergänzungsbau (rechts) Der Bahnhof wurde 1870 im Rahmen der neuen Oberwesterwaldbahn erstellt und weist die typischen spätklassizistischen Stilmerkmale vieler Bahnhofsbauten an dieser Strecke auf. Vor allem orientiert sich die Bauweise eng am deutlich größer ausgeführten Bahnhof des benachbarten Hadamar. Prägend sind die profilierten Fensterrahmen aus Sandstein und das umlaufende Sims aus dem gleichen Material in Kontrast zur Putzfassade. Das flache Satteldach wird durch profilierte Kopfbänder an den Giebeln geschmückt. Der Bahnhof sowie die angrenzende Lagerhalle gingen um das Jahr 2010 herum in Privatbesitz über und wurden anschließend umfassend renoviert sowie mit Erweiterungsbauten versehen. Verbunden damit war eine Umnutzung, so dass das Gebäude heute Büro-, Geschäfts- und Praxenräume enthält.
Kurtrierischer Stundenstein mini|Kurtrierischer Stundenstein Der Stundenstein steht an der heutigen Landstraße und ehemaligen Bundesstraße 49 zwischen Staffel und Görgeshausen, aber auf Gemarkungsgebiet der Gemeinde Elz. Er wurde nach einer 1768 vom Trierer Kurfürsten Johann IX. Philipp von Walderdorff erteilten Anweisung an der damaligen Chaussee zwischen frankfurt und Koblenz errichtet. Der gedrungene Pyramidenstumpf mit quadratischer Grundfläche trägt unter einem stilisierten Kurhut und dem Monogramm des Kurfürsten auf zwei Seiten die Inschriften „XIIII Stunden von Franckfurt“ und „VII Stunden von Coblenz“ sowie die Jahreszahl 1789.
Wohngebäude
Alexanderstraße 1/3 mini|Alexanderstraße 1/3