mini|Übersicht über den menschlichen Verdauungstrakt, Speiseröhre rot hervorgehoben Die Speiseröhre oder der Ösophagus (eingedeutscht von lateinisch Oesophagus, von ), veraltet Schluckdarm, ist ein muskulöser Schlauch, der außen von Bindegewebe umgeben und innen mit Schleimhaut ausgekleidet ist. Er ist ein Teil des Verdauungstraktes und transportiert in der letzten Phase des Schluckaktes mit peristaltischen Bewegungen Nahrung vom Rachen in den Magen.

Beim Menschen ist die Speiseröhre etwa 25 Zentimeter lang und hat an der engsten Stelle einen Durchmesser von etwa 1,5 Zentimetern. Sie beginnt auf Höhe des Kehlkopfes, zieht zwischen Luftröhre und Wirbelsäule abwärts in das hintere Mediastinum im Brustkorb, wo sie eng am linken Vorhof des Herzens liegt und dann durch den Speiseröhrenschlitz des Zwerchfells in die Bauchhöhle tritt und in den Magen mündet.

Das untere Ende der Speiseröhre ist in Ruhe verschlossen, sodass kein saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Bei Sodbrennen ist die Speiseröhre nicht richtig verschlossen, häufiges Zurückfließen wird als Refluxkrankheit oder Refluxösophagitis bezeichnet und kann Speiseröhrenkrebs verursachen. Dieser tritt seltener auf als andere Krebserkrankungen wie Lungen- oder Darmkrebs, bleibt durch seine unspezifischen Symptome aber lange unentdeckt und hat daher eine hohe Sterblichkeit. Entzündungen der Speiseröhre machen sich als Brennen hinter dem Brustbein bemerkbar, das der Angina Pectoris bei koronarer Herzkrankheit sehr ähnlich ist.

Anatomie der Speiseröhre des Menschen

Lage und Struktur mini|Lage der Speiseröhre Die Speiseröhre ist beim erwachsenen Menschen etwa 25 Zentimeter lang. Sie beginnt auf Höhe des sechsten Halswirbelkörpers am unteren Rand des Ringknorpels des Kehlkopfes und mündet kurz nach ihrem Durchtritt durch das Zwerchfell auf Höhe des zehnten Brustwirbelkörpers in den Magen.

Ihrem Verlauf entsprechend ist die Speiseröhre anatomisch in drei Abschnitte eingeteilt. Als Halsteil (Pars cervicalis) wird der Anteil der Speiseröhre zwischen ihrem Beginn im Kehlkopfbereich und ihrem Eintritt in den Brustkorb bezeichnet. Er ist etwa acht Zentimeter lang. Im Brustkorb verläuft sie zunächst im oberen, dann im hinteren Mediastinum und tritt durch einen Schlitz (Hiatus oesophageus) durch das Zwerchfell. Dieser Brustteil-Abschnitt (Pars thoracica) ist etwa 16 Zentimeter lang. Die Länge des Bauchteils (Pars abdominalis) zwischen dem Durchtritt durch das Zwerchfell und dem Eintritt in den Magen ist durch den verschieblichen Einbau in den Ösophagusschlitz variabel und schwankt zwischen einem und drei Zentimetern.Gerhard Aumüller et al.: Duale Reihe Anatomie. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-152862-9, S. 604 f.

mini|hochkant=1.5|Sicht von vorne: Die Speiseröhre (gelb) verläuft im Brustkorb hinter der Luftröhre und dem Herzen. Die Speiseröhre steht in enger räumlicher Beziehung zu anderen wichtigen Strukturen und Organen. Im Hals liegt ihr die Luftröhre unmittelbar an der Vorderseite (ventral) an, bis sich die Luftröhre auf Höhe des vierten Brustwirbelkörpers in die beiden Hauptbronchien aufteilt. Unterhalb der Aufteilungsstelle (Bifurcatio tracheae, Luftröhrengabel), also im unteren Mediastinum, ist der Ösophagus durch den Herzbeutel vom linken Vorhof des Herzens getrennt. Ebenfalls auf Höhe der Luftröhrengabel entspringt die Aorta aus der linken Herzkammer, biegt sich nach hinten (dorsal) über den linken Hauptbronchus und verläuft links neben der Speiseröhre entlang der Wirbelsäule nach unten (kaudal), wobei sie die Speiseröhre etwas nach rechts verdrängt.Detlev Drenckhahn (Hrsg.): Anatomie. Band 1. 17. Auflage. Urban & Fischer, München 2008, ISBN 978-3-437-42342-0, S. 635. Ebenfalls unterhalb der Luftröhrengabel legen sich der linke und rechte Nervus vagus an die Speiseröhre an und zerfasern zu zwei Nervengeflechten, den Trunci vagales. Die Speiseröhre ist in ihrem Verlauf bis zum Magen im Uhrzeigersinn gedreht, so dass der linke Vagusnerv entsprechend als Truncus vagalis anterior auf der Vorderseite und der rechte Vagusnerv als Truncus vagalis posterior auf der Rückseite des Ösophagus zu liegen kommen.Gerhard Aumüller et al.: Duale Reihe Anatomie. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-152862-9, S. 613 f.

