Die Liste der Kinos in Berlin-Friedrichshain enthält eine Übersicht aller Kinos, die im Berliner Ortsteil Friedrichshain existiert haben oder noch existieren.
Einleitung Grundsätze zur Einrichtung von Filmvorführstätten Der Ortsteil Friedrichshain liegt im Bereich des Berliner Kerngebiets. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts, in der Anfangszeit des Kinos entstanden zahlreiche Kinematographentheater, später kurz Kino genannt. Ladenkinos (auch „Flohkinos“ genannt), also kleinste Vorführräume mit einem Kinematographen und einigen Stühlen, eröffneten, konnten aber nicht lange bestehen. Aus: In: Berliner Börsen-Courier. 17. Juli 1912, Nr. 330 Oft waren die neuen Kinounternehmer zuvor Kaufleute oder Gastwirte, auch stellten Besitzer von Kinematographen diese in Gast- und Schankwirtschaften auf, um geliehene Stummfilme vorzuführen. In: Schaubühne 1910, Bd. VI.2, Nr. 38, S. 963–964. Aus dem häufigen Wechsel der Besitzer von Kinos kann geschlossen werden, dass die Vorführung von Stummfilmen nur kurzzeitig zu einem ausreichenden Geschäftseinkommen führte.. Für die Ergebnisse der Recherchen ist anzumerken, dass oft nicht der Besitzer des Kinematographen, sondern der Gastwirt als Mieter im Straßenteil des Berliner Adressbuchs aufgenommen ist. Auffällig sind schnelle Besitzerwechsel zwischen 1921 und 1924, den Zwischenkriegs- und Inflationsjahren.
Besonderheiten Der erste Kinobrand Berlins ereignete sich am 26. Dezember 1911.Vorherige Ereignisse waren der Brand auf der Berliner Gewerbeausstellung 1896 im Edison-Pavillon und der Pariser Bazarbrand von 1897. Im Vorführerraum war der Film bei der Vorstellung zerrissen und hatte sich entzündet. Später ergab sich, dass der Vorführer wohl vorsätzlich gehandelt hatte.: Bericht zum Prozess gegen den Vorführer und zu den Ermittlungsergebnissen. Das Feuer im dunklen Raum führte unter den Zuschauern zur Panik, die zur Straße statt zu den Notausgängen wollten. Im Gedränge wurden sechs Kinder und eine Frau schwer verletzt, zwei Kinder verstarben. In: Germania. 28. Dezember 1911
Im Ergebnis der vielen Kinoeröffnungen begannen die Kommunen, Kinosteuern zu erheben. Für Berlin wurde die Steuer zum 1. April 1913 beschlossen. in Berliner Börsen-Courier, 7. März 1913, Nr. 111+112. Für die Vororte wurden – wenn überhaupt – Steuern auf Kinematographentheater zu unterschiedlichen Terminen und verschieden in Art und Höhe eingeführt. und Zwischen 1931 und 1932 führten die neue Technik und der Konkurrenzdruck dazu, dass in nahezu allen Friedrichshainer Spielstätten der Tonfilm Einzug hielt.
Einige Kinotendenzen im späteren Bezirk Friedrichshain 1910 bestanden mindestens zwölf „Kinematographen“ und „Kintöppe“ im heutigen Ortsteil, 1920 wurden es 33 und 1930 stieg die Zahl auf 36, 1940 (vor den Schäden durch Luftangriffe) waren es 31 Kinos.
Nach den Kriegsschäden waren 1950 noch 15 Kinos erhalten, und um 1960 mit der Übernahme privat geführter Einrichtungen durch den VEB Berliner Filmtheater waren noch elf Kinos in Friedrichshain aktiv. Dem allgemeinen Trend schwindender Besucherzahlen in Kinos folgte die Verringerung auf vier Spielstätten im Jahr 1970. Im Jahr 1980 waren zwei Kinos im Ost-Berliner Bezirk Friedrichshain in Betrieb: Intimes und seit 1962 das Kosmos (das Tilsiter schloss deshalb). Im Jahr 2019 sind in Friedrichshain noch vier Kinos aktiv. – Das Filmtheater am Friedrichshain trägt zwar den Namen des Ortsteils (der sich auf den südlich liegenden Park bezieht), gehört jedoch zum Ortsteil Berlin-Prenzlauer Berg (siehe dort).
Durch Verschiebung der Bezirksgrenze kamen 1938 die westlich der Ringbahn gelegenen Teile des Bezirks Lichtenberg zum Bezirk Friedrichshain (1933–1936: Horst-Wessel-Stadt, 1936–1945: Horst-Wessel). Diese ehemals zur Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg im Landkreis Niederbarnim gehörenden Gebiete waren 1912 in die Stadt Lichtenberg eingegliedert worden und gehörten ab 1920 zum Verwaltungsbezirk Berlin-Lichtenberg.
