Die Mister Spex SE ist ein deutscher Omnichannel-Optiker, der 2016 als der größte Online-Optiker Deutschlands und Europas galt und in Deutschland 67 eigene Filialen betreibt.Online-Optiker Mister Spex eröffnet Laden in Mitte und baut Lager in Spandau In: Tagesspiegel. 29. Februar 2016. Abgerufen am 5. September 2016. Aufgrund seines Omnichannel-Vertriebskonzepts zählt das Unternehmen zu den Pionieren in der Branche des Onlinemarketings für optische Produkte.

Geschichte Gründung Das Unternehmen wurde im Dezember 2007 von Dirk Graber, Björn Sykora, Philipp Frenkel und Thilo Hardt mit dem Ziel gegründet, den bis dahin wenig in Deutschland präsenten Brillen-Onlinehandel mit einem einfachen Online-Einkaufsmodell für Brillen voranzubringen. Unterstützt wurde das Unternehmen in den ersten Jahren von Investmentgesellschaften wie DN Capital aus England, Xange aus Frankreich, Grazia Equity, High-Tech Gründerfonds, Team Europe Ventures und Astutia Ventures, die nach eigenen Angaben 2010 insgesamt mehr als sieben Millionen Euro Kapital zur Verfügung stellten.

Einführung des Omnichannel-Konzepts Seit 2011 bietet Mister Spex die Möglichkeit, im Rahmen seines Omnichannel-Konzepts Sehtests und Brillenanpassungen bei lokalen Partnerunternehmen durchführen zu lassen, die im Gegenzug am Gewinn beteiligt sind.

In den Jahren 2013 und 2015 erweiterte das Unternehmen sein Tätigkeitsfeld und übernahm die Online-Eyewear-Shops Lensstore und Loveyewear in Schweden und den norwegischen Kontaktlinsenhersteller Lensit.

Neue Geschäftsführung und Restrukturierung Nachdem Mirko Caspar 2023 das Unternehmen verlassen hatte, bat auch Dirk Graber im Juli 2024 um seine Ablösung; damit ist der letzte der Gründer ausgeschieden. Seit dem 1. April 2025 ist Tobias Krauss neuer CEO des Unternehmens.

Nachdem die Prognose zu Umsatz und Ertrag reduziert werden musste, wurde im Jahr 2024 ein Restrukturierungsprogramm mit der Bezeichnung „SpexFocus“ eingeleitet mit dem Ziel, die Rentabilität deutlich zu steigern. Parallel dazu soll die Marke strategisch neu ausgerichtet werden und es wurden etwa neue Werbevideos gedreht, die gezielt die Zielgruppe der 40- bis 60-Jährigen ansprechen sollen.Mister Spex will Optiker deines Lebens sein. In: etailment.de. 9. August 2024. Als weitere Maßnahme wurden alle acht internationalen Standorte geschlossen. Zunächst betraf das im Herbst 2024 den Standort in der Schweiz, anschließend folgten bis Jahresende die Filialen in Österreich und Schweden. In diesem Zuge entließ Mister Spex rund 150 Mitarbeiter.Lisa Ksienrzyk: Mister Spex unter neuer Führung: Tobias Krauss plant radikale Umstrukturierung. In: Wirtschaftswoche. 5. Juni 2025. Teil von „SpexFocus“ war zudem auch eine deutliche Reduzierung des Warenbestands sowie von Rabattaktionen. Auch Marketing- und Werbemaßnahmen fuhr das Unternehmen zurück.

Im Mai 2025 startete Mister Spex ein Abo-Modell, bei dem Kunden Brillen mieten können.

Unternehmen Geschäftsmodell Das Unternehmen sieht sich nicht nur als Online-Händler, sondern verfolgt einen Omnichannel-Ansatz. So soll die Bequemlichkeit des Online-Kaufs mit Dienstleistungen in den Filialen verbunden werden, die nur vor Ort durchführbar sind, wie beispielsweise persönliche Beratungen, Sehtests oder Brillenanpassungen.Handfeste Mehrwerte fürs Kerngeschäft. In: Internet World Business. 11/2022. Neben dem Angebot in den eigenen Geschäften arbeitet Mister Spex dafür mit rund 300 Partneroptikern zusammen.

mini|Mister-Spex-Geschäft, 2019

Standorte In Berlin eröffnete 2016 der erste stationäre Laden als firmeneigenes Geschäft. 2021 war Mister Spex Europas führender Omnichannel-Optiker mit über 45 eigenen Läden in ganz Deutschland. Mister Spex übernahm im Juli 2013 zudem das schwedische Online-Brillen-Unternehmen Lensstore, das mittlerweile in Norwegen, Finnland und Schweden unter der Marke Mister Spex operiert, sowie im Januar 2015 den norwegischen Kontaktlinsenhändler Lensit.Warum Optiker um ihre Lizenz zum Gelddrucken bangen. In: Die Welt. 20. Juli 2015, abgerufen am 5. September 2016. Nach der Schließung seiner internationalen Filialen im Zuge des Restrukturierungsprogramms 2024 betreibt Mister Spex (Stand 2026) 67 Filialen und ist neben Deutschland auch mit Online-Shops in Österreich, der Schweiz, Norwegen und Schweden aktiv.

