mini|250x250px|Hauptquartier der London Fire Brigade seit 2007 im Stadtbezirk Southwark Die London Fire Brigade (LFB) ist die Berufsfeuerwehr der britischen Hauptstadt London. Sie wurde im Jahr 1866 unter Superintendent Eyre Massey Shaw als Metropolitan Fire Brigade (MFB) gegründet und ist heute mit ihren rund 6.000 Mitarbeitern auf 103 Feuerwachen und in der Verwaltung nach dem Scottish Fire and Rescue Service die zweitgrößte Feuerwehr im Vereinigten Königreich und nach den Brandschutzbehörden von Tokio, New York und Paris die fünftgrößte Feuerwehr der Welt.

Die Zuständigkeit der LFB erstreckt sich auf das gesamte Gebiet des Verwaltungsbezirks Greater London (bestehend aus der City of London und den 32 London Boroughs) mit seinen 8.538.689 Einwohnern (Stand: 30. Juni 2015). In ihrer Eigenschaft als Brandschutzbehörde ist die LFB sowohl für den abwehrenden und vorbeugenden Brandschutz als auch für die technische Hilfeleistung, beispielsweise bei Verkehrsunfällen, Unfällen mit atomaren, biologischen oder chemischen Gefahrstoffen oder Naturereignissen, verantwortlich. Zu den Aufgaben der LFB gehört hingegen nicht die Durchführung des Rettungsdienstes (Notfallrettung und Krankentransport) in London; die Verantwortung für diesen liegt im Rahmen des National Health Service (NHS) beim London Ambulance Service.

Geschichte Erste Feuerwehren links|mini|250x250px|Großer Brand von London 1666 Als Konsequenz des Großen Brandes von London im September 1666, dem rund 400 Straßen und mehr als 13.000 Häuser im Londoner Stadtgebiet zum Opfer gefallen waren, begannen mehrere Londoner Versicherungen, eigene Brandschutzeinheiten speziell für die bei ihnen versicherten Bürger einzurichten. Die Häuser der Versicherten wurden mit Plaketten gekennzeichnet, wodurch die Feuerwehrmänner erkennen konnten, ob die Bewohner des Hauses versichert waren und somit bei einem Brand Anspruch auf eine Hilfeleistung hatten. Dieser Umstand hatte zur Folge, dass bei einem Brand nicht selten Feuerwehrmänner mehrerer unterschiedlicher Einheiten eintrafen, um an dem betroffenen Gebäude zunächst die Markierung ihrer Versicherung zu suchen. War eine solche Markierung nicht vorhanden, leisteten die Männer auch keine Hilfe, sondern verließen den Einsatzort unverrichteter Dinge.

Als Reaktion auf die größtenteils spärlich ausgestatteten und schlecht ausgebildeten Feuerwehren der Versicherungen und um auch unversicherten Bürgern Hilfe bei Bränden leisten zu können, wurde 1828 die Royal Society for the Protection of Life from Fire (RSPLF) gegründet. Die RSPLF verfügte über fahrbare Leitern für die Rettung von Personen aus brennenden Gebäuden bis zu einer Höhe von ca. 20 Metern. Das Personal der RSPLF hatte eine mehrmonatige Ausbildung zu absolvieren, um die Leitern sicher bedienen zu können.

Gründung der Metropolitan Fire Brigade mini|250x250px|Der zerstörte Palace of Westminster nach dem Brand von 1834 Bereits fünf Jahre später – 1833 – schlossen sich zehn Feuerschutzversicherungen zusammen und gründeten das London Fire Engine Establishment (LFEE). Einige Großfeuer in den folgenden Jahren, insbesondere die Zerstörung des Palace of Westminster am 16. Oktober 1834 und der verheerende Brand einer Baumwollfabrik in der Tooley Street am 22. Juni 1861, führten jedoch dazu, dass das Feuerwehrwesen für die Versicherungen unrentabel und damit unattraktiv wurde und die Unternehmen daher eine Übernahme der Feuerwehr durch die Stadtverwaltung forderten.

Dieser Forderung wurde im Jahr 1866 mit dem Metropolitan Fire Brigade Act entsprochen, der zur Gründung der Metropolitan Fire Brigade (MFB) als erster städtischer Feuerwehr in London führte. Erster Leiter der MFB (zunächst Superintendent, später Chief Officer genannt) wurde Eyre Massey Shaw, der dieses Amt 25 Jahre lang bis 1891 ausübte. Unter seiner Verantwortung wurde die Organisation des Feuerwehrwesens in London von Grund auf reformiert. Unter anderem wurden die Feuerwehrmänner mit einer neuen Schutzkleidung aus Wolle ausgerüstet und neue Feuerwachen eingerichtet. Während Shaws Amtszeit wurden auch die ersten dampfbetriebenen Feuerlöschpumpen bei der Londoner Feuerwehr in Dienst gestellt.

