Epicedium ist eine deutsche Death-Metal-Band. Die Gruppe aus Frankfurt am Main besteht seit 1996 und hat bisher fünf Alben veröffentlicht. Aktuell ist sie bei den Independent-Labels Rising Nemesis Records (Deutschland) sowie Sevared Records (USA) unter Vertrag.

Geschichte Ursprünge und Vorläufer Cenotaph Epicedium ging aus der Thrash-Metal-Band Cenotaph hervor. Die Jugendfreunde Bruno Galletta (Bass) und Musa Carom (Schlagzeug) hatten 1993 mit Gitarrist Thomas Köstler sowie Sänger Oliver Erdt die Gruppe gegründet. Schon nach wenigen Monaten veröffentlichte das Quartett ein Demo mit fünf Eigenkompositionen. Das kurzlebige Print-Magazin von Headbangers Ball befand im September 1993: „spielerisch und songwriterisch überzeugen Cenotaph allemal. Hinzu kommt ein druckvoller Sound, der weit über dem üblichen Demo-Standard liegt.“ Insbesondere hervor hob der Autor „das filigrane Schlagzeugspiel von (Musa Carom), der durch seinen ausdrucksstarken Gesang den Song ’Final Day’ zum Highlight dieses Demos werden lässt.“ Oliver Erdt wird „Motörhead-kompatibler Gesang“ attestiert. In der Juli-Ausgabe des Rock Hard 1994 bilanzierte Uwe „Buffo“ Schnädelbach: „ein amtliches Tape (...), da stimmt vom Sound über die recht professionelle Aufmachung der Cassette bis hin zur Musik einfach alles.“ Derweil folgten rasch rund zwei Dutzend Konzerte, unter anderem mit Tankard, größtenteils in der Region, wie etwa im Isenburger Schloss oder der Oetingervilla. Die Cenotaph-Stücke Chaos Will Remain und Insane Justice erschienen auf den Samplern Underground Overdose und Anal Sphincter. 1996 verließ Oliver Erdt die Band.

Gründung Epicedium und Debütalbum Suffering Thoughts mini|Epicedium-Logo bis 2023. In den Hintergrund ist das Logo der Vorgänger-Band Cenotaph eingearbeitet In Sascha Henschel fand die Gruppe einen stilistisch komplett anders orientierten Sänger. Sein tief grollender, gutturaler Gesang im Stile eines Chris Barnes trug bei zu einer musikalischen Richtungsänderung hin zum Death Metal, zunächst mit Anleihen aus dem Doom Metal. Mit Frank Lamping gesellte sich zudem ein zweiter Gitarrist hinzu. Die Gruppe manifestierte ihren Umbruch im Namenswechsel zu Epicedium (Trauergesang im antiken Griechenland, siehe Epikedeion). Beibehalten wurde jedoch das von Bruno Galletta entworfene Cenotaph-Logo, das bis heute neben dem Schriftzug T-Shirts und Alben-Artworks schmückt.

Im Juli 1997 erschien das in Eigenregie produzierte und veröffentlichte Debütalbum Suffering Thoughts. Es zeigt eine deutliche Weiterentwicklung. Trotz der vielen für Death Metal typischen Stakkato-Passagen, mäandert es verspielt zwischen den Stilen und Tempi. Ein Autor namens „Truhe“ beschrieb es in einem namenlosen Fanzine als „eine Mischung aus Melodic Death und Doom Metal“ mit „interessante(m) und technisch gekonnt umgesetztem Material“ und „abwechslungsreiche(n) Songstrukturen. (...) Epicedium steigern langsam die Geschwindigkeit, was die Band gleich interessanter und weniger berechenbar erscheinen lässt“. Im Dezember des Jahres erkannte ENTRY – Magazin für Dark Musik-Kult(ur) und Avantgarde in der Mischung aus Melodie und Brachialität „ein Talent, was nicht jeder Band zu gute schreiben kann“, obgleich es Epicedium stilistisch dem Black Metal zuordnete. „Technische Versiertheit und spielerisches Können“, erkannte das Fanzine Way Up.

Besondere Aufmerksamkeit erregten zudem sphärische Passagen in doomigen Midtempo-Stücken wie dem Opener „Terrorizing Madness“, „Morbid Oppression“ oder dem finalen „The Dying Inside“, in denen von Bruno Galletta gespielte Synthesizer-Arrangements mit schwebenden Melodiebögen des Leadgitarristen Thomas Köstler sich miteinander verweben zu verschleppten Rhythmen. Live trat Epicedium ohne Keyboard auf, und bald auch nur noch mit einem Gitarristen, nachdem Frank Lamping kaum ein Jahr später die Band wieder verließ. Konzerte mit Szenegrößen wie Crack Up und Disbelief oder der Auftritt als Headliner beim „Rock im Schnaakeloch“-Festival in Kelsterbach erschlossen der Band rasch eine zunächst regional begrenzte Fangemeinde.

