mini|Tankgraben Geissboden T 3660 Die Sperrstelle Zugerberg (Armeebezeichnung Nr. 2410) war eine Grenzbefestigung der Schweizer Armee. Sie befindet sich am ehemaligen Reduiteingang auf dem Zugerberg im Kanton Zug. Der nördlichste Stützpunkt der Reduitlinie wurde ab 1940 gebaut, gehörte zum Einsatzraum der 6. Division und ab 1947 zur Reduitbrigade 24.
Als einer der Hauptstützpunkte der Reduitlinie gilt die Sperrstelle als militärhistorisches Denkmal von nationaler Bedeutung.Sperrstelle Zugerberg. In: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (Hrsg.): Militärische Denkmäler in den Kantonen Uri, Schwyz und Zug. Inventar der Kampf- und Führungsbauten. S. 32–33
Geschichte Während des Zweiten Weltkriegs gab die von General Guisan befohlene neue Armeestellung im Reduit (Operationsbefehle Nr. 11, 12, 13) den Anstoss zum Bau der Sperrstelle. Die 6. Division wurde von der Limmatstellung zur Verstärkung des linken Flügels des 4. Armeekorps abgezogen und erhielt den Auftrag, mit ihren vier Detachementen «Biberbrücke», «Alosen», «Zugerberg» und «Rigi» die Linie westlich des Etzels-Schindellegi-Gotschalkenberg-Zugerberg-Rigi bis zum Vierwaldstättersee zu halten und einen Vorstoss des Gegners in den Talkessel von Schwyz zu verhindern. Vortruppen sollten eine feindliche Landung am linken Zürichseeufer (Oberrieden bis Bäch) verhindern.
Der Grossteil der Division sollte hinter Sihl auf der Linie Finstersee-Gubel-Allenwinden-Südausgang Zug eine Verteidigungsstellung einnehmen, und ein Detachement hatte den Raum zwischen Zuger- und Vierwaldstättersee mit der Sperrstelle Oberarth zu sperren. Der Auftrag blieb bis zum Ende der Reduitzeit unverändert. Valentin Kessler: Die Festungswerke im Kanton Schwyz. Sonderdruck aus den Mitteilungen des Historischen Vereins des Kanton Schwyz, Heft 95, 2003
Die Sperrstelle Zugerberg bildete den Abschnitt der Reduitgrenze vom Zugersee über den Zugerberg bis zur Sperrstelle Unterägeri. Damit sollte ein gegnerischer Stoss über den bewaldeten voralpinen Zugerberg Richtung Arth-Goldau verhindert werden. Beim Bau dieses Abschnitts der Reduitlinie berücksichtigte die 6. Division ihre Erfahrungen aus der Festung Uetliberg der Limmatstellung. Ab 1940 entstanden – durch zivile Bauunternehmungen ausgeführt – innert Monaten im Kanton Zug über 150 Objekte, wovon ein Drittel im Raum Zugerberg.
Das Festungsdispositiv bestand aus mehreren Teilsperren, die mit Panzer- und Infanteriehindernissen und Sprengobjekten sowie Infanteriebunkern den Verteidigungskampf der Infanterieregimenter und Füsilierbataillone verstärkten. Diese konnten Artilleriefeuer der mobilen Artillerie, teilweise aus betonierten Geschützstellungen und aus Artilleriewerken im Kanton Schwyz, anfordern. Fliegerabwehrbatterien hatten die Sperren gegen Luftangriffe zu schützen. Auf dem bewaldeten Hünggigütsch standen zwei getarnte Holztürme, die auf Wipfelhöhe 20-mm-Flabkanonen trugen, deren Betonsockel heute noch vorhanden sind.
Der Reduiteingang auf dem Zugerberg wurde mit einem Geländepanzerhindernis in Form eines doppelten Tankgrabens (Vorderer und Hinterer Geissboden) mit 300 Meter Abstand gesichert. Zur Panzerabwehr waren mehrere Bunker der Sperre mit einer 7,5-cm-Feldkanone Modell 03 auf Parallelhebellafette ausgerüstet. Für die Stosstrupps wurden betonierte Unterstände erstellt. In den 1950er Jahren erhielten die Bunker Zugerberg 1 A 7257 im Hintergeissboden und Zugerberg 2 A 7254 im Vordergeissboden je eine moderne Panzerabwehrkanone 50 mit Kaliber 9 cm auf Pivotlafette und Hohlladungsmunition.
