Dubravko Mandic (, * 12. Mai 1980 in Sarajevo, Jugoslawien) ist ein deutscher Rechtsanwalt, Rechtsextremist und ehemaliger AfD-Funktionär.Umstrittene Fotomontage Polizei durchsucht Wohnung von AfD-Politiker, von Severin Weiland und Annett Meiritz, Der Spiegel 14. Oktober 2016, von Tom Sundermann, The Huffington Post 7. April 2016, aktualisiert am 6. September 2016

Leben und Beruf Mandic wurde im jugoslawischen Sarajevo als Sohn eines kroatischen Germanisten geboren und kam 1983 mit seiner serbischen Mutter und seinem Bruder nach Freiburg. Der Vater war ab den 1970er-Jahren als Sozialarbeiter bei der Arbeiterwohlfahrt in Freiburg tätig. Nach Grundschule, Gymnasium und Bundeswehr studierte Mandic Rechtswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er trat zunächst in die Burschenschaft Alemannia Freiburg ein und schloss sich später der Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia (DB) an. Er absolvierte sein Referendariat beim Landgericht Freiburg. Er ist nach eigenen Angaben Familienvater.

Nach dem Zweiten Staatsexamen erhielt Mandic Anfang 2011 die Anwaltszulassung und praktizierte als Rechtsanwalt zunächst in einer Bürogemeinschaft. Mittlerweile betreibt er eine eigene Kanzlei in Freiburg. Er bearbeitet überwiegend Mandate aus dem Strafrecht und Ausländerrecht. Mandic vertritt unter anderem auch Asylbewerber aus den Balkanstaaten, die aufgrund ihrer Herkunft aus als sicher angesehenen Ländern abgeschoben werden sollen.Baden-Württemberg : AfD-Chef Meuthen will gegen Radikale in der Partei vorgehen, FAZ, 6. April 2016

Im Fall einer vergewaltigten 15-Jährigen gab Mandic, der den später verurteilten Angeklagten verteidigte, in seinem Plädoyer dem Opfer eine Mitschuld: Sie habe den Täter „offensiv angetanzt“ und dadurch sexuell erregt. „Eine Vergewaltigung findet nicht unabhängig von sexuellen Reizen statt“. Das Gericht reagierte mit Unverständnis auf dieses Plädoyer.

2021 vertrat Mandic im Prozess gegen die mutmaßlichen Rechtsterroristen der Gruppe S. einen der zwölf Angeklagten. Sein Mandant wurde im August aus der Untersuchungshaft entlassen.Stuttgarter Nachrichten: Haftbefehl gegen Angeklagten außer Vollzug, abgerufen am 21. Dezember 2021

Vor dem Landgericht Stuttgart vertrat er den Hauptgeschädigten im sogenannten „Antifa-Wasen-Prozess“. Der Geschädigte, ein Mitglied der rechten, AfD-nahen Arbeitnehmervereinigung Zentrum Automobil, wurde im Mai 2020 von mehreren, der antifaschistischen Szene zugehörigen Tätern auf dem Cannstatter Wasen am Rande einer Demonstration angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Mandic stellte während des Verfahrens zahlreiche Anträge und zeichnete „ein Bild, das die linksextreme Antifa-Bewegung als terroristische Vereinigung erscheinen“ ließ. Zudem führte er an, dass auf die Ermittlungsarbeit politischer Einfluss genommen worden sei. Ein Bericht der Stuttgarter Nachrichten bezeichnete das Verhalten Mandics als „Ein-Mann-Show“ und wies auf den politischen Charakter seiner Prozessstrategie hin. Die Täter wurden nach 20 Verhandlungstagen anhand von Indizien und sichergestellten DNS-Spuren zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, legten jedoch ebenso wie Mandics Mandant Revision ein. Die Revision wurde im Juli 2022 vom Bundesgerichtshof verworfen. Der im Gerichtssaal der Justizvollzugsanstalt Stammheim abgehaltene Prozess wurde über die gesamte Dauer von Demonstrationen begleitet.

Mandic vertritt einen Reichsbürger, der im März 2023 in erster Instanz wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt wurde. Dieser hatte im südbadischen Efringen-Kirchen einen Polizisten angefahren und schwer verletzt. Mandic verkündete zunächst, auch gegen den Polizeieinsatz vorgehen zu wollen.Badische Zeitung: Ermittlungen gegen mutmaßlichen Reichsbürger Manfred J. dauern an, Artikel vom 31. Mai 2022, aufgerufen am 1. Juni 2022. Das Gericht verwarf jedoch seine Argumentation und folgte der Auffassung der anklagenden Bundesanwaltschaft, die den Fall auf Grund des ideologischen Hintergrundes an sich gezogen hatte. Der Angeklagte legte Revision ein.Süddeutsche Zeitung: Staatsschutz ermittelt gegen mutmaßlichen „Reichsbürger“, Artikel vom 22. Februar 2022, aufgerufen am 1. Juni 2022.