Während der Halsteil der Speiseröhre noch nah an der Wirbelsäule liegt, entfernt sich der Brustteil zunehmend von ihr. Vor der Einmündung in den Magen überkreuzt die Speiseröhre die Aorta von rechts nach links; beim Durchtritt durch das Zwerchfell liegt sie etwa mittig vor ihr.

Aus dem Verlauf der Speiseröhre und ihrer engen Nachbarschaft zu anderen Organen ergeben sich drei Engstellen. Die oberste ist zugleich die engste Stelle des Ösophagus: der Ösophagusmund (Constrictio pharyngooesophagealis, Constrictio cricoidea oder Angustia cricoidea). Sie liegt auf Höhe des Ringknorpels des Kehlkopfs und hat einen Durchmesser von etwa 1,5 Zentimetern. Vom Ringknorpel strahlen Muskeln aus, die sich um den Ösophagusmund herumlegen und ihn als Schließmuskel (Sphinkter) verschließen. Unterstützt wird der Verschluss durch ein Venengeflecht in der Submukosa (siehe unten den Abschnitt Feinbau zur Histologie). In Ruhe ist die obere Ösophagusenge geschlossen.Gerhard Aumüller et al.: Duale Reihe Anatomie. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-152862-9, S. 605. Der Brustteil wird durch den linken Hauptbronchus und den Aortenbogen eingeengt, daher wird diese mittlere Engstelle auch „Aortenenge“ (Angustia aortica oder Constrictio partis thoracicaeGerhard Aumüller et al.: Duale Reihe Anatomie. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-152862-9, S. 606.) genannt. Die dritte Enge ist die Zwerchfellenge (Constrictio diaphragmatica oder Constrictio phrenica). Hier ist die Speiseröhre durch das Ligamentum phrenicooesophageale (Laimer-Band) elastisch mit dem Zwerchfell verbunden.

Die untere Öffnung der Speiseröhre ist in Ruhe aufgrund ihrer Längsspannung verschlossen, hat aber keinen eigentlichen Schließmuskel. Man spricht vom angiomuskulären Dehnverschluss,Friedrich Stelzner, W. Lierse: Der angiomuskuläre Dehnverschluss der terminalen Speiseröhre. In: Langenbecks Arch. klin. Chir., 1968, 321, S. 35. weil im untersten Speiseröhrensegment ein Venengeflecht unmittelbar unter dem Epithel der Schleimhaut liegt. Mehrere Mechanismen gewährleisten den Verschluss, die zusammenfassend als „Unterer Ösophagussphinkter“ (UÖS) bezeichnet werden. Zum einen verlaufen die Muskelzüge im unteren Bereich spiralig um den Ösophagus herum. Da dieser unter Längsspannung steht, entsteht ein „Wringverschluss“. Dieser öffnet sich, wenn sich die Speiseröhre beim Schlucken verkürzt und sich dadurch die Längsspannung lokal reduziert. Dabei kippt die steil gestellte Einmündungsebene der Speiseröhre in den Magen, wobei der Dreh- und Fixpunkt vorn am Durchtritt durch das Zwerchfell liegt und eine lockere Gleitschicht (auch als Bursa infracardiaca) im hinteren Hiatus des Zwerchfells dies ermöglicht.

Reflux von Mageninhalt in die Speiseröhre kann experimentell allein durch Kippung bzw. Horizontalstellung der Einmündungsebene erzeugt werden, nicht durch Beseitigung des His-Winkels, der zwischen Speiseröhren-Längsachse und Magenfundes liegt, was experimentell nachgewiesen wurde. Auch erhöhter Druck im Bauch bei Adipositas und fortgeschrittener Schwangerschaft verlagert die Einmündungsebene und erleichtert Reflux. Die letzte Komponente ist der Winkel, in dem die Speiseröhre in den Magen mündet.Ulrich Kunath: Die Biomechanik der unteren Speiseröhre. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1979, ISBN 3-13-574501-5.