Die Sperre Zugerberg wurde anfänglich vom Infanterieregiment 26 besetzt und zuletzt von der Gebirgsfüsilierkompanie III/149 und der Werkkompanie 48.
Sperrstelle Zugerberg Die Festungsanlagen bestehen aus Strassenbarrikaden, Geländepanzerhindernissen (GPH) in Form von Tankgraben und Tankmauern, Panzerabwehrbunkern, Maschinengewehrbunkern, Unterständen, Artillerie-Kommandoposten-Kavernen, Artilleriebunkern und permanenten Artilleriegeschützbettungen für die Aufnahme von Feldgeschützen der Kaliber 7,5 cm:Militärhistorische Stiftung des Kantons Zug: Interaktive Festungskarte
Unterstand Hünggigütsch 1 A 7249 Unterstand Hünggigütsch 4 A 7250 Unterstand Hünggigütsch 3 A 7251 Unterstand Hünggigütsch 2 A 7252 Unterstand Hünggigütsch 5 (Sanität) A 7253 Infanteriebunker Zugerberg 2 Nord A 7254: Panzerabwehrkanonen (Pak), Beobachter (Beob) Infanteriekanonenschild (Ik-Schild) Vordergeissboden A 7255 Unterstand Zugerberg 3 A 7256 Infanteriebunker Zugerberg 1 Süd A 7257: Pak, Beob
Kommandoposten Pandur A 7258: Art KP Unterstand Nollen 1 A 7259 Unterstand Nollen 2 A 7260 Unterstand Kleinstollen A 7261 Flabturm aus Holz für 20-mm-Kanonen (Hünggigütsch A) Flabturm aus Holz für 20-mm-Kanonen (Hünggigütsch B) Zugsunterstand Schaeftboden ASU F 14470 GPH (Graben) Geissboden T 3660 GPH (Schienen) Geissboden T 3660 Barrikade Geissboden links der Brücke T 3660.01 Barrikade Geissboden rechts der Brücke T 3660.02 Barrikade Geissboden Brücke T 3660.03 GPH Vorder Geissboden T 3661 Barrikade Vorder Geissboden T 3661.01 Blasenberg T 3662 Barrikade Zug-Schönegg Guggital T 3663 Barrikade Hünggigütsch unten T 3664 Barrikade Hünggigütsch unten T 3664.01 Barrikade Sandblatten T 3666Festung Oberland: Sperrstelle Zugerberg 2410
Sperrstelle Unterägeri Westlich der Lorze gegen den Zugerberg befindet sich mit der Sperrstelle Unterägeri (Armeebezeichnung Nr. 2412) die Fortsetzung der Linie Sperrstelle Feuerschwand-Schurtannen. Sie hatte einen gegnerischen Vorstoss von Menzingen und Baar Richtung Ägerisee zu verhindern. Die Sperrstelle Sigristboden (auch Sibrischboden, Armeebezeichnung Nr. 2411) wurde Mitte der 1980er Jahre in die Sperrstelle Unterägeri integriert.
Infanteriebunker Sigristboden 1 Ost A 7245 Pak-Ik-Garage Sigristboden A 7246 Permanente Waffenstellung Infanterie Ik-Schild A 7247 Infanteriebunker Sigristboden 2 West A 7248
Sprengobjekt Hauptstrasse Unterägeri-Neuägeri M 2652 Barrikade Waldheim Strasse T 3656 Barrikade Innere Spinnerei T 3657 GPH Büttenloch T 3658 Barrikade Büttenloch Strasse T 3658.01 Barrikade Büttenloch Brücke T 3658.02 GPH Sigristboden T 3659 Barrikade links der Brücke T 3659.01 Barrikade rechts der Brücke T 3659.02 Barrikade Lorzentobelbrücke T 3702 Barrikade Tobelweg T 3703 Barrikade Allenwinden T 3705 Barrikade Allenwinden T 3706Festung Oberland: Sperrstelle Unterägeri 2411
Teilsperre Hinterwald-Windegg Die Sperre Hinterwald-Windegg wurde vom Füsilierbataillon 106 besetzt und sollte durch das Lorzetal oder aus dem Plateau von Menzingen Richtung Ägerisee und Zugerberg vorstossende Infanterie stoppen.
