Malitschkendorf (bis 1937 Malitzschkendorf) ist ein Ortsteil von Kremitzaue im südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Er befindet sich an der Kreisstraße 6240 etwa 5 Kilometer südwestlich der Stadt Schlieben. Nordwestlich der Ortslage mündet der Malitschkendorfer Mühlgraben in die Kremitz.
Geschichte mini|Friedrich August Wagner mini|Malitzschkendorf und einige Nachbarorte auf einem Urmesstischblatt von 1847 Erste Siedlungsspuren in der Gemarkung stammen aus der jüngeren Eisenzeit. Zwischen Malitschkendorf und Schlieben befindet sich ein alter Burgwall mit einer Grundfläche von etwa 3,3 Hektar, der einst vermutlich als Kult- und Fluchtstätte inmitten eines einstigen riesigen Sumpfgebietes diente.Die Gemeinde Kremitzaue auf der Homepage des Amtes Schlieben, abgerufen am 20. August 2016 Dieser Burgwall, welcher später der Billendorfer Kultur zugeordnet werden konnte,Cover Hans-Dieter Lehmann: „Die Geschichte des Schliebener Landes“, Herzberg, 2006, S. 29 wurde bereits zwischen 1826 und 1833 durch den Schliebener Arzt und Archäologen Friedrich August Wagner erforscht, da er den Verdacht hatte, dass sich an dieser Stelle der Heilige Hain der Semnonen befunden haben könnte. Zwischenzeitlich wurde der Burgwall auch als Standort der in Thietmars Chronik erwähnten Slawenburg Liubusua in Betracht gezogen, was allerdings inzwischen weitreichend widerlegt wurde.
Urkundlich zum ersten Mal erwähnt wurde der Ort im Jahre 1290 in einer Urkunde des seit 1165 bestehenden Zisterzienserklosters Dobrilugk. Es handelt sich hierbei um ein sogenanntes Straßendorf, da sich die Anlage der historischen Malitzschkendorfer Ortslage überwiegend am Verlauf der heutigen Hauptstraße orientiert. Es ist überliefert, dass im Jahre 1474 vierzehn Hüfner und zwei Gärtner im Dorf sechzehn Hufen Land bewirtschafteten. 1518 wurde dann auch in den Unterlagen des Amtes Schlieben bereits ein Dorfkrug erwähnt.
Wie viele umliegende Gemeinden und die mehrfach zerstörte benachbarte Stadt Schlieben hatte auch Malitzschkendorf unter dem Dreißigjährigen Krieg zu leiden. So ist bekannt, dass es drei Jahre vor dem Ende des Krieges im Jahre 1645 im Dorf vier Grundstücke wüst lagen und auch fast zwanzig Jahre später waren hier 1672 noch zwei Gärtnerstellen unbesetzt.
Vom 18. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert hinein ist in Malitzschkendorf eine Windmühle nachweisbar. Schon im Jahre 1781 ist sie in einer Karte des kursächsischen Kartografen Peter Schenk zu finden. In einem kursächsischen Mühlenverzeichnis wird sie 1791 ebenfalls erwähnt und als zweigängig verzeichnet. Im Jahre 1797 soll sie dann allerdings nur noch einen Gang besessen haben. Zu dieser Zeit war sie im Besitz des Gärtners Johann Martin Dümichen.
Nach den Bestimmungen des Wiener Kongresses 1815 gelangte Malitzschkendorf vom Königreich Sachsen zum Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen und es entstand 1816 der Landkreis Schweinitz.
1854 entstand im Ort eine Schule, die sich gegenüber dem Pfarrhaus befindet.
Im Rahmen der nationalsozialistischen Germanisierung sorbischstämmiger Ortsnamen hatte der Landrat des Kreises Schweinitz 1937 mit Zustimmung der Gemeinde beantragt, Malitzschkendorf in „Eisengrund“ umzubenennen und so den sorbischen Namen zu tilgen. Anders als in anderen Regionen scheiterte die Umbenennung hier jedoch an der Ablehnung des zuständigen Regierungspräsidenten und lediglich die Schreibung wurde durch den Wegfall des z leicht angepasst.Gero Lietz: Zum Umgang mit dem nationalsozialistischen Ortsnamen-Erbe in der SBZ/DDR. Leipzig 2005, S. 176ff.
Im Februar 1947 verfügte der Alliierte Kontrollrat die formelle Auflösung Preußens. Malitschkendorf gehörte nun zum neu gegründeten Land Sachsen-Anhalt. Der Landkreis Schweinitz wurde 1950 in Landkreis Herzberg umbenannt, aus welchem 1952 schließlich der Kreis Herzberg hervorging. Im selben Jahr wurde das Land Sachsen-Anhalt allerdings im Rahmen der Verwaltungsreform in der 1949 entstandenen DDR wieder aufgelöst und das Dorf befand sich nach der Gründung der Bezirke bis zur Wiedervereinigung 1990 im Bezirk Cottbus.
