Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2017 war die 68. Saison der Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie begann am 26. März im australischen Melbourne und endete am 26. November auf der Yas-Insel vor Abu Dhabi. Lewis Hamilton wurde zum vierten Mal Fahrerweltmeister. Die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft gewann zum vierten Mal in Folge Mercedes.

Änderungen 2017 Rennstrecken Der Große Preis von Deutschland entfiel, wie bereits 2015. Das Rennen auf dem Baku City Circuit wurde 2017 nicht mehr als Großer Preis von Europa, sondern als Großer Preis von Aserbaidschan ausgetragen.

Technisches Reglement Nachdem Fahrer, Funktionäre und Zuschauer die Formel-1-Fahrzeuge der letzten Jahre als „unspektakulär“ kritisiert hatten, entschied die Strategiegruppe 2015, diesem Eindruck entgegenzuwirken, der auch durch die neu eingeführten V6-Hybridantriebe und deren geringere Lautstärke im Vergleich zu früheren Motoren entstanden war. Als Ziel wurde bekanntgegeben, dass die Fahrzeuge ab 2017 fünf bis sechs Sekunden pro Runde schneller werden sollten. Dies sollte durch breitere Reifen, ein geringeres Fahrzeuggewicht und neue Vorgaben für die Aerodynamik der Fahrzeuge ermöglicht werden. Auch einige Änderungen am Motorenreglement, die eine Leistungssteigerung auf mehr als 735 kW (1000 PS) hätten bedeuten können, wurde diskutiert. Ferrari schlug sogar eine Umstellung auf V8-Biturbo-Motoren vor, die jedoch abgelehnt wurde. Aus Kostengründen entschied man sich dazu, die 2014 eingeführten Motorenregeln beizubehalten. Allerdings äußerten mehrere Verantwortliche auch Sicherheitsbedenken gegenüber den deutlich schnelleren Fahrzeugen.

Nach langen Diskussionen einigte man sich darauf, die Gesamtbreite der Wagen auf 2.000 mm zu erhöhen, zwischen Vorder- und Hinterachse durften die Fahrzeuge nun maximal 1.600 mm breit sein. Das Mindestgewicht sollte sich entgegen den ersten Planungen auf 722 kg erhöhen. Wegen der größeren und damit schwereren Räder erhöhte sich das Mindestgewicht um weitere sechs Kilogramm auf nun 728 kg. Auch Front- und Heckflügel sowie der Diffusor wurden im Vergleich zur Vorsaison deutlich größer. Außerdem wurde die erlaubte Benzinmenge im Rennen von 100 auf 105 kg erhöht. Von mehreren Seiten wurden die neuen Regeln kritisiert, es wurde befürchtet, dass durch den höheren Abtrieb der Rennwagen und die höheren Kurvengeschwindigkeiten das Überholen deutlich schwieriger werde. Dies bestätigte sich beim ersten Saisonrennen in Australien, wo es nur fünf Überholmanöver im gesamten Rennen gab.

Die FIA reagierte beim Großen Preis von Spanien und nahm erstmals seit mehreren Jahren eine Anpassung der DRS-Zone vor. Der Aktivierungspunkt der DRS-Zone auf der Start-Ziel-Geraden des Circuit de Barcelona-Catalunya wurde um 100 Meter nach vorne verlagert und die DRS-Zone somit vergrößert.

Bereits 2014 wurde über eine Einführung von Rädern mit größerem Durchmesser und Niederquerschnittsreifen für die Saison 2017 diskutiert und auch erste Testfahrten mit 18-Zoll-Rädern wurden unternommen. Die Verantwortlichen entschieden sich jedoch dazu, weiterhin 13-Zoll-Räder zu verwenden. Stattdessen wurde die Reifenbreite verändert: Die Breite der Vorderreifen erhöhte sich von 245 auf 305 mm, die der Hinterräder von 325 auf 405 mm. Da die Räder durch die größere Reifenbreite deutlich schwerer wurden, mussten die Kevlarseile, die verhinderten, dass ein Rad nach einem Aufhängungsbruch vom Fahrzeug abgerissen wurde, statt sechs Kilojoule acht Kilojoule Energie absorbieren können.

Da die Teams die Bestellungen der verschiedenen Reifenmischungen für die ersten fünf Rennen bereits vor den ersten Testfahrten der Saison abgeben mussten, gab Pirelli die Anzahl der Mischungen vor: Jeder Fahrer erhielt zwei Sätze der härtesten, vier Sätze der mittleren und sieben Sätze der weichsten Reifenmischung für das jeweilige Rennwochenende.

