mini|Strand und Hauptgebäude, 2013 Das Strandbad Plötzensee in Berlin-Wedding, ab 1922 erbaut als Wassersportplatz Plötzensee, ist ein denkmalgeschütztes Freibad am Südweststrand des Plötzensees. Es steht in der Tradition mehrerer Plötzenseer Bäder seit den 1820er Jahren. Im späteren 20. Jahrhundert war für die Anlage der Name Freibad Plötzensee verbreitet.

Eigentümer ist das Land Berlin, Träger die kommunalen Berliner Bäder-Betriebe, die das Bad in regelmäßigen Ausschreibungen an private Betreiber verpachten. An heißen Sommertagen kommen bis zu zehntausend Menschen in das Bad.

Lage Das Strandbad liegt gut drei Kilometer nordwestlich des Berliner Hauptbahnhofs zwischen dem Plötzensee und dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal innerhalb einer ausgedehnten Grünfläche, zu der der Volkspark Rehberge, der Goethepark sowie mehrere Friedhöfe gehören. Vierhundert Meter südlich des Bades verlaufen die Seestraße und die Autobahn A100. Südwestlich, jenseits des Schifffahrtskanals, liegen die Gedenkstätte Plötzensee und die Justizvollzugsanstalt Plötzensee.

Das Strandbad liegt an einem der ältesten Landschaftsschutzgebiete Berlins. Seit 1953 ist der See Teil des LSG-06: Volkspark Rehberge einschließlich des Plötzensees.Schutzgebiete und Schutzobjekte nach Naturschutzrecht Berlin. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Karte im Geoportal Berlin. Das Baden im See ist ausschließlich im Strandbad innerhalb eines mit einer Bojenkette markierten Schwimmbereichs erlaubt. Der sonstige See mitsamt Ufern ist gesperrt.Allgemeinverfügung über das Betretungsverbot für bestimmte Uferbereiche des Plötzensees. Bezirksamt Mitte von Berlin, Bekanntmachung vom 17. September 2021. berlin.de (PDF; 0,3 MB).

Geschichte mini|Luftbild 1928: oben links der helle Badestrand, rechts unterhalb im dunklen See die Konturen des ehemaligen Wellenbades, gegenüber zwei Becken des alten Militärbades Der Plötzensee ist der älteste bewirtschaftete Berliner Badesee.Uta Maria Bräuer u. a.: Bäderbau in Berlin. Architektonische Wasserwelten von 1800 bis heute. Lukas Verlag, Berlin 2013, S. 34. Bislang gab es vier Badeanstalten. 1824–1918 lag eine Militärische Badeanstalt nahe der Seestraße, nördlich des heutigen Bootsverleihs. ca. 1839–1851 gab es eine bewachte Badestelle gefolgt von einem kleinen städtischen Freibad mit Sandstrand und Bademeister, südöstlich des heutigen Strandbades 1877–1918 folgten am gleichen Ort zunächst das Auerbach’sche Wellenbad, ab 1906 das ausgebaute Pantzier’sche Wellenbad 1922 begann der Ausbau des großen, heutigen Strandbades

Militärbad 1824–1918

Nachdem der Militärsport-Reformer Ernst von Pfuel seine erste Schwimm-Anstalt 1817 in der Spree eröffnet hatte, richtete das 2. Garde-Regiment zu Fuß 1824 am südlichen Ostufer des Plötzensees nahe der Seestraße eine erste Badestelle im See ein. Das Gelände der nahen Rehberge diente der Armee bereits damals als Übungsgelände. Als nach 1850 das Eigentum am Plötzensee von der Stadt Berlin an den Preußischen Staat überging, baute das Militär das etwa ein Hektar große Freigelände 1860 zu einer größeren Militair-Schwimm-Anstalt aus.Otto von Lüdinghausen-Wolff: Geschichte des Königlich Preussischen 2. Garde-Regiments zu Fuss. Mittler und Sohn, Berlin 1882, S. 93.Badeanstalt kartiert von der Königlich Preussischen Landesaufnahme: Urmesstischblatt 3446 Berlin (Nord), Berlin 1825/1832. Zur Ausstattung gehörten ein Floß, eine Trennung von Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich sowie verschiedene Sprungbretter, die Becken waren auf zwölf Meter Tiefe ausgeschachtet. Von 1864 bis 1915 war der See Teil des preußischen Gutsbezirks Plötzensee, und lag außerhalb von Berlin im damaligen Kreis Niederbarnim.

1906 begann am Militärbad die als Köpenickiade bekannte Hochstapelei des verkleideten Hauptmanns von Köpenick. Dieser stellte dort rund ein Dutzend Soldaten unter sein Kommando und zog mit ihnen durch die Stadt nach Köpenick, um dort spektakulär das Rathaus zu besetzen.