Mister Spex betreibt bis Ende 2026 ein Vertriebszentrum in Berlin und übergibt seine Logistik- und Produktionsleistungen künftig an Arvato und Rodenstock. Die 125 Mitarbeiter werden entlassen.

Seit 2016 ist Mister Spex zudem Ausbildungsbetrieb für die Augenoptik und hat fünf Lehrwerkstätten in Berlin, Köln, Reutlingen, Münster und Mannheim.Fünfte Lehrwerkstatt. In: Der Augenoptiker. Heft 9/2023.

Börsennotierung 2020 änderte Mister Spex seine Rechtsform von GmbH zu AG und bereitete sich damit auf einen möglichen Börsengang im Jahr 2021 vor. Der Zeitpunkt wurde Mitte 2021 auf spätestens September des Jahres konkretisiert und dann auf den 2. Juli festgelegt. Mister Spex hat mit seinem Debüt im geregelten Marktsegment Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse 375 Millionen Euro eingenommen. Dabei wurden 15 Millionen Aktien zu je 25 Euro zugeteilt und die Mitte der von 23 bis 27 Euro reichenden Preisspanne als Ausgabepreis taxiert. In den Jahren nach dem Börsengang schrieb das Unternehmen rote Zahlen und der Handelspreis der Aktien fiel stark ab, bis auf Werte von nur noch 1,11 Euro im Jahr 2025.

Anteilseigner Das Unternehmen ist Mitglied des Deutsche Börse Venture Network, das Unternehmen mit potenziellen Investoren verknüpfen möchte.

2016 gehörten, nach eigenen Angaben, Scottish Equity Partners, Goldman Sachs, Grazia Equity, XAnge, DN Capital und der High-Tech Gründerfonds zu den Investoren. 2021 gehörten zu den Anteilseignern Investoren wie Goldman Sachs, DN Capital, der Intershop-Gründer Stephan Schambach und StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani. Global Growth Capital, eine Tochter der Internet-Holding Rocket Internet, stellte zudem ein Darlehen bereit. Stand März 2026 sind die größten Anteilseigner Norman Rentrop, Essilor Luxottica und Abacon.

Produkte und Dienstleistungen Mister Spex bietet Korrektionsbrillen, Sonnenbrillen, Kontaktlinsen und dazu passende Pflegemittel über seine eigenen Websites an. Im Sortiment des Unternehmens finden sich neun Eigenmarken und rund 100 Fremdmarken. Zu den Eigenmarken gehört beispielsweise die Sportbrillen-Reihe Moove, die drei Korrektions- und vier Sonnenbrillen-Modelle umfasst.Neue Eigenmarke bei Mister Spex. In: etailment.de. 27. August 2024. 2024 wurde die höherpreisige Eigenmarke Spexpro eingeführt, um mit maßangefertigten Brillengläsern den Umsatz zu steigern.Neue Eigenmarke von Mister Spex: SpexPro. In: etailment.de. 11. September 2024. Zu den Fremdmarken gehören etwa Dior, Tom Ford, Illesteva und Hoya.

Seit Mai 2025 bietet Mister Spex auch ein Abo-Modell für Brillen an. Kunden können zwei oder drei Brillen auswählen und zahlen für diese inklusive einer Versicherung eine monatliche Gebühr. Nach zwölf Monaten kann eine Brille gegen ein anderes Modell getauscht werden. Zu den Dienstleistungen von Mister Spex gehört außerdem ein Augengesundheits-Check, den das Unternehmen an allen Standorten anbietet.Augengesundheits-Check. In: Der Augenoptiker. Heft 7/2025.

Preise und Auszeichnungen Das Unternehmen erhielt für seine erste Filiale in Berlin 2016 einen Red dot award. 2017 folgten ein iF Design Award und der POPAI D-A-CH Award. Ebenfalls 2017 wurde Mister Spex vom Deutschen Institut für Service-Qualität als bester Onlineshop in der Kategorie Optics ausgezeichnet. Des Weiteren erhielt das Unternehmen, laut der Studie „Reifegrad-Analyse Onlineshops 2014“ des EHI Retail Institute, in der Kategorie „Schmuck, Uhren & Brillen“ die beste Bewertung und wurde mit der höchsten Reifegradbezeichnung „Shopping-Highlight“ ausgezeichnet. Die Stiftung Warentest bewertete 2014 Mister Spex insgesamt mit befriedigend, wobei die Qualität der Brillen mit gut und die fachliche Beratung mit ausreichend benotet wurde. Im Jahr 2022 gewann das Unternehmen zudem drei German Brands Awards.

Siehe auch Liste überregionaler Augenoptikunternehmen in Deutschland

Weblinks

misterspex.de Brand eins 2/2020: Ein bisschen kurzsichtig

Einzelnachweise

Kategorie:Augenoptikunternehmen Kategorie:Onlineshop Kategorie:Handelsunternehmen (Berlin) Kategorie:Unternehmensgründung 2007 Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Berlin)