Maria Schaumayer (* 7. Oktober 1931 in Graz; † 23. Jänner 2013 in WienDie Bestattung Wien gibt im Namen der Angehörigen bekannt: Fr. Dr. Maria Schaumayer verstorben (APA OTS, 23. Jänner 2013)) war eine österreichische Wirtschaftswissenschaftlerin und Politikerin (ÖVP). Von 1990 bis 1995 war sie Präsidentin der Oesterreichischen Nationalbank. In dieser Funktion war sie die erste Frau weltweit.Ex-OeNB-Präsidentin Schaumayer ist tot in Standard vom 23. Jänner 2013, abgerufen am 23. Jänner 2013

Leben

Die Mutter von Maria Schaumayer hieß ebenfalls Maria und war Direktorin einer Knaben-Volksschule. Der Vater von Maria Schaumayer war Absolvent der Boku Wien, Obst- und Weinbau und war Direktor der Weinbauschule Silberberg, bei Leibnitz. Als er es ablehnte, der NSDAP beizutreten, wurde er 1939 zwangspensioniert.

1949 maturierte Maria Schaumayer mit Auszeichnung am Realgymnasium in Fürstenfeld und studierte dann bis 1952 an der Hochschule für Welthandel in Wien Welthandel und Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaft an der juridischen Fakultät Innsbruck und schloss mit den Titeln Dkfm. und Mai 1954 Dr. rer. oec. ab. Ihre Dissertation hatte den Titel Moderne Marktforschung und Marktwerbung im Export.Der Euro und die europäische Integration, Festvortrag und Laudatio Klaus Liebscher, Gouverneur ÖNB. Innsbruck, 25. Mai 2004. In: schaumayerstiftung.net, abgerufen am 29. Januar 2018. – 50 Jahre Studienabschluss in Innsbruck.

Zunächst war Schaumayer in der damals sehr angesehenen, der sogenannten „schwarzen Reichshälfte“ (d. h. dem Einflussbereich der ÖVP) zugerechneten Creditanstalt tätig, wo sie 1961 Handlungsbevollmächtigte wurde. Sie war Mitglied des Wiener Akademikerbunds.https://www.wienerakademikerbund.org/mitglieder/

In der Stadt Wien war Maria Schaumayer von 1965 bis 1973 als von der ÖVP nominierte amtsführende Stadträtin Mitglied des Stadtsenats und der Landesregierung: zuständig für städtische Unternehmungen (Stadtwerkestadträtin, Stadtsenat Marek I, 1965 bis 1969) und für baubehördliche und sonstige technische Angelegenheiten (Stadtsenate Marek II, Slavik und Gratz I, 1969 bis 1973). Von 1969 bis 1982 gehörte sie dem Wiener Landtag und Gemeinderat an. 1974 wurde sie Vorstandsmitglied der Kommunalkredit AG in Wien. Online-Abfrage vom 3. Juli 2011

Von 1982 bis 1989 war sie Finanzvorstand der ÖMV, von 1990 bis 1995 Präsidentin der Oesterreichischen Nationalbank. Anlässlich ihres 60. Geburtstags gründete sie 1991 die Stiftung für Frauen in der Wirtschaft, die Förderpreise vergibt. Sowohl während der Ausübung ihres Berufs, wie auch noch in der Pension, förderte sie die Karrieren von Frauen. Frauenquoten lehnte sie dabei jedoch als implizit frauenfeindlich ab. Ab 2000 war sie Regierungsbeauftragte für die Entschädigung der Zwangsarbeiter unter dem NS-Regime. In dieser Funktion war sie maßgeblich am Abschluss von bilateralen Verträgen zwischen der Republik Österreich und sechs europäischen Staaten sowie den USA beteiligt und konnte eine Einigung mit einer von Anwalt Ed Fagan vertretenen Gruppe von Zivilklägern erreichen. Durch die Errichtung des Österreichischen Fonds für Versöhnung, Frieden und Zusammenarbeit haben rund 132.000 ehemalige Zwangsarbeiter eine Entschädigung erhalten.philosophische-praxis.at: (Wiener Zeitung, 17. September 2004)

Maria Schaumayer, die am 23. Jänner 2013 starb, wurde am 2. Februar 2013 auf dem Döblinger Friedhof in einem ehrenhalber gewidmeten Grab (Gruppe 34, Reihe 5, Nummer 16) beigesetzt.Abschied von Maria Schaumayer auf ORF vom 2. Februar 2013, abgerufen am 2. Februar 2013 Im Jahr 2014 wurde in Wien-Döbling (19. Bezirk) der Schaumayerplatz nach ihr benannt und 2016 in Maria-Schaumayer-Platz umbenannt. mini|hochkant=0.80|Grabstätte von Maria Schaumayer

Zitate

Schaumayer bezeichnete sich als „Eisbrecherin“ für Frauen.