Die hohen Kosten der Hybridantriebe sorgten dafür, dass seitens der FIA eine Ausschreibung für einen Alternativmotor eines unabhängigen Herstellers gestartet wurde. Es sollte ein V6-Biturbo-Motor mit 2,2 Liter Hubraum sein, der über kein Hybridsystem verfügen und sämtlichen Teams kostengünstig zur Verfügung gestellt werden sollte. Außerdem hatten Red Bull Racing und die Scuderia Toro Rosso im Vorfeld der Formel-1-Weltmeisterschaft 2016 lange Zeit keinen Vertrag mit einem der Motorenlieferanten und drohten mit einem Ausstieg aus der Formel-1-Weltmeisterschaft. Nachdem sich AER, Ilmor, Mecachrome und ein weiteres, nicht genanntes Unternehmen für die Entwicklung des Alternativmotors beworben hatten, wurde die Idee fallengelassen. Stattdessen senkten die vier Motorenhersteller die Kosten für die Antriebe für die Saison 2017 um eine Million Euro und verpflichteten sich, sämtliche Teams mit Motoren zu beliefern. Außerdem wurde das Token-System abgeschafft, die Weiterentwicklung der Motoren war somit wieder komplett freigegeben.

Auch eine Wiedereinführung von Tankstopps während des Rennens wurde diskutiert. Dies wurde jedoch abgelehnt.

Sportliches Reglement Sollte der Rennstart hinter dem Safety Car erfolgen, so gab es am Ende der Safety-Car-Phase nun einen stehenden Start.

Bei einer Rennunterbrechung sollte nicht mehr an den Fahrzeugen gearbeitet sowie die Reifen gewechselt werden dürfen. Diese angekündigte Änderung wurde jedoch nicht im Reglement umgesetzt.

Wenn bei einem Fahrzeug an einem Rennwochenende mehrere gleiche Elemente der Antriebseinheit getauscht wurden, deren Wechsel eine Strafe nach sich zog, so galt nur noch das letzte gewechselte Teil als straffrei nutzbar. Es war also nicht mehr möglich, ein Teil am selben Rennwochenende mehrfach „auf Vorrat“ zu tauschen und dabei nur einmal eine Strafe zu erhalten, um diese Teile bei den folgenden Rennen straffrei einsetzen zu können.

Ein Fahrer musste weiterhin in der gesamten Saison ein grundlegend gleiches Helmdesign benutzen. Allerdings durfte jeder Fahrer bei einem Rennen seiner Wahl einen Helm in Speziallackierung verwenden. Sollte ein Fahrer während der Saison das Team wechseln, so durfte er das Helmdesign ebenfalls verändern.

Darüber hinaus wurden die Anhänge 6 und 8 des Sportlichen Reglements geändert. Hier gab es Klarstellungen bei den sogenannten „gelisteten Teilen“, die ein Team von einem anderen Team zukaufen durfte, außerdem wurden klarere Regeln bezüglich der Windkanaltests und des Personaltransfers zwischen den Teams aufgestellt.

Falls es den Rennkommissaren nicht klar sein sollte, ob ein Fahrer alleine oder zu großen Teilen für einen Zwischenfall verantwortlich ist, so wurde nun grundsätzlich keine Strafe mehr verhängt. In der Vergangenheit wurde nach dem Rennen eine Untersuchung gestartet, bei der die beteiligten Fahrer von den Rennkommissaren befragt wurden.

Nach den ersten drei Rennen der Saison wurde festgelegt, dass Artikel 9.2 und 9.3 des sportlichen Reglements, die sich auf die Startnummer sowie auf das Platzieren des Fahrernamens und von Namen oder Marke des Fahrzeugs bezogen, ab dem Großen Preis von Spanien restriktiver umgesetzt wurden. Die Startnummer musste nun mit mindestens 230 mm großen Zahlen dargestellt werden. Der Fahrername durfte auch mit dem dreistelligen Kürzel der TV-Übertragungen abgekürzt werden und musste aus mindestens 150 mm großen Buchstaben bestehen. Startnummer und Name mussten sich farblich vom Untergrund abheben und „deutlich zu erkennen“ sein. Marke oder Name des Fahrzeugs mussten auf der Fahrzeugnase dargestellt werden und mindestens 25 mm groß sein.

Motorenlieferanten Nach einem Jahr mit Vorjahres-Motoren von Ferrari wurde die Scuderia Toro Rosso wieder von Renault mit Motoren der aktuellen Ausbaustufe beliefert. Anders als beim Schwesterteam Red Bull Racing wurde der Motor bei Toro Rosso unter dem Namen Renault eingesetzt, das Team suchte erfolglos nach einem Namenssponsor.

Sauber trat 2017 nicht mehr mit aktuellen, sondern erstmals seit Einführung der 1,6-Liter-Turbomotoren mit Vorjahres-Motoren von Ferrari an. Begründet wurde dies damit, dass den Sauber-Ingenieuren für die Entwicklung des neuen Fahrzeugs nur für das Aggregat des Vorjahres verlässliche Werte vorlagen, was Abmessungen, Installation, Kühlbedarf und Hitzefelder des Motors angeht.

