Moonlight ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Barry Jenkins, das auf einem autobiografisch geprägten Text von Tarell Alvin McCraney basiert, der den Titel In Moonlight Black Boys Look Blue trägt. Der Film erzählt in drei Kapiteln das Erwachsenwerden eines schwulen Afroamerikaners. Er kam am 21. Oktober 2016 in ausgewählte US-amerikanische Kinos. Der deutsche Kinostart erfolgte am 9. März 2017.

Im Rahmen der Oscarverleihung 2017 erhielt der Film in acht Kategorien eine Nominierung. Er wurde als Bester Film ausgezeichnet, Jenkins und McCraney erhielten den Preis für das Beste adaptierte Drehbuch. Zudem wurde Mahershala Ali als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Im Rahmen der Golden Globe Awards 2017 wurde Moonlight als Bestes Filmdrama ausgezeichnet.

Handlung Kapitel 1: Little

Der neunjährige Chiron, ein Afroamerikaner von schmächtiger Statur, lebt in den 1980er Jahren in Miami, Meilen entfernt von den berühmten weißen Stränden und dem klaren warmen Wasser von South Beach in einer Gegend, die von Gewalt geprägt ist und in der viele cracksüchtig sind. In der Schule wird der zurückhaltende Junge wegen der Art, wie er geht und spricht, gemobbt, auf dem Schulhof wird er als Little („Kleiner“) verspottet. Nur ein Junge namens Kevin ermutigt Chiron, sich von den anderen nicht unterkriegen zu lassen, und zeigt ihm, wie man sich zur Wehr setzt. Auch zuhause ist das Leben für Chiron niederschmetternd, denn seine drogenabhängige Mutter Paula kann ihm nicht helfen, sich im Leben zurechtzufinden.

Juan, ein kubanischer Einwanderer und Drogenhändler, wird zu einer Art Ersatzvater für Chiron. Er nimmt ihn unter seine Fittiche und gibt ihm die emotionale Zuwendung, die er nie hatte. Juan findet den Jungen, als der sich auf der Flucht vor Mitschülern in einem leerstehenden Gebäude versteckt. Weil er Chiron nicht zum Sprechen bringen kann, lädt er ihn zum Essen ein und nimmt ihn dann mit zu sich nach Hause, wo er gemeinsam mit seiner Freundin Teresa lebt. Noch immer ist Chiron hungrig, aber auch genauso wortkarg wie zuvor. Sie lassen Chiron eine Nacht bei sich schlafen. Am nächsten Tag bringt Juan den Jungen zurück nach Hause. Dort treffen sie Chirons Mutter, die Juan erklärt, ihr Sohn könne gut auf sich selbst aufpassen. mini|250px|Am Strand von Miami, wo Teile des Films gedreht wurden, macht Little im Wasser eine besondere Erfahrung Ein paar Tage später kommt Juan nach Hause und sieht Chiron in seinem Garten sitzen. Er macht mit dem Jungen einen Ausflug zum Strand, gibt ihm Schwimmunterricht und lässt ihn erleben, wie es ist, sich treiben zu lassen und sich einmal als Mittelpunkt der Welt zu fühlen. Juan versucht das Selbstbewusstsein des Jungen mit einem metaphorischen Bild zu stärken, nach dem schwarze Jungen im Mondlicht blau aussehen. Chiron sucht im Folgenden öfter Zuflucht bei Juan und Teresa, später erfährt er jedoch, dass seine Mutter eine von Juans Kundinnen ist.

Kapitel 2: Chiron

Sieben Jahre später ist Chiron zwar um einiges größer als der Little, der er früher war, aber immer noch dünn und ungelenk. Die Drogenprobleme seiner Mutter haben sich verstärkt, aber Teresa ist für ihn da, wenn er sie braucht – Juan ist jedoch in der Zwischenzeit verstorben. Chirons Highschool wird auch von Kevin besucht, der dort in seiner Clique wegen seiner Stärke bekannt ist und mit seinen Frauengeschichten prahlt. Als sich die beiden zufällig nachts am South Beach begegnen und gemeinsam einen Joint rauchen, erlebt Chiron mit Kevin seine erste sexuelle Erfahrung.

Terrel, das „Alphatier“ der Highschool, bemerkt, dass Chiron anders ist, und beschimpft ihn immerzu auf dem Schulhof. Bald reicht ihm dies nicht mehr, und er plant, ihn vor der ganzen Schule zu demütigen. Terrel fordert ausgerechnet Kevin zu einer Art Bewährungsprobe auf, die darin bestehen soll, Chiron zu verprügeln. Kevin glaubt, dass er Chiron leicht zu Boden schlagen und so den Kampf schnell beenden kann, doch sein Freund steht immer wieder auf. Am nächsten Tag rächt sich Chiron dafür an Terrel, kommt wütend in die Schule, betritt das Klassenzimmer, schlägt Terrel mit einem Stuhl brutal nieder und wird daraufhin von der Polizei abgeführt.