Manifestation des eigenen Stils – Conspiracy with the Death Epicedium begann einen eigenen Sound zu kultivieren. Gitarrist Tom Köstler und Bruno Galletta implementierten in stärkerem Maße Einflüsse wie Suffocation in das Songwriting, zulasten der doomigen Elemente. Schlagzeuger Musa Carom wiederum forcierte stellenweise mit Grindcore-artigen Blastbeats das Tempo. Die neuen Kompositionen gerieten deutlich schneller und schnörkelloser. Sascha Henschel alternierte nun seine Growls mit Pig Squeals, wie sie sonst eher im Black Metal als gängiges Stilmittel verwendet werden.

Im Sommer 1999 veröffentlichten Epicedium ihr in Eigenregie produziertes, zweites Album Conspiracy with the Death. Es klang eher aus einem Guss, als das stilistisch noch suchende Debüt; wie auch das Zusammenspiel untereinander weiter harmonisierte. Die Verspieltheit hingegen verlagerte sich hin zu rhythmisch extravaganten Passagen. „Technisch anspruchsvoller Uptempo-Grind/Death (...) ohne den Touch für den Groove zu vergessen“, fasste Posessed zusammen, und lobte „langweilig wird es hier nie“.possessed.ghul.org: (englisch)

Das Online-Magazin Bloodchamber attestierte, die meisten Songs zeichneten sich „durch durchdachte Tempowechsel aus“ und bilanzierte: „Epicedium schaffen es auf verdammt brutale Weise sich den Weg in das Ohr des Hörers zu ebnen. (...) Vor allem der Sound ist für eine Eigenproduktion überraschend gut.“http://www.bloodchamber.de/review/444-epicedium-conspiracy-with-the-death.html Ebenfalls „eine sehr gute Eigenproduktion“, beschied das Magazin Carnage ( ), „die Songs bewegen sich von schnellen Grind Passagen bis zu thrashigen und groovigen Parts, die mit schneller Double Bass gespielt werden und mit einer geilen Stimme a la Chris Barnes verstärkt wird.“http://www.carnagedeathmetal.de/carnage/reviews/e/epicedium.html Mit „tiefstem Gegrunze bis zu markerschütterndem Gekreische“, warte das Album laut earshot auf, sowie „einer gelungenen Songstruktur (...) mit recht eingängigen Riffs“.http://earshot.at/?show=reviews&file=343 Beschlossen wird das Album mit einer Hommage an Cannibal Corpse in Form einer live eingespielten Coverversion von Hammer Smashed Face.

Umbruch und Konsolidierung mini|Epicedium live im Haus der Jugend, Mainz, 17. September 2004. Von links: Bruno Galletta, Sascha Henschel, Thomas Köstler.

Das neue Jahrtausend begann für Epicedium wechselhaft. Einerseits vervollkommneten die einzelnen Musiker ihre individuellen Fähigkeiten wie auch die Gruppe als Ganzes ihr gestalterisches Spektrum erweiterte und die technischen Ambitionen der Gruppe unterstrich.

