mini|260px|Die Mannschaft des PSG feiert ihren Titelhattrick am Ende der Saison 2014/15 Die Anfänge des Fußballs in Paris liegen im westlichen Gebiet der französischen Hauptstadt. Das Spiel entwickelte sich insbesondere im und um das 16. Arrondissement, in dem sich unter anderem der Parc des Princes (bereits 1897 eröffnet, diente es früher als Heimspielstätte von Stade Français und zeitweise des Racing Club sowie heute des Paris Saint-Germain FC) und das unmittelbar benachbarte Stade Jean-Bouin (ursprüngliche Heimspielstätte des CASG) befinden. Nicht von ungefähr ist das am Rande des Bois de Boulogne gelegene 16. Arrondissement der nobelste Pariser Bezirk, was wiederum verdeutlicht, dass der Fußball in der französischen Hauptstadt anfangs den besseren Kreisen vorbehalten war.Hardy Grüne: Enzyklopädie der europäischen Fußballvereine. Die Erstliga-Mannschaften Europas seit 1885. 2., komplett überarb. Auflage. AGON Sportverlag, Kassel 2000, ISBN 3-89784-163-0, S. 148.
Weitere Vereine im 16. Arrondissement Weitere historisch bedeutsame Vereine, die zumindest zeitweise im 16. Arrondissement beheimatet waren, sind der Standard AC (der 1892 von in Paris lebenden Briten gegründete Verein gilt als einer der Fußballpioniere Frankreichs und gewann 1894 die erstmals ausgetragene Stadtmeisterschaft von Paris) und Étoile des Deux Lacs (der nach den beiden Weihern im Bois de Boulogne benannte Verein entstand 1898 innerhalb der katholischen Kirchengemeinde Saint-Honoré-d'Eylau und gewann vor dem Ersten Weltkrieg mehrfach die Meisterschaft des katholischen Fußballverbandes FGSPF).
Wie alles begann mini|260px|Szene aus einem Spiel der White Rovers gegen eine deutsche Auswahl (1898) Der bereits erwähnte Standard AC war der erste große Fußballpionier in der französischen Hauptstadt, denn er gewann die 1894 erstmals ausgetragene Stadtmeisterschaft von Paris und konnte den Titel im folgenden Jahr erfolgreich verteidigen. Drei weitere Erfolge stellten sich in den Jahren 1897, 1898 und 1901 ein. Seine Spielstätte befand sich zu jener Zeit im Bois de Boulogne, unweit der Porte Dauphine. 1922 verzog der Verein in den südwestlich von Paris gelegenen Vorort Meudon.
Ein weiterer Pionier des Hauptstadtfußballs und ein ernstzunehmender Konkurrent für Standard war die 1891 ebenfalls von Briten gegründete Mannschaft der White Rovers, die bei den ersten vier Austragungen der Hauptstadtmeisterschaft (1894 bis 1897) jeweils die Vizemeisterschaft errang. Anschließend ging es mit dem im nördlich des Bois de Boulogne gelegenen Vorort Courbevoie beheimateten Vereins jedoch rasant bergab und bereits 1899 folgte seine Auflösung.
Die britische Dominanz innerhalb dieser beiden Vereine, die jedoch allen Nationen offenstanden, rief eine französische Reaktion hervor, die 1892 in der Gründung des Club Français mündete. Dieser Verein, der nur Franzosen offenstand, war von Schülern des im 8. Arrondissement gelegenen Collège Chaptal und des im 16. Arrondissement gelegenen Lyzeums Janson de Sailly ins Leben gerufen worden. Der Club Français gehörte, ebenso wie die zuvor genannten Clubs Standard und White Rovers, zu den Gründungsmitgliedern der Hauptstadtliga und gewann die Hauptstadtmeisterschaft in den Jahren 1896, 1899, 1900 sowie 1918 die Meisterschaft des Verbandes LFA. Außerdem war der Club Français erster Seriensieger des 1897 erstmals ausgetragenen Coupe Manier (1897, 1898, 1899, 1900, 1901 und 1903). Ebenso vertrat der Verein Frankreich beim olympischen Fußballturnier 1900. Nach dem Pokalsieg von 1931 gehörte der Verein 1932 zu den Gründungsmitgliedern der französischen Profiliga, zog sich allerdings schon bald aus dem Profifußball zurück und löste sich 1940 auf.
