Campact [] ist ein deutscher Verein, der Online-Kampagnen organisiert. Campact bezeichnet sich selbst als „Kampagnen-Organisation, mit der über 4,25 Millionen Menschen entschlossen für progressive Politik eintreten und unsere Demokratie verteidigen“. Dabei baut die Organisation mit Hilfe von Appellen politischen Druck auf. Die Appelle wenden sich oft an politische Gremien, aber auch an Unternehmen. Seine genauen politischen Positionen definiert Campact nicht näher und positioniert sich nur bei Themen wie der Energiewende und der ökologischen Landwirtschaft kampagnenunabhängig.
Die 2004 entstandene Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Berlin orientierte sich zunächst an der US-amerikanischen Online-Plattform MoveOn. Als internetbasiertes Beteiligungsforum in Form eines eingetragenen Vereins richten sich Teilnehmer mit Protest-E-Mails gebündelt in Form von Online-Petitionen an politische Entscheidungsträger.
Campact hat mehr als drei Millionen Menschen verzeichnet, die sich an den Kampagnen beteiligen.
Prioritäten Campact organisiert Kampagnen zu einer großen Bandbreite politischer Themen. Konkret gehört dazu unter anderem der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die Stärkung demokratischer Teilhabe. Die Analysen und Positionen von Campact wurden in der Gründungsphase durch einen Beraterkreis unterstützt, der inzwischen nicht mehr aktiv ist. Bei den Kampagnen kooperiert Campact häufig mit Fachorganisationen.
Campact ist im Lobbyregister für die Interessenvertretung gegenüber dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung eingetragen und nimmt wie andere akkreditierte Nichtregierungsorganisationen Einfluss auf das Gesetzgebungsverfahren, indem Gutachten und Stellungnahmen an Fraktionen, Gruppen und Abgeordnete gesendet werden. Bislang (Stand Anfang 2026) war dies in 14 konkreten Regelungsvorhaben der Fall. Die Zahl der mit der Aufgabe der Interessenvertretung direkt betrauten Mitarbeiter beträgt über zwei Dutzend.
Struktur und Finanzierung Campact ist ein eingetragener Verein,Amtsgericht Charlottenburg, VR Nummer 25165 B der von einem vierköpfigen geschäftsführenden Vorstand geleitet wird, der an zwölf Vollmitglieder berichtet. Das Budget betrug 2011 rund zwei Millionen Euro aus Spenden und Förderbeiträgen, 2018 verfügte die Organisation über einen Etat von 10,1 Mio. Euro. 2014 wurden in Berlin und in Verden 22,5 Vollzeitstellen vorgehalten, für 2018 sind über 60 Mitarbeiter benannt. Für das Jahr 2023 gab Campact an, 109 Mitarbeiter (entsprechend 87 Vollzeitstellen) fest angestellt und außerdem studentische Hilfskräfte, Praktikanten und FSJler beschäftigt zu haben.
Zu Beginn wurde der Verein durch private Fördermittel finanziert; 2009 waren dies die European Climate Foundation, die Bewegungsstiftung, die Stiftung GEKKO, die Stiftung „bridge“ und die Hans-Böckler-Stiftung. Die Organisation finanzierte sich seit 2011 ausschließlich aus Spenden und Förderbeiträgen.Finanz- und Transparenzbericht 2011, S. 20f.: Bezogen auf die Zahl aller Einzelspenden sind ... [nur] 0,3 % über 500 Euro.
Nachdem der Bundesfinanzhof dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac die Gemeinnützigkeit entzogen hatte, gründete Campact im Juli 2019 eine Stiftung. Im selben Jahr wurde auch Campact e. V. der Status einer gemeinnützigen Organisation aberkannt. Das Finanzamt gab zur Begründung an, die Organisation sei überwiegend allgemeinpolitisch tätig gewesen. Campact habe Kampagnen zu Themen durchgeführt, die keinem gemeinnützigen Zweck der Abgabenordnung zugeordnet werden könnten. Die Statusänderung löste eine Nachzahlung von bis dahin erlassener Schenkungssteuer in Höhe von ca. 300.000 Euro aus.
Campact e. V. ist Gesellschafter der HateAid gGmbH und hält mit Stand 2025 etwa ein Drittel der Anteile.
