Solaris Bus & Coach Sp. z o.o. ist ein polnischer Omnibushersteller, der aus dem Neoplan-Lizenznehmer Neoplan Polska hervorgegangen ist und seit 2018 vollständig zum spanischen Schienenfahrzeughersteller Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) gehört. Hauptprodukte sind Kraftomnibusse und Oberleitungsbusse sowie bis Ende 2018 auch Straßenbahn-Gelenkwagen. Ansässig ist das Unternehmen in Bolechowo-Osiedle in der Nähe von Posen.
Geschichte mini|Niederflur-Linienbus Solaris Urbino 12 in Dresden Das Unternehmen wurde 1994 unter dem Namen Neoplan Polska Sp. z o.o. als Vertriebsbüro in Familienbesitz gegründet. Eigentümer Krzysztof Olszewski war zuvor über 15 Jahre in Führungspositionen im Neoplan-Werk in Berlin tätig gewesen.Solaris Bus & Coach: Profil. Stand: 13. März 2008 Der erste abgesetzte Bus war ein Neoplan N 4020 für den städtischen Busbetrieb der polnischen Hauptstadt Warschau. Nach dem Gewinn einer Ausschreibung über 72 Busse für die städtischen Verkehrsbetriebe Poznań eröffnete die Firma 1996 eine eigene Fabrik im nahe gelegenen Bolechowo, wo Niederflur-Linienbusse sowie Reisebusse in Neoplan-Lizenz gefertigt wurden.Solaris Bus & Coach: Geschichte. Stand: 13. März 2008 Neoplan Polska wurde innerhalb weniger Jahre zum polnischen Marktführer für Stadtbusse.Solaris Bus & Coach: Imagebroschüre (deutsche Version). Bolechowo 2006, S. 7
In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre baute Neoplan Polska ein eigenes Entwicklungsbüro auf, das für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zuständig war. Darauf stellte Solaris in der Anfangszeit alle 2–3 Jahre neue Modelle vor. Um das Jahr 2000 waren im Entwicklungsbüro über 60 Mitarbeiter, 2010 140 Personen beschäftigt.
1999 stellte Neoplan Polska den eigenständig entwickelten Niederflur-Stadtbus „Solaris Urbino“ vor, der unter besonderer Berücksichtigung der Wünsche bisheriger Kunden entstanden war. Die optische Gestaltung erfolgte durch das Berliner Design-Atelier IFS. Gleichzeitig wurde ein grüner Dackel als Maskottchen eingeführt. Im folgenden Jahr wurde als erster Exportauftrag ein (15 m langer) Urbino 15 ins tschechische Ostrava geliefert, im selben Jahr folgten zwei (12 m lange) Urbino 12 für ein Busunternehmen in Berlin. Nachdem der Lizenzgeber Gottlob Auwärter seit 1999 mit 30 % am Unternehmen beteiligt gewesen war, ging das Unternehmen im Jahr 2000 wieder vollständig in den Besitz der Familie Olszewski über. Nach der Übernahme der Gottlob Auwärter GmbH & Co. KG mit der Marke „Neoplan“ durch MAN in Deutschland erfolgte im September 2001 die Umfirmierung in Solaris Bus & Coach Sp. z o.o., zur gleichen Zeit endete mit dem zunehmenden Erfolg der eigenen Produktfamilie die Produktion von Neoplan-Lizenzbauten.
Im selben Jahr erweiterte Solaris seine Produktpalette um eigenständig entwickelte Reisebusse, bezeichnet als „Vacanza“, sowie um niederflurige Oberleitungsbusse auf Basis des Urbino, die die Bezeichnung „Trollino“ erhielten. Mit diesen Modellen konnten weitere Erfolge auch im Exportgeschäft erzielt werden. So eröffnete beispielsweise die italienische Hauptstadt Rom ihren 1972 eingestellten Oberleitungsbusbetrieb im Jahr 2005 mit Solaris-Fahrzeugen. Seit 2004 sind die Linienbusse von Solaris wahlweise mit Erdgasantrieb erhältlich, ebenso wurden alle Produktfamilien optisch und technisch überarbeitet und die Urbino-Reihe um eine Low-Entry-Variante erweitert. Im Juli 2005 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, der Unternehmensname lautet seitdem Solaris Bus & Coach S.A. 2005 wurden 610 Omnibusse hergestellt, von denen 80 % in den Export gingen. Gleichzeitig bestellten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im Rahmen des für Solaris bis dahin größten Auftrags 260 Gelenkbusse Urbino 18 zur Lieferung in den folgenden Jahren.Christian Tenbrock: Wenn der grüne Dackel kommt. In: Die Zeit, 2, 2006