Ausruf von ihr in der OeNB, frei nach Theresa von Avila: „Lieber Gott, lasst mich in allen wichtigen Belangen rasch erfüllt zur Sache kommen.“Rede beim Begräbnis von Dr. Maria Schaumayer. Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, Gouverneur ÖNB. Wien, 2. Februar 2013. In: schaumayerstiftung.net, abgerufen am 29. Januar 2018.Anm. Auf der Umschlagseite 4 der Festschrift 20 Jahre Stiftung ... Siehe: , 4. Oktober 2011, abgerufen am 29. Januar 2018. – Jubiläumsschrift, Bild 99/105: Dr.in Maria Schaumayer, 20 Jahre Stiftung zur Förderung von Frauenkarrieren.

Auszeichnungen

Verleihung des Titels Kommerzialrat 1973: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1984: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien 1992: Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark mit dem Stern 1992: Ehrensenatorin der Wirtschaftsuniversität Wien 1995: Großes Silbernes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich 1996: Ehrenbürgerin von Wien 2000: Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik ÖsterreichAufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB) 2001: Großes Goldenes Ehrenzeichen Pro Merito am Bande der Wirtschaftsuniversität Wien 2004: Liste der 50 wichtigsten Österreicher der letzten 50 Jahre bei einer Leserumfrage der Tageszeitung Kurier 2006: erstes weibliches Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaftenhttps://archive.today/20130216082601/www.institutional-money.com/news/uebersicht/artikel/ex-notenbank-praesidentin-dr-maria-schaumayer-unerwartet-verstorben/?no_cache=1&cHash=92eca1c5ddeaea315e98629b58c7fb2b auf Institutional money vom 23. Jänner 2013, abgerufen am 23. Jänner 2013 2007: Großer Leopold-Kunschak-PreisAPA.OTS Großer Leopold-Kunschak-Preis 2007 für Maria Schaumayer, 10. März 2007 2008: Ehrensenatorin der Universität Innsbruck 2011: Frauen-Lebenswerk-Preis beim Käthe-Leichter-Preis

Ehrungen

Zu ihrem 80. Geburtstag erfolgte am 4. Oktober 2011 ein Festakt in der Nationalbank, Wien.

Die OeNB schuf das Dr.-Maria-Schaumayer-Habilitationsstipendium für junge Wissenschaftlerinnen, das an ihrer alma mater, der heutigen Wirtschaftsuniversität Wien, ausgeschrieben wird.

Publikationen

Moderne Marktforschung und Marktwerbung im Export, Innsbruck 1954 (Dissertation) Kontrolle, Kritik, Kontrast. Protokolle Wiener Gemeinderat, 1970 Das Geld- und Kreditwesen in Österreich, 1990 Österreichs Wirtschafts- und Währungspolitik auf dem Weg nach Europa. Festschrift für Maria Schaumayer, Österreichische Nationalbank, 1991

Stiftung

Im Jahr 1991 wurde von ihr die Dr. Maria Schaumayer Stiftung ins Leben gerufen, mit Gründungskapital ausgestattet und in der Folge laufend dotiert, die das Ziel hat, Frauen in ihrer Karriere in der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu unterstützen. „Außerordentliche akademische Arbeiten aus allen Bereichen der Wissenschaft werden zwei Mal jährlich vom wissenschaftlichen Beirat begutachtet“ und ausgezeichnet – bis zum 20-jährigen Bestehen 2011 rund 810-mal. Vorstand der Stiftung ist (Stand August 2020) die ehemalige Rechtsanwältin Helga Wagner., abgerufen am 29. August 2020. – Webseite der Stiftung

Literatur

Jörg Mahlich, Robert Schediwy (Hrsg.): Zeitzeugen und Gestalter österreichischer Wirtschaftspolitik, Lit Verlag Wien 2008 – Lebensgeschichtliches Interview mit Maria Schaumayer.

Weblinks

Was wurde aus ... Maria Schaumayer in der Presse vom 18. Juli 2011

Einzelnachweise

Kategorie:Präsident oder Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank Kategorie:Landtagsabgeordneter (Wien) Kategorie:Amtsführender Stadtrat und Mitglied der Landesregierung (Wien) Kategorie:Ökonom (20. Jahrhundert) Kategorie:ÖVP-Mitglied Kategorie:Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Bande für Verdienste um die Republik Österreich Kategorie:Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens am Bande für Verdienste um die Republik Österreich Kategorie:Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich Kategorie:Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien Kategorie:Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark mit dem Stern Kategorie:Absolvent der Wirtschaftsuniversität Wien Kategorie:Ehrensenator der Wirtschaftsuniversität Wien Kategorie:Ehrensenator der Universität Innsbruck Kategorie:Leopold-Kunschak-Preisträger Kategorie:Mitglied des Wiener Akademikerbunds Kategorie:Ehrenbürger von Wien Kategorie:Kommerzialrat Kategorie:Person (Graz) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1931 Kategorie:Gestorben 2013 Kategorie:Frau