Die Verbreitung des Fußballs in Paris mini|260px|Spielszene eines Derbys zwischen Red Star und Olympique Paris (1923) Nachdem der Fußball im Pariser Westen Fuß gefasst hatte, breitete er sich schnell über die ganze Stadt aus. 1895 entstand Olympique Pantin im am nordöstlichen Stadtrand gelegenen Pantin (Meister der LFA 1916 und Pokalsieger 1918), ein Jahr später der Gallia Club (der Verein gewann 1905 die Meisterschaft der USFSA) und um die Jahrhundertwende wurde Patronage Olier (diverse Titelgewinne zwischen 1908 und 1914 in der von der FGSPF organisierten Meisterschaft) als Verein einer katholischen Kirchengemeinde im 14. Arrondissement im Süden von Paris ins Leben gerufen.
Eine der gesellschaftlich und auch sporthistorisch bedeutendsten Vereinsgründungen außerhalb des 16. Arrondissements erfolgte jedoch 1897 im Quartier du Gros-Caillou im 7. Arrondissement mit dem Red Star FC.Red Star – Histoires d’un siècle. Club du Red Star, Paris 1999. ISBN 2-95125621-3, S. 12 Auf einer Rasenfläche des unmittelbar neben dem Eiffelturm gelegenen Champ de Mars im selben Quartier wurden auch die ersten Heimspiele ausgetragen. Die „goldene Epoche“ des Red Star FC waren die 1920er Jahre, als er viermal den französischen Pokalwettbewerb gewann. Zu jener Zeit war der Verein allerdings bereits im nördlich an Paris grenzenden Industrievorort Saint-Ouen beheimatet, in dem er seit 1910 residiert. Obwohl der Verein zwischenzeitlich bis in die sechste Liga abgestürzt war (gegenwärtig spielte er allerdings wieder in der zweiten Liga und hat in der Saison 2015/16 nur knapp den Aufstieg in die Ligue 1 verpasst) und in den letzten Jahren ein entsprechend mageres Besucheraufkommen hatte, gilt er noch immer als einer der populärsten Vereine von Paris,Hardy Grüne: Enzyklopädie der europäischen Fußballvereine, S. 145 der bei attraktiven Gegnern (48.000 gegen AS Saint-Étienne in der Zweitliga-Saison 1998/99Artikel zum Spiel zwischen AS Red Star und AS Saint-Étienne (1:2) am 10. März 1999 (französisch) und 50.000 in einem Pokalspiel der Saison 2011/12 gegen Olympique MarseilleArtikel zum Spiel zwischen Red Star 93 und Olympique Marseille (0:5) am 7. Januar 2012 (französisch)) im dann benötigten Nationalstadion im benachbarten Saint-Denis entsprechend hohe Besucherzahlen vorweisen kann.
Red Star wäre sowohl in Bezug auf seine potenziell vorhandene Anhängerschaft, die sich vorwiegend aus dem Pariser Norden rekrutiert, als auch hinsichtlich seiner zuletzt positiven sportlichen Entwicklung (einziger Pariser Zweitligist in der Saison 2016/17) der geeignetste Verein, um zumindest eine kleine lokale Gegenposition zum derzeit übermächtigen PSG aufzubauen. (Video-Doku: Red Star Paris – die Alternative zu PSG)
Ein weiterer (ehemals großer) Verein des Pariser Fußballs ist der bereits 1882 von Schülern des im 9. Arrondissement gelegenen Lyzeums Condorcet gegründete Racing Club, dessen Fußballabteilung 1896 ins Leben gerufen wurde. Racing bezog bereits 1885 seine im Bois de Boulogne (16. Arrondissement) gelegene Sportstätte Croix-Catelan und später das Stade Olympique Yves-du-Manoir im Pariser Industrievorort Colombes, nordwestlich von Paris und nördlich des Bois de Boulogne gelegen. Der Racing Club war in der Saison 1935/36 der erste Pariser Verein, der die französische Profifußballmeisterschaft gewinnen konnte. Außerdem ist er der einzige Hauptstadtverein, dem dies neben dem PSG gelang.
Die französische Fußballmeisterschaft Amateurepoche Die erste Fußballmeisterschaft in Frankreich wurde 1893/94 ausgetragen und von der USFSA veranstaltet. In den ersten fünf Jahren beschränkte sich die Meisterschaft auf den Pariser Großraum und ab 1898/99 kamen weitere Regionen des Landes hinzu. Die gesamtfranzösische Meisterschaft der USFSA wurde nur gelegentlich von einem Pariser Verein gewonnen: 1900/01 vom Standard AC (der auch vier der ersten fünf Pariser Stadtmeisterschaften gewonnen hatte), 1904/05 vom Gallia Club, 1906/07 vom Racing Club und während des Ersten Weltkriegs mehrfach vom CASG.
