mini|Regierungschef David Lloyd George, 1919 Die Regierung Lloyd George war eine Koalitionsregierung unter dem liberalen Premierminister David Lloyd George, die das Vereinigte Königreich von Dezember 1916 bis Oktober 1922 regierte. Sie entstand während des Ersten Weltkriegs nach dem Rücktritt des vorherigen Premierministers Herbert Henry Asquith am 5. Dezember 1916, worauf ihm ein Teil der Liberal Party in die Opposition folgte.
Die Koalition bestand nach dem Kriegsende fort, allerdings verschob sich die Machtbalance nach den Unterhauswahlen vom Dezember 1918 deutlich zu den Konservativen. Die Regierung bestand in der Nachkriegszeit mehrere problematische Situationen, unter anderem wurden die Friedensverträge mit den Mittelmächten in ihrer Amtszeit unterzeichnet und die Irlandfrage mit dem Anglo-Irischen Vertrag von 1921 gelöst. Lloyd George wurde unter anderem sein persönliches Engagement für die Griechen im Griechisch-Türkischen Krieg zum Verhängnis, was sich an der Chanakkrise von 1922 zeigte. Nach mehreren Skandalen, in die der Regierungschef involviert war, und aufgrund des zunehmenden Vertrauens der Konservativen, allein eine Regierung bilden zu können, zuletzt bei einem Hinterbänkler-Treffen im Carlton Club am 19. Oktober 1922, traten Lloyd George als Premierminister und der konservative Parteiführer Austen Chamberlain zurück, worauf Andrew Bonar Law beide Posten übernahm.
Regierungsbildung Die Vorgängerregierung, die seit Mai 1915 amtierende zweite Regierung Asquith, hatte während des Jahres 1916 unter mehreren Krisen gelitten: zum einen trat die irische Frage mit dem Osteraufstand vom April 1916 in Dublin wieder auf die Tagesordnung, zum anderen erlitt die britische Kriegsführung in diesem Jahr mehrere Rückschläge – mit den riesigen Verlusten der Schlacht an der Somme als augenscheinlichstem Stein des Anstoßes. Diese Schlacht und ihre Bewertung in der britischen Öffentlichkeit warfen die Frage auf, wie der Krieg, wenn er nach den bisherigen Methoden weitergeführt wurde, zu gewinnen sei. Die Opposition gegen Premierminister Asquith innerhalb der Regierung kristallisierte sich um den ambitionierten Kriegsminister David Lloyd George, der für die Konservativen trotz seiner früheren radikalen Politik als Nachfolger Asquiths als annehmbar erschien. Lloyd George und der konservative Parteiführer Bonar Law taten sich Anfang Dezember 1916 zusammen, um vom Premier die Bildung eines kleinen, dreiköpfigen Komitees für eine effektivere Kriegsführung zu fordern, dessen Vorsitz Lloyd George übernehmen und in dem Asquith nicht vertreten sein sollte. Asquith stimmte zunächst widerstrebend zu, zog die Zustimmung aber nach zwei Tagen wieder zurück, worauf Lloyd George seinen Rücktritt einreichte. Dies hatte den Sturz der Regierung Asquith zur Folge. Asquith weigerte sich, unter den Konservativen Bonar Law oder Arthur Balfour in einer Regierung zu dienen, die vom König als Kandidaten für die Nachfolge ins Spiel gebracht wurden. In der Folge wurde Lloyd George am 6. Dezember zur Audienz einbestellt, um den Auftrag zur Regierungsbildung zu erhalten.
In der neuen Regierung waren unter anderem folgende liberalen Minister nicht mehr vertreten: Reginald McKenna (Schatzkanzler, ersetzt durch Bonar Law) Robert Crewe-Milnes, 1. Marquess of Crewe (Lord President of the Council, ersetzt durch Lord Curzon) Edward Grey (Außenminister, ersetzt durch Arthur Balfour) Herbert Samuel (Innenminister, ersetzt durch George Cave)
Neuer Kriegsminister als Nachfolger Lloyd Georges wurde Edward Stanley, 17. Earl of Derby. Es wurden mehrere neue Ministerien eingerichtet, darunter erstmals ein Arbeitsministerium. Arbeitsminister () waren während des Krieges die Labour-Politiker John Hodge und dann vom 17. August 1917 bis zum 10. Januar 1919 George Roberts.
Kriegskabinett Entsprechend den Vorschlägen Lloyd Georges und Bonar Laws wurde die eigentliche Leitung der Kriegsführung von einem Komitee ausgeübt, das als Kriegskabinett firmierte. Ihm gehörten neben Lloyd George an: Lord Curzon (Lord President of the Council und Leader of the House of Lords) Andrew Bonar Law (Schatzkanzler und Leader of the House of Commons) Arthur Henderson (Minister ohne Geschäftsbereich) Lord Milner (Minister ohne Geschäftsbereich)
Änderungen während des Bestehens des Kriegskabinetts (offiziell bis zum 31. Oktober 1919): George Nicoll Barnes ersetzte im Mai 1917 Arthur Henderson Jan Christiaan Smuts wurde im Juni 1917 als Minister ohne Geschäftsbereich Mitglied des Kriegskabinetts Sir Edward Carson wurde im Juli 1917 als Minister ohne Geschäftsbereich Mitglied des Kriegskabinetts, er trat im Januar 1918 zurück Austen Chamberlain ersetzte im April 1918 Lord Milner als Minister ohne Geschäftsbereich und Mitglied des Kriegskabinetts Sir Eric Geddes ersetzte im Januar 1919 Jan Christiaan Smuts als Minister ohne Geschäftsbereich und Mitglied des Kriegskabinetts
Liste der Amtsträger (Minister im Kabinettsrang erscheinen fett gedruckt.)