mini|hochkant|Steve Bannon (2024) Stephen Kevin „Steve“ Bannon (* 27. November 1953 in Norfolk, Virginia) ist ein US-amerikanischer Publizist, Filmproduzent und politischer Berater. Er leitete von 2012 bis August 2016 und von August 2017 bis Anfang 2018 die als rechtspopulistisch bis rechtsradikal („far-right“) eingestufte Website Breitbart News Network. Im August 2016 wurde er Berater des damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Von dessen Amtsantritt am 20. Januar 2017 bis zum 18. August 2017 war er der Chefstratege im Weißen Haus.

Leben Herkunft und Studium Bannon entstammt einer irischstämmigen katholischen Arbeiterfamilie. Er ist das dritte von fünf Kindern des Telefonleitungsmonteurs Martin Bannon und dessen Frau Doris. Bald nach seiner Geburt zog die Familie von seiner Geburtsstadt Norfolk nach Richmond, Virginia. Die Eltern waren konservative Demokraten und begeisterte Anhänger des ebenfalls irischstämmig-katholischen Präsidenten John F. Kennedy, für den der Vater auch im Wahlkampf aktiv war. Steve wuchs in dem Bewusstsein auf, der hart arbeitenden Blue-Collar-Klasse anzugehören, und jobbte neben der Schule auf einem Schrottplatz.Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017, S. 49f.

Das Elternhaus war vom Katholizismus geprägt. Die Eltern legten großen Wert auf den allwöchentlichen Besuch der Heiligen Messe, und die drei Söhne besuchten die private katholische Militär-Highschool Benedictine in Richmond. Diese verstand sich als Bollwerk gegen die fortschreitende Liberalisierung. Dabei kamen fast alle Kadetten wie Steve Bannon aus dem Arbeitermilieu, und oft gab es Konflikte bis hin zu Prügeleien mit den reichen „Snobs“ aus zwei anderen Highschools, bei denen sich Bannon besonders hervortat. An die Highschool schloss sich ein Studium an der Virginia Polytechnic Institute and State University an, das er 1976 im Bereich Stadtplanung abschloss. Dort kandidierte er schon im ersten Jahr für den Vorsitz der Student Government Association (Studentenvertretung) und griff zu Methoden, die (so sein Biograph Joshua Green) sein Markenzeichen werden sollten: Er druckte Flyer, in denen er den amtierenden Vertretern vorwarf, auf der Seite der elitären Universitätsleitung zu stehen und nur Plattitüden, Versprechungen und Slogans von sich zu geben. Dagegen werde er mit einer „dynamischen Führerschaft“ einen Wandel herbeiführen. Bannon gewann diese Wahl; er erhielt über 60 % der Stimmen.Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 50–54.

Militärdienst und Finanzwirtschaft Auf der Highschool hatte Bannon den Entschluss gefasst, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Das Studium an der Virginia Tech hatte er eingeschoben, um zeitweilig von der militärischen Disziplin, die Benedictine geprägt hatte, befreit zu sein. Danach verpflichtete er sich bei der Marine und wurde nach der Grundausbildung dem Zerstörer Paul F. Foster zugeteilt, der auf die Bekämpfung von U-Booten spezialisiert und zumeist im Pazifik unterwegs war. Im März 1980 wurde sein Schiff, zu dessen Navigator er inzwischen aufgestiegen war, zum Geleitschutz des Flugzeugträgers Nimitz im Persischen Golf beordert. Von der Nimitz sollten im Rahmen der Operation Eagle Claw acht Hubschrauber nach Teheran fliegen, um die in der dortigen amerikanischen Botschaft festgehaltenen Geiseln zu befreien. Bannons Zerstörer wurde jedoch einige Tage vor dem Start dieser dann fehlgeschlagenen Mission nach Pearl Harbor abkommandiert. Der Fehlschlag der Mission war für ihn dennoch ein einschneidendes Erlebnis. Er verachtete den Präsidenten Jimmy Carter, der die Operation befohlen hatte und den er für das Scheitern verantwortlich machte, und er begann, Ronald Reagan zu bewundern, der scharfe Kritik an Carter übte. Außerdem begann Bannon, im Islam eine heranwachsende Bedrohung für den Westen zu sehen.Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 53–59.

