Der Hörfunk in den Vereinigten Staaten gliedert sich in eine diverse Radiolandschaft mit über 14.000 lizenzierten Radiostationen.

Hörfunklandschaft Rundfunk in den USA unterscheidet sich stark von der Hörfunklandschaft anderer Kontinente. In den Ballungsräumen senden sehr viele verschiedene Sender auf dem UKW Frequenzband, wobei jedes Programm meist auf nur einer Frequenz ausgestrahlt wird. Die Programme unterscheiden sich stark im „Format“, d. h. ihrer vorherrschend gesendeten Musikrichtung bzw. in der Programmgestaltung. Die meisten Hörfunkstationen in den USA sind kommerziell und finanzieren sich über Werbung. Werbung belegt bei vielen Stationen mit Musikformat bis zu 15 Minuten, bei Talkstationen sogar mehr als 20 Minuten pro Stunde Sendezeit.

Parallel zum kommerziellen Radio senden in den USA wesentlich mehr unterschiedliche nichtkommerzielle Sender, als dies zum Beispiel in Österreich, Deutschland und der Schweiz der Fall ist. Diese Public Radios haben eine eigene Geschichte in den USA und die meisten dieser Stationen tauschen Sendungen unter dem Dach des National Public Radio aus.

Lizenzierung In der US-Radiolandschaft ist bis heute der Ursprung des Radios stark sichtbar; Radiostationen werden als Funkstationen mit einer zugewiesenen, festen Frequenz betrachtet und so behandelt. Für diese Frequenz wird ein Rufzeichen erteilt, an das die Sendebedingungen wie die maximale Sendeleistung, Tag- und Nacht-Regelungen, Abstrahlcharakteristik und anderes gebunden sind. Gleiches gilt für TV-Stationen. Welches Programm die Stationen senden, interessiert die Federal Communications Commission (FCC) nur geringfügig.

Die Bundesstaatliche Behörde Federal Communications Commission vergibt Lizenzen für Rundfunksender in den USA. Sie regelt nicht nur die Frequenzzuteilung und überwacht die Bedingungen der Ausstrahlung, sondern schreitet auch bei Verstößen gegen US-Reglements innerhalb des Programms ein. So wird in den USA die Verwendung der sogenannten Sieben F-Wörter, also vulgärer Ausdrücke verboten und penibel überwacht. Die FCC steht immer wieder in der Kritik, durch ihre Lizenzvergabe und Regelungen eine Art der Zensur auszuüben.

Die FCC teilte das UKW und Mittelwellenfrequenzband in Bereiche für spezifische Stationen ein. Zum Beginn des Mittelwellenspektrums sendet auf 530 kHz das Traffic Informations Radio entlang von Highways mit sehr geringer Leistung. Darüber kommen Bereiche für Clear-Channel-Stations mit Fenstern für regionale Radiostationen. Stationen östlich des Mississippi erhalten Rufzeichen beginnend mit W; westlich davon werden K-Rufzeichen erteilt. Diese eindeutige Regelung wird mittlerweile durch die gängige Praxis der Nutzung von digitalen HD-Radio-Kanälen etwas relativiert und weit entfernte Stationen sind als Simulcast regionaler Sender auf UKW zu empfangen.

Medienkonzerne Seit dem Beginn des Rundfunks in den USA spielen private Medienunternehmen eine bedeutende Rolle. Heute dominieren sie große Teile des Radiomarkts und sind wegen ihres politischen und wirtschaftlichen Einflusses umstritten. Die privatwirtschaftlich organisierten „Networks“ sind meist in mehreren Medien, wie Hörfunk, Fernsehen, teilweise im Tageszeitungs- und Magazinwesen wie auch bei Online-Angeboten vertreten. 1992 lockerte der US-Kongress die Regeln für den Besitz von Radiostationen geringfügig und erlaubte es Firmen, mehr als zwei Stationen pro Markt zu erwerben. Diese Änderung des Kartellrechts nahmen die Medienunternehmen auf und erwarben weitere Stationen. Lange existierende Networks wie das Mutual Broadcasting System und NBC Radio verschwanden in den 1980ern vom Markt; die Stationen wurden von den verblieben Konzernen übernommen.

Besonders die starken Clear-Channel-Station, die auf Mittelwelle immer in mehreren Bundesstaaten zu empfangen sind und meist ein Talkradio und News-Format senden, befinden sich heute fast ausnahmslos im Besitz eines der Medienunternehmen.