Kapitel 3: Black

Rund zehn Jahre später lebt Chiron in Atlanta, hier hat er seine Zeit in einer Jugendstrafanstalt abgesessen. Er sieht nun aus wie ein typischer „Pimp“, trägt goldene Grills, besitzt die gleichen Diamantohrringe und einen ähnlich muskulösen Körper wie einst Juan und hat sich den Namen Black gegeben – so hatte ihn auch Kevin früher immer genannt. Seine Mutter ist in einer Einrichtung für ehemalige Drogenabhängige in Atlanta untergebracht. Chiron wird von Alpträumen geplagt, in denen er wieder ein Kind ist und von seiner Mutter im Crack-Rausch angeschrien wird. Eines Tages erhält er einen unerwarteten Anruf von dem ebenfalls mittlerweile erwachsenen Kevin. Die beiden haben sich seit jenem verhängnisvollen Tag an ihrer Highschool nicht gesehen. Kevin hat mittlerweile einen kleinen Sohn, ist aber frisch geschieden und arbeitet nun als Koch in einem Diner. Bei einem Besuch Blacks bei seiner Mutter erklärt sie ihm, dass sie ihn liebt, auch wenn sie das umgekehrt nicht von ihm erwartet, da sie nie für ihn da war, als er sie am dringendsten brauchte. Sie versucht ihren Sohn zum Reden über seine Gefühle und seine Probleme zu bringen, doch mit ihr kann Black das nicht.

Eines Tages fährt Black spontan nach Miami und besucht den Diner, in dem Kevin arbeitet. Dieser erkennt ihn zunächst nicht, da er seinen früheren Freund als dünnen, zerbrechlichen Jungen in Erinnerung hat. Er kocht für ihn ein Gericht, das nicht auf der Karte steht, sie trinken Rotwein, und Kevin spielt für Black das Lied in der Jukebox, das Grund gewesen war, ihn anzurufen – Hello Stranger, ein alter Doo-Wop-Song von Barbara Lewis. Anschließend fahren sie gemeinsam durch die nächtliche Stadt in die Wohnung Kevins. Obwohl Chiron nun ein „ganzer Mann“ und ein wenig wie Juan geworden zu sein scheint, ringt er weiterhin um die richtigen Worte, denn er hat noch immer nicht ganz herausgefunden, wie er seine Gefühle zum Ausdruck bringen soll. Doch als ihn Kevin fragt, wie es ihm ergangen ist und ob er einen Partner hat, gesteht Black, dass Kevin der einzige Mann ist, der ihn jemals berührt hat.

Filmanalyse Aufbau des Films und Schlüsselszenen Der Film ist in drei Kapitel unterteilt, die je einen prägenden Lebensabschnitt der Hauptfigur behandeln. Die Kapitel tragen den Namen des Protagonisten im entsprechenden Zeitabschnitt. Das erste Kapitel heißt Little nach dem Namen, mit dem der Junge in der Schule gerufen wird, das zweite heißt Chiron, was seinem eigentlichen Namen entspricht, und das dritte Kapitel heißt Black, ein Name den ihm sein bester Freund in der Kindheit gegeben hat. Die drei Kapitel bauen aufeinander auf entsprechend einer „Triptychon-Erzählung“:Alex Billington: Telluride 2016: Barry Jenkins' 'Moonlight' is Stellar Cinematic Beauty. In: firstshowing.net, 3. SeptemberMurtada Elfadl, Manuel Betancourt und Nathaniel R: 'Moonlight' in Three Acts. In: thefilmexperience.net, 17. Oktober 2016. Jedes einzelne Kapitel wird von Kritikern vielfach als denkbarer, eigenständiger Kurzfilm beschrieben,Todd VanDerWerff: In: politicsforum.online, 14. September 2016.Rubin Safaya: Moonlight. In: cinemalogue.com, 4. November 2016. der unabhängig von den anderen gezeigt werden könnte, doch zusammen seien die drei Teile um vieles größer als die einzelnen Kapitel.A. A. Dowd: One of 2016’s best, 'Moonlight' unfolds a coming-of-age story with poetic grace. In: avclub.com, 20. Oktober 2016.Warum sich für 'Moonlight' der Gang ins Kino lohnt. In: Stern Online, 9. März 2017.