Ab 1992 gehörte die bis dahin noch selbstständige Gemeinde zum neu gebildeten Amt Schlieben. Am 31. Dezember 2001 folgte schließlich der freiwillige Zusammenschluss mit Kolochau und Polzen zur neuen Gemeinde Kremitzaue, die heute ebenfalls zum Amt Schlieben gehört.Historisches Gemeindeverzeichnis 2005 für Brandenburg (Online als PDF-Datei)
Bevölkerungsentwicklung von 1875 bis 2010Historisches Gemeindeverzeichnis 2005 für Brandenburg Online als PDF-Datei Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1875 260 1946 361 1989 214 1995 200 2007 224 1890 260 1950 319 1990 215 1996 197 1910 250 1964 233 1991 209 1997 196 1925 266 1971 247 1992 205 1998 201 align="center"| 1933 284 1981 204 1993 209 1999 206 1939 237 1985 199 1994 200 2000 212
Kultur und Sehenswürdigkeiten Denkmäler mini|hochkant=1.33|Die Malitschkendorfer Dorfkirche Im Süden von Malitschkendorf befindet sich die Kirche St. Georg aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Diese wurde einst überwiegend aus Feldsteinen errichtet und besitzt einen aus dem 18. Jahrhundert stammenden quadratischen Turm mit achteckigem Glockenstuhl, in welchem sich das älteste Glockengeläut der Dorfkirchen des Landkreises Elbe-Elster befindet. Ausgestattet ist sie unter anderem mit einer 1838 von Christoph Schröther errichteten einmanualigen Orgel und einer kelchförmigen Sandsteintaufe aus der Zeit um 1300.
Das aus dem Jahre 1870 stammende Pfarrhaus befindet sich, wie die benachbarte Kirche, heute auf der Liste der Baudenkmäler des Landes Brandenburg. Es handelt sich hierbei um einen halbunterkellerten Sichtziegelbau mit Satteldach. Aus der Gründerzeit stammend, ist es wie die Kirche eines der ortsbildprägenden Bauten des Dorfes. Zur einstigen Parochie Malitschkendorf gehörten neben Malitschkendorf selbst die Ortschaften Osteroda, Jagsal und Redlin.Hans-Dieter Lehmann: „Die Ortsgeschichte beginnt mit einem Kaufvertrag – Vor 725 Jahren ist Malitschkendorf erstmals urkundlich erwähnt worden“ in Lausitzer Rundschau, 28. Mai 2015Hans-Dieter Lehmann: „Die Ortsgeschichte beginnt mit einem Kaufvertrag“ in Lausitzer Rundschau, 28. Mai 2015 Eine dem 17. Jahrhundert stammende Filialkirche in Osteroda wurde in den 1960er Jahren ersatzlos abgerissen.Heimatbuch Elbe-Elster, S. 87
Ein Denkmal in Form eines Gedenksteins mit Widmungen und Namenstafeln erinnert an die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Einwohner Malitschkendorfs.Onlineprojekt Gefallenendenkmäler, abgerufen am 11. August 2016
Freizeit und Vereinsleben In Malitschkendorf gibt es zur Freizeitgestaltung und für örtliche Veranstaltungen ein Freizeit- und Gemeindezentrum, einen Fußballplatz sowie eine Kegelbahn. Aktive Vereine im Ort sind unter anderem der Fußballclub SG Malitschkendorf, der Frauenchor Malitschkendorf, abgerufen am 31. August 2016 und die örtliche Freiwillige Feuerwehr.
Alljährlich im August findet das Malitschkendorfer Sportfest statt.
Veröffentlichungen Literatur 2015 erschien im Hamburger WDL-Verlag im Rahmen der Edition „Mein Leben - ein Buch“ die Monografie „Rübenschnaps und Stromsperre“ des 1935 in Malitschkendorf geborenen und dort aufgewachsenen einstigen Gymnasiallehrers Karl-Heinz Schulz-Diewald. Sie ist eine Hommage an das kleine Dorf in der Kremitzaue und beschreibt autobiografisch die schwierigen Kindheitsjahre des Autors.Rico Meißner: Ein Dorfjunge in einer schwierigen Zeit - Herzberger erinnert an „Rübenschnaps und Stromsperre“ in Lausitzer Rundschau, 22. September 2015Das Buch „Rübenschnaps und Stromsperre“ in der Deutschen Digitalen Bibliothek, abgerufen am 21. August 2016Karl-Heinz Schulz-Diewald in der Deutschen Digitalen Bibliothek, abgerufen am 21. August 2016
Rundfunk und Fernsehen Beitrag in der RBB-Sendung Landschleicher vom 26. Juli 1998
Weblinks
Malitschkendorf auf der Homepage von Kremitzaue
Fußnoten und Einzelnachweise Malitschkendorf auf der Homepage von Kremitzaue, abgerufen am 13. August 2016 Sybille Gramlich/Irmelin Küttner: Landkreis Elbe-Elster Teil 1: Die Stadt Herzberg/Elster und die Ämter Falkenberg/Uebigau, Herzberg, Schlieben und Schönewalde, S. 249 bis 251, ISBN 978-3884621523
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