Die Industrie- und Handelskammer Magdeburg (IHK Magdeburg) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der Bezirk der IHK Magdeburg erstreckt sich über die kreisfreie Stadt Magdeburg und die Landkreise Altmarkkreis Salzwedel, Börde, Harz, Jerichower Land, Salzlandkreis (ohne das Gebiet des ehemaligen Landkreises Bernburg in den Grenzen vom 30. Juni 2007) sowie Stendal. Mit einer Fläche von 11.900 km² ist der IHK-Bezirk Magdeburg der viertgrößte Bezirk Deutschlands.
Sitz und Gebäude der IHK Magdeburg mini|Das Gebäude der IHK Magdeburg am Alten Markt 8 mini|Das Gebäude der IHK-Geschäftsstelle in Salzwedel in der Alten Münze mini|Das Gebäude der IHK-Geschäftsstelle in Wernigerode mini|hochkant|Skulptur des Heiligen Georg mini|hochkant|Stilisierte Skulptur
Die IHK Magdeburg hat ihren Sitz am Alten Markt 8 in Magdeburg. Weitere Geschäftsstellen sind in Salzwedel und Wernigerode. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das ursprüngliche Seidenkramer-Innungshaus zerstört. Das neue Seidenkramer-Innungshaus wurde an der südlichen Seite des Alten Marktes (Nr. 5 – heute Nr. 2) um 1666 gebaut. Das Portal wurde mit einer 1 Meter hohen Plastik des Heiligen Georgs – Schutzpatron der Kaufleute – verziert, welches von dem Steinmetzmeister Melchior Lentz geschaffen wurde. 1825 wurde das Haus als Sitz der Korporation der Kaufmannschaft und der Börse genutzt, ab 1904 als Haus der Handelskammer und ab 1924 als Sitz der Industrie- und Handelskammer zu Magdeburg. Im Zweiten Weltkrieg wurde über dem Portal die Plastik des Heiligen Georg von engagierten Magdeburger Kaufleuten eingemauert, um die Plastik vor Kriegsschäden zu bewahren. Aufgrund dessen wurde die Plastik durch den Bombenangriff am 16. Januar 1945 nicht zerstört. 1949 zog die IHK Magdeburg in ihr heutiges Gebäude am Alten Markt 8. Die Plastik des Heiligen Georgs wurde zu Beginn der 90er Jahre restauriert und am 3. Mai 1994 im Foyer der IHK Magdeburg aufgestellt. Zudem verwendet die IHK Magdeburg den Heiligen Georg als Logo.Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Tradition und Innovation. 175 Jahre Industrie- und Handelskammer Magdeburg. 1825–2000. Magdeburg 2000, S. 11. Im Jahr 2005 wurde die IHK Magdeburg um das nebenliegende Eckgebäude Alter Markt 7 / Bei der Hauptwache 3 erweitert, so dass alle Dienstleistungen der IHK unter einem Dach angeboten werden konnten.
Geschichte 1200 bis 1825 mini|hochkant|Das Seidenkramer-Innungshaus am Alten Markt Nr. 5
Die Geschichte der Industrie- und Handelskammer Magdeburg reicht zurück bis in das 12. Jahrhundert. Damals schlossen sich die Kaufleute zu Innungen zusammen, um der Konkurrenz außenstehender Kaufleute Stand zu halten, Maße und Gewichte zu regeln und ihre Rechte vor Übergriffen der Feudalherren zu schützen. Die größten Innungen in Magdeburg waren die Gewandschneider, Leinewandschneider, Krämer, Kürschner, vereinigte Gerber und Schuhmacher. Eine bedeutende Innung war die Kaufleute-Brüderschaft, die im Jahr 1425 erstmals erwähnt wurde. Es war eine Vereinigung des Magdeburgers Großhandels, die Gutachten über die allgemeine Wirtschaftslage und Handelsgebräuche erstellten, sich mit Fragen rund um den Verkehr beschäftigten sowie die Sicherheit der Handelsgüter auf dem Wasser und Land sicherstellten. Zudem erarbeitete die Brüderschaft viele Vorschläge wie zum Beispiel die Errichtung einer Börse und eines Handelsgerichts. Dem Wunsch nach der Errichtung einer Börse und eines Handelsgerichtes wurde erst im Jahr 1824 nachgekommen. Die ersten Börsenversammlungen erfolgten im ehemaligen Seidenkramer-Innungshaus am Alten Markt in Magdeburg.Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Tradition und Innovation. 175 Jahre Industrie- und Handelskammer Magdeburg. 1825–2000. Magdeburg 2000, S. 24 ff.