Im Jahr 1904, unter Superintendent Rear Admiral Hamilton, wurde die MFB in London Fire Brigade (LFB) umbenannt und bezog ihr neues Hauptquartier im Stadtbezirk Lambeth. Diesen Sitz behielt sie bis zu einem weiteren Umzug im Jahr 2007.

Vor und während des Zweiten Weltkriegs mini|250x250px|Rauchschwaden über der Tower Bridge während des London Blitz Aufgrund der zunehmenden politischen Spannungen in Europa vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verabschiedete das britische Parlament in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre ein Gesetz, das die Einrichtung von Freiwilligen Feuerwehren erlaubte, um die Strukturen der britischen Feuerwehren im Kriegsfall rasch aufwachsen lassen zu können. Dementsprechend wurde in London noch 1938, ein Jahr vor Kriegsbeginn, der Auxiliary Fire Service (AFS) gegründet, eine rund 28.000 Feuerwehrleute umfassende Einheit, die bei Bränden in Folge von Bombenangriffen die zu diesem Zeitpunkt rund 2.500 hauptamtlichen Feuerwehrmänner der LFB unterstützen sollte. Die Ausrüstung des AFS wurde notdürftig in Schulen, Firmen oder privaten Garagen untergebracht. Während des Zweiten Weltkrieges wurden schließlich sämtliche Feuerwehren im Vereinigten Königreich zu einem einheitlichen National Fire Service (NFS) zusammengefasst. 1943 umfasste der NFS rund 70.000 Einsatzkräfte. Erstmals im britischen Feuerwehrwesen waren auch Frauen für den Dienst bei der Feuerwehr zugelassen, jedoch nicht in der Brandbekämpfung, sondern beispielsweise in der Fernmeldetechnik oder als Feuerbeobachterinnen.

Modernisierung in der Nachkriegszeit Nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 blieb der NFS zunächst bestehen, es begannen jedoch Diskussionen über eine Neuorganisation des Feuerwehrwesens im Vereinigten Königreich. Diese endeten damit, dass die Verantwortung für die Strukturen der Feuerwehr wieder auf die unteren Verwaltungsebenen, die Counties, übertragen wurde. Infolgedessen wurde am 1. April 1948 die LFB wiedergegründet. In den folgenden Jahren wurde die Fire Brigade unter Chief Officer Sir Frederick Delve einem umfassenden Modernisierungsprozess unterzogen. Unter anderem wurden große Teile des Fuhrparks erneuert, Atemschutzgeräte eingeführt, die Rolle des vorbeugenden Brandschutzes gestärkt und das Notrufsystem über die Notrufnummer 999 eingeführt. Mit der Bildung des Verwaltungsbezirks Greater London und dessen Behörde, des Greater London Council (GLC), 1965, wurden die bisher eigenständigen Feuerwehren von Middlesex, West Ham, East Ham und Croydon sowie Teile der Feuerwehren von Essex, Hertfordshire, Surrey und Kent in die LFB eingegliedert.

Als die Wimbledon Championships nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1946 wieder aufgenommen wurden, halfen Soldaten und Feuerwehrleute den Zuschauern, zu ihren Plätzen zu gelangen, die durch Bomben beschädigt worden waren. Daraus entstand die Tradition, dass 300 Angehörige des Heeres, der Marine und der Luftwaffe sowie 200 Feuerwehrleute als Stewards ehrenamtlich ihren Dienst in Wimbledon verrichten.Why are there so many military personnel at Wimbledon?, Wimbledon. Abgerufen am 10. Juli 2025.

Entwicklung bis heute mini|Einsatzkräfte der London Fire Brigade während eines Brandeinsatzes Im Jahr 1986 wurde der Greater London Council (GLC) aufgelöst und die LFB unter die Aufsicht der neu geschaffenen London Fire and Civil Defence Authority (LFCDA) gestellt. Die LFCDA wurde am 3. Juli 2000 wiederum von der London Fire and Emergency Planning Authority (LFEPA) abgelöst, einem 17-köpfigen Ausschuss der Greater London Authority (GLA), der Verwaltungsbehörde des Mayor of London. Im Jahr 2007 bezog die LFB ihr neues Hauptquartier in der 169 Union Street im Bezirk Southwark.

