Diese Zeittafel gibt einen Überblick über medizinische Entdeckungen (Zusammenhänge, Wirkstoffe) und die Erfindung neuer Verfahren in der Medizingeschichte. Steinzeit Es wurde ein 14.000 Jahre alter kariöser Backenzahn eines männlichen Individuums untersucht, dessen Überreste 1988 in der Felshöhle von Riparo Villabruna bei Sovramonte in Norditalien gefunden wurden. Das Loch im Zahn wurde mit einer sehr kleinen spitzen Steinklinge bearbeitet, um infiziertes Gewebe zu entfernen.Gregorio Oxilia, Marco Peresani u. a.: Earliest evidence of dental caries manipulation in the Late Upper Palaeolithic. In: Scientific Reports. 5, 2015, S. 12150, doi:10.1038/srep12150. Zahnärztliche Behandlungen vor etwa 7500 bis 9000 Jahren wurden im heutigen Pakistan nachgewiesen, anhand von Funden in Mehrgarh (Belutschistan).A. Coppa, L. Bondioli u. a.: Palaeontology: Early Neolithic tradition of dentistry. In: Nature. 440, 2006, S. 755, doi:10.1038/440755a. Die früheste Zahnfüllung, die aus Bienenwachs gefertigt worden ist, wurde in Slowenien entdeckt und ist etwa 6500 Jahre alt.Federico Bernardini, Claudio Tuniz u. a.: Beeswax as Dental Filling on a Neolithic Human Tooth. In: PLoS ONE. 7, 2012, S. e44904, doi:10.1371/journal.pone.0044904. chirurgische Eingriffe

Antike mini|Ägyptische Zehenprothese, ausgestellt im Ägyptischen Museum in Kairo. mini|Zahnwurm, Abbildung aus einem zahnärztlichen Lehrbuch des 18. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich

Wasserbehandlungen (Hydrotherapie) sind schon seit Jahrtausenden Bestandteil der Badekultur. Die Akupunktur wurde in China vermutlich seit dem 3. Jahrtausend vor Christus ausgeübt, wobei ursprünglich feine Steinnadeln benutzt wurden, wie der Begründer der chinesischen Geschichtsschreibung Sima Qian berichtet hat. Die gezielte Anwendung von Massagen zur Heilung hat ihren Ursprung sehr wahrscheinlich im Osten Afrikas und in Asien (Ägypten, China, Persien). Die ersten Erwähnungen finden sich beim Chinesen Huáng Dì, der bereits 2600 v. Chr. Massagehandgriffe und gymnastische Übungen beschreibt. In der babylonischen, indischen und altägyptischen MedizinCharles John Samuel Thompson: The dawn of medicine. A chapter in the history of pharmacy from the earliest times to the tenth century. In: Janus. Band 28, 1924, S. 425–450; hier: S. 419 f. und 438. war der Gebrauch von Klistieren zur Durchführung von Darmentleerungen gebräuchlich. Seit 2000 v. Chr. ist die Tollwut bekannt.P. B. Adamson: The spread of rabies into Europe and the probable origin of this disease in antiquity. In: Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain & Ireland. Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland. Band 2, 1977, S. 140–144. PMID 11632333. Erstmals beschrieben wurde sie im Codex Ešnunna etwa 1930 v. Chr.Robert H Dunlop, David J Williams: Veterinary Medicine: An Illustrated History. Mosby 1996, ISBN 0-8016-3209-9. Die ersten einfachen Prothesen für Gliedmaßen gab es schon im 20. Jahrhundert v. Chr. in Ägypten ca. 2800 v. Chr.: älteste bekannte Augenprothese, ein künstlicher Augapfel Im 18. Jahrhundert v. Chr. wird in Mesopotamien der Codex Hammurapi verfasst. Er beinhaltet auch Falldarstellungen und eine Gebührenordnung. Um 1800 v. Chr. wird erstmals in einer Tafel aus Nippur der Glaube an den Zahnwurm als Verursacher der Karies belegt.Astrid Hubmann: Der Zahnwurm. Die Geschichte eines volksheilkundlichen Glaubens. (PDF; 2,9 MB) Dissertation. 2008, S. 17. Abgerufen am 18. November 2014. Im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts v. Chr. werden im Papyrus Edwin Smith erstmals Tumoren beschrieben. Bereits in der Antike wurden Substanzen gespritzt, jedoch nicht in das Gewebe oder in Gefäße, sondern in frei zugängliche Körperöffnungen. Als Krankheit und bösartige Seuche ist der Milzbrand seit dem Altertum bekannt. Sowohl in der Bibel als auch bei Griechen (Homer, dort von ἄνθραξ Anthrax ‚Kohle‘) und Römern (Ovid) wird davon berichtet. Die alten arabischen Ärzte bezeichneten den Milzbrand beim Menschen als „persisches Feuer“. beschreibt die Mund-zu-Mund-Beatmung: „Und da Elischa ins Haus kam, siehe, da lag der Knabe tot auf seinem Bett. Und stieg hinauf und legte sich auf das Kind, und legte seinen Mund auf des Kindes Mund, … Da schnaubte der Knabe siebenmal; darnach tat der Knabe die Augen auf.“ Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. entwickeln die Hippokratiker mit der Humoralpathologie erstmals eine rationale Medizintheorie sowie den Eid des Hippokrates. Die Humoralpathologie wird in Europa bis zur Zellularpathologie im 19. Jahrhundert die vorherrschende Lehrmeinung bleiben. Frühe Beschreibungen verschiedener Maßnahmen zur Beatmung finden sich bei Hippokrates von Kos, Avicenna und Paracelsus. Aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. berichten römische Ärzte sogar von einer Tracheotomie. In China wurde die erste Zahnbürste aus Schweineborsten gefunden, die einer modernen Zahnbürste ähnelt und aus der Zeit der Tang-Dynastie (619–907) stammt. Herophilos von Chalkedon unterschied im 3. Jahrhundert v. Chr. Arterien von Venen und führte Vivisektionen an Strafgefangenen durch. Erasistratos unterschied den kleinen (Lungen-) vom großen (Körper-)Kreislauf und beschrieb die Herzklappen, die Luftröhre und die Bauchspeicheldrüse. Im 2. Jahrhundert n. Chr. systematisiert Galenos das Wissen seiner Zeit. Seine Schriften haben großen Einfluss auf die Medizin des Mittelalters. 400 n. Chr. scheinen Tetracycline, die in nubischen Mumien entdeckt worden sind, aus dem damals gebrauten Bier das erste Antibiotikum gewesen zu sein. Tetracyclin wurde 1948 von Lloyd Conover (wieder-)entdeckt. Es entstand als Modifikation des 1945 von Benjamin Minge Duggar (1872–1956) entdeckten Aureomycins.