Es gibt keine Zahlungen vom Staat an Campact e.V. Der Parlamentarische Staatssekretär Florian Toncar hielt am 11. September 2023 auf Anfrage fest: „Der Verein Campact e. V. hat aus dem Bundeshaushalt keine Zuwendungen erhalten.“BT-Drucksache 20/8347 S. 14, Frage 19, Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Florian Toncar vom 11. September 2023.
2025 untersagte das Landgericht Hamburg dem Journalisten Ulf Poschardt die Falschbehauptung, Campact (wörtlich „Netzwerk Campact“) sei staatlich finanziert.Aktenzeichen: 324 O 146/25
Geschichte mini|300px|campact-Aktion am 31. August 2009 in Bremen bei der Kampagne Endlagersuche
Campact ist als Verein organisiert, startete als Organisation im Ökozentrum Verden und kooperierte mit anderen dort aktiven Gruppen. Da ein Großteil der Aktionen in Berlin stattfand, baute Campact seine Strukturen auch dort auf. Später wurde auch Berlin offizieller Sitz des Vereins.
Nach der Gründung der international tätigen Online-Kampagnen-Plattform Avaaz durch MoveOn.org und andere US-amerikanische Organisationen gewann der Internetaktivismus mit der britischen Open Rights Group sowie 38 Degrees auch in Europa an Fahrt. Schließlich entstanden auch die europaweit tätigen „Avanti Europe!“ und WeMove.eu.
Campact unterstützt die im Juni 2010 von Transparency International Deutschland e. V. gestartete Initiative Transparente Zivilgesellschaft und veröffentlicht einmal jährlich einen Transparenzbericht. Einheitliche Veröffentlichungspflichten für gemeinnützige Organisationen – ein Status, den Campact bis 2019 innehatte – gibt es in Deutschland bisher nicht. Campact hat sich selbst verpflichtet, Informationen über Ziele, Mittelherkunft, Mittelverwendung und Entscheidungswege nach den Richtlinien der Initiative zu veröffentlichen.
Ein Kampagnennetzwerk betreibt die Kampagne „Kein Freibrief für Steuerbetrüger“ gegen das Steuerabkommen Deutschland–Schweiz.: Steuerabkommen: „SPD-Länder müssen bei ihrer Ablehnung bleiben“ Sie wird getragen von Campact, Tax Justice Network, Attac Deutschland, der Verdi-Fachgruppe Finanz- und Steuerverwaltung, der Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe, medico international und dem Südwind-Institut. Sie wendet(e) sich explizit an die SPD.
Seit Oktober 2017 veröffentlicht die Organisation in einer eigenen Rubrik auf ihrer Website Fehler, Korrekturen oder Präzisierungen eigener Aussagen, etwa aus ihrem Newsletter.
2015 machte der Organisation die von ihr aufgebaute Datenbank Probleme. Sie gewährleistete offenbar nicht ausreichenden Datenschutz und die Landesbeauftragte für den Datenschutz in Niedersachsen, Barbara Thiel, leitete im September 2015 ein Verfahren gegen Campact wegen Verstößen gegen das Datenschutzgesetz ein. Bemängelt wurde, dass Campact personenbezogene Daten sammle, verarbeite und speichere, ohne die ausdrückliche Einwilligung der Bürger einzuholen. Daraufhin änderte Campact sein Newsletter-Bestellverfahren und die Datenschutzbehörde erklärte: „Unsere Forderungen sind umgesetzt“. Sanktionen wegen Rechtsverstößen verhängte die Behörde nicht.
In der Nacht zum 9. Januar 2018 wurde auf eine Lagerhalle von Campact am Ökozentrum Verden ein Brandanschlag verübt. In der 200 Quadratmeter-Halle lagerten über 2500 Aktionsmaterialien der Organisation. Banner, Kostüme, Masken, Fahnen, Megafone und Werkzeug verbrannten. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Brandes auf den benachbarten Supermarkt verhindern. Weil von einem politischen Motiv ausgegangen wurde, übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen. Nach Schätzungen der Polizei lag der Schaden im fünfstelligen Bereich.
