Der Palast der Meere ist ein historischer Roman und der fünfte Band der erfolgreichen Waringham-Saga von Rebecca Gablé. Der Roman erschien im September 2015 beim Verlag Lübbe Ehrenwirth. Er behandelt England unter der Regentschaft Elizabeth I. Anders als in den Vorgängerbänden gibt es in diesem Roman zwei gleichwertige Hauptfiguren, die zwei völlig verschiedene Blickwinkel auf diese Zeit zulassen. Weiter greift Rebecca Gablé im letzten Band der Reihe auch auf andere fiktive Familien zurück, die nicht grundsätzlich im Zusammenhang mit Waringham stehen, wie die Durham und die Helmsby.

Handlung Überleitung

Der vierte Band der Waringham-Saga endet damit, dass Nicholas of Waringham, der derzeitige Earl, der katholischen Prinzessin Mary hilft, den englischen Thron zu besteigen. Als Mary aber beginnt, zunehmend radikal gegen die Protestanten in ihrem Land vorzugehen, wendet sich Nick von ihr ab. Wenig später sterben er und seine Frau Janis in Waringham an der Grippe. Für die weitere Handlung sind vor allem seine Tochter Eleanor und sein Sohn Isaac federführend, da deren Leben aber zwei unterschiedliche Handlungsstränge sind, die sich nur bei Gelegenheit überschneiden, werden sie im Folgenden auch getrennt aufgeführt.

Erster Teil 1560-1563

Isaac

Isaac ist der zweite Sohn von Nicholas of Waringham, der nach dem frühen Tod seiner Eltern bei seinem Onkel Philipp Durham und seiner Tante Laura in London lebt. Mit vierzehn Jahren besucht er bereits regelmäßig Hafenschenken und Hurenhäuser, treibt mit seinem Ungehorsam seinen Onkel in den Wahnsinn und ist auf dem besten Wege, ein Taugenichts zu werden. Als er die Nachricht erhält, dass sein sechsjähriger Neffe Lappidot an den Pocken erkrankt und erblindet ist, und dass sein Bruder Francis ihn, Isaac, deswegen zum Erben von Waringham ernannt hat, flieht er vor der drohenden Verantwortung und besteigt in Plymouth als blinder Passagier das erstbeste Schiff, in der Absicht, in Frankreich oder den Niederlanden wieder von Bord zu gehen. Nicht wissend, dass das Schiff dem Freibeuter und Sklavenhändler John Hawkins gehört, der nach Teneriffa aufgebrochen ist, um mit den dort lebenden Spaniern Geschäfte zu machen. Nach seiner Entdeckung im Frachtraum wird Isaac zum Schützling des jungen Matrosen Francis Drake. Doch trotz seiner Verwandtschaft mit Hawkins kann dieser nicht verhindern, dass der Kapitän Isaac zum Teil seiner Geschäfte macht und auf Teneriffa als Sklaven an den spanischen Pflanzer Pedro Soler verkauft. Zunächst soll Isaac dessen Sohn Fernando nur Englisch beibringen, verbringt aber nach einem unverzeihlichen Fauxpas mit dessen verlobter Schwester Clara die folgenden Jahre auf einer Zuckerplantage. Dort durchlebt Isaac eine Zeit der Entbehrung, Demütigungen und erzwungener Unterwürfigkeit, in der er lernt, die Spanier für ihre Sklavenhaltung zu hassen. Isaac ist bereits siebzehn, als Hawkins wieder auftaucht und ihn freikauft, weil er in England von seiner vornehmen Herkunft erfahren hat. Isaac gelingt es, auch einen seiner gleichaltrigen Leidensgenossen freizukaufen, doch muss er sich Hawkins für fünf Jahre verpflichten und unter ihm zur See fahren.

Schon auf seiner ersten Fahrt wird er gezwungen, afrikanische Sklaven illegal in die Neue Welt zu schmuggeln und an die spanischen Siedler zu verkaufen. Bei der Gelegenheit trifft er wieder auf Clara, die inzwischen mit ihrem Mann auf den Westindischen Inseln lebt. Sein Freund Tomás aus Teneriffa entschließt sich, in der Neuen Welt zu bleiben, sich nach Panamá durchzuschlagen und dort den Cimarrones anzuschließen. Drei Jahre nach der Pockenepidemie kehrt Isaac pünktlich zur Hochzeit seiner Schwester Isabella nach Waringham zurück.