Als Reagan 1981 Präsident wurde, war Bannon begeistert und wollte für die Regierung Reagan arbeiten. Er wechselte ins Verteidigungsministerium (Pentagon), wo er als Assistent in der Einsatzleitung der Marine tätig war. Daneben besuchte er Abendkurse an der Georgetown University in Nationaler Sicherheit. Aufgrund seiner begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten bei der Navy bewarb er sich um einen Studienplatz an der renommierten Harvard Business School (HBS), wo er sich 1983 im Alter von 29 Jahren immatrikulieren konnte.Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 59f. Als er aus der Navy ausschied, war er Lieutenant,Mark D. Faram: Steve Bannon and the National Security Council: What we can learn from his Navy career. In: Navy Times. 1. Februar 2017, abgerufen am 22. August 2020 (englisch). vergleichbar mit dem deutschen Rang eines Kapitänleutnants.

An der HBS war es üblich, sich schon im ersten Jahr bei möglichen künftigen Arbeitgebern zu bewerben und Bannon erhielt bei der Investmentbank Goldman Sachs eine Stelle.Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 61–65.

Als Bannon 1985 nach seinem Abschluss bei Goldman Sachs anfing, herrschte ein nie dagewesener Boom feindlicher Übernahmen von Unternehmen in einer Hochphase. Er wurde der Abteilung Mergers & Acquisitions zugewiesen, die darauf spezialisiert war, von Übernahmen bedrohte Unternehmen bei der Abwehr zu unterstützen. Im ersten Jahr war Bannon auch als Berater von General Electric bei der Übernahme des RCA-Konzerns beteiligt. Später spezialisierte er sich auf die Bewertung von Filmproduktionsgesellschaften in Hollywood, wo Goldman Sachs bei Übernahmen beratend tätig war.Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 67–69 und 73f.

1990 verließ Bannon mit einem Kollegen Goldman Sachs und gründete eine eigene Investmentbank in Beverly Hills, Bannon & Co. Diese war als Dienstleister an etlichen großen Übernahmen im Filmgeschäft beteiligt. Darunter war schon 1990 der Erwerb von Metro-Goldwyn-Mayer durch den bis dahin wenig bekannten italienischen Filmproduzenten Giancarlo Parretti für 1,3 Milliarden US-Dollar, die dieser größtenteils von der französischen Crédit Lyonnais geliehen bekam, nachdem er einige leitende Mitarbeiter dieser Bank bestochen hatte. Parretti, dessen Vergangenheit als mehrfach vorbestrafter Mafioso in Sizilien erst später in den USA bekannt wurde, machte sich umgehend daran, die Traditionsfirma auszuplündern. Nach acht Monaten flog der Schwindel auf, Parretti wurde festgenommen und angeklagt, und Crédit Lyonnais kam in den Besitz von MGM und vieler weiterer Filmstudios, die als Dirty Thirty bekannt wurden, weil sie nahezu wertlos waren. Bei der anschließenden Zwangsversteigerung beauftragte die Bank wiederum Bannon & Co. damit, diese Firmen zu bewerten.Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 74–77. In den Folgejahren verhandelten sie unter anderem den Verkauf von Castle Rock Entertainment an Ted Turner und erhielten dafür Anteile an mehreren TV-Shows, darunter die Sitcom Seinfeld, die im Jahr darauf sehr populär wurde. 1998 wurde die Firma an die französische Geschäftsbank Société Générale verkauft. Noch während seiner Zeit als Firmenchef von Bannon & Co. wurde Bannon 1993 stellvertretender Direktor des Projekts Biosphäre 2, bei dem er bis 1995 blieb.Tim Murphy: Trump's Campaign CEO Ran a Secretive Sci-Fi Project in the Arizona Desert. In: Mother Jones. 26. August 2016 (englisch).Bud Kennedy: Long before Breitbart, Trump CEO Bannon ran Ed Bass' Biosphere 2. In: Star-Telegram. 25. August 2016 (englisch).