Mittelalter mini|Inhaltsangabe des Lorscher Arzneibuchs um 795 Im Lorscher Arzneibuch wird mit Johanniskraut ein Psychopharmakon beschrieben, ebenso eine antibiotische Wundsalbe. In Bald’s Leechbook wird plastische Chirurgie (Behandlung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte) beschrieben. Hunain ibn Ishāq und seine Verwandten führen im 9. und 10. Jahrhundert erstmals eine medizinische Terminologie ein. um 1000 Ali ibn Isa verfasst mit dem Erinnerungsbuch für Augenärzte das älteste bekannte Werk zur Augenheilkunde. Mit der Sammelhandschrift Trotula wird in der Schule von Salerno im 12. Jahrhundert die systematische Frauenheilkunde begründet. 1484 verwendete Giovanni d'Arcoli erstmals Goldfolie als Füllungsmaterial für kariöse Zähne.Dental fillings, crowns, and bridges. In: Medical Discoveries. Abgerufen am 19. August 2016.

Frühe Neuzeit 1543 Erster Bericht über eine endotracheale Intubation mit anschließender Beatmung von Tieren.

Neuzeit 1628 William Harvey entdeckt den großen Blutkreislauf. 1663 Die ersten dokumentierten intravenösen Injektionen beim Menschen wurden vermutlich von Johann Sigismund Elsholtz in Berlin an drei kranken Soldaten durchgeführt.Ciba Nr. 100, S. 3598. 1665 Beschreibung des Kapillarkreislaufs durch Marcello Malpighi. 1728 beschrieb der Vater der modernen Zahnmedizin, der Franzose Pierre Fauchard einen handbetriebenen Bohrer zur Zahnbehandlung.Dental drill. In: Medical Discoveries. Abgerufen am 19. August 2016. 1735 erste Appendektomie (Blinddarmentfernung) durch Claudius Amyand. 1744 An einem Bergmann führte der Chirurg William Tossach erstmals eine erfolgreiche Mund-zu-Mund-Beatmung durch. 1745 oder 1747 Erste Linsenextraktion durch Jacques Daviel. 1747 führte der britische Schiffsarzt James Lind die erste kontrollierte Vergleichsstudie in der Geschichte der Medizin durch, womit er Zitrusfrüchte als wirksames Mittel gegen Skorbut herausfand.James Lind: A Treatise on the Scurvy. London 1753. Abgerufen am 19. August 2016.

