mini|Flagge Genuas Acht Schweizer Truppen in genuesischen Diensten unterstützten die Adelsrepublik an der ligurischen Küste seit 1575. Eine Schweizergarde sicherte Tore der Hauptstadt Genua, und weitere Schweizer Truppen waren, bis zur Annexion der Republik Genua 1797 durch Frankreich, an der Behauptung des Festlandterritoriums und der Insel Korsika beteiligt.
Schweizer Truppen in fremden Diensten hiess der von Behörden der Schweizer Eidgenossenschaft mit Staatsverträgen geregelte Solddienst von geführten, ganzen Truppenkörpern im Ausland.
Diese Verträge enthielten ein Kapitel, das die militärischen Angelegenheiten regelte: die sogenannte Kapitulation (oder Privatkapitulation, wenn einer der Vertragspartner ein privater Militärunternehmer war).
Übersicht der Schweizer Truppen in genuesischen Diensten oben|mini|x400px|Der Leuchtturm am Hafen von Genua von 1543#genBezeichnungJahrDoge Prospero Centurione Fattinanti 1575–15771Freikompanie Freiburg? 1575Doge Agostino Pinelli Luciani 1609–16112Schweizergarde 1609–1797Doge Giacomo Lomellini 1625–16273Hilfskorps Müller 1625Doge Alessandro Grimaldi 1671–16734Regiment Planta 1672Doge Francesco Maria Balbi 1730–17325Hilfskorps Morettini 1731–17376Kompanie Planta 1731–1737Doge Costantini Balbi 1738–17407Bataillon Jost 1738–1748Doge Giovanni Giacomo Grimaldi 1756–17588Regiment Janett 1757–1797
Genuas Flotte fährt weite Wege mini|200px|Kolonien und Stützpunkte Genuas Die Republik Genua (italienisch: Serenissima Repubblica di Genova, «durchlauchtigste Republik Genua») war eine Kolonialmacht und eine der vier grossen Seerepubliken Italiens.
Die Transportleistungen der Genueser Kaufleute mit ihrer Schiffsflotte für die Kreuzzüge lagen am Anfang des Aufbaus ihres weitgespannten Handelsnetzes.
Stützpunkte an der afrikanischen Atlantikküste, Seewege nach England und Flandern sowie Handelsstationen und Kolonien im westlichen und östlichen Mittelmeer, in der Ägäis, im Schwarzen und im Asowschen Meer ermöglichten der Republik Genua im 12. und 13. Jahrhundert einen aussergewöhnlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Wichtigste Handelsprodukte waren Getreide aus dem Schwarzmeerraum und Sklaven von dort und aus Nordafrika.
Dem Luxusprodukt Seide folgte im 14. Jahrhundert auf der Seidenstrasse jedoch auch der Schwarze Tod, der rund einem Drittel der europäischen Bevölkerung das Leben kostete. Am Ende des 15. Jahrhunderts war es aber bezeichnenderweise ein Seefahrer aus Genua, Christoph Kolumbus, der in spanischen Diensten den Seeweg zum amerikanischen Kontinent erschloss.
Das eher beschränkte eigene Territorium machte Soldaten und Ruderknechte für seine weitgestreuten Aktivitäten zum Engpass. Die Republik Genua wurde daher auch für die Eidgenossen zu einem zahlungskräftigen Abnehmer von Söldnern, Truppen und Galeerensträflingen.Louis Carlen: Die Galeerenstrafe in der Schweiz. Verlag de Gruyter, Berlin 1976.
Innere Konflikte beschleunigen den Niedergang Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts gingen, mit Ausnahme von Korsika, das von den Genuesen gnadenlos ausgebeutet wurde, praktisch alle Kolonien verloren. Einer der Gründe war, trotz der grossen wirtschaftlichen Erfolge und (vielleicht gerade wegen) des wachsenden Reichtums, die innere Zerstrittenheit Genuas und seiner Eliten.Zu den mächtigsten Familien zählten die Doria und Spinola (unterstützten beide den Kaiser in Konflikten mit dem Papst), die Fieschi (stützten sich auf das Königreich Neapel), die Grimaldi (regieren bis heute in Monaco, unterstützten wie die Fieschi den Papst) sowie die Cattaneo, Centurione, Di Negro, Giustiniani, Grillo, Imperiali, Lercari, Negrone, Pallavicino. Parteienkämpfe, manchmal ziemlich blutige, der Bürger mit dem Adel sowie auch zwischen dessen Fraktionen erschütterten immer wieder die Gesellschaftsordnung und führten die seit dem 10. Jahrhundert eigentlich vom Römischen Reich unabhängige Stadt immer wieder in Abhängigkeit äusserer Mächte, meist des Königs von Frankreich oder der Herzöge von Mailand.
