Govinda ( oder ) ist zusammen mit Gopala eine Bezeichnung Krishnas, dem Avatara Vishnus. Im Hinduismus und insbesondere bei den Vaishnavas werden Vishnu und seine vollständige Inkarnation Krishna als höchste Gottheit verehrt.
Etymologie mini|300px|Gitagovinda, um 1550 Govinda setzt sich zusammen aus den Sanskritwörtern go गो mit der Bedeutung Kuh, Rind und vinda विन्द (Beschützer, Hirte). Govinda bedeutet somit Beschützer der Kühe oder Kuhhirte. Insbesondere der jugendliche Krishna ist unter dieser Bezeichnung bekannt, da er in Vrindavan die Kühe hütete. In einem erweiterten Sinn kann go auch die Veden und darüber hinaus die Erde oder die Sinne bedeuten. Govinda beschützt daher neben den Kühen auch die Veden und verleiht den Sinnen höchste Freude.
Interpretationen Laut Adi Shankaras Kommentar zum Vishnu Sahasranama, der von Swami Tapasyananda übersetzt wurde, besitzt Govinda vier Bedeutungen. Die Weisen nennen Krishna Govinda, weil er alle Welten durchdringt und ihnen Energie übermittelt. Im Shanti Parva des Mahabharata wird verlautet, dass Vishnu die Erde wiederhergestellt hatte, nachdem sie in die Unterwelt des Patala versunken war. Aus diesem Grund priesen ihn die Devas als Govind, den Beschützer des bewohnten Landes. Govinda bedeutet auch derjenige, der allein durch die Veden erkannt werden kann. Im Harivamsha pries Indra Krishna für sein liebevolles Hüten der Kühe mit dem Zusatz, dass die Menschen ihn daher als Govinda verehren sollen.
Maharishi Mahesh Yogi bezeichnet in seinem Kommentar zur Bhagavad Gita Govinda als Herrn der Sinne. In der Geschichte im Mahabharata über Draupadi, die am Hof von Hastinapura von Dushasana ihres Saris beraubt zu werden drohte, wird berichtet, dass Draupadi zu Krishna (der sich damals in Dvaraka befand) betete, als sie ihren Sari nicht mehr länger an ihrem Körper halten konnte. Gottgeweihte, die alles verloren bzw. nichts mehr zu verlieren haben, wenden sich daher auch an den Höchsten Herrn als Govinda. In der Umgangssprache des Tamil und des Telugu bezieht sich das Dialektwort govinda manchmal auf einen Verlust oder ein Misslingen.
Geschichtliches Laut Klaus Klostermaier ist Kumar Gopijanavallabha bzw. Krishna als Liebhaber der Gopis die letzte Stufe eines historischen Entwicklungsprozesses, der letztlich zum modernen Krishnaismus führte. Diese Verehrungsform wurde erst später dem ursprünglichen Krishna-Vasudeva-Kult, der sehr wahrscheinlich auf mehrere Jahrhunderte vor Christi Geburt zurückgehen dürfte und der Verehrung von Balakrishna, dem Gottkind Krishna, hinzugefügt. Klostermaier führt dazu aus:
Govinda im Hinduismus
Keshava nama In den Keshava nama, den 24 Namen Vishnus, tritt Govinda an vierter Stelle auf.
Sahasranama Unter den tausend Namen Vishnus, dem Vishnu Sahasranama, erscheint Govinda an 187. und 539. Stelle.
Bhagavad Gita In der Bhagavad Gita redet Arjuna Krishna zweimal als Govinda an (Verse 1, 32 und 2, 9):
Govinda-bhashya Der Govinda-bhashya ist ein Kommentar zur Philosophie des Vedanta, der von Baladeva Vidyabhushana verfasst wurde.
Gebete Adi Shankara verfasste das Bhaja Govindam, ein berühmtes Gebet, dessen Botschaft lautet: «Wer Govinda verehrt, kann den großen Ozean von Geburt und Tod ohne Mühen überqueren». Darin kommt der Glaube zum Ausdruck, dass die Anbetung von Vishnu oder Krishna Gläubige aus dem Kreislauf der Wiedergeburt oder des Samsaras befreien und sie zu einem ewigen Leben voller Glückseligkeit in Vaikuntha führen kann – dem sich jenseits dieser materiellen Welt befindlichen höchsten Aufenthaltsort Govindas (bzw. Vishnus). In seinem Gebet Bhaja Govindam bringt Adi Shankara den Wert tiefer innerer Hingabe an Vishnu zum Ausdruck.
In einem Gebet des Vishnu Purana an Krishna/Govinda wird der Schutz der Kühe und der Brahmanen hervorgehoben:
In der Brahma Samhita kommt Brahma zu folgendem Schluss:
Später dann wird Govinda als ältestes Lebewesen und Lenker des Sonnensystems verehrt:
Einzelnachweise
Kategorie:Gottheit des Hinduismus Kategorie:Indische Mythologie