mini|Schloss Mutzschen, Luftaufnahme (2017) mini|Rückwärtige Ansicht, Luftaufnahme (2017) mini|Schloss Mutzschen Haupteingang Das Schloss Mutzschen liegt am Rand der Innenstadt von Mutzschen östlich von Grimma im Landkreis Leipzig in Sachsen auf einem Sporn über dem Mutzschener Wasser. Bereits in der frühen Bronzezeit erhob sich hier eine Befestigungsanlage der Lausitzer Kultur, als Zweig der Aunjetitzer Kultur. Nachgewiesen wurde eine ins 9. Jahrhundert datierte wendische Burganlage und nach der Ostbesiedlung in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts ein früher Burgward. Von der mittelalterlichen Burg haben sich oberirdisch keine Baureste erhalten. Zu dem heute sichtbaren barocken Schloss, einem zweigeschossigen Bau mit übergiebeltem Risalit, gehören das Torwächterhaus, ein achteckiger Flankierungsturm, die Schlossbrücke, die vorgelagerten Reste des Rittergutes auf dem Gelände der Vorburg, die Terrassengärten, ein ausgedehnter, naturbelassener Park und ein angestauter Schlossteich mit Schlossmühle, die Schlosshäuser mit dem Salzschank und die Häuser unter dem Schloss.
mini|Grundriss Erdgeschoss (Farben: dunkelgrün um 1700, hellgrün 2. Hälfte. 18. Jh. (nach 1754), rot nach 1775, gelb 20. Jh., grau Baualter unklar) mini|Grundriss Obergeschoss mini|Grundriss Dachgeschoss Lage Die Burg liegt auf einem etwa 50 × 80 Meter (m) großen ovalen Plateau auf einem Geländesporn. Dieser befindet sich bis zu 20 m über dem Mutzschener Wasser und wird von drei Seiten in einer Schleife umflossen. Eine vierte Seite bildet der im Mittelalter geschaffene Kehlgraben. Dadurch entstand die heute sichtbare 18 m tiefe Teilung der Anlage. Über diesen Graben führte ursprünglich eine hölzerne Zugbrücke, welche durch Umgestaltung durch die heute sichtbare Steinbrücke ersetzt wurde.
mini|Lageplan der Anlage
Baubeschreibung Schloss Das Schloss wurde nach völliger Zerstörung vom großen Stadtbrand von 1681 im Jahre 1703 neu erbaut und 1754 erneuert. Der Bau hatte hofseitig ursprünglich dreizehn Fenster, heute siebenundzwanzig. Vor dem hofseitigen Mittelrisalit, der durch beide Hauptgeschosse greifende toskanische Halbsäulen eingefasst wird, befindet sich eine Freitreppe, mit zwei, einen breiten Balkon tragenden Säulen. Unter dem Dreiecksgiebel mit einer lateinischen Inschrift befinden sich gekuppelte ionische Pilaster. In der Inschrift steht: „Dieses Haus, welches Herr von Kanitz des mächtigsten Königs von Polen und Kurfürsten zu Sachsen, General-Leutnant im Jahre 1703 von Grund aus aufbaute, hat der berühmte und ausgezeichnete Herr Otto Friedrich von Zanthier des Königs von Polen und Kurfürsten zu Sachsen Geheimer Rat erneuert und mit einem Vorbau und anderen neuen Bauwerken verziert, im Jahre 1754“. In einem Raum im Erdgeschoss sind Reste barocker Malerei zu finden.
Turmgebäude (Torwächterhaus) Nach dem großen Stadtbrand 1681 war auch das Torwächterhaus bis auf die Grundmauern zerstört. Das dem Schloss gegenüberliegende Turmgebäude, datiert in die Bauzeit 1754, war ursprünglich der Wohnsitz des Schlossverwalters. Das Dach mit seinem Barockturm weist Ähnlichkeiten mit der Barockhaube des Hauptgebäudes der Hubertusburg auf. Die ehemaligen Tür- und Fenstersimse aus Rochlitzer Porphyr vom Vorgängerbau wurden 1754 wiederverwendet. Die Wetterfahne wurde als Karpfen gestaltet, als Hinweis auf die in dieser Region um 1500 zahlreich angelegten Fischteiche, wodurch die Mutzschener Teichwirtschaft entstand. 1989 fertigte die Firma Eckelmann aus Zschoppach eine Replik an, die bei der Neueindeckung des Daches angebracht wurde. In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden am nördlichen Schlosshang die Bäume und Büsche entfernt. Nach mehreren Regengüssen und der damit verbundenen Erdaufweichung, wodurch der Hang ins Rutschen geriet und am östlichen Teil des Gebäudes Risse entstanden, ein Teil des Gebäudes abzurutschen begann und vollständig abgetragen werden musste. Die Heimatstube, die in diesem Teil des Gebäudes untergebracht war, musste ausgelagert werden und konnte erst 1999 nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ins Torwächterhaus wieder einziehen.