So auch 1547, keine zwei Jahrzehnte, nachdem Andrea Doria die Republik Genua von Frankreich gelöst, reformiert und dem Schutz des römischen Kaisers unterstellt hatte, versuchten die Gebrüder Fieschi mit einem Umsturz das Rad im vom Dogen Andrea Doria und seinem Neffen Gianettino Doria, der dabei erstochen wurde, geführten Genua zurückzudrehen. Allerdings erfolglos: Giovanni Luigi ertrank bei der Aktion, Girolamo wurde gefangen und hingerichtet und Ottobuono de Freschi später ergriffen und ertränkt.
Das Ereignis führte jedoch dazu, dass 1555 der Doge Agostino Pinello Ardimenti zum Schutze seines Palastes (Palazzo Ducale) und seiner Behörden sowie des Haupttores im Westen der Stadt Genua (Thomastor, italienisch: Porta San Tommaso) eine Garde von deutschen Söldnern anheuerte, die später auch bei der Unterdrückung der Aufstände in Korsika eingesetzt wurde.
Genua vergrösserte auch den Bestand seiner bisher 500 Mann starken stehenden Armee, bestehend aus italienischen und korsischen Söldnern, bis 1591 mit weiteren Anwerbungen aus deutschsprachigen Ländern bis auf 900 Mann (500 Deutschsprachige, 300 Italiener und 100 Korsen).
Korrespondenzen wurden auch mit eidgenössischen Orten geführt: Chur, Genf, Bern, Freiburg und Luzern (als Vorort der katholischen Kantone). 1575 soll sogar eine Freiburger Kompanie in genuesischen Diensten gestanden sein. mini|Andrea Doria Bezeichnung, Einsatzdauer (1gen) Freikompanie Freiburg?Heinrich Türler, Viktor Attinger, Marcel Godet: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Vierter Band. Neuenburg 1927. 1575 Jahr, Vertragspartner k. A. Bestand,Formation k. A. Herkunft Kader, Truppe k. A., Freiburg? Besitzer, Kommandant, Namensgeber k. A. Einsatz, Ereignisse k. A., nur eine Quelle erwähnt die Truppe, aber ohne nähere Angaben. Ein Teil der eidgenössischen Korrespondenz mag auch die Galeerenstrafen betroffen haben.Louis Carlen: Schwyz und die Galeerenstrafe. In: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz, Band 135, Schwyz 1982.
Besonders nach der Seeschlacht von Lepanto 1571 nahm die Bedeutung der geruderten GaleereDie Galeere wurde erst im 18. Jahrhundert in der Schiffstechnik vom Segelschiff abgelöst (letzte Seeschlacht mit Galeeren zwischen Russen und Türken 1770 bei Cesme). Die Nachfrage der Seemächte führte zu einem eigentlichen Menschenhandel für Ruderer. Frankreich mit Übernahmeort in Solothurn lag in der Schweiz kostenmässig in bester Position. Aber auch Venedig (Bergamo), Savoyen (Thonon) und Spanien (Genua) waren in Reichweite der Eidgenossen. als Handels- und Kriegsschiff an Bedeutung zu, und der Bedarf an Ruderknechten stieg stark an. Schon ein Jahr vorher hatte das mit grossen maritimen Aktivitäten, jedoch kleinem eigenem Rekrutierungsterritorium konfrontierte Genua eine Rekrutierungsmission auf der Suche nach gesunden und kräftigen Strafgefangenenmini|Modell einer Kriegsgaleere des MalteserordensDie Galeere war ein 40 bis 50 Meter langes, fünf bis acht Meter breites, schlankes und elegantes Schiff mit einem lateinischen Dreiecksegel im Wind fahrbar. Mit dem Ruderantrieb war sie jederzeit seeklar, schnell und wendig. Über Jahrhunderte war sie das eigentliche Standard-«Arbeitspferd» auf See für Handel und Militär. Die militärische Version konnte am Bug einen Rammsporn aufweisen.Die Rudermannschaft war eine Dreiklassengesellschaft aus Freiwilligen, Dienstpflichtigen und Sträflingen. Besonders Letztere hatten ein unerbittlich hartes Los zu tragen. Die Galeerenstrafe dauerte zwischen sechs Jahren bis lebenslänglich und war in der Regel mit dem Verlust der bürgerlichen Rechte verbunden.Die leichte Galeere (italienisch: Galera sottile) verfügte über 164 Ruderer, die grosse Galeere (italienisch: Galera grossa oder Galeazza) bis zu 288 Mann und transportierte mit den Kampftruppen an Bord bis zu 200 bzw. 500 Mann. Die Galeerensträflinge sassen angekettet und zu zweit zusammengeschmiedet auf 26 bis 30 durch einen schmalen Laufgang getrennten Ruderbänken. Drei bis vier Mann bewegten ein 11 bis 13 Meter langes und rund 60 Kilogramm schweres Ruderblatt. Das offene Schiffsdeck war Wohn- und Arbeitsplatz zugleich. Mangelernährung (Suppe, Brot, Schiffszwieback und Wasser), Erschöpfung und Krankheiten (Typhus, Cholera, Pest, Skorbut und Krätze) sowie Ertrinken bei Beschädigung des Schiffes bei Kriegseinwirkung führten zu einer hohen Todesrate von 60 bis 70 %.Thomas Platter, der spätere Basler Professor, schildert seine bedrückenden Beobachtungen 1597 im Hafen von Marseille in seiner Beschreibung der Reisen durch Frankreich, Spanien, England und die Niederlande (1595–1600) wie folgt: nach Süddeutschland gesandt.