Mit ihren 5.992 Mitarbeitern, davon 5.096 Feuerwehrmänner und -frauen im Einsatzdienst, auf insgesamt 103 Feuerwachen, ist die LFB heute die fünftgrößte Feuerwehr der Welt (nach den Feuerwehren von Tokio, New York, Paris und dem Scottish Fire and Rescue Service). Im Jahr 2013/2014 wurden von der Notrufzentrale der Londoner Feuerwehr insgesamt 171.067 Anrufe über die Notrufnummer 999 angenommen und bearbeitet. Aus den Hilfeersuchen gingen 20.934 Brandeinsätze hervor, die von den Einsatzkräften der LFB abgearbeitet wurden. Damit zählt die LFB weltweit zu den meistbeschäftigten Feuerwehren.

Organisation mini|250x250px|Ehemaliges Hauptquartier der London Fire Brigade in Lambeth

Leitung und Verwaltung Die LFB untersteht als Einrichtung des Verwaltungsbezirks Greater London der London Fire and Emergency Planning Authority (LFEPA). Die LFEPA ist ein 17-köpfiger Ausschuss der Greater London Authority (GLA), der Verwaltungsbehörde des Mayor of London (Bürgermeister von London). Sie koordiniert sämtliche Planungen und Maßnahmen der Gefahrenabwehr in London und führt die Aufsicht über die LFB. Die 17 Mitglieder der LFEPA werden jeweils für den Zeitraum von einem Jahr vom Mayor of London ernannt und setzen sich wie folgt zusammen: acht Vertreter der London Assembly (Stadtparlament), sieben Vertreter der London Boroughs (Stadtbezirke), zwei weitere Mitglieder, die vom Mayor of London ernannt werden. Die LFB selbst untersteht dem Commissioner for Fire and Emergency Planning. Derzeitiger Commissioner der LFB ist seit Januar 2020 Andrew Dudley Roe.

Die dem Commissioner untergeordnete Ebene der Verwaltungsstruktur der LFB, die erst im Dezember 2015 überarbeitet wurde, bilden die drei sogenannten Directorates, die jeweils von einem Director geleitet werden: Directorate of Finance and Contractual Services (Finanzen und vertragliche Dienste), Directorate of Operations (Einsatz), Directorate of Safety and Assurance (Arbeitssicherheit und Qualitätssicherung). Daneben existieren jeweils eine Stabsstelle für Öffentlichkeitsarbeit, eine für rechtliche Angelegenheiten und eine für die strategische Planung, die dem Commissioner direkt zugeordnet sind.

Die Hauptverwaltung befand sich im Zeitraum von 1904 bis 2007 im Londoner Stadtbezirk Lambeth. Seit dem Jahr 2007 sind die LFEPA (Aufsichtsbehörde, Fiona Twycross) und die Verwaltung der LFB in der 169 Union Street im Bezirk Southwark untergebracht. mini|250x250px|Karte von London mit der City of London (1) und den London Boroughs (2 bis 33)

Feuerwachen

Ursprünglich war die LFB organisatorisch in zwei Divisionen gegliedert: Nord und Süd. Getrennt wurden die beiden Bereiche durch die Themse. Jede Division unterstand einem Divisional Officer und war wiederum in drei Distrikte geteilt. In jedem Distrikt hatte ein so genannter Superintendent das Kommando über die ihm unterstellten Einheiten. Die Leitung der Feuerwachen, Stations genannt, oblag jeweils einem Station Officer.

Heute gehören die 103 Feuerwachen zum Directorate of Operations der LFB und unterstehen dem so genannten Assistant Commissioner Fire Stations, der in der Hierarchie der LFB unterhalb des Commissioners und der Directors angesiedelt ist. Mehrere Feuerwachen sind zu Gruppen (Groups) zusammengefasst, benachbarte Gruppen bilden so genannte Bereiche (Areas), deren Leitung je einem Deputy Assistant Commissioner obliegt. In ihrer heutigen Struktur (Stand: Dezember 2015) gliedert sich die LFB in vier Bereiche: North East, North West, South East und South West.

North East Area

Die Nord East Area umfasst 27 Feuerwachen in den Stadtbezirken Havering (24), Newham (27), Waltham Forest (28), Barking and Dagenham (25), Tower Hamlets (8), Redbridge (26), Hackney (9), Islington (10) und City of London (1).