Die Gemeinderatswahl 1922 fand am 14. Mai 1922 statt und war die dritte Gemeinderatswahl in St. Pölten nach Kriegsende. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs gewann abermals die Wahl, konnte die meisten Stimmen auf sich vereinen und erreichte die absolute Mehrheit.
Ausgangslage Nach der Gemeinderatswahl 1921 wurde die Stadt St. Pölten zur Statutarstadt erhoben.63. Gesetz vom 23. Februar 1922, betreffend die Erlassung eines Statutes und einer Gemeindewahlordnung für die Stadt St. Pölten (Online bei ALEX). Im Zuge der Verleihung des Statuts wurden auch die Katastralgemeinden Spratzern, Teufelhof, Ober- und Unter-Wagram sowie Viehofen eingemeindet,64. Gesetz vom 23. Februar 1922, betreffend die Erweiterung des Gebietes der Stadt St. Pölten (Online bei ALEX). was eine Neuwahl des Gemeinderats unter Einbeziehung der neuen Stadtbürger notwendig machte. Bis zu den Neuwahlen blieben die alten Gemeinderäte im Amt.
Eine mit dem Statut einhergehende Änderung war die Auflassung des Gemeindevorstandes und Schaffung des Stadtrates. Wahlwerbende Parteien und Wahlverlauf Bei den Wahlen trat die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAPDÖ) wie 1921 unter Hubert Schnofl an. Die Christlichsoziale Partei (CS) sowie die Großdeutsche Volkspartei (GDVP, 1919: DVP) bildeten für die Wahl die Wahlgemeinschaft der vereinigten christlichsozialen und großdeutschen Volksparteien (WG) und traten unter Georg Prader an. Die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNAP) trat unter Ludwig Hauer an, weiters stellten sich die Bürgerlich-demokratische Arbeitspartei (BDP) unter Wilhelm Schweighofer sowie die Freiheitspartei (FP) unter Ignaz Berger zur Wahl.Zur Wahl am 14. Mai 1922. In: St. Pöltner Zeitung, 11. Mai 1922, S. 1. Die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) trat 1922 nicht an.
Wahlergebnis Bei der Wahl vom 14. Mai 1922 konnte die SDAPDÖ Gewinne erzielen und die meisten Stimmen auf sich vereinen sowie die absolute Mehrheit erringen.Die Gemeindewahl in Groß-St. Pölten. In: St. Pöltner Zeitung, 18. Mai 1922, S. 1.
Endergebnis der Gemeinderatswahl 1922 Ergebnisse 1922 Ergebnisse 1921 DifferenzenStimmen %Mand.Stimmen %Mand.Stimmen %Mand.Wahlberechtigte 18.893 ~ 14.000 + 4.893Abgegebene Stimmen 16.290 86,2 % 12.347 ~ 88,2 % + 3.943 - 2,0 %ungültige Stimmen 80 0,5 % 156 ~ 1,1 % - 77 - 0,6 %gültige Stimmen 16.210 99,5 % 12.191 98,7 % + 3.292 + 0,8 %ParteiSDAPDÖ 10.364 63,9 % 28 7.367 60,4 % 26 + 2.997 + 3,5 % + 2 WG (1921: CS) 4.681 28,9 % 12 2.900 23,8 % 10 + 627 - 4,4 % - 2WG (1921: GDVP) 1.154 9,5 % 4DNAP 898 5,5 % 2 590 4,8 % 2 + 308 + 0,7 % ± 0 BDP 234 1,4 % 0 nicht kandidiert FP 33 0,2 % 0 nicht kandidiertKPÖ nicht kandidiert 180 1,5 % 0 nicht kandidiertGesamt 16.210 100,0 % 42 12.191 100,0 % 42 + ± 0 ± 0
Auswirkungen
Der neu gewählte Gemeinderat traf sich am 14. Juni 1922 zu seiner konstituierenden Sitzung. Dabei wurde Hubert Schnofl mit 37 der 40 abgegebenen Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Zum ersten Vizebürgermeister wurde Franz Peer (SDAPDÖ), zum zweiten Vizebürgermeister Georg Prader (CS bzw. WG) gewählt.Konstituierung der Gemeindevertretung in Groß-St. Pölten. In: St. Pöltner Zeitung, 15. Juni 1922, S. 3.
Literatur Siegfried Nasko, Willibald Rosner u. a. (Hrsg.): St. Pölten im 20. Jahrhundert. Geschichte einer Stadt. Residenz-Verlag, St. Pölten u. a. 2010, ISBN 978-3-7017-3155-8, Kapitel Eingemeindung und Statut, S. 62.
Einzelnachweise
1922 St Polten Gemeinderatswahl 22, Sankt Polten