Die Galeerenstrafe war für die Kantone eine kostengünstige, ja sogar gewinnbringende Massnahme zur Abschiebung von Landstreichern und des Strafvollzugs bei schwer KriminellenDie Galeerenstrafe diente im Strafvollzug vor allem in folgenden Fällen: Vagabunden und Bettler entwickelten sich im 16. Jahrhundert, mit starkem Bevölkerungswachstum bei unterentwickelter Wirtschaft, zur wahren Landplage. Fremde Bettler, Tunichtgute und Landstreicher wurden daher durch sogenannte «Landjegis», auch durch private Auftragnehmer (beispielsweise 1642 in Bern durch Hans Rudolf Zurkirchen), eingefangen und meist ohne ordentliche Verfahren auf die Galeeren verkauft oder durch angekündigte Betteljagden (1700 in Bern, Basel, Freiburg und Solothurn) in benachbarte Gebiete vertrieben; Als Begnadigung zur Todesstrafe; Bei Gewaltverbrechen (Mord, Raub, Notzucht), aber auch bei Diebstahl, Fried- oder Eidbruch, Rückkehr aus der Verbannung, Tragen von spitzem Messer oder Gewehr, unmässigem Weintrinken oder sogar bei Fluchen; Der Glaubenswahrung: in Bern und Zürich wurden Wiedertäufer unerbittlich mit der Galeerenstrafe bestraft; Im militärischen Strafrecht der Truppen in fremden Diensten, etwa bei Desertion, Schlafen auf der Wache und Verlassen des Wachtpostens; Als wirkungsvolle Drohung bei Bewährungsstrafen..
Kampftruppen zur Behauptung des Territoriums Der misslungene Handstreich von Herzog Karl Emanuel I. von Savoyen 1602 auf die Stadt Genf weckte die Besorgnis der Regierung der Serenissima, dass auch Genua in den savoyischen Fokus geraten könnte.
Die Hundertschaft italienischer Söldner von Hauptmann Giorgio Alvini, die das östliche Haupttor der Stadt (Stefanstor, italienisch: Porta Santo Stefano)mini|Via XX Settembre mit Ponte Monumentale und Kirche Santo Stefano (Photo von Alain Rouiller)Das Stefanstor (italienisch: Porta Santo Stefano, auch: Porta del Arco oder Porta delle Archi), mit seinen mächtigen dorischen Säulen aus Travertinmarmor und dem heiligen Stephan in der Nische oberhalb, von Taddeo Carlone in die Stadtmauer von 1553 eingebaut, musste 1890 beim Bau der Via XX Settembre der monumentalen Brücke (italienisch: Ponte Monumentale) weichen. Es wurde dabei versetzt und in der Via Banderali neu aufgebaut. sicherten, wurde als Sicherheitsrisiko eingestuft und sollte durch eine Kompanie aus Freiburg ersetzt werden. Zusätzlich wurde der Bestand des stehenden Heeres auf 2000 Mann mehr als verdoppelt.
Diese Truppen waren jedoch alle ortsfest.
Um über bewegliche militärische Kräfte zu verfügen, wurde zuerst auf lokale Territorialmilizen zurückgegriffen und schliesslich eine Art Dienstpflicht auf dem Festlandterritorium eingeführt, die aber letztlich durch Verbände aus Freiwilligen abgelöst werden musste. Bezeichnung, Einsatzdauer (2gen) SchweizergardeAngelo Terenzoni: I Militari Svizzeri al servizio della Repubblica di Genova. Presentazione al convegno Le alabarda, La Repubblica di Genova, La Guardia Svizzera e non solo, Biblioteca Berio, Genova 2010. 1609–1797 Jahr, Vertragspartner 1609, nach längeren gründlichen Verhandlungen, schloss der Patrizier Andrea Spinola im Auftrag der Republik Genua mit den Behörden des katholischen Kantons Freiburg einen Vertrag ab.