Moderne 12px = Nobelpreisträger mini|120px|Röntgenaufnahme: Albert von Koellikers Hand, aufgenommen von Conrad Röntgen am 23. Januar 1896 mini|120px|Behrings Diphtherie-Heilmittel 1806 Philipp Bozzini (Arzt/Frankfurt) konstruiert erstmals ein starres medizinisches Endoskop. 1819 René Laënnec entwickelt das Stethoskop. 1846 Als Geburtsstunde der modernen Anästhesie gilt der 16. Oktober 1846, an dem der amerikanische Zahnarzt William Thomas Green Morton am Massachusetts General Hospital der Harvard-Universität (Boston) durch das Einatmen von Ätherdämpfen (Diethylether) die Entfernung eines Hämangioms am Hals des Patienten Gilbert Abbot ermöglichte („Äthertag von Boston“). 1850 entwickelte Charles-Gabriel Pravaz für die subkutane Injektion eine Spritze, die als Prototyp moderner Injektionsspritzen gilt.Charles-Gabriel Pravaz, BLTC. Abgerufen am 19. August 2016. 1850/51 Der von Hermann von Helmholtz entwickelte Augenspiegel (Ophthalmoskop) kann als das erste praktisch angewendete Gerät zur Einsicht in das Innere eines Organs angesehen werden. 1854 entdeckte Filippo Pacini (nach dem auch das Vater-Pacini-Körperchen benannt ist) das Bakterium Vibrio cholerae als Erreger der Cholera. 30 Jahre später konnte Robert Koch 12px den Zusammenhang zwischen Mikroorganismus und Erkrankung beweisen.A. H. Hassall In: Great Britain, General Board of Health, Report of the Committee for Scientific Enquiries in relation to the Cholera Epidemic of 1854. London 1855. 1861 Prophylaxe des Kindbettfiebers und Begründung der Hygiene durch Ignaz Semmelweis.Die Ätiologie, der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers. 1861. () 1865 entwickelte der als Pionier der Endoskopie geltende Julius Bruck das Stomatoscop und zwei Jahre später das Urethroscop.Markus Eric Walter: Der Wund- und Zahnarzt Julius Bruck (1840–1902), sein „Urethroscop“ und „Stomatoscop“ und deren Bedeutung für die Entwicklung der Endoskopie. Dissertation. Goethe-Universität, Frankfurt 2003. Abgerufen am 22. Juli 2016. 1869 Paul Langerhans entdeckte die nach ihm benannten Inselzellen im Gewebe der Bauchspeicheldrüse. 1874 begann der Einsatz von „Fluoridpastillen“ zur Kariesprävention, was auf Karl Wilhelm Eugen Erhardt zurückgeht.Peter Meiers: Dr. Erhardts („Hunter’sche“) Fluoridpastillen. Abgerufen am 21. April 2016. 1876 entwickelte Samuel Siegfried Karl von Basch das Sphygmomanometer, das erste Gerät zur nichtinvasiven Blutdruckmessung. 1896 verbesserte Scipione Riva-Rocci es zum Prototyp heutiger Blutdruckmessgeräte.Blood pressure measuring devices. In: Medical Discoverses. Abgerufen am 19. August 2016. 1881 Erste erfolgreiche Gastroskopien durch Johann von Mikulicz. 1881 Erste erfolgreiche Magenresektion (teilweise Entfernung des Magens) durch Theodor Billroth, nach dem zwei Resektionsverfahren benannt sind (Billroth I und Billroth II). Dem gingen 1871 die erste Ösophagektomie (Entfernung der Speiseröhre) und 1873 die erste Laryngektomie (Entfernung des Kehlkopfs) durch Billroth voraus. 1881 Louis Pasteur entwickelt einen Impfstoff gegen Milzbrand. 1883 Die weltweit erste Transplantation bei einem Menschen wurde vom Berner Chirurgen Theodor Kocher 12px durchgeführt. 1884 wurde Cocain erstmals als lokales Anästhetikum durch den Augenarzt Carl Koller zur Betäubung bei Eingriffen am Auge eingesetzt, nachdem 1879 Vassili von Anrep dessen schmerzstillende Wirkung entdeckt hatte.S. M. Yentis, K. V. Vlassakov: Vassily von Anrep, forgotten pioneer of regional anesthesia. In: Anesthesiology. Band 90, Nummer 3, März 1999, S. 890–895. PMID 10078692.Dietrich Henschler: Zur Entwicklung von Pharmakologie und Toxikologie. In: Peter Baumgart (Hrsg.): Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 1033.G. Kluxen: Sigmund Freud: Über Coca – Versäumte Entdeckung. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 88, Nr. 45, 1991, S. A-3870. Abgerufen am 26. September 2014. 1885 Louis Pasteur und Émile Roux entwickelten einen Impfstoff gegen Tollwut.G. L. Geison: Pasteur's work on rabies: reexamining the ethical issues. In: The Hastings Center report. Band 8, Nummer 2, April 1978, S. 26–33. PMID 348641.