Im Rahmen der Expansion begann 2005 eine sich über mehrere Jahre erstreckende Erweiterung des Fabrikkomplexes. 2006 stellte Solaris einen Gelenkbus auf Basis des Urbino vor, der über einen Hybridantrieb verfügt. Das als Urbino 18 Hybrid bezeichnete Fahrzeug erlebte seine ersten Einsätze in Deutschland bei der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra) und war der erste europäische Bus, der serienmäßig Hybridtechnologie nutzt.stadtbus.de: Magazin: IAA Nutzfahrzeuge 2006. Stand: 24. Oktober 2007 Die Produktpalette wurde außerdem 2007 um den Midibus „Alpino“ erweitert, der speziell für enge Innenstädte sowie kurvenreiche Bergstraßen in den Alpen entwickelt wurde.stadtbus.de: Nachrichten: Private Betriebe, September 2007. Stand: 24. Oktober 2007 2008 folgten weitere Low-Entry-Varianten von Modellen der Urbino-Reihe.Solaris Bus & Coach: Pressemitteilung: Solaris rutscht gut ins Jahr 2008 – mehr Euro 5 von Solaris in Polen, weitere Hybridbusse in Deutschland. Bolechowo, 7. Februar 2008
Den bislang größten Einzelauftrag erhielt Solaris im Juli 2008 durch das Athener Verkehrsunternehmen EThEL, das 320 Niederflurbusse bestellte, die Ende 2008 bis Anfang 2009 geliefert wurden.Unternehmensgeschichte 2008 auf der Website des Herstellers In der gleichen Zeit erhielt das Unternehmen einen weiteren Großauftrag über 150 Urbino-Busse für die städtischen Busbetriebe Warschaus. Krzysztof Olszewski war von Beginn an bis Oktober 2008 der Vorstandsvorsitzende von Solaris. Nach langjähriger Bekleidung dieser Funktion wechselte er an die Spitze des Aufsichtsrats von Solaris Bus & Coach. Die Position des Vorstandsvorsitzenden übernahm seine Frau Solange, die früher im Unternehmen für Kundenbeziehungen zuständig war.
Im September 2011 wurde der Prototyp des Stadtbusses mit elektrischem Antrieb Solaris Urbino electric vorgestellt. Genau ein Jahr später wurde während der IAA Nutzfahrzeuge 2012 in Hannover der Elektrobus in 12-Meter-Ausführung präsentiert. 2012 verkaufte Solaris erstmals Elektrobusse. Weitere Produkt-Neuheiten im Jahr 2012 waren der Gelenkbus Urbino 18.75 sowie eine überarbeitete Ausführung des Hochflur-Überlandbusses InterUrbino. Das Unternehmen war ebenfalls im Segment der Schienenfahrzeuge aktiv. Die Jenaer Nahverkehr GmbH setzt seit 2014 fünf Solaris-Straßenbahn-Gelenktriebwagen in Zweirichtungsausführung ein.Abfahrt in Richtung Zukunft: Tramino-Premiere in Jena 2012 unterzeichnete Solaris zwei weitere Verträge für Straßenbahnwagen. Einer kam aus Braunschweig, der zweite aus dem polnischen Olsztyn.
Seit Beginn der Produktion im Jahr 1996 verließen annähernd 10.000 Fahrzeuge die Fabrik. Sie fahren bei Kunden in 26 Ländern. Solaris Bus & Coach S.A. beschäftigt über 2000 Mitarbeiter in Polen, mehr als 300 weitere arbeiten für ausländische Tochterunternehmen.
Bis 2018 befand sich das Unternehmen im vollständigen Besitz der Familie Olszewski.Solaris Bus & Coach: Vorstand. Stand: 13. März 2008 Im Juli 2018 wurde der Verkauf an den spanischen Transporttechnikhersteller CAF bekannt.Anita Faltermann: Spanische CAF-Gruppe investiert in Solaris in busnetz.de vom 5. Juli 2018, abgerufen am 28. Juli 2018 Am 4. September 2018 war die vollständige Übernahme abgeschlossen. „Mit dem Aufkauf von Solaris will sich CAF in einem zum bisherigen Produktportfolio komplementären Marktsegment etablieren. Der entscheidende Anreiz ist dabei, sich von einem Hersteller für Schienenfahrzeuge zu einem Spezialisten für den kompletten urbanen Verkehr mit Lösungen im Elektromobilitäts- und multimodalen Haus-zu-Haus-Bereich weiterzuentwickeln.“ Im Anschluss an den Erwerb gab CAF 35 Prozent der Aktien an den staatlichen Polnischen Investmentfonds weiter. Die Anteile am mit Stadler Rail im April 2017 gegründeten Joint Venture Solaris Tram wurden hingegen im vierten Quartal 2018 vollständig an Stadler veräußert.