Im Ortsteil überdauerten das Intimes, das seit 1993 als Programmkino fungierte (war 2019 bis 2021 geschlossen) und das Tilsiter (1908–1961, 1994 reaktiviert). Außerdem sind zwei Großraumkinos zu nennen: das UCI Friedrichshain ist ein Neubau, 1998 eröffnet aber 2018 geschlossen, mit dieser Information: ; abgerufen am 21. September 2018. und das in der DDR-Zeit 1962 gebaute Kino Kosmos, das seit dem Jahr 2005 keine Filme mehr vorführt.
Die folgende Liste gibt für die alphabetisch vorsortierten Namen der 51 Kinos die aktuellen Adressen an (Stand: 2017), vormalige Adressen der Kinos sind im Listentext enthalten und gegebenenfalls genauer erläutert. Berücksichtigt sind alle Einrichtungen des Ortsteils in den Grenzen der Verwaltungsreform von 2001. Die Zahlen können von anderen Quellen abweichen, weil die Gast- und Schankwirtschaften, in denen Stummfilme gezeigt wurden, häufig nicht als Spielstätten ausgewiesen wurden. Beispiele solcher Einrichtungen finden sich weiter unten.
Liste der Kinos Namefrühere Namen AdresseLage Bestand Beschreibung und ggf. BildAboli-Lichtspiele---Namenserläuterung:Alt-Boxhagener LichtspieleBoxhagener Straße 59 ()1912–1974140px|rechts|Aboli im Jahr 1955 Alle Betreiber gaben in den Kino-Adressbüchern 1912 als Jahr der Gründung an. Im Kinoadressbuch 1917 und 1918 ist Christian Gebauer in Alt-Boxhagen 53 als Inhaber vermerkt. 1920 ist Adolf Schacher für die Lichtspiele Alt-Boxhagen mit 200 Sitzplätzen als Inhaber genannt, gespielt wurde täglich. Entsprechend Schachers Angabe soll das Kino bereits 1907 gegründet worden sein. Nach der Inflation von 1923 wurde Frau J. Lindemann Inhaberin mit 150 Sitzplätzen (auch 163 waren genannt), mit täglichen Vorstellungen und zwei Programmwechseln in der Woche. Auf den Pharus-Kinoplänen 1919 und 1925 sind die Lichtspiele Alt-Boxhagen in der Signatur Lichtspiel-Theater bis 300 Plätze an der Ecke Boxhagener Straße/ Gürtelstraße (seit 1925: Neue Bahnhofstraße) eingezeichnet. Oskar Radnitz betrieb ab 1929 die Lichtspiele weiter. Zwei bis drei Musiker untermalten das Abspielen der Stummfilme. 1930 wurde Robert Georg Wille Kinobesitzer und nannte die Einrichtung Aboli. Im Folgejahr 1930 ermöglichten die neuen Inhaber Anna Wendel und Henry Oebels-Oebström mit neuer Technik die Vorführung von Tonfilmen. Ihr Pächter Richard Jamzow führte die Filme vor und betrieb das Kinogeschäft mit 190 dann 174 Sitzplätzen. Bei einem weiteren Inhaberwechsel 1935 an Anneliese Wirth änderte sich die Platzzahl abermals. Im Kriegsjahr 1941 führte Hildegard Jasper das Kino weiter.
Das Gebäude hatte die Kriegsereignisse 1943 und 1945 überstanden und der Besitzer Willi Piepenburg nahm den Kinobetrieb in den Nachkriegsjahren mit je drei Vorstellungen täglich wieder auf. Seine Technik bestand aus Dia-Einrichtung, Vorführapparat Ernemann II und Verstärker Klangfilm Junior. Der wechselweise Kinoname Aboli-Lichtspiele oder die Kurzform Aboli festigte sich 1957 auf Aboli, als der VEB Berliner Filmtheater die Spielstätte in der Boxhagener Straße 59 übernahm. Das Aboli mit etwa 180 Plätzen gehörte zu den sechs nach der Eingliederung in den volkseigenen Kinobetrieb verbliebenen Filmtheatern im (Ost-)Bezirk Friedrichshain,Branchentelefonbuch Ost 1966: 15849327_1966_108.pdf auf Grund des allgemeinen Trends wurde es gegenüber den besser ausgerüsteten Häusern im Jahr 1974 geschlossen. Im Jahr 2008 befand sich in den ehemaligen Kinoräumen ein Asia-Laden, eine außen hängende Holztafel, die längere Zeit erhalten war, diente vermutlich früher zur Ankündigung des Kinoprogramms.Aboli 1955 (unbekannter Fotograf)AlhambraKoppenstraße 29 ()1912–19441912 wurde der große Saal im ersten Stock des Etablissements Kellers Festsäle in der Koppenstraße 29 für Kinozwecke umgebaut. Die Anzahl der Sitzplätze war