Justus Pankau, eigentlich Willy Pankau, (* 27. Dezember 1923 in Westpreußen; † in der Nacht zum 18. November 2017 in LudwigsburgNachruf in der Stuttgarter Zeitung) war ein deutscher Kameramann.

Leben Justus Pankau wurde im Westpreußischen als Sohn eines Schreiners geboren und wuchs ab 1925 in Dortmund auf, wo er in seiner Freizeit Fußball spielte und bei Borussia Dortmund im Tor stand. Bei der Hoesch AG machte er eine Ausbildung zum Mechaniker. Seinen eigentlichen Berufswunsch, Ingenieur zu werden, durchkreuzte die Einberufung zur Wehrmacht im Kriegsjahr 1942. Pankau wurde bei der Luftwaffe als Bordschütze ausgebildet. Eine während eines Fußballspiels erlittene Verletzung, infolge derer ihm eine Niere entfernt werden musste, bewahrte ihn vor einem Fronteinsatz.buc: „Ich mag das wahre Leben“, Stuttgarter Zeitung vom 31. Dezember 2013, abgerufen am 28. August 2016Christine Werner: Erlebte Geschichten mit Justus Pankau, Website des WDR, Beitrag vom 1. Januar 2007, abgerufen am 28. August 2016

Nach dem Krieg arbeitete Pankau zunächst wieder bei Hoesch und spielte weiter Fußball, bis er im September 1948 durch Vermittlung eines Bekannten, der Dokumentarfilme drehte, nach Hamburg kam und dessen Kameraassistent wurde. Ab 1950 begann Pankau für die Neue Deutsche Wochenschau zu arbeiten, 1954 wechselte er zum Süddeutschen Rundfunk nach Stuttgart, für den er bis zu seiner Pensionierung 1989 tätig war. Neben vielen Dokumentarfilmen drehte er eine große Anzahl an Magazinbeiträgen, verschiedene Tatort-Folgen und einzelne Filme. Spektakuläre Aufnahmen gelangen ihm Mitte der 1950er-Jahre, als er den Bau des Stuttgarter Fernsehturms ungesichert auf einem Balken balancierend dokumentierte.Johanna Trommer: Seine Kamera ist reif fürs Museum, Stuttgarter Nachrichten vom 29. Dezember 2013, abgerufen am 28. August 2016

Bekannte Arbeiten Pankaus sind neben anderen die Filme Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, Malatesta, für den er 1970 den Deutschen Filmpreis in Gold erhielt, oder die Tatort-Episode Rot – rot – tot mit Curd Jürgens in einer Hauptrolle. Anfang der 1970er-Jahre verpflichtete Alfred Biolek ihn für eine Reihe von Folgen der Serie Monty Python’s Flying Circus.

Daneben hatte Pankau auch immer wieder Lehrtätigkeiten inne, so an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, an der Hochschule für Fernsehen und Film München und von 1991 bis 1999 als Dozent an der Filmakademie Baden-Württemberg.Biographie auf dokumentarfilmforschung.de, abgerufen am 28. August 2016 Pankau starb 93-jährig in der Nacht zum 18. November 2017 in Ludwigsburg. Zu seinem Gedenken stiftet der Lionsclub Ludwigsburg-Monrepos seit 2019 alljährlich den mit 3.000 € dotierten Justus-Pankau-Kamera-Preis für einen herausragenden Absolventen im Studiengang Film&Medien, Fachbereich Kamera der Filmakademie Baden-Württemberg.

Filmografie (Auswahl) 1956: Die Vergessenen 1963–1964: Fernfahrer (8 Folgen) 1964: Die Borussen kommen 1969: Horror 1970: Tage der Rache 1970: Malatesta 1970: Der Übergang über den Ebro 1970: Ein Wochenende 1971: Sehsack (5 Folgen) 1971–1987: Tatort (Fernsehreihe) 1971: Auf offener Straße 1972: Kennwort Fähre 1974: Gefährliche Wanzen 1975: Wodka Bitter-Lemon 1975: Schöne Belinda 1976: Augenzeuge 1977: Himmelblau mit Silberstreifen 1978: Rot – rot – tot 1979: Zweierlei Knoten 1980: Kein Kinderspiel 1982: Blinde Wut 1983: Mord ist kein Geschäft 1984: Verdeckte Ermittlung 1985: Miese Tricks 1986: Einer sah den Mörder 1987: Eine Million Mäuse 1972: Monty Pythons Fliegender Zirkus 1972: Knast 1974: Der Tod des Kleinbürgers 1975: Memento Mori 1976: Das Land der Blinden oder Von einem der auszog 1977: Der Fall Winslow 1981: Quartett bei Claudia 1981: Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo 1982: Ein Fall für zwei – Tollwut 1986: Das Schweigen des Dichters 2002: Das Verlangen

Auszeichnungen 1964: Adolf-Grimme-Preis für Die Borussen kommen 1965: Deutscher Kulturfilmpreis für Wagen-rennen 1970: Deutscher Filmpreis in Gold für Malatesta 2002: Goldener Leopard für Das Verlangen

Weblinks

Justus Pankau in der WDR-Hörfunkreihe Erlebte Geschichten

Einzelnachweise

Kategorie:Kameramann Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2017 Kategorie:Mann