Im Jahr 1809 wurden die Innungen verboten. Dieses Verbot betraf nicht die Kaufleute-Brüderschaft. Die Kaufleute der aufgelösten Innungen schlossen sich zu dem Verein der Kaufmannschaft zusammen, der stetig an Bedeutung gewann. Zunehmend traten auch Mitglieder der Brüderschaft dem Verein bei, so dass die Brüderschaft mehr und mehr an Bedeutung verlor, wodurch kein offizielles Datum für die Auflösung der Brüderschaft existiert.Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Förderung und Finanzierung. In: Der Markt in Mitteldeutschland. Mitteilungen der Industrie und Handelskammer Magdeburg. 5/2010, S. V. Aufgrund des Gesetzes vom 7. September 1811 über die polizeilichen Verhältnisse der Gewerbe musste die Magdeburger Kaufmannschaft eine Konstitution erhalten. Nach mehrjährigen Verhandlungen erhielt am 9. April 1825 das Statut die königliche Genehmigung.Statut der Kaufmannschaft Magdeburg vom 9. April 1825, GS S. 25. Aus dem Verein der Kaufmannschaft wurde die Korporation (Körperschaft) der Kaufmannschaft zu Magdeburg. Die Korporation der Kaufmannschaft ist der Rechtsvorgänger der Industrie- und Handelskammer Magdeburg.Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Chronik der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. 170 Jahre Kammergeschichte fünf Jahre nach ihrer Wiederbegründung. Desselmann-Druck, Schönebeck 1995, S. 20 f. Im Vergleich zu den damaligen Handelskammern liegt ein wesentlicher Unterschied in der Selbstverwaltung öffentlicher Handelseinrichtungen wie beispielsweise Speicher, Börsen und Stapelplätze. Diese Selbstverwaltung kam der Korporation per se zu oder wurde ihr vom Staat zugewiesen. Dies trug entscheidend zum Vermögen der Korporation bei.Martin Will: Selbstverwaltung der Wirtschaft. Mohr Siebeck, Möhringen 2010, S. 269.
1825 bis 1933 Am 3. Januar 1899 erfolgte die offizielle Reorganisation der Korporation zur Handelskammer zu Magdeburg. Damals umfasste der Kammerbezirk den Stadtkreis Magdeburg und die Orte in einem einmeiligen Umkreis. Die restlichen Orte des Magdeburger Regierungsbezirks gehörten zu dem Geschäftsbereich der Handelskammer Halberstadt. 25 Jahre später am 4. April 1924 wurde die Kammer in „Industrie- und Handelskammer zu Magdeburg“ umbenannt.Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Förderung und Finanzierung. In: Der Markt in Mitteldeutschland. Mitteilungen der Industrie und Handelskammer Magdeburg. 5/2010, S. IX. Zu deren Aufgaben zählten die Nachwuchsförderung in Handel und Industrie, die Auskunftserteilung und Beratung bezüglich Volks- und Privatwirtschaft. Insbesondere war die IHK zu Magdeburg eine der ersten IHKs, die verschiedene Schiedsgerichte für zum Beispiel Getreide, Kartoffeln, Zwiebeln und Rüben verwaltete. Außerdem gehörte zu den Aufgaben der IHK zu Magdeburg das Reichsnachrichtenwesen, welches normalerweise keine Aufgabe einer Kammer darstellte.Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Chronik der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. 170 Jahre Kammergeschichte fünf Jahre nach ihrer Wiederbegründung. Desselmann-Druck, Schönebeck 1995, S. 35.
