mini|Bernd Grönwald Bernd Grönwald (* 25. Februar 1942 in Leipzig; † 28. Januar 1991 in Weimar) war ein in der DDR tätiger deutscher Architekt, Architekturtheoretiker und -historiker sowie Hochschullehrer.
Tätigkeiten (Überblick) Bernd Grönwald galtGemäß Quellentext "Kurzbegründung zum Vorschlag der Bauakademie der DDR zur Verleihung des „Architekturpreises der DDR“ an Prof. Dr. Bernd Grönwald zum Tag des Bauarbeiters" am 25. Juni 1989, inkl. Ausformulierung der hier aufgeführten Arbeitsschwerpunkte in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre als führender Architekturwissenschaftler der DDR auf dem Gebiet der Theorie und Geschichte sowie des sozialistischen Städtebaus. Internationale Reputation erwarb er als Wissenschaftler und Fachexperte, Hochschullehrer sowie Vizepräsident und Direktor des Instituts für Städtebau und Architektur der Bauakademie der DDR. Er leistete teils federführend theoretische und praxisverbundene Arbeiten zur Geschichte des Bauhauses sowie zur Weiterentwicklung von Architektur und Städtebau in der DDR, verfolgte wissenschaftliche Arbeiten zu marxistisch-leninistischen Kultur- und Kunstwissenschaften und zur Architektur- bzw. Umweltentwicklung in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft. Er wirkte im Bund der Architekten der DDR, als Mitglied des Gesellschaftlichen Rates der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar (HAB), als Mitglied des Wissenschaftlichen Rates der Bauakademie der DDR, als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates für Bauingenieurwesen/Architektur beim Ministerium für das Hoch- und Fachschulwesen der DDR sowie als Vorsitzender des Redaktionsbeirates der Zeitschrift „Architektur der DDR“ (ab 12. Januar 1987). Mit Christian Schädlich initiierte er die Internationalen Bauhauskolloquien in Weimar und darüber hinaus das „Hannes-Meyer-Entwurfsseminar“ (1982–1986, leitend ab 1983; Projekte mit Architekten des finnischen Architektenverbandes SAFA)Grönwald: Hannes-Meyer-Seminar am Bauhaus Dessau, in: Architektur der DDR 8/1982, ders.: III. Hannes-Meyer-Seminar am Bauhaus Dessau. In: Architektur der DDR 31/8 1982, S. 509, III, ders.: Das 4. Hannes-Meyer-Seminar im 35. Jahr der DDR – ein Beitrag zur Lösung neuer Aufgaben des Wohnungsbauprogramms der DDR. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar 30. Jg., Heft 4, 1984, S. 199–208 sowie ders.: Entwürfe zur Stadterneuerung. 4. Hannes-Meyer-Seminar. In: form+zweck 1 (17. Jg.), Berlin 1985 a, S. 35–38 und Hannes Meyer und das Architekturschaffen unserer Zeit. Festvortrag zur Verleihung der Hannes-Meyer-Plakette des Rates des Bezirkes Halle am 14.11.1985. In: BdA-Mitteilungen des Bezirkes Halle 2, Halle 1985 b, das „1. Ferdinand-Kramer-Seminar für Designer und Architekten“ sowie das internationale Seminar „Biostrategien für das Bauwesen“ (ab 1986). Die Arbeits- und Wirkungsfelder als Wissenschaftler und Architekt umfassen Beiträge zur Entwicklung räumlicher weitgespannter Konstruktionen für den Metallleichtbau (1960er Jahre) Theorie und Praxis der Umweltgestaltung (1970er Jahre)Wesentliche Titel dazu sind etwa Grönwald: Arbeitskultur und Arbeitsumweltgestaltung. Thesen zur Tagung Arbeitskultur im sozialistischen Betrieb (als Manuskript gedrucktes Arbeitsmaterial), Erfurt/Dresden 1974, ders.: Die Gestaltung der Arbeitsumwelt in der sozialistischen Industrie – ein bedeutsames Element in der Entwicklung der sozialistischen Arbeitskultur. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar 22. Jg., Heft 1, 1975, S. 83–91, Autorenkollektiv der Bauakademie der DDR, Institut für Industriebau (Mitautorenschaft): Richtlinie Arbeits- und Lebensbedingungen. Entwurfsrichtlinie für die Planung von Versorgungs- und Betreuungseinrichtungen sowie deren funktionell-bauliche Einordnung in Industriewerken. In: Entwurfsgrundlagen für Industriewerke Heft 3 (Entwurf Berlin 1975, zur Anwendung empfohlene Ausgabe Mai 1976), Berlin 1976 a, Grönwald: Arbeitsumweltgestaltung als Beitrag zur Erhöhung der sozialistischen Arbeitskultur nach dem IX. Parteitag der SED. In: Weimarer Beiträge, Weimar 1976 b, ders.: Arbeitsumweltgestaltung zu einer umfassenden sozialen Aktivität bei der Verwirklichung der Beschlüsse des IX. Parteitages entwickeln! Thesen zur zentralen Gestalterfachtagung der DDR, gedrucktes Manuskript, Dresden 1977 a, ders.: Strategie für Arbeitsumweltgestaltung. In: form+zweck 3, Berlin 1977 b, S. 2f., ders.: Fachbuch „Arbeitsumweltgestaltung“, Berlin 1977/1978 (mit Gerhard Baumgärtel), ders.: Arbeitsumweltgestaltung im Industriebau, Berlin 1980 (mit Gerhard Baumgärtel), ders.: Arbeitsumwelt und Arbeitsgestaltung – Definition und Gegenstand. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar 28. Jg., Heft 5/6, 1982 a, S. 352f. sowie ders.: Arbeitsumweltgestaltung für die 80er Jahre – Bilanz, Tendenzen und der historische Zusammenhang. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar 28. Jg., Heft 5/6, 1982 b, S. 353–360. Grundlagenarbeit marxistisch-leninistischer Architekturtheorie (1970er Jahre)Vgl. etwa Grönwald: Die bürgerliche Ideologie in ihrer baulich-räumlichen Widerspiegelung in der Architekturentwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalismus. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar 20. Jg., Heft 2, 1973, S. 125–131, ders.: Aktuelle Probleme der Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Ideologie in der Architekturentwicklung des Kapitalismus. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar 21. Jg., Heft 5, 1974, S. 353–361, ders.: Die Arbeitsumwelt in den entwickelten kapitalistischen Ländern – Gegenstand zunehmender Aktivitäten des Monopolkapitals und der bürgerlichen Ideologie in der Klassenauseinandersetzung. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar, Heft 1, 1976, S. 49–57, ders.: Thesen zur Entwicklung kultureller Bedürfnisse in der Arbeiterklasse und den sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Gestaltung der Arbeitsumwelt. In: Informationen zur soziologischen Forschung in der DDR 12, Nr. 6 1976, S. 20–33 oder ders.: Zur Kultur der sozialistischen Arbeitsumwelt. In: Beiträge zur Arbeitsumweltgestaltung 3, Dresden 1985, S. 118 Geschichte der modernen Architektur, insbesondere des Bauhauses im Zusammenhang mit der Neueröffnung des Bauhauses Dessau (1970/1980er Jahre)Vgl. etwa Grönwald: Erbe und Verpflichtung. In: form+zweck 15/2, Berlin 1983, S. 5–8, ders.: Zum 100. Geburtstag von Walter Gropius. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar A-31/2, 1985, S. 97–100 sowie zahlreiche weiter Veröffentlichungen s. u. sowie zu Reproduktionsaspekten im sozialistischen Städtebau (ab 1986).Vgl. etwa Grönwald: Architekturkritik und gesellschaftliche Praxis, in: Architektur der DDR August 8/1985 (mit Gerd Zimmermann), ders.: Bauen im Produktions- und Reproduktionsprozeß des Sozialismus. In: The production of the build environment. Proceedings of the 8. Bartlett International Summer School, London 1987 a, S. 55ff., ders.: Aspekte der sozialen Entwicklung von Städten in den 90er Jahren als Ergebnis relevanter Einflüsse der Reproduktion baulicher Grundfonds sowie der Städtebau- und Architekturentwicklung in der DDR. In: Informationen zur soziologischen Forschung in der DDR 3/1987 b, S. 18–24, ders.: Neue Anforderungen an Architekturwissenschaften und Architekturpraxis für die Erhöhung der sozialökonomischen und kulturellen Wirksamkeit des Bauens. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar 33/4-6, 1987 c, S. 194–198 und ders.: Gesellschaftskonzeption und Stadterneuerung sind nur über praktisches Bauen realisierbar. Einführungsreferat zum wissenschaftlichen Symposium „Gesellschaftskonzeption und Stadtentwicklung“ der Bauakademie der DDR am 17. Januar 1990 in Berlin. In: Helms, Hans G. (Hrsg.), Die Stadt als Gabentisch, Leipzig 1992, S. 316