Blutversorgung und Lymphabfluss Die Blutversorgung erfolgt entsprechend der Einteilung in Hals-, Brust- und Bauchabschnitt. Der Halsteil erhält Äste aus den unteren Schilddrüsenarterien (Arteria thyroidea inferior), das venöse Blut fließt über die unteren Schilddrüsenvenen (Vena thyroidea inferior) oder direkt in die Vena brachiocephalica. Von dieser gelangt das Blut in die obere Hohlvene (Vena cava superior). Der Brustteil wird über direkte Äste der Aorta mit sauerstoffreichem Blut versorgt, sein venöses Blut gelangt in die Vena azygos und Vena hemiazygos, die beide ebenfalls in die obere Hohlvene münden. Der Bauchteil wird von Ästen der linken Magenarterie und -vene (Arteria gastrica sinistra und Vena gastrica sinistra) erreicht.Michael Schünke u. a.: Prometheus Lernatlas der Anatomie. Innere Organe. 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-13-139533-7, S. 162. Bedeutsam ist hier, dass der Blutabfluss in die Pfortader (Vena portae hepatis) erfolgt, die Äste der Magenvene aber durch das Venengeflecht des unteren Ösophagussphinkters mit den Ästen der Azygosvene in Verbindung stehen. Ist der Abfluss der Pfortader etwa bei einer Leberzirrhose unterbrochen, dienen die Speiseröhrenvenen als wichtige Umgehungsstrecke (Portokavale Anastomose). Die geschwollenen Venen sind als Ösophagusvarizen erkennbar und sind Ort lebensbedrohlicher Blutungen, wenn sie reißen.

Auch der Lymphabfluss ist von Abschnitt zu Abschnitt unterschiedlich. Grundsätzlich gelangt die Lymphe in nah an der Ösophaguswand gelegene Lymphknoten, die Noduli lymphoidei juxtaoesophageales. Im Halsteil drainieren diese in die tiefen Halslymphknoten (Nll. cervicales profundi). Der Lymphabfluss des Brustteils erfolgt in zwei Richtungen: von der oberen (kranialen) Hälfte kopfwärts in die Trunci bronchomediastinales, und von der unteren (kaudalen) Hälfte nach kaudal über die Zwerchfell-Lymphknoten in die Trunci bronchomediastinales. Die Lymphknoten des unteren Brustteils haben Verbindungen zu den Lymphknoten des Bauchteils, sodass ein kleiner Teil der Lymphe des Brustteils in die Lymphknoten des Bauchteils gelangt. Von hier fließt die Lymphe über die Lymphknoten entlang der linken Magenarterie zu den Noduli lymphoidei coeliaci am Truncus coeliacus. Lage- und Druckveränderungen können diese Flussrichtung umkehren, sodass auch Lymphe aus dem Bauchabschnitt über die Zwerchfell-Lymphknoten in die Trunci bronchomediastinales gelangen kann. Dieser Mechanismus ist für die Ausbreitung von Magenkrebs-Metastasen von Bedeutung.Michael Schünke u. a.: Prometheus Lernatlas der Anatomie. Innere Organe. 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-13-139533-7, S. 164.

Innervation Die Speiseröhre ist sympathisch und parasympathisch innerviert, wodurch die Peristaltik und die Drüsensekretion gehemmt (Sympathikus) oder gesteigert (Parasympathikus) werden. Die Nerven innervieren die glatte Muskulatur nicht direkt, sondern beeinflussen die Aktivität des Enterischen Nervensystems, das die glatte Muskulatur steuert. Die quergestreifte Muskulatur, die vor allem kranial zu finden ist, wird durch motorische Nervenfasern des Nervus vagus und des Nervus laryngeus recurrens direkt angesteuert. Mit diesen Nerven verlaufen auch die parasympathischen Nervenfasern für das Enterische Nervensystem und die sensiblen Fasern vom Gewebe zum Gehirn.Detlev Drenckhahn (Hrsg.): Anatomie. Band 1. 17. Auflage. Urban & Fischer, München 2008, ISBN 978-3-437-42342-0, S. 639. Die sympathischen Fasern kommen aus dem Ganglion stellatum und aus den kranialen Grenzstrangganglien des Brustkorbs.

Feinbau mini|Epithelübergang an der Cardia: Rechts ist das unverhornte Plattenepithel des Ösophagus zu sehen.