Mandic vertritt den Landtagsabgeordneten Daniel Halemba, gegen den Haftbefehl wegen Volksverhetzung und Verwendung von Symbolen verfassungswidriger Organisationen erlassen wurde. Hierbei schaltete Mandic den Bayerischen Verfassungsgerichtshof ein.Anwalt von AfD-Politiker schaltet Verfassungsgerichtshof ein www.sueddeutsche.de, 30. Oktober 2023

Mandic vertritt Martin Sellner, den ehemaligen Vorsitzenden der Identitären Bewegung Österreichs. Über diesen wurde ein Einreiseverbot in die Bundesrepublik Deutschland verhängt.

Mandic übernahm im März 2024 die rechtliche Vertretung der unter Dopingverdacht stehenden Leichtathletin Sara Benfares, die im Jahr 2022 Deutsche Meisterin im 10.000-Meter-Lauf wurde., Die Sportlerin verkündete ihr Karriereende,derbund.ch: Benfares beendet Karriere, Artikel vom 19. März 2023, aufgerufen am 19. März 2024. nachdem sie positiv auf Blutdoping getestet wurde und widersprüchliche Aussagen über schwerwiegende Erkrankungen, medizinische Behandlungen und ihrem öffentlichen Auftreten bekannt wurden.nzz.ch: Samir Benfares wollte eine Läuferinnendynastie gründen. Daraus ist ein Familiendrama geworden, Artikel vom 8. März 2024, aufgerufen am 19. März 2024.

Politik Mandic war Mitglied der Alternative für Deutschland und ihrer rechtsnationalen und völkischen Gruppierung Der Flügel. Ebenso war er Mitglied der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der AfD.

Er wurde 2014 in den Bundesvorstand der Patriotischen Plattform gewählt, einer konservativ-nationalen Vereinigung inner- und außerhalb der AfD. Er war vorsitzender Richter des Schiedsgerichts der AfD Baden-Württemberg.

Mandic kandidierte bei der Bundestagswahl 2017 als Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Tübingen. Er setzte sich bei einer Nachwahl gegen eine Mitbewerberin knapp durch.Philipp Förder: Einer vom rechten Rand neuer Kandidat der AfD. In: Reutlinger General-Anzeiger. 20. Mai 2017 Zuvor war er bei dem Versuch gescheitert, Listenkandidat in Baden-Württemberg und Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Waldshut zu werden.Sebastian Wolfrum: Wahlkreis Waldshut: AfD-Politiker Dubravko Mandic scheitert mit Kandidatur für Bundestagswahl. In: Badische Zeitung. 14. November 2016 Er erhielt im Wahlkreis Tübingen 8,7 % der Erststimmen.

Nachdem die AfD bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2019 zwei Sitze im Freiburger Stadtrat erhalten hatte, erklärte Mandic als einer der beiden Mandatsinhaber: „Jetzt wird es den Altparteien und vor allem Oberbürgermeister Horn wirklich an den Kragen gehen. Ich werde ihn aus dem Amt jagen.“

Im Dezember 2020 beantragte der AfD-Landesvorstand Baden-Württemberg ein Parteiausschlussverfahren gegen Mandic wegen parteischädigenden Verhaltens, nachdem der Screenshot eines Chatgruppenverlaufs in Umlauf gekommen war, laut dem Mandic zur Nichtwahl der AfD aufgerufen, und „Wahlkampfverweigerung“ als „Patriotenpflicht“ bezeichnet haben soll. Mandic bestreitet die Vorwürfe und gab in einer Stellungnahme auf Facebook an, er habe lediglich ein ehemaliges Mitglied der AfD zitiert.Badische Zeitung: AfD-Landesvorstand will Mandic aus der Partei ausschließen, Artikel vom 9. Dezember 2020, aufgerufen am 10. Dezember 2020 Einer Entscheidung durch das Landesschiedsgericht kam Mandic durch seinen Parteiaustritt im April 2021 zuvor.

Am 13. Februar 2021 wollten Reporter des ARD-Magazins Monitor an Mandics öffentlichem Wahlkampfstand im baden-württembergischen Weil am Rhein Filmaufnahmen machen, Mandic versuchte, die Aufnahmen zu verhindern, und verständigte die Polizei. Nach Ansicht des Filmteams waren die Aufnahmen legal. Am Abend sorgte Mandic dafür, dass das Fernsehteam den AfD-Wahlkampfauftakt in Baden-Württemberg nicht filmen durfte und den Saal verlassen musste.

