mini|Das Hochhaus „Shell Centre“ ist der globale Hauptsitz des Mineralölunternehmens Shell in London. Shell und BP sind die größten europäischen Ölkonzerne.

Mineralölunternehmen (auch Mineralölgesellschaften oder Ölkonzerne oder Erdölindustrie) sind internationale oder nationale, teils börsennotierte Konzerne, die in der Exploration und Förderung von Rohöl, dessen Veredelung in Raffinerien oder petrochemischen Anlagen, und dem Vertrieb von Mineralöl (speziell Kraftstoffe) und anderen Erdölprodukten () tätig sind. Die Unternehmen sind daher teilweise in der Petrochemie tätig, beispielsweise durch den Besitz und/oder Betrieb von Anlagen. Der Begriff wird zwar auch für die gesamte Industrie verwendet, bezeichnet aber einen bestimmten Teilbereich (Petrochemie), der wiederum ein Teilbereich der chemischen Industrie ist. Da Mineralölunternehmen auch Erdgas fördern und vermarkten, wird auch von der Erdöl- und Erdgasindustrie gesprochen ().

Struktur der modernen Erdölindustrie Die Erdölindustrie ist heutzutage in die folgenden Bereiche aufgeteilt:

Upstream/Produktion/Gewinnung: Exploration und Förderung (E&P) von Erdöl und Erdgas Midstream: Lagerung und Transport (Pipelines, Tanker, Binnenschiffe, Lkw, Bahn) von den Feldern zu petrochemischen Anlagen (Raffinerien) Downstream: Raffination bzw. Verarbeitung und Vermarktung von Erdölprodukten (Kraftstoffe wie Benzin, Diesel, Kerosin, Flüssiggas, Schmierstoffe usw.), Petrochemikalien und Basischemikalien.

Midstream wird manchmal zusammen mit Downstream betrachtet. Des Weiteren wird die Vermarktung auch als „Marketing“ bezeichnet. In jedem dieser Teilbereiche gibt es spezialisierte Unternehmen, wie z. B. ConocoPhillips im Upstream oder Chevron Phillips Chemicals in der Petrochemie. Vollintegrierte Unternehmen wie beispielsweise Shell oder BP sind dagegen teilweise in allen Bereichen tätig. Das bedeutet, dass diese Unternehmen Anteile in den drei oben genannten Kategorien haben. Dies können Zulieferer, beispielsweise aus den Bereichen Erdöl- und Erdgastechnik, dem Anlagenbau, oder der chemischen Verfahrenstechnik sein, oder andere Vertragspartner, als Joint Ventures. Dazu zählen spezialisierte Industrieunternehmen und -dienstleister wie Fluor, Technip/Technip Energies, Lurgi, Schlumberger, KBR, Foster Wheeler, Stone & Webster (Shaw Group), Honeywell UOP, sowie Transocean, Allseas, Seadrill, McDermott, Halliburton, Wood Group u. v. m. Im Downstream-Bereich existieren ebenfalls eigene Großunternehmen, wie beispielsweise die Valero Energy, dem größten unabhängigen Raffineriebetreiber der USA mit Anlagen und Lagern in den USA, dem Vereinigten Königreich und Kanada. Valero betreibt 14 Raffinerien und schafft einen maximalen Durchsatz von rund 3 Mio. Barrels pro Tag bei einem Ankauf von Rohöl von rund 2,2 Mio. Barrels pro Tag. Shell oder BP haben Beteiligungen an Raffinerien weltweit und treten außerdem durch ein Tankstellennetzwerk an Endverbraucher. Für den Handel von Rohstoffen (inklusive konventioneller bzw. fossiler Rohstoffe) existieren eigene Großunternehmen, wie Glencore, Vitol und Gunvor.

Technologien der modernen Erdölindustrie mini|MiRO (ehemals Esso) Raffinerie in Karlsruhe, eine gemeinsame Erdölraffinerie mehrerer Unternehmen. Aufnahme von 2005 Zur Exploration und Förderung (E&P) von Erdöl und Erdgas gehören die Grundwissenschaften Geophysik, Geochemie, Geologie und Bergbau bzw. Untertagebau. Im Speziellen ist für das Upstream-Teilgebiet E&P die Erdöl- und Erdgastechnik zu erwähnen, die sich mit dem Auffinden und Fördern von Kohlenwasserstoffen (KW) befasst.