Geschäftsdaten 2011 2011 wurden bei einem Umsatz von 370 Mio. Euro (2007: 714 Mio. Złoty / 189 Mio. Euro) 1205 Omnibusse hergestellt, von denen 687 exportiert wurden (2007: 702 Omnibusse insgesamt, 400 exportiert). In Polen war Solaris Bus & Coach Marktführer mit einem Marktanteil von 42 %, im Segment der Stadt- und Überland-Linienbusse mit einem Anteil von 54 %. Im größten Exportmarkt Deutschland war Solaris mit 6 % Marktanteil stärkster Importeur (2007: 5 % Marktanteil) und drittstärkste Kraft nach den deutschen Konzernen EvoBus und Neoman.Solaris Bus & Coach Pressemitteilung: Solaris mit deutlichem Plus im Jahr 2011. Bolechowo, 27. Februar 2012Solaris Bus & Coach: Solaris blickt auf Rekordjahr 2007 zurück – Marktführer in Polen, größter Importeur in Deutschland. Pressemitteilung, Bolechowo, 27. Februar 2008
2012 2012 verkaufte Solaris insgesamt mehr als tausend Fahrzeuge. 28 % davon wurden an polnische Kunden geliefert. Mit einem Anteil von 46,6 % am heimischen Markt für Stadtbusse im Jahr 2012 ist Solaris Marktführer in Polen. In Deutschland baute Solaris seinen Anteil am deutschen Stadtbusmarkt im Jahr 2012 von 10 % auf 13 % aus. In Österreich konnte das Unternehmen seinen Marktanteil im Segment der Stadtbusse von 5,9 % im Jahr 2011 auf 13,5 % im Jahr 2012 erhöhen.
2014 Insgesamt wurden im Laufe des Jahres 1380 Busse ausgeliefert. 280 Fahrzeuge wurden an polnische Kunden ausgeliefert, vor allem niederflurige Stadtbusse aus der Urbino-Familie. Die größte Zahl der exportierten Fahrzeuge ging nach Deutschland. Dort wurden insgesamt 197 Solaris-Busse gekauft. Weitere große Exportmärkte waren Bulgarien (146 Busse), Tschechien (128 Busse) und Italien (102 Busse).Rekordjahr für Solaris, auf www.busplaner.de vom 9. Februar 2015, abgerufen am 23. September 2015
2016 2016 wurden genau 1300 Busse ausgeliefert. 471 wurden in Polen verkauft, damit ist Solaris in Polen Marktführer mit einem Anteil von 66 % am Gesamtmarkt. Zweitgrößter Markt für Solaris war Deutschland gefolgt von Italien, wo durch einen Großauftrag der COTRAL über 300 Busse verkauft wurden.Solaris verzeichnete 2016 einen Rekordumsatz von rund 409 Millionen Euro. Auf www.busfahrermagazin.de, abgerufen am 24. März 2017
2017 2017 wurde mit insgesamt 1397 Bussen und O-Bussen ein neuer Produktionsrekord bei Solaris aufgestellt. 952 Busse gingen in den Export. Der größte Exportmarkt war 2017 Italien (225 Busse), gefolgt von Deutschland (200 Busse) und Norwegen (109 Busse).Solaris Kundenmagazin Frühling 1/2018, abgerufen am 17. Juni 2018
2018 2018 wurden 1226 Busse gebaut.
2019 2019 war ein Rekordjahr für Solaris. Es wurden insgesamt 1487 Busse gebaut. Größter Absatzmarkt mit 434 Bussen war wieder Polen, gefolgt von Deutschland (283 Busse) und Belgien (160 Busse). 162 der ausgelieferten Busse waren E-Busse.Solaris Kundenmagazin Frühling 1/2020, abgerufen am 29. August 2020
2025 2025 wurden 1631 Busse ausgeliefert. Bestellt wurden insgesamt 2780 Busse. Größte Absatzmärkte waren in absteigender Reihenfolge Polen, Italien, Deutschland, Schweden, die Niederlande und die Schweiz. Größter Kunde für Elektrobusse war die schwedische Nobina, der 118 Elektrobusse geliefert wurden. Größter Kunde bei Wasserstoffbussen war die Stadt Bologna (88 Stück). Der Marktanteil bei emissionslosen Bussen (Elektro- und Wasserstoffbusse) in Europa (Europäische Union inkl. Norwegen und Schweiz) lag bei 13,67 %. Damit war Solaris nach Mercedes-Benz (17,19 %) und MAN (16,57 %) der drittgrößte Hersteller in diesem Markt.
Werke Die Endmontage von Bussen und Oberleitungsbussen befindet sich in Bolechowo (Czerwonak), in der Nähe von Posen. Außerdem besitzt Solaris drei andere Produktionsstätten: zwei in Środa Wielkopolska (Schweißen von Bus- und Oberleitungsbusgerippen sowie Schweißen von sog. Straßenbahnkasten) sowie eine in Posen (Endmontage von Schienenfahrzeugen).
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