Das größte und mächtigste Unternehmen ist IHeartMedia aus San Antonio, Texas. 1972 von Lowry Mays gegründet, verfügt es nicht nur im Bereich der Hörfunk- und Fernsehübertragungen, sondern auch bei Konzertveranstaltungen und -Musikpromotionen und Außenwerbung über einen großen Einfluss. Der Hörfunktochter Clear Channel gehören über 850 Radiostationen und über 30 Fernsehsender; an der New Yorker Börse ist es unter dem Kürzel CCU gelistet. Das Unternehmen wird nach wie vor vom Firmengründer Lowry Mays und seinen beiden Söhnen Mark und Randall geführt. iHeart Media besitzt mittlerweile eine Reihe von starken Mittelwellensendern und weiteren alten US-Radiostationen. Dazu zählen WGY New York, WLW Cincinnati, WLAC Nashville, WLIT-FM Chicago, KWTX Waco, KFAB Ohama, KOA Denver, KEX Portland u. a.

Ein wichtiger Konkurrent ist Cumulus Media aus Atlanta, Georgia. Nach Angaben der iHeartMedia ist Cumulus der zweitgrößte Betreiber von UKW- und Mittelwellenstationen in den USA. Dem Unternehmen gehören rund 570 Radiosender unterschiedlichster Größe auf 150 Märkten (Stand: 2011). WABC New York ist die Flagship-Station von Cumulus Media. Daneben gehört der Firma auch WJR Detroit und eine Reihe weiterer Stationen.

Im Februar 2017 verkaufte der CBS-Konzern seine Radiosparte. Entercom und CBS Radio schlossen sich zusammen.

UnternehmenJahresumsatz(Mio. US-Dollar)AusrichtungRadio-stationenRadio-märkteFernseh-stationenCox Media Group 15.900konservativ861015Cumulus Media1.026 (2013)neutral570150Entercom (inkl. ehe­maliges CBS Radio)114,7 (2015)12527iHeartMedia6.318 (2014)neutral bis konservativ85010Salem Media Group64,6 (2016)evangelikal-konservativ11738Sun Broadcast Group

National Public Radio mini|Bürgermeister Fiorello LaGuardia spricht auf WNYC (1940). Das Public Radio hat in den Vereinigten Staaten eine lange Tradition; auch wenn der Beginn des Radiozeitalters von den kommerziellen Netzwerken bestimmt wurde. Das US-Public Radio ist nur bedingt mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland vergleichbar.

In der Ära Franklin D. Roosevelts, in den 1930er Jahren, wurde deutlich, dass die Radio-Networks vor allem Unterhaltungs-Programme, lange Werbesendungen, viel Sport, Kriminalstorys und Gesellschaftsklatsch sendeten. Dies sollte durch Bildung, Kultur und Wissen ergänzt werden, forderte eine zunehmend breitere, gebildete Mittelschicht. Die aufkommende Bürgerrechtsbewegung nutzte ebenso die neuen, kostengünstigen, überall verfügbaren Möglichkeiten, die das Radio bot.

Zunächst entstanden College-Radios und lokale Kleinstsender als Public Radios. Sie bilden bis heute den Kern dessen, was erst 1967 mit dem Public Broadcasting Act, eine gesicherte rechtliche Form bekam. Der 36. US-Präsident Lyndon B. Johnson brachte das Gesetzeswerk auf den Weg, auf dessen Grundlage das heutige National Public Radio arbeitet. Christoph Leusch schrieb im Freitag „Die US-Radio- und Fernsehlandschaft wurde erst nachträglich und zögerlich ein bisschen öffentlich-rechtlich.“

Das National Public Radio entstand mit dem Public Broadcasting Act und ist seitdem die öffentliche Hörfunkanstalt der USA. Es erreicht jede Woche über sein Netzwerk an Stationen mindestens 35 Millionen US-Bürger. Vor allem junge und gebildete Amerikaner nutzen das Public Broadcasting Angebot intensiv. Chronisch unterfinanziert, erhält NPR 180 Millionen Dollar jährlich an staatlichen Zuschüssen. Seit seiner Entstehung wird das Public Radio von der privaten Medienindustrie und von konservativen Politikern kritisiert.