Rohöl oder Erdgas werden anschließend im Downstream-Bereich weiterverarbeitet, gespeichert, transportiert und vertrieben. In einer Erdölraffinerie kommen dafür extraktive Trennungsprozessen wie fraktionierte Destillation oder Vakuumdestillation, sowie thermische und katalytische Umwandlungsprozessen wie Cracken (thermisches Cracken, Fließbett- oder Hydrocracken), Reformierung (aromatische Kohlenwasserstoffen und hochoktanigem Reformat), Alkylierung (Isobuten kombiniert mit Olefinen zu hochoktanigem Alkylat) und Isomerisierung (n-Butan zu Isobutan) zum Einsatz. Weitere Verfahren sind die Stabilisierung (Entgasung von Schwerölrückständen), Hydrierung (Entfernen von Schwefel, Stickstoff und anderen Verunreinigungen) und Dehydrierung (Bildung von Olefinen) u. a.

Das Rohöl wird damit zu verschiedenen Kraftstoffen und petrochemischen Grundstoffen aufbereitet. Die Grundstoffe dienen als die Ausgangsprodukte für die chemische Industrie. Aus diesen Grundstoffen werden Kunststoffe, Chemikalien und weitere Produkte hergestellt.

Weitere Themengebiete sind heutzutage auch die Modellierung und Simulation von Erdöl- oder Erdgasreservoirs sowie die Erhaltung und die chemische Prozesstechnik. Letztere ist aufgrund der verschiedenen Zufuhr-Rohölsorten und der anspruchsvollen, nach Standards oder Normen zu produzierenden Produkte, wie z. B. Dieselkraftstoff, von großer Bedeutung.

Geschichte

mini|353x353px|The Standard Oil Company Gebäude, 26 Broadway, New York City (c. 1930er) Die weltweit erste Ölbohrung fand 1846 in Bibi-Heybat statt, einem Stadtteil von Baku. In den USA führte Edwin Drake im Jahr 1859 in Titusville die erste Bohrung durch und förderten den Rohstoff erstmalig aus kommerziellem Interesse. Weitere „Ölstädte“, z. B. Oil City, entstanden im Zuge dieses frühen Ölbooms. Seit einigen Jahrzehnten wird die Stadt Tulsa jedoch umgangssprachlich als die „Ölhauptstadt“ der USA bezeichnet. Georg Hunaeus entdeckte 1858 in Wietze das erste Öl in Deutschland.

Anfang des 20. Jahrhunderts führten die Ölsuche von Pattillo Higgins und die Bohrungen von Anthony Francis Lucas in Beaumont, Texas, zur Entdeckung der ersten großen Ölquelle. Der 1901 errichtete Bohrturm „Spindletop“, auch bekannt als „Lucas Gusher“, war ein bedeutender Meilenstein, speziell auch im Hinblick auf die neuartige Bohrtechnik. Der Beginn des Ölbooms in den USA kündigte sich an. Damit begann auch das „Ölzeitalter“.

Zu diesem Zeitpunkt spielten Benzin, Diesel und Schmierstoffe noch eine untergeordnete Rolle. Sie wurden teilweise verbrannt. Von großer Bedeutung war hingegen das Petroleum als Rohstoff für Öllampen zur Beleuchtung. Franklin Knight Lane stellte damals fest: „Erdöl ist eine unschätzbare Ressource, denn es kann niemals ersetzt werden … Für Industrie, Landwirtschaft, Handel und die Freuden des Lebens ist Erdöl heute unverzichtbar.“

Über weite Strecken des frühen 20. Jahrhunderts waren die Erdölmärkte von Kartellbildung und Oligopolisierung geprägt. So bildete sich nach dem Achnacarry-Abkommen 1928 ein Kartell führender Ölkonzerne, die sog. „Sieben Schwestern“. Dieses Regime erlangte besonders in den 1950er Jahren eine beherrschende Stellung auf dem Weltmarkt. Kartelle können Preisabsprachen treffen, indem sie als faktische Monopole agieren. Da kein anderes Unternehmen den Verbrauchern einen niedrigeren Preis anbieten kann, kann der vom Kartell angebotene Preis deutlich über den Produktionskosten liegen, was hohe Gewinne generiert. Zwei weitere Regime mit Einfluss auf den Rohölhandel (Verträge, Preise, Förderung und Export) wurden in den 1960er Jahren gegründet, die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) im Jahr 1960 und die Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten (OAPEC) im Jahr 1968.mini|251x251px|Die Erschließung von Erdölquellen im Nahen Osten erfolgte ursprünglich durch verschiedene Gesellschaften in Konzessionsgebieten ab den 1920er Jahren. Diese Strukturen wurden durch Nationalisierung Ende der 1970er Jahre stark verändert oder aufgelöst. (CIA, 1952) Grundsätzlich lassen sich Mineralölunternehmen in zwei Gruppen aufteilen, die internationalen, börsennotierten Konzerne – umgangssprachlich „Majors“ oder „Big Oil“ – und die staatlich kontrollierten Erdölfördergesellschaften. Während in den USA und in Großbritannien die Mineralölunternehmen traditionell schon immer (meist private) börsennotierte Konzerne waren, waren diese (z. B. Statoil, Elf, Total oder Eni) in Europa bis in die 1980er und 1990er Jahre meist unter staatlicher Kontrolle und wurden erst in den 1980er und 1990er Jahren größtenteils privatisiert. In sämtlichen erdölexportierenden oder erdölproduzierenden Ländern hingegen stehen die Erdölfördergesellschaften unter staatlicher Kontrolle.

