Jiří Šust (* 29. August 1919 in Prag; † 30. April 1995 ebenda) war ein tschechischer Filmkomponist.
Leben Berufliches Schaffen Jiří Šust erlernte bereits in jungen Jahren das Klavierspielen. Seinen Wunsch, Musik zu studieren, erfüllten ihm seine Eltern nicht, sondern bestanden auf dem Besuch einer Handelsakademie. Nachdem er von dieser verwiesen worden war, ging Šust nach Moskau, wo sein Vater als Angehöriger an der tschechoslowakischen Botschaft tätig war. Šust bestand die Aufnahmeprüfung am dortigen Konservatorium und studierte Klavier und Komposition. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges kehrte er nach Prag zurück und setzte das Studium der Komposition fort.Marketá Maurová: Jiří Šust: „Hofkomponist“ des Filmregisseurs Jiří Menzel, Beitrag bei Radio Prag vom 5. Mai 2002, abgerufen am 31. August 2016
1941 begann Šust seine Tätigkeit als Filmkomponist in den Filmstudios von Zlín. Einer seiner ersten Aufträge war die Melodie für einen Werbefilm des dort ansässigen Schuhkonzerns Bata. Bis 1946 entstanden in Zlín Kompositionen zu 14 Filmen, danach kehrte Šust nach Prag zurück und arbeitete in den Filmstudios Barrandov und im Armee-Filmstudio, wo er im Laufe seines Schaffens die Musik zu über 80 Spielfilmen sowie zahllosen Fernsehfilmen und -serien schrieb. Bekannte Regisseure, mit denen Šust zusammenarbeitete, waren unter anderem Věra Chytilová, František Vláčil und insbesondere Jiří Menzel, für den er im Laufe von 30 Jahren die Musik zu elf seiner Filme komponierte und der Šust als seinen „Hofkomponisten“ bezeichnete.
Neben Filmmusiken komponierte Šust auch Marschlieder und so genannte „Gassenhauer“ sowie das Monumentalwerk Concerto Bohemo.
Privates Während des Zweiten Weltkrieges kämpfte Jiří Šust aktiv gegen den Faschismus. Während Šust sich lange Zeit vor der Gestapo verstecken konnte, wurde sein jüngerer Bruder in einem Konzentrationslager interniert, überlebte die Gefangenschaft aber. Mutter und Stiefvater Šusts kamen dagegen in KZ-Haft ums Leben.
Filmografie (Auswahl) 1952: Razek findet Anschluß (Racek má zpoždění) – Regie: Josef Mach 1953: Über uns tagt es (Nad námi svítá) – Regie: Jiří Krejčík 1954: Die Schwestern (Frona) – Regie: Jiří Krejčík 1954: Vzpomínka – Regie: František Vláčil 1957: Die goldene Spinne (Zlatý pavouk) – Regie: Pavel Blumenfeld 1958: Die Moral der Frau Dulski (Morálka paní Dulské) – Regie: Pavel Blumenfeld 1959: Wohin die Straße führt (Křižovatky) – Regie: Pavel Blumenfeld 1960: Leute wie du und ich (Lidé jako ty) – Regie: Pavel Blumenfeld 1964: Die buntscheckigen Engel (Strakatí andělé) – Regie: Pavel Blumenfeld 1966: Perlen auf dem Meeresgrund (Perličky na dně) – Regie: Věra Chytilová 1966: Liebe nach Fahrplan (Ostře sledované vlaky) – Regie: Jiří Menzel 1966: Tausendschönchen (Sedmikrásky) – Regie: Věra Chytilová 1968: Launischer Sommer (Rozmarné léto) – Regie: Jiří Menzel 1969/90: Lerchen am Faden (Skřivánci na nitích) – Regie: Jiří Menzel 1972: Wege der Männer (Cesty mužů) – Regie: Ivo Toman 1973: Schüsse in Marienbad (Výstřely v Mariánských Lázních) – Regie: Ivo Toman 1976: Das einsame Haus am Waldesrand (Na samotě u lesa) – Regie: Jiří Menzel 1979: Die wunderbaren Männer mit der Kurbel (Báječní muži s klikou) – Regie: Jiří Menzel 1981: Kurzgeschnitten (Postriziny) – Regie: Jiří Menzel 1983: Milo Barus, der stärkste Mann der Welt – Regie: Henning Stegmüller 1984: Das Wildschwein ist los (Slavnosti sněženek) – Regie: Jiří Menzel 1985: Heimat, süße Heimat (Vesničko má středisková) – Regie: Jiří Menzel 1985: Grüne Jahre (Zelená léta) – Regie: Milan Muchna 1986: Samorost – Regie: Otokar Fuka 1989: Ende der alten Zeiten (Konec starých časů) – Regie: Jiří Menzel 1989: Wir bleiben treu 1994: Die denkwürdigen Abenteuer des Soldaten Iwan Tschonkin (Život a neobyčejná dobrodužství vojáka Ivana Čonkina) – Regie: Jiří Menzel
Weblinks
Jiří Šust in einem Beitrag von Radio Prag
Einzelnachweise
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