Flankierungsturm Der unmittelbar neben dem Haupteingang gelegene Flankierungsturm wird umgangssprachlich als „Hungerturm“ bezeichnet. Seine Aufgabe diente dem Flankierungsschutz der inneren Wehrmauer, der Sicherung der Zugbrücke und der Unterbringung des Wachpersonals. Dazu diente ein beheizbarer Raum mit eingebautem Schüsselkachelofen. In das darunterliegende fensterlose Gefängnis führt eine kurze Steintreppe. In dessen darin sichtbaren Umfassungsmauern ist eine mit menschlichen Fingern gekratzte Öffnung zu sehen. Das heute sichtbare Niveau des Geländes liegt etwa 2,5 m höher als bei der ursprünglichen Erbauung. Die Tür des ehemaligen Wachraumes war aus diesem Grunde im Laufe der Jahrhunderte nicht mehr benutzbar und musste 1960 zugeputzt werden. Im Obergeschoss werden durch das Heimatmuseum Sonderausstellungen gestaltet, so 2011 im Rahmen der 3. Sächsischen Landesausstellung zum Thema Via Regia.
Wohnturm Unterhalb und hinter dem zweiten Schlosshof in Richtung Bergsporn befindet sich ein quadratischer Bau, welcher möglicherweise Reste eines Wohnturmes darstellt und im unteren Teil des Mauerwerks auf das 10. bis 11. Jahrhundert datiert wird. Im Winter sind an der eingezogenen Decke Fledermäuse zu finden.
Geschichte Frühbronzezeitliche Anlage Die 1972 stattgefundene Grabung unter Willfried Baumann ergab, dass sich unter den mittelalterlichen Schichten auf dem Mutzschener Schlossberg eine 0,25 ha große frühbronzezeitliche Besiedlung befindet, welche durch den zwei Meter tiefen und sieben bis acht Meter breiten Kehlgraben befestigt war. Eine Wallbefestigung wurde bei dieser Grabung nicht festgestellt.
Frühes und hohes Mittelalter Archäologische Funde von Keramik der Leipziger Gruppe zeigen, dass der Bergsporn im 9. und frühen 10. Jahrhundert nach der Völkerwanderung durch Slawen wiederbesiedelt wurde. Aufgrund der Geländesituation handelt es sich um eine natürliche Befestigung. So gehört Mutzschen zusammen mit weiteren Burgen östlich der Mulde wie Wurzen, dem Sonnenmühlwall in Oelschütz, Nerchau, Döben, Polkenberg und Dahlen-Zissen zu dem von Wenden besiedelten Landstreifen östlich der Mulde, der im 10. Jahrhundert als Chutizi orientalis Teil des pagus Chutizi wurde. Wilfried Baumann, sowie später Gerhard Billig und Karlheinz Blaschke vermuteten, dass sich in Mutzschen in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts das Zentrum eines deutschen Burgwardes befand. Für Mutzschen als Mittelpunkt spricht die Kirche in der ehemaligen Vorburg, die zwar erst zum Jahr 1341 mit der Nennung eines plebanus bezeugt ist, aber nach Walter Schlesinger als bereits in der Zeit bestehende Königskirche bzw. Burgwardkirche mit einer großen Pfarrei gilt. Im Jahr 1081 schenkte König Heinrich IV. seinem Getreuen Chitele die drei Dörfer Mutzschen, Böhlitz (heute Ortsteil der Stadt Mutzschen) und Mehlis (Wüstung zwischen Böhlitz und Prösitz) nebst allem Zubehör und allen Einkünften zu freiem Eigen, sowie den zu Mutzschen gehörenden Wald innerhalb angegebener Grenzen im Gau Chutizi in der Grafschaft Ekberts. Der Wald gehörte auch später als Mutzschener Heide oder Wermsdorfer Forst immer zur Herrschaft Mutzschen. In der am 18. März 1081 in Regensburg ausgestellten Urkunde ist ausdrücklich von villae die Rede und nicht von einer Burg. Trotzdem wird diese Urkunde bislang zumeist als Beleg für die Existenz einer Burg im 11. Jahrhundert genannt. In dem Reichsministerialen Chitele wird daher auch der mögliche Stammvater des später edelfrei gewordenen Geschlechts der Herren von Mutzschen gesehen. Der erste sichere Vertreter dieses Geschlechts ist Konrad von Mutzschen (Cunradus de Mutsin). Dieser nahm mit zahlreichen weiteren Edelherren und Ministerialen an der Gerichtsentscheidung des Markgrafen Dietrich des Bedrängten an der Schleifung der Burg Thorun (siehe hierzu Dohnaische Fehde) teil und wird in der 1206 in Dresden ausgestellten Urkunde als Zeuge aufgeführt und benannte sich wohl nach einer Burg bzw. einem Herrensitz in Mutzschen.