Städtische Badeanstalt 1845–1851

Im Zuge der Preußischen Reformen hatte die Stadt Berlin 1817 das Vorwerk Wedding erworben, zu dessen ausgedehnten Flächen auch große Teile des Waldgebiets Jungfernheide sowie die darin liegenden Plötzenseen gehörten. Für den großen und kleinen Plötzensee zahlte die Stadt damals 100 Taler. 1839 wurden erste Mittel freigegeben und am Südufer eine „oeffentliche, polizeilich beaufsichtigte“ Badestelle eingerichtet, Der Arzt Hermann Wollheim lobte das dortige „Wasser von angenehmer Lauheit und Klarheit“.Hermann Wollheim: Versuch einer medicinischen Topographie und Statistik von Berlin. Hirschwald, Berlin 1844, S. 114. 1849 wurde die Badestelle beim Bau des Schifffahrtskanals zugeschüttet,Karl Ludwig Friedrich von Hinckeldey: Bekanntmachung. In: Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen. Berlin 13. Juni 1849, S. 22. an neuem Ort wieder angelegt und zu einer kleineren Badeanstalt ausgebaut:

Ein Grund für das nur kurze Bestehen der ersten Badeanstalt war, dass der Plötzensee damals noch kilometerweit außerhalb der Stadtgrenzen lag:

Ab 1873: Eisfabrik und Moabiter Schützenhaus mini|Ehemaliges Steilufer am heutigen Strandbad, 1906 Zwischen See und Eingangsbereich des heutigen Strandbades stand von 1873 bis 1913 das Moabiter Eiswerk. Die gut drei Hektar große Eisfabrik von Moritz und Robert Ahrens verarbeitete gefrorenes Wasser aus dem Plötzensee und wurde 1890 an die Norddeutschen Eiswerke verkauft. Die mit Holzwolle gedämmten Gebäude wurden 1913 bei einem Großbrand zerstört.Peter Schwoch: Brand bei den Norddeutschen Eiswerken in Plötzensee 1913. Onlineartikel unter berlin-eisfabrik.de

Westlich der Eisfabrik, Adresse Nordufer 28 (heute: Jugendgästehaus Nordufer), baute die Moabiter Schützengilde 1874 ihr Schützenhaus und erweiterte es bis zum See um einen Tanzsaal, Kegelbahnen und um mehrere Schaubuden. Ende des 19. Jahrhunderts galt das Schützenhaus als eine „beliebte Volkserhohlungsstätte.“ Die Anlage wurde

1877–1918: Wellenbäder mini|hochkant|Pantzier’sches Wellenbad 1906 Aucherbach’sches Wellenbad 1877–1906 Eine erste größere private Schwimmanstalt errichtete der Turn- und Fechtlehrer Wilhelm Auerbach – nach dem der Auerbachsalto benannt ist. Das 1877 eröffnete Auerbachsche Wellenbad verfügte über ein Schaufelrad, mit dem im Wasser Wellen erzeugt wurden, ferner über getrennte Bereiche für Männer und Frauen und – natürlich – über einen Sprungturm. Das Bad lag nahe der Südspitze des Sees, am Ufer des heutigen Hauses des Unionhilfswerks.

Pantzier’sches Wellenbad 1906–1918 1906 wurde das Bad um fünfhundert Quadratmeter vergrößert, wechselte seinen Besitzer und hieß nun Pantzier’sches Wellenbad. Der Zimmermann Heinrich Schwien entwarf große, auf den See hinaus gebaute, zweistöckige Umkleidekabinen, in denen sich bis zu eintausend Badegäste gleichzeitig umziehen konnten. Publikumsattraktion war ein „durch Gasmotor betriebenes Schaufelrad zur Erzeugung kräftigen Wellenschlags.“ Außerdem verfügte das Bad über ein wettkampffähiges 50-Meter-Becken, das auf 100 Meter erweitert werden konnte. Einige Stunden des Tages war „Damenbadezeit“, zusätzlich gab es kleine Einzelbäder.Heinrich Schwien: Die neue Badeanstalt im Plötzensee bei Berlin. In: Baugewerks-Zeitung 38 (1906) Berlin, S. 326.

