Noscapin ist der internationale Freiname für (−)-α-Narcotin, einem Hauptalkaloid des Opiums (3–10 %), das als Arzneistoff zur Hustenstillung (Antitussivum) verwendet wird. Die für die Biosynthese im Schlafmohn (Papaver somniferum) verantwortlichen zehn Gene wurden identifiziert.T. Winzer, V. Gazda u. a.: A Papaver somniferum 10-Gene Cluster for Synthesis of the Anticancer Alkaloid Noscapine. In: Science. 336, 2012, S. 1704–1708, doi:10.1126/science.1220757.
mini|links|Schlafmohn, Papaver somniferum, aus dessen Milch Noscapin gewonnen werden kann.
Die Verbindung war als Opium-Auszug schon 1762 Antoine Baumé bekanntWinfried Pötsch u. a. Lexikon bedeutender Chemiker, Harri Deutsch 1989, Artikel Baumé (und später Charles Derosne in dem nach ihm benannten Salz) und wurde 1817 von Pierre-Jean Robiquet aus Opium isoliert. Sie weist eine vom 1-Benzyl-1,2,3,4-tetrahydroisochinolin abgeleitete Struktur auf, als Reinstoff bildet sie farblose Prismen aus. Es ist chemisch ein Methoxy-Derivat des Hydrastins.
Das Molekül enthält zwei Chiralitätszentren, so dass vier Stereoisomere existieren. Arzneilich verwendet wird die natürliche, enantiomerenreine (−)-α-Form.
Stereoisomere des NoscapinsK. Hardtke et al. (Hrsg.): Kommentar zum Europäischen Arzneibuch Ph. Eur. 7.1, Noscapin. Loseblattsammlung, 40. Lieferung 2012, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. (–)-α-Noscapin (3S, 5R) erythro-Form (+)-α-Noscapin (3R, 5S) (–)-β-Noscapin (3R, 5R) threo-Form (+)-β-Noscapin (3S, 5S)
Beim oxidativen Abbau von Noscapin entstehen die Spaltprodukte Cotarnin und Opiansäure. Methylierung des Stickstoffatoms zum quartären Ammoniumion, Überführung in das Hydroxid und Erhitzen (analog zum Hofmann-Abbau) ergibt Narcein.Harry Auterhoff, Lehrbuch der pharmazeutischen Chemie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1968.
(–)-α-Noscapin wirkt antitussiv, aber nicht schmerzstillend, wobei die Wirkung etwas schwächer ausgeprägt ist als beim Codein. Im Gegensatz zu Morphin wirkt Noscapin schwach atemanregend und bronchodilatatorisch. Noscapin hemmt auch die Mitose, spezifisch in Tumorzellen, und ist daher ein potenzieller Wirkstoff gegen Krebs.M. Mahmoudian, P. Rahimi-Moghaddam: The anti-cancer activity of noscapine: a review. In: Recent Patents on Anti-Cancer Drug Discovery. Band 4, Nummer 1, Januar 2009, S. 92–97, PMID 19149691. (Review).
Die Plasmahalbwertszeit von Noscapin beträgt 2,6 bis 4,5 Stunden. Die Bioverfügbarkeit ist individuell variabel und liegt bei circa 30 %.Holz, Schwabe et al.: Taschenbuch der Arzneibehandlung: Angewandte Pharmakologie, 13. Auflage; Springer-Verlag; Berlin, Heidelberg 2005. ISBN 3-540-20821-6. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind nicht bekannt.Ernst Mutschler, Monika Schäfer-Korting: Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. 8.,völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2001. ISBN 3-8047-1763-2. S. 224.
Handelsnamen Monopräparate Capval (D), Tussanil N (CH), Nosca-Mereprin (B, L) Kombinationspräparate DemoTussil (CH), Hederix (CH), Tossamin (CH), Tuscalman (A)
Einzelnachweise
Kategorie:Dioxolotetrahydroisochinolin Kategorie:Phthalid Kategorie:Methoxybenzol Kategorie:Dimethoxybenzol Kategorie:Alkaloid Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Antitussivum