Angus Fairhurst (* 4. Oktober 1966 in Pembury, Kent; † 29. März 2008 in Bridge of Orchy, Schottland) war ein britischer Künstler und gehörte zu den Young British Artists. Zu seinem Œuvre zählen Installation, Fotografie und Video.

mini|hochkant|Angus Fairhurst: A Couple of Differences Between Thinking and Feeling.

Leben und Arbeit Angus Fairhurst wurde in Pembury, Kent geboren. Er besuchte die The Judd School zwischen 1978 and 1985. Später studierte er von 1985 bis 1986 am Canterbury Art College und wechselte später zum Goldsmiths College, wo er 1989 in Fine Art graduierte. Zu seinem Jahrgang zählten außerdem bekannte Vertreter der zeitgenössischen Kunstszene, wie Damien Hirst, Tracey Emin oder Sarah Lucas. Mit Sarah Lucas führte Fairhurst eine langjährige Beziehung. Im Februar 1988 organisierte Fairhurst eine der ersten Ausstellungen seiner Arbeiten gemeinsam mit anderen Kunststudenten. Sie gilt als Vorläufer der von Hirst im Juli 1988 organisierten Ausstellung Freeze, die zum Durchbruch der Young British Artists führte. Fairhurst und Hirst wurden im Laufe ihrer Karriere gute Freunde und kooperierten in vielen Projekten.

Fairhursts Arbeiten dominierten häufig mit visuellen Täuschungen und gespielten Witzen. Außerdem arbeitete er mit unterschiedlichen Medien, unter anderem Videokunst, Fotografie, Malerei und Skulpturen. Besonders bekannt sind seine Gorilla-Skulpturen.

Tod Fairhurst stellte in der Sadie Coles HQ Galerie in London aus. Am 29. März 2008, dem finalen Tag seiner dritten Solo-Ausstellung in der Galerie, wurde Fairhurst in den Highland-Wäldern nahe Bridge of Orchy in Schottland tot, am Baum hängend aufgefunden. Fairhurst hinterlässt seine Mutter und einen Bruder.

Fairhursts Œuvre Gallery Connection 1991 landete Fairhurst mit Gallery ConnectionAngus Fairhurst: Gallery Connections 1991–6, Tate Gallery [abgerufen am 20. August 2016 (englisch)]. einen Coup in der Londoner Kunstszene Anfang der 1990er Jahre. Die Galerieszene zeitgenössischer Kunst in London war zu der Zeit begrenzt und beschränkte sich auf etwa zehn bis elf Institutionen. Fairhurst rief diese Galerien an und legte die Hörer aneinander und verband diese. Die somit unfreiwilligen Anrufpartner wollten keine Verantwortung für die Entstehung des Telefonats übernehmen. Die Reaktionen waren von genervt bis amüsiert. Fairhurst wiederholte diesen Streich in den 1990er Jahren mehrfach – ein „running-gag“, der immer wieder funktionierte. Hier ein Video über Angus Fairhurst und Gallery Connection in der Retrospektive.

Gorillas und Bananen Ein zentrales Thema in Angus Fairhursts Œuvre spielt die Figur des Gorillas. Entstanden sind diese ab den 1993er Jahren unter Verwendung verschiedener Materialien und Medien, so unter anderem Zeichnungen, Kostüme oder Bronzeplastiken. Ein weiteres Motiv seiner Arbeiten ist die Banane. Diese entstanden etwas später in dem künstlerischen Schaffen von Fairhurst, ca. ab den 1998er Jahren. Beide Werkgruppen weisen ähnliche gestalterische Elemente und inhaltliche Thematiken auf. Sie zeichnen sich insbesondere durch den grotesken Humor Fairhursts aus, welcher als speziell gilt. In den Werken "Banana Skin in The Hall of Mirrors" (1998) und "A Birth of Consistency" (2004) wird das Thema der menschlichen Identifikation durch das eigene Spiegelbild thematisiert. Oftmals stehen sowohl der Gorilla als auch die Banane sinnbildlich für sein animalisches Alter Ego. Des Weiteren charakterisieren sich diese Arbeiten als Ikonen des Cartoons, von welchem eine immer wiederkehrende Faszination für Fairhurst ausging. Insbesondere die Bananenschale als bekannter Slapstick-Klassiker wird in seinen Arbeiten in neuer Formensprache, von der komischen, melancholischen Darstellung bis ins Absurde hin, präsentiert.