Bau des heutigen Bades 1922–1928

Anfang 1922 gründete das Bezirksamt Wedding unter Beteiligung mehrerer Schwimmvereine die Wassersportplatz Plötzensee G.m.b.H.Freibad Plötzensee. Eine musterhafte Anlage - Drei Fünftel Gratisbesucher. In: Berliner Tageblatt, Beilage: Berliner Stadtblatt, 12. Juni 1924, S. 15. Finanziert von der Stiftung Park, Spiel und Sport des Oberbürgermeisters Gustav Böß wurde ein langer Sandstrand angelegt, bereits am 1. Juni 1922 begann der Freibadeverkehr, Böß weihte die Anlage zwei Wochen später ein.Magistrat von Berlin (Hrsg.): Gemeindeblatt der Stadt Berlin. Nr. 41, Berlin 1922, S. 503. zlb.deWassersportplatz Plötzensee. Ein Freibad für Berlin NW. In: Vorwärts. Berlin 17. Juni 1922, S. 6. Anschließend entstanden in mehreren Jahren Gesamtbauzeit eine Schwimmsport- und Sprungturmanlage (1925), die Gebäude des Strandbads (1926–1928) sowie rings um den See eine Uferpromenade mit Anschluss an den neuangelegten, nördlich gelegen Volkspark Rehberge.Der Wassersportplatz Plötzensee. In: Vorwärts, Stadtbeilage, Berlin 24. April 1925, S. 8. Das weitläufige Gelände sollte ein Freizeitort für Arbeiterfamilien aus Wedding und Moabit werden. Die Pläne für das Badgelände stammten von Bezirksgartendirektor Rudolf Germer, die Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit entwarfen die Architekten Johannes Krüger und Walter Krüger.

Die geschwungene Stützmauer öffnet sich u-förmig zum See, ist etwa 250 Meter lang und wird eingefasst von zwei Pavillons, deren Kegeldächer – den Hauptgebäuden gleich – mit Schiefer eingedeckt sind.Uta Maria Bräuer u. a.: Bäderbau in Berlin. Architektonische Wasserwelten von 1800 bis heute. Lukas Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86732-129-7, S. 36. 1929 lobte die Fachpresse den „Wassersportplatz am Plötzensee“ als „eine in schönster landschaftlicher Umgebung liegende, geschmackvolle Anlage.“G. Gunter: Der neue Volkspark Rehberge. In: Die Gartenwelt – Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau, 22. März 1929, Berlin, S. 164; tu-berlin.de (PDF).

Schon bald nach der Eröffnung – bereits auf der Baustelle – kamen im Sommer bis zu zehntausend Menschen am Tag. Mit der hohen Arbeitslosigkeit Ende der 1920er Jahre stiegen die täglichen Besucherzahlen sogar auf bis zu vierzigtausend.Sabine Deckwerth: Tausende zog es am Wochenende zum Plötzensee. In: Berliner Zeitung, 25. Juli 1994. Im Jahr 1926 zählte das Bezirksamt Wedding insgesamt 860 Tausend Besucher.Volkspark Rehberge und der Ausbau der angrenzenden Freiflächen. Denkschrift, Bezirksamt Wedding, Juni 1927.

Ehemalige Anlagen Am Ort des 1964 neu errichteten Steges,Luftbildtechnik Berlin-Tempelhof: Luftbilder April 1964, Bildnummer 7271, Streifen 58. Im Geoportal Berlin: 1964_04_58_7271_pan. (Fotografie während der Bauarbeiten) der ein 50-Meter-Becken umläuft, befand sich zuvor ein größeres 100-Meter-Becken sowie an dessen Nordwestseite ein 10-Meter-Sprungturm mit imposantem Blick über den Strand.Ullstein Bild Nummer: 08449370 Aufnahme von ca. 1935. ullsteinbild.de Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bis 1951 das 100-Meter-Becken renoviert und ein 50-Meter- und zwei 25-Meter-Becken integriert. Der große Sprungturm wurde durch einen kleineren 5-Meter-Turm ersetzt und bis 1955 mit einer Wasserrutsche ergänzt. Von den Installationen im Wasser erhalten waren 2023 lediglich zwei kleinere Stege sowie das 50-Meter-Becken am nördlichen Ende des Strandbades. Ein größeres Funktionsgebäude, das etwas südlich der Hauptgebäude stand, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstörtGebäudeschäden 1945. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen – Geoportal Berlin. und Anfang der 1950er Jahre durch einen Flachbau ersetzt.

Der Eingang des Freibades lag anfangs an einer Allee, die auf der Symmetrieachse der Anlagen auf geradem Weg vom Hauptgebäude zur Erschließungsstraße Nordufer verlief. In der Nachkriegszeit legte der Bezirk Wedding hier den Sportplatz Nordufer an. Der Eingang des Bades wurde nach Südosten versetzt auf das Gelände der ehemaligen Eisfabrik am Nordufer 26, wo auch eine neue, große Liegewiese angelegt wurde. 2024 hatte das Bad eine Gesamtfläche von 62.111 Quadratmetern.ALKIS Berlin Flurstücke. Flurstückskennzeichen: 11000301900613. Flurnummer 19, Zähler 613; Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen – Geoportal Berlin, Karte.

Wasserqualität mini|hochkant=1.5|Strand, 2005