Immer wieder heben Kritiker Schlüsselszenen des Films hervor, in denen die Figuren ihren tieferen Charakter zeigen und dabei ihre besonderen Funktionen in Bezug auf Chirons Leben deutlich machen.Lexikon der Filmbegriffe. Schlüsselszene. In: filmlexikon.uni-kiel.de. Abgerufen am 29. Oktober 2016. Hierzu zählt insbesondere die Szene am Strand von Miami im ersten Teil des Films, in der Little von Juan rudimentären Schwimmunterricht erhält (häufig als baptism scene oder Taufszene beschrieben).Mekado Murphy: Barry Jenkins Narrates a Scene From 'Moonlight'. In: The New York Times, 24. November 2016. Hierbei zeigt Juan dem Jungen auch, dass er ihm vertrauen kann. Während der Dreharbeiten lernte der Kinderdarsteller Alex R. Hibbert nach eigenen Aussagen von Mahershala Ali wirklich Schwimmen. Kurz danach folgt die Szene, in der Chiron Juan deutlich macht, dass er als Drogenhändler mitschuldig an der katastrophalen Familiensituation mit seiner drogenabhängigen Mutter ist.Andreas Borcholte: Filmkritik zum Oscargewinner. Warum 'Moonlight' der beste Film des Jahres ist In. Spiegel Online, 6. März 2017.

Biblische und mythologische Herkunft der Rollennamen mini|links|hochkant|Cheiron und Achilles Die Namen der Figuren im Film verweisen auf ihre Funktion und ihren Charakter. So teilt Chiron seinen Namen mit dem unsterblichen Zentauren Cheiron aus der griechischen Mythologie. Der Sohn des Titanen Kronos und damit ein Halbbruder zu Zeus, Poseidon und Hades, galt dort als Außenseiter in beiden Welten. Die Parallelen zu Chiron im Film Moonlight sind deutlich erkennbar, denn auch er ist anders als die anderen um ihn herum, und seine Mutter Paula verschwindet auch, indem sie vor unseren Augen im Verlauf des Films den Drogen verfällt, aber auch selbst zu verfallen scheint, wie Verena Lueken von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in ihrer Kritik erzählt.Verena Lueken: Ein Traumlicht für eine neue Welt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. März 2017. Cheiron wird in der griechischen Mythologie von den Göttern Apollo und Artemis gefördert, die ihn in der Heilkunst, Musik und in Weissagung unterrichten. In Moonlight findet Chiron ebenfalls Ersatzeltern, nämlich in Juan und Teresa.E. Alex Jung: The Hidden Significance of 'Moonlight’s' Chiron. In: vulture.com, 25. Oktober 2016.

Die Figur – im Film von drei verschiedenen Schauspielern dargestellt – wird im ersten Drittel des Films Little genannt, danach heißt sie Chiron, was dem eigentlichen Namen entspricht, und im letzten Kapitel, als Erwachsener, nennt er sich Black. Die Figur durchläuft hierbei einen Transformationsprozess, wobei das Wesen von Chiron unter der zunehmend harten Schale erkennbar bleibt, während er sich äußerlich stark verändert, was im Film als eine verständliche Reaktion auf das Erlebte und eine natürliche Entwicklung angesehen wird.Hilton Als: 'Moonlight' Undoes Our Expectations. In: newyorker.com, 24. Oktober 2016. Jenkins bemerkt zu Chirons Verwandlung, wenn er Black heißt, sei aus ihm das geworden, was die Welt von ihm sehen will.Barry Jenkins brings 'Moonlight' to Studio q. In: youtube.com. Abgerufen am 1. November 2016. Trotz der Besetzung von Chiron mit drei Schauspielern in den verschiedenen Lebensabschnitten bemerkten Kritiker, Jenkins sei es gelungen, Darsteller zu finden, die in den Aufnahmen ähnlich ängstlich wirkende Augen besitzen,David Edelstein: The Wonderful Moonlight Is a Moody, Gentle Story of Identity in 3 Acts. In: vulture.com, 19. Oktober 2016. in denen sich Chirons Schmerz spiegelt,Will Leitch: Moonlight: The Path Not Taken. Barry Jenkins's beautiful, sympathetic film is one of the best of the year. In: newrepublic.com, 20. Oktober 2016. wodurch glaubhaft gemacht worden sei, dass es sich um dieselbe Person handele, deren Entwicklung man im Film erlebt.Sara Stewart: ‘Moonlight’ illuminates a different, tough boyhood. In: nypost.com, 20. Oktober 2016.Kenneth Turan: Review Barry Jenkins' magical, majestic 'Moonlight' is a stunning portrait of young, black gay life. In: latimes.com, 20. Oktober 2016.Pete Hammond: ‘Moonlight’ Review: Moving Story Of Self-Discovery Should Resonate At Oscar Time. In: deadline.com, 25. Oktober 2016.