WeAct WeAct ist die Petitionsplattform der Kampagnen-Organisation Campact, über die sich Bürgerinnen und Bürger seit 2015 mit Petitionen an die Politik oder Unternehmen wenden können. Die Petenten agieren zum Teil unter Pseudonym. In der Selbstbeschreibung schließt WeAct aus, rechtspopulistische und demokratiefeindliche Forderungen zu unterstützen. Der Plattform wurde ein Einfluss zugeschrieben bei der Entscheidung von Bahnhofsbuchhändlern, das rechtsextreme Compact-Magazin aus dem Sortiment zu nehmen. Öffentliche Aufmerksamkeit erregte 2023/24 eine Petition über WeAct, die für den AfD-Politiker Björn Höcke eine Grundrechtsverwirkung nach Artikel 18 GG fordert. Mit knapp 1,7 Millionen Unterschriften ist sie die bislang größte Petition Deutschlands.
Demokratie-Stiftung Campact Als Reaktion auf die Debatten über die Gemeinnützigkeit von Organisationen, die tagespolitische Kampagnen führten, entschloss sich Campact e. V. 2019, eine Stiftung zu gründen. Für die Ausstellung von Spendenbescheinigungen, Zustiftungen und testamentarische Zuwendungen. Die Stiftung kann auch Projekte außerhalb des Vereins fördern.
Kritik Einige Beobachter stellen die langfristige Wirksamkeit der von Campact betriebenen Kampagnen in Frage. Besonders die Konzentration auf öffentlichkeitswirksame Online-Kampagnen ohne oder mit geringen realweltlichen Aktionen wird innerhalb sozialer Bewegungen kritisch gesehen. Campact sei in der Klimabewegung zwar umstritten, schreibt Hanna Poddig, die Kritik werde aber oft nur indirekt geäußert, da viele kleine Organisationen zu abhängig von den lukrativen Kooperationen mit Campact seien. Attac Deutschland kritisiert, Campact nutze zwar das inhaltliche Know-how seiner Kooperationspartner, respektiere aber häufig deren demokratische Entscheidungsprozesse nicht; sie seien für Campact zu langsam und ineffizient. In der Folge würde Campact mitunter seinen Partnern sein Tempo sowie seine Denk- und Arbeitsweise aufzwingen. Wenn die Verdener ein Thema übernähmen, ziehe das häufig die öffentliche Aufmerksamkeit von inhaltlich differenziert arbeitenden Fach-Organisationen ab.Hanna Poddig (2019): Klimakämpfe. Wir sind die fucking Zukunft! Unrast Verlag, S. 67 ff, ISBN 978-3-89771-148-8 Auch die Herangehensweise, bei aktuell verhandelten Themen nur dann politischen Druck und Dringlichkeit aufzubauen, wenn ein hohes Konsenspotential zu erwarten ist, verstelle den Blick für eine wirklich langfristige alternative Politik. 2015 forderte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, die Gemeinnützigkeit von Campact durch die Finanzverwaltung überprüfen zu lassen. Für unvereinbar mit dem Status der Gemeinnützigkeit hält Pfeiffer, dass Campact Kampagnen zu tagespolitischen Themen ins Werk setzt. Laut taz und Neues Deutschland nahm Pfeiffer die Organisation hingegen aufgrund ihrer Kritik am Handelsabkommen TTIP ins Visier. NGOs kämpfen für ein neues Gemeinnützigkeitsrecht. Nun melden sich ihre Gegner. Im Fokus steht vor allem das Kampagnenportal Campact. Statt mit politischen Argumenten versuche der TTIP-Befürworter Pfeiffer, Campact über die Gemeinnützigkeit anzugreifen. Campact selbst bezeichnete Pfeiffers Vorstoß als „Versuch, Kritiker mundtot zu machen“. Nach Campact müssen Unklarheiten im deutschen Gemeinnützigkeitsrecht beseitigt werden, damit sich so etwas nicht wiederholen könne. Inzwischen wurde Campact tatsächlich die Gemeinnützigkeit aberkannt.
Zur Bundestagswahl im Februar 2025 warnte Campact in einem Aufruf davor, kleine Parteien zu wählen, da davon indirekt Union und AfD profitieren würden. Einige der Kleinparteien reagierten darauf mit Kritik. So bezeichnete Dennis Landgraf von der Tierschutzpartei die Kampagne als „grob fahrlässig“. Wer taktisch wähle, könne langfristig nicht die erhofften Veränderungen herbeiführen. Gina Nießer, Sprecherin der Partei Volt, beklagte die Untergrabung des demokratischen Wettbewerbs durch eine „systematische Unsichtbarkeit kleiner Parteien“ und die Fokussierung der Medien auf etablierte Parteien.
Kampagnen und Aktionen