Gorilla-Motiv Innerhalb Fairhursts Œuvre, welchem immer wieder unterstellt wird keine „signature art“ zu sein, ist während der 1990er Jahre der Gorilla ein häufig wiederkehrendes Motiv. Fairhurst fand im Gorilla-Motiv den Schwerpunkt seines Schaffens, das sich durch Wiederholungen, Schleifen, surrealen schwarzen Humor, visuelle Wortspiele, Selbstreferenzen und Karikatur auszeichnet. Er greift Gorilla-Klischees wie Stärke und Kompromisslosigkeit auf, lädt sie jedoch mit Ambivalenz und Menschlichkeit auf. „Was tun?“, scheinen seine Gorillas zu fragen, während sie in Zwischenzuständen gefangen sind. Anstatt sie lächerlich zu machen, inszeniert Fairhurst auf humorvolle Weise oft tragische menschliche Konflikte. Anhand des Affenmotivs erforscht er die conditio humana zwischen Gorilla und Gott, die Rolle von Kunst, Bild und Ebenbild, Wiederholung sowie die Beziehung zwischen Medium, Material und Bedeutung. Seine Gorillas reflektieren über das Verhältnis der Menschheit zur Animalität, zu Gott, zum Tod und zur Kunst. Aus der Evolution und der Schöpfungsgeschichte abgeleitet, wirkt der Affe unsicher hinsichtlich seiner Zukunft, während absurder Humor gelegentlich Hoffnung bietet. Die meisten Gorillas in den Zeichnungen und Bronzeskulpturen werden in Momenten des Innehaltens dargestellt, was den Medien entspricht, die einen einzelnen Augenblick festhalten. In Videos und Animationen hingegen durchlaufen sie eine Verwandlung oder bewirken diese. Fotografie und Comics nehmen eine Position zwischen Stillstand und Wandel ein. Fairhursts Affen reflektieren typischerweise über ihren aktuellen Zustand in Momenten innerer Konflikte oder nach bedeutenden Veränderungen. Fairhurst kontrastiert zudem die wörtliche und metaphorische „Leichtigkeit“ und „Schwere“ künstlerischer Medien. Cartoons, Zeichnungen, Fotografien und Videos galten traditionell als leichter und weniger bedeutend als monumentale Bronzeskulpturen. Ihre physische Leichtigkeit entspricht ihrer Vergänglichkeit, während Bronze den Künstler überdauert. Ebenso ist das mit Zeitungen ausgestopfte Gorillakostüm eher leicht, billig und schlecht sitzend als physisch bedrohlich. Gerade seine Künstlichkeit ermöglicht es Fairhurst, existenzielle Themen anzusprechen, ohne in Pathos zu verfallen, und dabei Ernsthaftigkeit mit Humor in Einklang zu bringen. Der Gorilla ist pointierter, ursprünglicher und komischer als eine menschliche Figur. Er kann gleichzeitig als Karikatur und Traumbild, als evolutionäre Vergangenheit und imaginäre Zukunft fungieren. Obwohl das Kostüm mit Stärke und Gefahr assoziiert wird, bleibt es schwach und absurd, was es Fairhurst ermöglicht, die conditio humana ohne Sentimentalität zu erforschen. Seine Gorilla-Arbeiten vereinen konsequent Gegensätze und spiegeln damit Kierkegaards Beobachtung wider, dass Melancholie und Komik, Zweifel und Glaube oft nebeneinander bestehen.Ulrich Blanché: Images feat. Apes post 1859. Arthistoricum, Heidelberg 2026, ISBN 978-3-98501-397-5, p. 293–338. In seinem Werk „Pietà“ stellt er den Gorilla mit Maria gleich. Für ihn ist er ein mitfühlendes, altruistisches und emotionales Wesen. Ein Tier, das dem Menschen gleich ist. Er ist die Metapher für jedermann.

Fairhurst über „A cheap and ill-fitting gorilla suit“:

„Underneath this big hairy masculine thing, there I was in the end, a skinny lanky geezer.“

Beispiele:

Performance: „A cheap and ill-fitting gorilla suit“, 1995. Fotografie: „Pietà“, 1996. Installation: „Bodies“, 1995.

Low lower lowest Expectations Angus Fairhurst immer wiederkehrender Werktitel low, lower, lowest Expectations bezeichnet unterschiedliche Werke im Œuvre des Briten.