Leben Kindheit und Jugend mini|hochkant|Bernd Grönwald (1959) Bernd Grönwald war der einzige Sohn des Graveurs und ehemaligen sozialdemokratischen Arbeitersportlers Ernst Grönwald sowie der Kontoristin Helga Grönwald, geb. Mädicke. Die Familie ermöglichte ihm den Besuch einer Volksmusikschule sowie den Besuch der Humboldt-Oberschule in Leipzig (Grundschulabschluss 1956, Durchschnitt 1,08) bis zum Abschluss des Abiturs 1960 (sehr gut). Parallel trieb er aktiven Leistungssport als Leichtathlet. Elternhaus und Schule hielten frühzeitig zu aktiver gesellschaftlicher Arbeit an, was sich etwa in der Delegierung in die Pionierrepublik Wilhelm Pieck 1954 niederschlug. Sie spielte bei der weiteren Entwicklung in Verbindung mit der beruflichen Ausbildung eine bedeutende Rolle.Barbara Berning, Gutes noch besser machen. in: Horst Bartzsch (Red.), Das Beste hat viele Namen, Erfurt 1981, S. 197–200 In den Jahren 1960–1962 leistete B. Grönwald einen eineinhalbjährigen Wehrdienst in einem motorisierten Schützenregiment der damals noch freiwilligen NVA auf einem T-34 und trat parallel nach entsprechender Kandidatur 1961 der SED bei.Vierteilige Artikelserie in der Tageszeitung „Das Volk“, Bezirksorgan der SED Erfurt vom 27. Februar 1962 („Auf meinen Panzer ist Verlass“, „Wir stellen vor: Gefreiter Bernd Grönwald“), 28. Februar 1962 („Notizen zu einer großen Truppenübung der NVA“) und 1. März 1962 („Ich will Städte bauen“); 1982 aufgegriffen von Stade, Heinz: Zukunft – hart an der Realität projektiert. Gespräch mit Bernd Grönwald, in: Das Volk, Erfurt 2. Januar 1982, S. 6 Aus dem Militärdienst schied er als Gefreiter aus, 1971 wurde er zum Oberleutnant der Reserve ernannt.
Studium Nach kurzer Tätigkeit als Hilfsarbeiter in der Baupraxis im VEB Bau-Union Leipzig/Eilenburg nahm er im September 1962 ein Architekturstudium an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar (HAB) auf. Durch die im gleichen Jahr geschlossene Ehe mit seiner Frau Marlis entstand ein enger Kontakt zur Familie Mehler-Rülicke. Mit Käthe Rülicke entwickelte sich ein intensiver Gedankenaustausch im intellektuellen Umfeld des Berliner Ensembles, der den jungen Studierenden politisch und analytisch-kritisch prägte. Während des Studiums war er als Hilfsassistent an den Lehrstühlen Innengestaltung (Horst Michel) sowie Statik und Festigkeitslehre (Siegried Speer) tätig und wurde 1965 über ein Wilhelm-Pieck-Stipendium gefördert. Im zweiten Studienjahr 1963 formte ein Aufmaßpraktikum an abrissgefährdeter Bausubstanz in Quedlinburg Grönwalds denkmalpflegerisches Grundverständnis nachhaltig.Pretzsch, Alfred: Freihandzeichnen in der Freizeit. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar 12. Jg., Heft 2, 1965, S. 191–194 Nach Vertiefung absolvierte er das Diplom 1967 im Bereich Produktionsbauten. Bereits ab dem dritten Studienjahr übernahm B. Grönwald als Hilfsassistent eine selbstständige Lehrtätigkeit mit der Führung von Seminaren in Technischer Mechanik, Statik und Festigkeitslehre. Nach dem Studium wurde er mit diesen Erfahrungen in den nach der damaligen Hochschulreform neu formierten Bereich Baukonstruktionen und Tragsysteme an der HAB als wissenschaftlicher Assistent angestellt. Zunächst wurden ihm praktische Entwurfs- und Projektierungsaufgaben wie für ein Sozialgebäude des VEB Büromaschinenwerk Sömmerda und für den Bau eines Versuchs- und Laborgebäudes (Projekt Zentrallabor der HAB Weimar) und für den Einsatz räumlicher Stabtragwerke in der Gestaltung von Bauten der Landwirtschaft und der Industrie übertragen. Zwischen 1968 und 1971 bearbeitete er außerdem vier ingenieurtheoretisch angesiedelte Forschungsaufträge, die zum einen durch die Bauakademie der DDR/Institut für Industriebau und des Weiteren durch das MLK Leipzig sowie den VEB Lapro-Potsdam mit zwei Aufträgen an ihn vergeben wurden. Teilweise wurden die Ergebnisse veröffentlicht und mündeten mit der Beschäftigung mit Problemen des Metallleichtbaus und seiner Anwendung unmittelbar in praktische Realisierung sowie als Grundlagenarbeiten in die Umsetzung der Promotion A.
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