Renault entwickelte für die Saison 2017 eine komplett neue Antriebseinheit. Auch Honda gab zu Beginn des Jahres 2017 bekannt, dass der neue Motor keine Weiterentwicklung, sondern eine Neuentwicklung mit geänderter Architektur sowie vollkommen überarbeiteter Positionierung der Komponenten sei. Da die zuvor verwendete Antriebseinheit nur geringes Verbesserungspotenzial geboten habe und technisch weitgehend ausgereizt gewesen sei, war laut Honda-Motorenchef Yusuke Hasegawa ein Konzeptwechsel notwendig gewesen.

Fahrer Nico Rosberg, der 2016 die Formel-1-Weltmeisterschaft mit Mercedes gewonnen hatte, gab nach der Saison 2016 das Ende seiner Formel-1-Karriere bekannt. Sein Nachfolger wurde Valtteri Bottas, der im November 2016 bereits seine Vertragsverlängerung bei Williams bekanntgegeben hatte und den Mercedes aus seinem Vertrag freikaufen musste.

Felipe Massa gab bereits im September 2016 bekannt, nach der Saison 2016 seine Karriere in der Formel-1-Weltmeisterschaft zu beenden. Seinen Platz bei Williams übernahm Lance Stroll, der 2016 mit dem Prema Powerteam die europäische Formel-3-Meisterschaft gewann und Testfahrer bei Williams war. Nachdem Bottas zu Mercedes gewechselt hatte, entschied sich Massa dazu, seine Karriere fortzusetzen und die Saison 2017 erneut für Williams zu bestreiten.

Auch McLaren-Pilot Jenson Button beendete seine Karriere als Stammpilot in der Formel-1-Weltmeisterschaft, sein Nachfolger wurde der bisherige Test- und Ersatzfahrer Stoffel Vandoorne, der 2016 die Super Formula bestritt und beim Großen Preis von Bahrain den verletzten Fernando Alonso vertrat. Button blieb dem Team als Berater erhalten und kümmerte sich um die Entwicklung der McLaren-Rennwagen, außerdem war er Ersatzfahrer des Teams. Daher kam er beim Großen Preis von Monaco zum Einsatz, als er Fernando Alonso ersetzte, der am selben Wochenende beim Indianapolis 500 antrat.

Nico Hülkenberg wechselte trotz gültigen Vertrags für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2017 von Force India zu Renault. Er ersetzte dort Kevin Magnussen, der zu Haas wechselte. Hülkenbergs Nachfolger bei Force India wurde Esteban Ocon, der 2016 für Manor fuhr. Pascal Wehrlein wechselte nach einer Saison bei Manor zu Sauber, wo er Felipe Nasr ersetzte.

Antonio Giovinazzi debütierte beim Großen Preis von Australien als Vertretung für Wehrlein bei Sauber, der sich nach einer überstandenen Rückenverletzung vor der Saison noch nicht fit genug fühlte. Paul di Resta ersetzte beim Großen Preis von Ungarn kurzfristig nach dem dritten freien Training Felipe Massa, der an einer Viruserkrankung litt.

Pierre Gasly debütierte beim Großen Preis von Malaysia für Toro Rosso in der Formel-1-Weltmeisterschaft, er ersetzte Daniil Kwjat. Jolyon Palmer gab beim Großen Preis von Japan bekannt, dort sein letztes Rennen für Renault zu bestreiten. Seinen Platz nahm ab dem Großen Preis der USA Toro-Rosso-Pilot Carlos Sainz jr. ein, der seinerseits wieder durch Kwjat ersetzt wurde, der somit zunächst zwei Rennen aussetzte. Da Gasly seinerseits den Großen Preis der USA wegen des Saisonfinales der Super Formula ausließ, gab dort Brendon Hartley sein Debüt in der Formel-1-Weltmeisterschaft. Für den Rest der Saison kehrte Gasly ins Cockpit zurück und ersetzte Kwjat erneut.

Teams Die FIA öffnete im Mai 2015 ein Bewerberverfahren für neue Teams, die an einem Einstieg in die Formel-1-Weltmeisterschaft interessiert waren. Zwei Teams bewarben sich, wurden jedoch von der FIA abgelehnt.

Just Racing Services Ltd., die Mutterfirma von Manor Racing, meldete am 6. Januar 2017 zunächst Insolvenz an. Nachdem kein Käufer gefunden worden war, ordnete der Insolvenzverwalter am 27. Januar 2017 die Liquidation des Unternehmens an. Damit reduzierte sich die Anzahl der Teams in der Formel-1-Weltmeisterschaft auf zehn.

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