Performance Die Performances von Fairhurst fanden zwischen 1995 und 2001 statt und wurden von Fairhursts Band Abandabondon vorgeführt. Gestartet ist die Serie mit der ersten Performance „Low Expectations“, weiter ging es mit „Lower Expectations“ und anschließend mit „Lowest Expectations“ („niedrigste Erwartungen“). Die Auftritte trugen wesentliche Merkmale eines Rockkonzertes. Als Musikperformance wird dabei zwar das Musikalische betont, allerdings steht besonders das zeitliche Moment der Strukturierung und der Handlung im Vordergrund, sodass die Aufführung dem eigentlichen Musikstück überliegt. Während des Auftrittes werden Tonbänder lediglich abgespielt. Die Instrumente werden von den Audioaufnahmen übertönt, ein Bandauftritt wird nur mimisch dargestellt. Die Tonbänder werden im Laufe des Acts kanonartig abgespielt bis ein nicht-identifizierbarer Audio-Mix entsteht. Die ständige Repetition führt allerdings nicht ins Unendliche, sondern findet nach etwa 30 Minuten ihr Ende.Eine Impression dank der einer Performance in der Anton Kern Gallery in New York am 19. September 1996.

Aluminiumtafeln Die Aluminiumtafeln wurden von Fairhurst 1996 bis 1997 in Auftrag gegeben. Es handelt sich um ein computergeneriertes Muster, das von Schildmalern auf Aluminiumtafeln übertragen wurde. Das Muster zunächst wurde einfach wiedergegeben, um anschließend kanonartig übereinander gelegt zu werden. Zwölf Steigerungen gibt es innerhalb einer Musterschablone. Low Expectations ist dabei das in Schwarz-weiß gehaltene Muster, lower Expectations arbeitet mit Blau, Rot und Schwarz und lowest Expectations fügt noch Gelb hinzu. Durch die Grundfarben entstehen so auch Mischfarben. Durch das schablonenartige Übereinandersetzen der Muster entsteht ein dichtes, kaum zu differenzierendes Mustergerüst.

Animationen 1995 bis 2001 Angus Fairhurst entwickelte im Zeitraum von 1995 bis 2001 verschiedene Animationen. Erstmals wurden zwei davon im Jahr 1995 in der vom Walker Art Center organisierten Ausstellung "Brilliant! New Art from London" der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung "BODIES", die Ende Februar 2015 in der Sadie Coles Gallery in London stattfand, widmete sich schließlich allein Angus Fairhursts Animationen. Sie wurden dort auf acht großen Monitoren in chronologischer Reihenfolge von 1995 bis 2001 in Dauerschleife abgespielt. Insgesamt umfassen sie einen 14-minütigen Zyklus und zeigen handgezeichnete Gorillas, menschliche Körperteile, die auf unnatürliche Weise aufeinander gesetzt sind und teilweise im leeren Raum balancieren sowie männliche und weibliche Genitalien. Als Hintergrund für die Animationen dienten leuchtende Farbfelder in den Primärfarben Blau, Rot und Gelb sowie die Komplementärfarben Grün und Lila. Oft dienten die Animationsvideos als Hintergrundkulisse für Auftritte von Angus Fairhursts Band "Abandabandon", die zwischen 1995 und 2001 aktiv war. Parallel zu den eingeblendeten, sich wiederholenden Videos spielte die Band. Durch das große Format der Monitore wurde der Kontrast zwischen den Zeichnungen und den leuchtenden, unveränderlichen Farbfeldern besonders hervorgehoben.

Strange Loops 1995/1996 Bei Strange Loops handelt es sich um die ersten vier Animationen, die um 1995 und 1996 entstanden. Jedes der Videos hat noch einen Untertitel, der sich direkt auf das entsprechende Video bezieht.

Inhalt Das erste Video Strange Loops – Catching and Dropping, das im Jahr 1995 entstand, zeigt skizzenhaft einen Gorilla im Profil vor einem hellgelben Hintergrund, der einen von oben herabfallenden nackten Mann mit seinen Armen auffängt. Der Gorilla bewegt sich daraufhin einige Schritte vorwärts mit ihm und wieder zurück. Schließlich lässt er den Mann wieder fallen und kehrt dem Betrachter den Rücken zu.

In der zweiten, ebenfalls um 1995 entstandenen Animation Strange Loops – Stripping sind die Zeichnungen wieder skizzenhaft vor demselben hellgelben Hintergrund dargestellt. Zu sehen ist wieder ein Gorilla, der diesmal wie bei einer Banane die Haut eines ebenfalls nackten Mannes vom Kopf bis zu den Füßen abzieht. Dadurch enthüllt er einen weiteren, identischen nackten Mann unter der Haut.