Ab 1904/05 entstanden weitere Verbände, die unabhängig von der USFSA eigene Meisterschaften austrugen. Es begann mit der Parallelmeisterschaft des katholischen Verbandes FGSPF, die in den ersten beiden Spielzeiten von Étoile des Deux Lacs gewonnen wurde. In der ersten Saison 1904/05 wurde zwischen den beiden Verbänden noch ein Gesamtsieger ausgetragen und überraschend konnte sich die „Kirchenmannschaft“ gegen den Stadtrivalen Gallia aus der größeren und spielstärkeren USFSA durchsetzen.
Ab der Saison 1906/07 schrieb der neu gegründete Dachverband Comité Français Interfédéral (CFI) mit der Trophée de France einen Wettbewerb aus, an der alle bereits bestehenden und bald neu gegründeten Verbände mit Ausnahme der USFSA teilnahmen. Die Sieger dieses Wettbewerbs kamen mit Ausnahme der letztmals in der Saison 1913/14 ausgetragenen Trophée de France ausschließlich aus Paris: je zweimal gewannen Étoile des Deux Lacs (1907 und 1912), Patronage Olier (1908 und 1910) und CA Paris (1911 und 1913) sowie einmal – allerdings kampflos (!) – die JA Saint-Ouen (1909).
Während des Ersten Weltkriegs wurden weiterhin Meisterschaften der verschiedenen Verbände und gänzlich unabhängig vom CFI ausgetragen. Die USFSA veranstaltete sogar zwei Wettbewerbe pro Jahr: die Coupe des Allies und die Coupe Nationale. In den Spielzeiten 1914/15 bis 1916/17 wurden fünf dieser sechs Turniere vom CASG Paris gewonnen. Die Turniere der LFA wurden 1916 und 1917 von Olympique Pantin, 1918 vom Club Français und 1919 von Red Star gewonnen. Étoile des Deux Lacs war 1916 im Turnier der FGSPF erfolgreich, UA 20e Paris gewann im selben Jahr die Meisterschaft der FCAF und 1917 holte die AS Française die Coupe Interfédérale.
Nachdem zwischen 1919/20 und 1925/26 keine nationalen Meisterschaften ausgetragen worden waren, gewannen 1926/27 der CA Paris und 1927/28 Stade Français die französische Fußballmeisterschaft.
Profiepoche In der Saison 1932/33 startete die französische Profifußballmeisterschaft mit 20 Vereinen, von denen vier aus Paris kamen: der Racing Club, der Club Français, Red Star und Cercle Athlétique. Um die Liga 1933/34 auf 14 Vereine zu verkleinern, stiegen gleich sechs Mannschaften ab, darunter Red Star und der Club Français, der sich bald darauf aufgrund finanzieller Probleme auflöste. Ein Jahr später stieg auch Cercle Athlétique ab, während Red Star der unmittelbare Wiederaufstieg gelang. In den nächsten vier Spielzeiten vertraten Racing und Red Star die Hauptstadt in der höchsten Spielklasse und in der Saison 1935/36 gewann Racing – als erster und einziger Hauptstadtverein im Profifußball vor dem Auftauchen des heute in Paris übermächtigen PSG – die französische Fußballmeisterschaft.
Gab es im Paris der 1930er Jahre die beständigste Rivalität zwischen Racing und Red Star, so kam in den späten 1940er Jahren als dritter Verein Stade Français hinzu und entwickelte sich in den frühen 1950er sowie später noch einmal in den frühen 1960er Jahren zum Hauptrivalen von Racing, während Red Star zwischen 1948 und 1965 nicht erstklassig spielte, aber die Hauptstadt zwischen 1967 und 1971 allein in der höchsten Spielklasse vertrat. In der Saison 1971/72 tauchte dann erstmals der PSG in der ersten Liga auf, wurde aber bereits ein Jahr später am grünen Tisch durch den Paris FC ersetzt. Der PSG schaffte aber bereits 1974 die Rückkehr in die höchste Spielklasse und hatte sich dann nur noch kurzzeitig mit direkt wieder absteigenden Konkurrenten aus der eigenen Stadt (Red Star 1974/75 und Paris FC 1978/79) „herumzuplagen“, bevor in den 1980er Jahren sich noch einmal der Racing Club anschickte, den PSG zu „ärgern“. Nachdem dieser aber am Ende der Saison 1989/90 absteigen musste, gab es für den PSG keinen Konkurrenten mehr aus der eigenen Stadt in der höchsten Spielklasse.
Übersicht der Pariser Vereine in der höchsten Spielklasse