Eleanor

Eleanor, Nicks ältestes Kind, ist mit Königin Elizabeth aufgewachsen und nimmt nun die Rolle als ihr „Auge“ ein; sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Geheimnisse aller mächtigen Männer Englands zu kennen und für die Krone zu spionieren. So braucht sie nicht lange, um herauszufinden, dass ihr ungeliebter Bruder Isaac England auf dem Seeweg verlassen hat, und rechnet nicht mehr ernstlich damit, ihn jemals wiederzusehen. Nach zwei Jahren schreibt sie ihn endgültig ab.

Außerdem hat sie dringendere Sorgen: Elizabeth und ihrem langjährigen Freund Robin Dudley wird eine Liaison unterstellt, und als Robins Frau Amy Robsart unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, muss Eleanor den wahren Grund für ihren Tod herausfinden, um den Verdacht von Elizabeth und Robin abzuwenden. Während ihrer Untersuchungen gerät sie in Kontakt mit Gabriel Durham, einem weiteren missratenen Neffen ihres Onkels Philipp, König der Londoner Diebe, doch trotz seiner Hilfe können Eleanors Ermittlungen Robin und die Königin nicht vor übler Nachrede bewahren. Unterdessen spitzt sich auch die politische Lage zu: Während Elizabeth in eine Heirat gedrängt werden soll, ist in Frankreich ein Krieg zwischen den Papisten und den protestantischen Hugenotten entbrannt, sodass England sich als protestantisches Land zum Handeln gezwungen sieht. Inzwischen verwitwet die katholische Mary Stewart in Frankreich, nimmt ihren schottischen Thron ein und erhebt Anspruch auf die englische Krone. Zudem sieht sich Eleanor in einem heftigen Gewissenskonflikt, denn sie hat sich in den König der Diebe verliebt, und muss nun ihrer Königin beibringen, dass sie schwanger ist mit dem Bastard des meistgesuchten Mannes von ganz London. Doch Elizabeth, sonst immer äußerst streng und unnachgiebig in solchen Fragen, lässt ihr die Liaison durchgehen, während Robin seine Liebschaft mit Lettice Knollys zu verbergen sucht, einer Hofdame und Cousine der Königin, die ihr – wie zuvor schon Amy – auffallend ähnlich sieht.

In Waringham hat Lappidot die Verzweiflung über seine plötzliche Blindheit überwunden und seine große Leidenschaft entdeckt: Die Musik. Mit Feuereifer stürzt sich der Junge auf die völlig neue Herausforderung, das Violinespielen zu lernen. Unterdessen plant das jüngste von Nicks Kindern, Isabella, ihre Hochzeit mit William Stanley, die kurz nach der Geburt von Eleanors Sohn Samuel stattfindet.

Zweiter Teil 1566-1569

Isaac

John Hawkins will eine weitere Dreiecksfahrt (England → Afrika → Neue Welt) unternehmen und braucht dazu eine eigene Flotte, um den spanischen Seepatrouillen trotzen zu können. Unter anderem hat er die „Jesus of Lübeck“ im Auge, eines der größten, aber auch ältesten Schiffe der Königlichen Flotte. Isaac hat er mit dem Auftrag betraut, ihm die „Jesus“ zu beschaffen.

Den Winter verbringt Isaac in Waringham, wo er auf Abigail Wheeler, eine ehemalige Schülerin des Internats seines Vaters und Bruders, trifft, die inzwischen als Magd die jetzigen Schulkinder versorgt. Isaac fühlt sich sofort zu ihr hingezogen, sie allerdings ist forsch, kühl, abweisend und unverschämt zu ihm. Als Isaac Lappidot, der zum ersten Mal vor der Königin spielen soll, nach Whitehall bringt, nutzt er die Gelegenheit, um mit Robin Dudley über die „Jesus of Lübeck“ zu sprechen. Robin verspricht, zu tun, was er kann, damit Hawkins das Schiff bekommt. Wenig später begegnet Isaac in einem Londoner Hurenhaus, das er bereits als Zwölfjähriger frequentiert hat, Marian Edmundson, einen entfernten Cousin und Seefahrer. Auf der Suche nach einem neuen Captain beschließt Marian, mit Isaac und Hawkins in die Neue Welt zu fahren. Kurz bevor die Flotte aus Plymouth ausläuft, trifft die „Jesus of Lübeck“ ein, und Hawkins vergibt die Schiffe seiner Flotte an unterschiedliche Kapitäne. Auch Francis Drake bekommt ein Kommando und wählt Isaac als seinen Ersten Offizier. Allerdings haben sowohl Isaac selbst als auch Hawkins größte Bedenken ob der Richtigkeit dieser Entscheidung.