In den späten 1970er Jahren gab es in den USA ca. 300 NPR-Affiliated Radiostationen. Diese Zahl verdoppelte sich bis Ende der 1980er Jahre. Jedoch bediente NPR lange Zeit keine lokalen, kleinen UKW Stationen als zu marginal für eine nationale Berichterstattung. So waren viele kleine Stationen gezwungen, mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiterstab ein „community-based“ Programm auf die Beine zu stellen.

Public-Radio Stationen gehören meist dem Verbund des „National Public Radio“ an. Teilweise werden sie von Universitäten betrieben. Stimmberechtigtes Mitglied der NPR-Familie kann werden, wer mindestens fünf Vollzeitmitarbeiter beschäftigt und für 18 Stunden am Tag ein Programm anbietet. Die FCC hält den Public-Radio Stationen auf UKW den Frequenzbereich von 88,1 bis 91,9 MHz offen; dort senden die meisten dieser Stationen.

In fast allen Bundesstaaten gibt es Public-Radio-Networks, die neben Hörfunk meist auch ein TV- und Online-Angebot produzieren.

Als einer der ersten Sender der USA ging WHA 1922 als Station der University of Wisconsin in Madison, Wisconsin auf Sendung. Die Station des Wisconsin Public Radio sendet seitdem bis heute. WNYC nahm zwei Jahre später in New York City am 8. Juli 1924 den Betrieb auf und ist bis heute einer der bekanntesten Sender des Landes. Bereits 1943 startete WNYC mittels seiner Station WNYC-FM mit der Ausstrahlung auf Ultrakurzwelle (UKW).

Politische Meinungsbildung im US-Radio Die Journalistin Mara Birbach sieht den Ursprung einer teilweise rechtspopulistisch geprägten Berichterstattung in den USA nicht im Fernsehen, sondern im Radio. Bis 1987 waren amerikanische Radiosender verpflichtet, eine ausgeglichene politische Berichterstattung anzubieten. Trat beispielsweise der Moderator einer Sendung für einen konservativen Standpunkt ein, musste in derselben oder einer darauffolgenden Sendung ein progressiver Standpunkt vertreten werden. Dies war in der „Fairness Doctrine“, einer Vorschrift aus dem Jahr 1949 festgelegt. Sie wurde unter Präsident Reagan abgeschafft.

Damit etablierten sich zum Beispiel Sendungen wie „The Rush Limbaugh Show“. Sie war eines der ersten landesweit ausgestrahlten Programme ihrer Art und ein Überraschungserfolg des Formates. Es folgten viele Nachahmer. Einer der Erfolgreichsten ist Sean Hannity. Er gehört seit 1996 zum festen Personal des konservativen TV-Senders Fox News.

Seit entsprechenden Gesetzesänderungen Mitte der 1990er Jahre, verschwanden zunehmend kleine, lokale Sender und große Medienkonzerne wurden gestärkt. Der größte amerikanische Distributionsdienst Premiere Networks (eine Ausgründung von iHeartMedia) ist heute die Radioheimat von Rush Limbaugh und Sean Hannity.

Mehrere Versuche, linksgerichtetes Talk Radio als politisches Gegengewicht zu etablieren, blieben langfristig erfolglos. Sie scheiterten meist an niedrigen Hörerzahlen und damit niedrigen Werbeeinnahmen. Air America war das erfolgreichste liberale Radionetwork in den USA und wurde im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen von 2004 gegründet. Bis zu seiner Auflösung 2010 setzte das Air America einen Gegenpol zu den vielen konservativen Talk-Sendungen und versorgte über 100 Sender im ganzen Land.

Auch erzkonservative, verschwörungstheoretische und rechtsextreme Programmproduzenten schaffen es mittels der Syndication US-weit Hörer zu erreichen. Am erfolgreichsten ist hierbei das Genesis Communications Network des konservativen Aktivisten Ted Anderson. Daneben existieren das Republican Radio Network (RBN) aus Texas, welches sich als „truth radio station“ bezeichnet und eine Reihe weiterer Programmproduzenten.

Geschichte mini|1910 New York Times. Werbung für drahtlosen Hörfunk Als das Goldene Zeitalter des Radio (Golden Age of Radio) wird in den Vereinigten Staaten häufig der Zeitraum zwischen den ersten Radioausstrahlungen in den 1920er Jahren bis in die 1950er Jahre bezeichnet, als das Fernsehen das Radio als Leitmedium ablöste. Laut einer Studie von C. E. Hooper aus dem Jahr 1947 waren 82 von 100 Amerikanern aktive Radiohörer.