zunächst durch Vorgaben der Polizeibehörden auf 988 begrenzt. In den 1920er Jahren erfolgte die Erweiterung auf 1200 Sitzplätze.Die tausend Freuden der Metropole. ISBN 3-8394-1411-3. www.allekinos.com: Alhambra auf www.allekinos.com. 1919 wurde das Kino als Film-Palast (Winterfeld & Co.) geführt, täglich bespielt und hatte 980 Plätze sowie eine konzessionierte Bühne. Im Pharus-Kinoplan ist an der Koppenstraße der Filmpalast Kellers Festsäle über 1000 Plätze und 1925 Alhambra Koppenstraße eingezeichnet. Inhaberin war 1921 die Filmpalast GmbH unter Direktor A. Lewinthal. Ab 1922 benutzten Czutzka & Co den Namen Alhambra, sie wurden von den Gebrüdern Lieban abgelöst. Ab 1924 führte die Film- u. Bühnenschau GmbH der Gebr. Lieban und Lampel (Opernsänger Adalbert Lieban, Ingenieur Alfred Lampel) das Lichtspieltheater unter dem Namen Alhambra Koppenstraße, die Anzahl der Zuschauerplätze stieg auf 1200. Das im Kino-Adressbuch angegebene Jahr der Gründung liegt zwischen von 1918 bis 1922. Die Ph. und M. Kopf GmbH mit dem Geschäftsführer Herbert Groß übernahm ab 1926/1927 das Filmtheater, es wurde täglich bespielt und neun Musikern untermalten die Stummfilme. 1929 gaben die Besitzer Willy Zemlin, Emil Eilermann und Max Förster sogar 1750 Sitzplätze an. 1930 folgte ein erneuter Inhaberwechsel: Alhambra Koppenstraße GmbH, Film- und Bühnenschau, Josef Kronig, Max Förster. Die Inhaber ließen im Kino-Adressbuch als Gründungsjahr 1918 und 1200 Plätze als Zuschauer-Kapazität eintragen. 1932 wurde die Vereinigte Lichtspiele Spandau GmbH (Leopold Storch und Jacob Neiß, 1934 ist Leopold Storch Geschäftsführer) Besitzerin der Alhambra, Film- und Bühnenschau, zudem wurde Tonfilm-Technik von Tobis eingebaut. Ab 1937 wurden die Lichtspiel-Theater-Betriebe Hans Plettner & Pollak Inhaber des Großkinos und führten den Kinobetrieb bis 1944, als das Kino im Krieg zerstört wurde. 1957 wurde auf dem beräumten Gelände eine Wohnanlage erbaut.Kellers Festsäle vor der Umwandlung zum KinoAmor-Lichtspiele---U. T. LichtspieleWühlischstraße 15/16 ()1924–1964In der Wühlischstraße Ecke Knorrpromenade, einem 1912 errichteten und inzwischen denkmalgeschützten Wohngebäude, wurden mindestens ab 1920 Filmvorführungen gegeben.Die vom Inhaber eingetragene Angabe „Gründung 1911“ steht im Widerspruch zum Datum des Hausbaus. Zudem ist im Berliner Adressbuch (Gewerbeteil: kinematographische Vorstellungen) der erste Eintrag auf das U. T. für 1920 erfolgt. 1920 sind im Kino-Adressbuch die U T-Lichtspiele mit 185 Plätzen eingetragen (1920: „Eigentum der Projections Act. Ges. Union Frankfurt a. M.“ – U. T. Provinz Lichtspielhäuser G.m.b.H, Köthener Straße 1–4) und der Kinoführer war Walter Ulrich aus Niederschöneweide; er gab täglich Vorstellungen. 1921 ist Emil Lawatzek der beauftragte Eigentümer.Im „Pharus-Kinoplan 1919“ ist noch kein Kino, im Plan 1925 sind die Amor-Lichtspiele mit der Signatur „bis 300 Plätze“ eingezeichnet. Julius Cornelius aus Dahlem (GF: Willy Loehr) begann 1924 mit dem Namen „Amor-Lichtspiele“, es folgte 1925 ein Inhaberwechsel auf Julius Stelter, dann Franz und G. Sogeda. Danach führte Franz Schüßler, ab 1932 ließ Paul Käsler Technik zur Verführung von Tonfilmen einbauen. Ab 1934 übernahm Christian Paul Körber und gab 200 Plätze an, ab 1937 trat Karl Memminger als Eigentümer auf. Paul Körber gab 1941 die Verantwortung an Christian Körber ab. In den Nachkriegsjahren führte Ella Körber die Amor-Lichtspiele mit 220 Plätzen fort.Branchensprechbuch Berlin-Ost 1956 (15849323_1956_288.pdf) Um 1960 wurde das Kino vom VEB Berliner Filmtheater übernommen. 1964 wurde der Kinobetrieb eingestellt. Das Wohnhaus wurde 2012 saniert und in den ehemaligen Kinoräumen befinden sich ein Ladengeschäft und eine Bäckerei.Apollo-LichtspieleSonntagstraße 23/24