mini|Schloss Mutzschen Hofseite
Spätmittelalter Wohl um 1290, sicher aber vor 1308 erwarben die Burggrafen von Leisnig Burg und Herrschaft Mutzschen. Von den vorherigen Herren, welche möglicherweise von Döben durch Wiprecht von Groitzsch vertrieben wurden und nach Mutzschen, Wermsdorf und Luppa gelangten, gibt es keine genauen Urkunden. In einer Urkunde von 1308 nennen sie Mutzschen erstmals „castrum nostrum“. Seither sind die Namen der Mutzschener Herren bekannt, sie entstammen dem Geschlecht der Leisniger Burggrafen. Um 1350 wird der Ort Mutzschen erstmals als oppidum bezeichnet.
mini|Albrecht der Beherzte
Familie Starschedel zu Mutzschen Um 1400 wechselte die Burg in den Besitz der Familie von Starschedel, auch Starschädel genannt. Diese Familie stammte aus Starsiedel. Sie gelangte nach Mutzschen, nachdem die Wettiner 1376 die Burg Leisnig in Besitz nahmen und die dortigen Burggrafen entmachteten. Die Familie hatte sehr enge Beziehungen zu den Wettinern und war vermögend, denn sie besaßen an der Oberelbe Besitzungen so in Wehlen, Einnahmen aus Erbzoll und Kuxe am Silberbergbau im Erzgebirge. Bei der Altenburger Teilung im Jahre 1445 ist Heinrich von Starschedel als Zeuge und Besitzer von Mutzschen aufgeführt. Sein Sohn Heinrich III. von Starschedel ist Berghauptmann zu Schneeberg und Besitzer zahlreicher Kuxe. Der Wettiner Albrecht der Beherzte verlebte seine Kindheit und Jugend teilweise in Leisnig, vermutlich war er schon zu dieser Zeit mit Heinrich bekannt. Als Albrecht seine Pilgerreise nach Jerusalem antrat, war Heinrich einer seiner Begleiter. Nachdem Albrecht zum „Ritter des Jerusalemer Grabes“ ernannt worden war, hat er unter anderem auch Heinrich von Starschedel zum „Ritter des Heiligen Grabes“ geschlagen und ihm ein geheiligtes Schwert überreicht. Heinrich gelobte auf dieser Reise, sollte er gesund zurückkommen, ein Kloster zu stiften, was er auch mit der Gründung eines Servitenklosters im Mutzschen tat. Dieses Kloster wurde bald darauf durch die Reformation aufgelöst. Etliche Mönche konvertierten zu protestantischen Pfarrern, lediglich ein Mönch blieb katholisch und lebte bis zu seinem Tode in Mutzschen. Die Stadt Mutzschen erhielt von Heinrich von Starschedel die Gerichtsbarkeit (außer der Todesstrafe). Für die Stadt galt als Zeichen der Gerichtsbarkeit ein Gerichtsschwert, welches eine Nachbildung des Damaszenerschwertes von Heinrich war. Es ist heute im Stadtmuseum ausgestellt. Heinrich von Starschedel gründete zahlreiche Legate, die sein Sohn Moritz Dietrich nach seinem Tode im Jahre 1495 fortsetzte. Er teilt sich mit seinem Bruder Ernst das Schloss. Ernst wurde Domherr zu Meißen und stirbt 1529. Moritz Dietrich erwirbt 1515 Cannewitz und stirbt drei Jahre vor seinem Bruder 1526. Sein Sohn Dietrich war als junger Mann 1521 vom Auftritt des Martin Luthers in Worms derart begeistert, dass er immer wieder von diesem Erlebnis berichtete. Er wurde zum glühenden Anhänger Luthers, besuchte ihn mehrmals in Wittenberg und unterstützte ihn als Visitator bei der Auflösung der Klöster. Seine Nichte Anna Maria, die Tochter von Ernst, betreute er nach dessen Tode als Vormund. Diese war am Hof der Wettiner nach dem Schmalkaldischen Krieg mit einem Herzogssohn ein Verlöbnis eingegangen, was dessen Vater als nicht standesgemäß empörte. Aber das Eheversprechen war bindend. Der Herzog wendete sich an Luther, für den das aber eine zentrale theologische Frage war. Nach mehreren Jahren und vielen Verhandlungen wird die Streitfrage im Sinne des Herzoges entschieden. So heiratet der Sohn nicht die Anna von Starschedel, sondern die Tochter eines Pommernherzoges. Dietrich von Starschedel hatte vier Söhne: Heinrich, Haubold, Innocenz und Georg. Als ihr Vater Dietrich starb, bekamen sie aufgrund ihres unmündigen Alters Tham Pflugck († 1596) zum Vormund.
mini|Schloss Mutzschen Treppenhaus