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2021 trat Mandic als Kandidat der AfD im Wahlkreis Lörrach an.Badische Zeitung: Dubravko Mandic tritt für die AfD im Wahlkreis Lörrach an, Artikel vom 2. November 2020, aufgerufen am 3. November 2020 Mandic erzielte 7,91 Prozent der Stimmen im Wahlkreis. Nach Angaben der Badischen Zeitung kündigte er am Wahlabend seinen Rückzug aus der AfD an, im April 2021 machte er seinen Austritt öffentlich, um einem Parteiausschlussverfahren zuvorzukommen. Sein Stadtratsmandat behielt er zunächst. Am 9. April 2022 trat er von seinem Mandat zurück, gut zwei Wochen nachdem sein Ratskollege Detlef Huber bekanntgegeben hatte, dass er die AfD-Gruppierung auflösen und künftig als Einzelstadtrat weiterarbeiten wolle.Manuel Fritsch: Dubravko Mandic hat den Freiburger Gemeinderat verlassen. In: Badische Zeitung. 10. April 2022 Ende Oktober 2021 gab Mandic in einer Rede allerdings bekannt, nach wie vor Kontakte in die Partei zu pflegen; überdies könne er, so Mandic, in seinem Beruf als Rechtsanwalt „der Bewegung ja auch nützlich sein“., S. 49 Im September 2022 hielt Mandic in Eisenach eine Rede auf dem ersten Netzwerktag des NPD-Organs Deutsche Stimme.Kira Ayyadi: Neonazistisches Netzwerktreffen in Eisenach Belltower.News, 12. September 2022

Positionen Laut Mandic prägten die Kriege im zerfallenden Jugoslawien seine Einstellung zum Thema Nation. Während vorher alle Jugoslawen gewesen seien, hätten die bröckelnden staatlichen Strukturen dazu geführt, dass sich Menschen ihrer „Herkunft“ zugewandt hätten. Diese Gefahr bestünde auch für Deutschland. Zuwanderer würden sich im Zweifel immer an der ethnischen Zugehörigkeit orientieren und nicht an einer Verfassung. Eine Verfassung reiche nicht aus, um Identität für ein Land zu stiften.

Nach einer gewalttätig verlaufenen Demonstration im Oktober 2014 in Köln wandte sich Mandic öffentlich gegen Pläne des damaligen AfD-Vorstandes, Parteiordnungsverfahren gegen Mitglieder einzuleiten, die Mobilisierungen der Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) unterstützten. In einem von der Patriotischen Plattform verbreiteten offenen Brief forderte er Akzeptanz des Vorstandes dafür, „wenn ein paar von uns versuchen, mit besorgten Hooligans zu demonstrieren“.Lars Geiges, Stine Marg, Franz Walter: Pegida: Die schmutzige Seite der Zivilgesellschaft? transcript Verlag, 2015, S. 154.

Im Juni 2016 forderte Mandic auf seiner Facebook-Seite eine engere Zusammenarbeit seiner Partei mit der „Identitären Bewegung“ (IB). Mit dieser sei „aufgrund ähnlicher politischer Zielsetzung“ „[s]owohl die AfD und vor allem die Junge Alternative […] personell […] verbunden.“ Mandic selbst nahm Mitte Juni 2016 in Wien an einer Demonstration der IB Österreich teil. Laut Mandic hat der Verfassungsschutz die AfD „infiltriert“. Deshalb fordert er, eine „Abwehrstruktur“ in der Partei zu schaffen. Um eine Beobachtung zu verhindern, sollen Vorstände der JA und AfD nicht gleichzeitig in führender Funktion bei der IB tätig sein dürfen. Dies sei „unser Tribut an das System“. Er kritisierte den Unvereinbarkeitsbeschluss des Bundesvorstandes mit der „Identitären Bewegung“. Dieser wurde laut Mandic von Frauke Petry und Marcus Pretzell vorangetrieben.

Bei einer Veranstaltung gegen die Corona-Maßnahmen in Deutschland im Februar 2021 drohte Mandic den anwesenden Polizisten mit den Worten: „Und das sage ich auch den Polizisten da draußen: irgendwann könnte der Dienstherr ein anderer sein. Und dann werden wir genau schauen, wie Sie sich heute verhalten haben! Welchen Anweisungen Sie gefolgt sind und welchen nicht. Sie haben alle das Recht zu remonstrieren.“

Im März 2021 bezog sich Mandic auf die Verschwörungserzählung des „Großen Austauschs“ und sagte, der Plan dahinter sei, „die autochthonen Deutschen“ zu verdrängen, und man wolle „eigentlich dieses deutsche Volk zersetzen, damit es weltpolitisch einfach langfristig keine Rolle mehr spielt“.

Kontroversen