Beim Zwischenstopp auf Teneriffa bekommt Hawkins’ Flotte schon einen Vorgeschmack auf die Feindseligkeit, die den Engländern inzwischen von spanischer Seite her entgegengebracht wird, sodass sie so bald wie möglich weiter nach Afrika segeln. Da es inzwischen schwierig ist, an Sklaven zu kommen, müssen sie mit Hilfe Eingeborener einen ganzen Stamm in die Neue Welt verschiffen. Beim Sturm auf das Dorf werden die meisten Afrikaner gefangen genommen, aber auch einige Engländer getötet oder verletzt, darunter auch Isaac, der in den folgenden zwei Monaten wegen einer Pfeilvergiftung danieder liegt. Nach seiner Genesung steuern Drake und einige andere Kapitäne Rio de la Hacha an, um zu erkunden, wie gut die dortigen Spanier auf die Sklaven englischer Freibeuter ansprechen. Die Stimmung ist allerdings eher geladen, und der kleine Landungstrupp unter Drake nimmt einige spanische Soldaten als Geiseln, darunter auch Fernando Soler, für dessen Auslösung Hawkins später sein Gewicht in Perlen verlangt. Die altersschwache „Jesus“ wird allerdings in den Stürmen der Karibik beschädigt, und die Flotte läuft den Hafen von San Juan de Ulúa an, um Reparaturen vorzunehmen. Die Engländer treffen eine Vereinbarung mit dem spanischen Gouverneur und später auch dem spanischen Vizekönig, der mit der Silberflotte den Hafen erreicht, woraufhin sie die dem Hafen vorgelagerte Festungsinsel besetzen. Trotz der Spannungen zwischen ihre beiden Ländern verbringen die englischen und spanischen Matrosen zusammen eine unbeschwerte Woche am Strand von San Juan de Ulúa. Das Idyll wird abrupt beendet, als spanische Truppen aus einem nahegelegenen Militärstützpunkt die Engländer aus dem Hinterhalt angreifen. In der folgenden Schlacht verliert John Hawkins alle Schiffe, bis auf die ebenfalls leckgeschlagene „Minion“, auf der auch Isaac und Marian stranden. Francis Drake, der der „Minion“ Fracht und Männer abnehmen soll, verlässt mit seinem unbeschadeten Schiff fluchtartig den Ort des Geschehens, um sich nach England zu retten.

Die Heimfahrt der Minion wird für alle zweihundert Seeleute zur Prüfung und schließlich zur Qual. Für die meisten endet sie tödlich. Den Schiffsbauch voller erbeutetem Gold und unverkauften Sklaven haben sie weder Proviant noch Trinkwasser an Bord. Die Hälfte der Mannschaft setzt sich schließlich ab und versucht auf dem Neuspanischen Festland ihr Glück. Von den verbliebenen Matrosen sterben über achtzig, und so bringt Hawkins von seiner Dreiecksfahrt von vierhundert Männern fünfzehn wieder lebend zurück.

Eleanor

Mary Stewart hat Lord Darnley geheiratet, der sowohl mit Elizabeth als auch mit Mary verwandt ist und für einen brüchigen Frieden zwischen England und Schottland sorgen soll. Doch statt seine Königin zu betören verbringt der junge Darnley seine Zeit lieber mit Huren und Saufkumpanen und lässt Marys italienischen Sekretär und vertrauten Berater kurz vor der Geburt ihres Sohnes James vor ihren Augen ermorden. Elizabeth schickt Eleanor, die inzwischen mit einem zweiten Kind schwanger ist, nach Schottland, wohin Gabriel sie begleitet, um herauszufinden, ob wirklich Darnley der Vater des kleinen Prinzen James ist, oder nicht doch der erdolchte Italiener. Diese Sorge erweist sich als unbegründet, da James Darnley wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Stattdessen macht Eleanor Bekanntschaft mit dem Earl of Bothwell, Wachhund der Königin und äußerst einflussreicher Mann in Schottland. Außerdem will sie die Zeit nutzen, um Darnley wieder zur Vernunft zu bringen, damit er seine Ehe mit Mary retten kann. Eleanor besucht ihn zu diesem Zweck nachts im alten Bürgermeisterhaus von Kirk o'Field, doch nur wenige Augenblicke nachdem sie das Haus wieder verlassen hat, explodieren im Keller mehrere Pulverfässer, die es zum Einsturz bringen und Darnley töten. Eleanor hat sofort Bothwell im Verdacht, für den die Königin eine Schwäche hat, und der in ihr den letzten Schlüssel zur Macht in Schottland sieht. Als Bothwell aber droht, Darnleys Ermordung Eleanor und damit Elizabeth anzuhängen, müssen sie und Gabriel Schottland fluchtartig verlassen.