Der Anteil der westlichen Großunternehmen wie ExxonMobil, Shell, BP, Chevron, TotalEnergies und ConocoPhillips an der weltweiten Ölförderung ist eher gering mit rund 15 %. Den weitaus größten Anteil an der weltweiten Ölförderung haben die staatlich kontrollierten Unternehmen einiger erdölexportierender Länder. So ist mit einer Fördermenge von 10,3 Millionen boe am Tag die staatliche Ölgesellschaft Saudi-Arabiens, Saudi Aramco, das größte Erdölunternehmen der Welt. Aramco geht historisch auf die Zusammenarbeit mit Ölunternehmen aus den Vereinigten Staaten zurück, es war die Arabian-American Oil Company. Ähnliche Zusammenschlüsse gab es zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Iran, damals die Anglo-Iranian Oil Company (AIOC), einem Vorgänger der British Petroleum (BP).

Erdöl bzw. Rohöl ist einer der wichtigsten und meistverwendeten Rohstoffe, insbesondere als Grundstoff in der Chemieindustrie, als Treibstoff im Transport und als Brennstoff in der Wärmeerzeugung. Im Jahr 2012 lag der weltweite Konsum oder Verbrauch von Erdöl in Höhe von etwa 85 Mio. Barrel (bbl) pro Tag. In Europa spielt dabei das Öl und Gas aus der Nordsee eine übergeordnete Rolle, welche seit den 2000er Jahren zurückgegangen ist. Im Jahr 2024 förderten die EU-Länder rund 15,5 Mio. t Rohöl, was gerade einmal 3,6 % der gesamten Importe entspricht. Aufgrund des enormen Stellenwertes des Erdöls und seiner Produkte bildet die Erdölindustrie den größten Wirtschaftszweig der Welt.

Evolution des Erdölhandels

Ursprünge des Ölhandels Der Handel mit Rohöl und Erdölprodukten (Öle wurden damals zuerst aus Kohle, später aus Erdöl gewonnen) begann mit dem Handel von Petroleum, einem Kerosin-ähnlichen Destillat, das Mitte des 19. Jahrhunderts als Lampenöl verwendet wurde. Ab 1863 formierte sich die Standard Oil Company (Standard Oil Trust) von John D. Rockefeller, welche den US-amerikanischen Markt und auch Global für die kommenden Jahrzehnte dominieren sollte. Standard exportierte beispielsweise nach China. Im Jahr 1895 führte die Seep Purchasing Agency von Oil City im Namen der Standard einen „Posted Price“ oder veröffentlichter Mindestankaufpreis für Rohöl ein. Es war ein von Standard festgelegter Preis für den US-Binnenmarkt.

Standard Oil war Produzent und Händler, richtete jedoch seine Strategie auf den Zukauf von Öl. US-Erdölförderer, die ihr Rohöl an Standard Oil verkauften und Lieferanten des Unternehmens wurden, erhielten den von Standard Oil festgelegten Preis bzw. es war der Preis, den der Produzent für sein Rohöl erhielt. Es gab jedoch auch einzelne Förderer und Unternehmen, die unabhängig blieben und nicht an Standard Oil verkauften.

Ölhandel im 20. Jahrhundert Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war die Standard Oil die größte Ölgesellschaft in den USA. Im Jahr 1911 wurde dann das Monopol von Standard gebrochen (siehe auch der Sherman Antitrust Act). Das Unternehmen von John D. Rockefeller wurde in 43 separate Firmen aufgespalten, darunter die Standard Oil of New Jersey welche Jahrzehnte später zu Esso (Exxon) und dann ExxonMobile wurde. Standard Oil hatte damals die Kontrolle über 90 % der US-Pipelines, 85 % aller Raffineriekapazitäten und Marketing (Verkauf), sowie rund 11 % Produktionsanteile. Der Supreme Court sprach das Unternehmen der Monopolisierung der Erdölindustrie durch eine Reihe missbräuchlicher und wettbewerbswidriger Handlungen schuldig.