Medienkarriere Neben Bannon & Co. gründete er eine eigene Filmproduktionsgesellschaft, die mit 100 Millionen Dollar von einem japanischen Handelsunternehmen ausgestattet war. Die erste Produktion war Indian Runner (1991), das Debüt von Sean Penn als Regisseur.Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 74. 1999 war Bannon an der Produktion des Films Titus mit Anthony Hopkins beteiligt.. Dort als einer der Co-executive producer. Er wurde Partner von Jeff Kwatinetz in der Medienproduktionsfirma The Firm, Inc. und war 2004 an einem Film über Ronald Reagan (In the Face of Evil: Reagan’s War in Word and Deed) beteiligt.. Von 2007 bis 2011 war Bannon CEO von Affinity Media.

Im Jahre 2011 gewann er den Milliardär Robert Mercer als Investor für die Nachrichten- und Meinungs-Website Breitbart News Network und wechselte in das Board of Directors des damals noch unbedeutenden Unternehmens. Als dessen Leiter und Begründer Andrew Breitbart im März 2012 überraschend starb, übernahm Bannon die Leitung und baute, hauptsächlich finanziert durch Mercer, die Website unter Hinzuziehung vieler Vollzeit-Autoren massiv aus.Jane Mayer: The reclusive hedge-fund tycoon behind the Trump presidency. In: The New Yorker, 27. März 2017 (englisch).Marc Pitzke: Strippenzieherin und Straßenkämpfer. In: Spiegel Online, 18. August 2016 (englisch); Michael Barbaro, Michael M. Grynbaum: Stephen Bannon, a Rookie Campaign Chief Who ‘Loves the Fight’. In: The New York Times. 17. August 2016 (englisch). Bannon äußerte im August 2016, Breitbart News sei „die Plattform für die Alt-Right“,Sarah Posner: How Donald Trump’s New Campaign Chief Created an Online Haven for White Nationalists. In: Mother Jones. 22. August 2016 (englisch). es seien „junge Menschen, [...] sehr nationalistisch“, „gegen die Globalisierung und gegen das Establishment“.Heike Buchter: Im Griff der Eule In: Die Zeit, 1. März 2017.

Ebenfalls 2012 gründete Bannon mit Peter Schweizer das Government Accountability Institute (GAI) in Tallahassee. Dessen Ziel sei es (wie er der Bloomberg Businessweek erzählte), „Schmutz“ über Politiker auszugraben und damit die Mainstream-Medien, die immer weniger Geld für eigenen investigativen Journalismus haben, zu „füttern“. Diese Non-Profit-Organisation wurde ebenfalls von Mercer finanziert, und dessen Tochter Rebekah Mercer, die auch bei Breitbart eng mit Bannon zusammenarbeitete, trat kurz nach der Gründung in den Vorstand ein. Zu den bislang größten Erfolgen der Organisation gehört ein Leitartikel in der Times im Jahre 2015, der auf Schweizers Buch Clinton Cash basierte und über angebliche kriminelle Machenschaften von Bill und Hillary Clinton berichtete, sowie ein ebenso betitelter und ausgerichteter Film, der 2016 auf dem Filmfestival von Cannes präsentiert wurde. Ein anderes Buch von Schweizer, Bush Bucks, nahm in ähnlicher Weise den vom republikanischen „Establishment“ favorisierten Präsidentschaftsbewerber Jeb Bush aufs Korn.

2014 war Bannon an der Gründung der Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica beteiligt, wo er von Juni 2014 bis August 2016 als Vizepräsident tätig war. Nach Aussage des damaligen Mitarbeiters Christopher Wylie war Bannon faktisch der Vorgesetzte des CEO Alexander Nix, und er habe annähernd eine Million Dollar für den Erwerb von Facebook-Nutzerprofilen freigegeben, die in Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2015/16 verwendet wurden. Bannon bestreitet eine Beteiligung oder auch nur Kenntnis dieser Transaktion.Craig Timberg, Karla Adam, Michael Kranish: Bannon oversaw Cambridge Analytica’s collection of Facebook data, according to former employee. Washington Post, 20. März 2018 (englisch).