Unterstand Teufländibach A 7236 Infanteriebunker Hinterwald 1 A 7237 Infanteriebunker Hinterwald 2 A 7238 Infanteriebunker Hinterwald 3 A 7239 Kommandoposten Philippsburg A 7240: Mannschaftsraum Infanteriebunker Philippsburg A 7240: Mg-Stand Infanteriebunker Windegg A 7241: Gegenbunker zum Philippsburg A 7240 GPH Äussere Spinnerei T 3654 Barrikade Äussere Spinnerei T 3654.01 Barrikade Teufländibach T 3655
Artilleriestellung Bucklen Die ehemalige Artilleriestellung der Feldartillerieabteilung 16 befindet sich bei Bucklen (Flurnamen) im unteren Hürital in der Gemeinde Unterägeri. Sie umfasst vier offene betonierte Stellungen für 7,5-cm-Feldkanonen 03/22 sowie zwei Unterstände: Artilleriestellung Bucklen West A 7262 Kleinunterstand Bucklen A 7263 Artilleriestellung Bucklen Ost A 7264 Artilleriestellung Illenberg West A 7265 Kleinunterstand Illenberg A 7266 Artilleriestellung Illenberg Ost A 7267 Oberland: Artilleriestellung Bucklen
Artilleriestellung Schüsselbach Die ehemalige Artilleriestellung der Feldartillerieabteilung 16 befindet sich bei Im Fang (Flurnamen) in der Nähe des Schüsselbachs im mittleren Hürital in der Gemeinde Unterägeri. Sie umfasst zwei offene und zwei gedeckte betonierte Stellungen für-7,5-cm Feldkanonen 03/22 sowie einen Unterstand: Artilleriestellung Schüsselbach 1 Im Fang Ost A 7268 Artilleriestellung Schüsselbach 2 Im Fang West A 7269 Kleinunterstand Schüsselbach Im Fang A 7270 Artilleriestellung Schüsselbach 3 Ost A 7271 gedeckt Artilleriestellung Schüsselbach 2 West A 7272 gedeckt Festung Oberland: Artilleriestellung Schüsselbach
Artilleriestellung Warth-Morgarten Die gedeckten Artilleriestellungen der Schweren Haubitzenbatterie 178 befinden sich bei Schornen, Warth im Dorf Morgarten (Gemeinde Oberägeri). Sie waren mit 15 cm Feldhaubitzen 16 bewaffnet:
Artilleriestellung Wart-Morgarten 1 A 7373 Artilleriestellung Wart-Morgarten 2 A 7374 Artilleriestellung Wart-Morgarten 3 A 7375 Artilleriestellung Wart-Morgarten 4 A 7376 Festung Oberland: Artilleriestellung Wart SZ
Militärhistorische Stiftung des Kantons Zug Die Militärhistorische Stiftung des Kantons Zug sichert, erwirbt und unterhält bauliche Zeugen, die aus dem Zweiten Weltkrieg und aus der Zeit des Kalten Krieges im Kanton Zug stammen, um sie Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Literatur Zuger Neujahrsblatt 2008 - Bernhard Stadlin: Die Schlacht am Zugerberg fand nicht statt
Weblinks
Website – mit allen notwendigen Angaben zu den Besuchen der Festungen und der Museumsanlage «Bloodhound» Website ZDT – Die Militärhistorische Stiftung des Kantons Zug ist Gründer- und Mitgliedorganisation des Vereins Zuger Depot Technikgeschichte im ehemaligen Zeughaus Neuheim / Z Kleines Stachelschwein: Sperre Unterägeri, Philippsburg
Einzelnachweise
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