Zeit des Nationalsozialismus Im Jahr 1933 drängte die NSDAP im Rahmen der Gleichschaltung auf eine Neuwahl der Kammer, um ihre Anschauungen und Zielstellungen durchzusetzen. 1935 wurde die „Wirtschaftskammer Mitteldeutschland (Mittelelbe)“ gegründet, die die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern der Regionen Magdeburg und Anhalt umfassten. Mit dem Ziel die Wirtschaftsverwaltung zu vereinheitlichen, wurde im November 1942 die IHK Magdeburg und die Wirtschaftskammer Mitteldeutschland durch die neugegründete „Gauwirtschaftskammer Magdeburg-Anhalt“ abgelöst. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die Wirtschaft Magdeburgs fast vollständig zerstört. Auch das Gebäude der IHK Magdeburg am Alten Markt überlebte den Krieg nicht: beim Luftangriff auf Magdeburg am 16. Januar 1945 wurde das Gebäude zerstört.Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Chronik der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. 170 Jahre Kammergeschichte fünf Jahre nach ihrer Wiederbegründung. Desselmann-Druck, Schönebeck 1995, S. 37 ff.
Nachkriegsphase Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste die Wirtschaft neugeordnet werden. Dabei orientierte sich der Oberbürgermeister und Regierungspräsident Otto Baer am bekannten berufsständigen Kammersystem, so dass im Mai 1946 die „Industrie- und Handelskammer zu Magdeburg“ als eine von drei Bezirkskammern in Sachsen-Anhalt gebildet wurde.Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Förderung und Finanzierung. In: Der Markt in Mitteldeutschland. Mitteilungen der Industrie und Handelskammer Magdeburg. 5/2010, S. XII. Die Bezirkskammern waren der Landeskammer der Provinz Sachsen nachgeordnet. Hierin lag ein wesentlicher Unterschied zu den anderen deutschen Ländern, da diese lediglich Kreiskammern nachgelagert hatten. Außerdem wurden die Landes- und Bezirkskammern durch ehrenamtliche Präsidenten aus der Wirtschaft – und nicht von hauptamtlichen Präsidenten – geleitet.Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Chronik der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. 170 Jahre Kammergeschichte fünf Jahre nach ihrer Wiederbegründung. Desselmann-Druck, Schönebeck 1995, S. 51.
Zeit der DDR Seit 1949 wurde der IHK die Zuständigkeit für die volkseigenen und die genossenschaftlichen Betriebe entzogen, so dass lediglich privatwirtschaftliche Unternehmen (ohne Handwerk) der IHK Magdeburg zugehörten. Zum 31. März 1953 wurde per Beschluss festgelegt, dass die Tätigkeiten aller Kammern eingestellt und diese aufgelöst werden. Um die angespannte Situation mit den verbliebenen privaten Unternehmern zu deeskalieren, wurde jedoch am 6. August 1953 beschlossen, eine Industrie- und Handelskammer der DDR mit nachgelagerten Bezirksdirektionen zu errichten. Dementsprechend wurde die Bezirksdirektion Magdeburg geschaffen. Aufgrund der zunehmenden Verstaatlichung und Vergenossenschaftlichung der Unternehmen durch die DDR-Regierung sank die Zahl der Mitgliedsunternehmen bis zu den 70er Jahren um zwei Drittel auf 2871 Unternehmen. Zudem verlor die Kammer ihren Selbstverwaltungsstatus, so dass die IHK Magdeburg an Bedeutung verlor. Im Rahmen der Planerfüllung bestand ihre Hauptaufgabe in der Material- und Arbeitskräftesteuerung sowie der Nachwuchsentwicklung.Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Förderung und Finanzierung. In: Der Markt in Mitteldeutschland. Mitteilungen der Industrie und Handelskammer Magdeburg. 5/2010, S. XIII. Die Industrie- und Handelskammer wurde am 8. März 1983 in die Handels- und Gewerbekammer umgewandelt. Die Kammer war abhängig von den staatlichen Stellen und musste sich in jedem Fall mit dem Staat abstimmen.
Ab 1990