Ferner erweiterten die Hessen mit Beiträgen auf den Samplern Arising Realm Compilation 05https://www.musik-sammler.de/album/229220/ und Cacafonia Part 1https://www.musik-sammler.de/album/154173/ ihren Bekanntheitsgrad nun auch über Deutschland hinaus. Andererseits musste sich die Band nach dem Ausscheiden des langjährigen Schlagzeugers Musa Carom reorganisieren. Im Sommer 2002 komplettierte Steffen Kraatz das Quartett, ein „würdiger Nachfolger“, wie das Onlinemagazin „Ancent Spirit“ in einer Livekritik befand, „trotz aller brachialen Gewaltriffs, den ultratiefen Growls und den heftigen Blast-Attacken haben Epicedium immer noch ein gewisses Maß an Melodie in ihrer Musik.“ Insbesondere mit den genannten Blast Beats beeinflusste Steffen Kraatz das Songwriting für das kommende, nunmehr dritte Epicedium-Album Immense Affliction. Das melodiöse Element hingegen hatte seine Wurzeln in Tom Köstlers wachsendem Faible für das filigrane Spiel eines John Petrucci oder Chuck Schuldiner. Die neuen Songs, die in dieser Zeit entstanden, waren die konsequente Weiterentwicklung und zugleich Verfestigung der stilistischen Linie von Conspiracy with the Death. „Die Songstrukturen können jedoch durchaus als anspruchsvoll gelten, auch wenn man sich fast ausschliesslich im Mid-Tempo-Bereich bewegt“, bilanzierte Deathgrind.http://deathgrind.bruview.de/archiv/reviews/epicedium_immenseaffliction6.html „Wirklich beeindruckend auf welch hohem songwriterischen Niveau Epicedium mittlerweile agieren“, stellte wiederum Metalspheres fest.http://www.metalspheres.de/cdreviews.php?ID=898 Die individuelle Qualität der Instrumentalisten hob „Legacy“ hervor: „Absoluter Wahnsinn, was Gitarrist Tom und Basser Bruno da auf die Beine stellen. Rasend schnelle Läufe, Arpeggios, Sweeps und Tappings, und alles hochpräzise und genau auf den Punkt gebracht.“legacy.de: Übereinstimmend lobten die meisten Rezensenten den Klang des Albums, insbesondere, da es sich erneut um eine Eigenproduktion handelte. Laut Posessed sei Epicedium „wohl eine der unterbewertetsten Bands Deutschlands“possessed.ghul.org: (englisch), und auch andere Autoren wunderten sich, dass die Gruppe noch ohne Plattenvertrag da stand. „Immense afflection“ sollte tatsächlich das letzte Epicedium-Album in Eigenvertrieb bleiben. Die Band steigerte zudem überregional ihren Bekanntheitsgrad durch gemeinsame Konzerte mit Jack Slater, Debauchery sowie den in vielen Rezensionen als Vorbild zitierten Suffocation. Bei zwei Auftritten wurde die Gruppe verstärkt durch die Gitarristin Anastasia Schmidt, ehe diese sich bald darauf neuen Ufern zuwandte und die Band Arven gründete. Indes wirkte Epicedium mit einem Stück auf dem Sampler Joining Forces – Three the Hard Way mit.https://www.musik-sammler.de/album/159682/

Erster Plattenvertrag Das wachsende Interesse weiterer Kreise an der Band erregte die Aufmerksamkeit der Plattenfirma „Musicaz Records“. Derweil musste Epicedium einen Ersatz für Schlagzeuger Steffen Kraatz suchen, der die Band nach drei Jahren verließ. Ihm folgte Fabian Fuss, der zuvor für Betrayed trommelte und dies auch parallel weiterhin tat. Zudem stieß Daniel D’Arcy als zweiter Gitarrist hinzu und teilt sich seither die Leadgitarren-Parts mit Thomas Köstler. Daniel D’Arcy ist ebenso wie Thomas Köstler geprägt durch Chuck Schuldiner, aber auch durch Marty Friedman und Nevermore. Dadurch ergab sich einerseits ein weiterer Ausbau der melodischen Elemente in der Musik Epicediums. Andererseits konnte live mehr Druck erzeugt werden, was bei Auftritten mit unter anderem Deranged zutage trat.

Alsbald ging es mit neuen Stücken ins Studio des Frankfurter Soundtüftlers Michael Heiliger, der bereits das Vorgängeralbum gemeinsam mit der Band produziert hatte. Das 2007 erschienene Album Intoxicated Intercourse zeigte Epicedium nun wieder variationsreicher. Das feierliche Intro Intoxicated… geht fließend über in das sich zunächst dramatisch aufbauende Gorelicious, ehe das gewohnte Stakkato einsetzt. Einen besonders bunten Stilmix bietet der Song Cervix Putrefaction, der von grindcore-artigem Blastbeat mit Death-Metal-Elementen sich steigert zu einem hymnenhaften Black-Metal-Part. „Epicedium klingen so frisch und abwechslungsreich wie noch nie“, bilanzierte Posessed, „der brutale Ami Death Metal wird mit Grindattacken und Blasts bespickt und wird technisch einwandfrei umgesetzt.“possessed.ghul.org: (englisch) Das Portal Metal Inside erkannte „abgefahrene Breaks, gnadenlose Drums und vertrackte Gitarrenarbeit“ und schwärmte vom „hohen spielerischen Niveau, auf dem sich die Hessen bewegen“.http://www.metalinside.de/review/epicedium/intoxicated-intercourse Neben neuen Kompositionen befinden sich auf Intoxicated Intercourse auch Neuaufnahmen der Stücke Conspiracy with the Death und Disagreeable Incest, jeweils Opener der beiden vorangegangenen Alben, die nun reifer klangen. „Epicedium sind (...) zu einer festen Größe im deutschen Underground herangewachsen“, befand Metal.de.http://www.metal.de/reviews/epicedium-intoxicated-intercourse-8278/?genre=2