mini|Das Almeida Theatre, 2011
Das Almeida Theatre, kurz The Almeida, ist ein Londoner Theater im Bezirk Islington. Es befindet sich in der Almeida Street. Inszeniert werden neben Ur- und englischen Erstaufführungen vor allem englische Autoren und Klassiker der Weltliteratur. Erfolgreiche Almeida-Produktionen übersiedeln oftmals an Bühnen im West End.
Das Gebäude ist auf der Statutory List of Buildings of Special Architectural or Historic Interest mit Grade II gelistet.
Geschichte Das klassizistische Gebäude wurde 1837 unter Leitung der Architekten Robert Lewis Roumieu (1814–1877) und Alexander Dick Gough (1804–1871) als Islington Literary and Scientific Institute errichtet. Eröffnet wurde es 1838, dem Jahr der Thronbesteigung von Queen Victoria. Das Gebäude umfasste neben einem Hörsaal, einem Laboratorium und einem Museum auch eine Bibliothek, die 1839 aus 33000 Bänden bestand. 1872 wurde die Bibliothek verkauft. Von 1874 bis 1886 diente das Gebäude dem Wellington Club als Clubhaus. 1890 wurde es von der Heilsarmee übernommen, die den ehemaligen Bibliotheksraum als Gebetsraum umgestaltete und eine hölzerne Galerie einbauen ließ. Während des Kriegs diente das Untergeschoss als Luftschutzraum. 1955 gab die Heilsarmee das Gebäude auf. Ab 1956 wurde es für eine kurze Zeit als Ausstellungsraum von Mr. Beck’s Carnivals and Novelties Factory genutzt. Bis 1978 stand das Gebäude leer. 1980 nutzten es die späteren Gründer des Almeida Theaters, Pierre Audi und Chris Naylor, für ein Theater-Festival. Dieses Datum gilt als das eigentliche Gründungsdatum des Almeida Theatre. A. P. Baggs, Diane K. Bolton and Patricia E. C. Cropotin: 'Islington: Social and cultural activities', in: A History of the County of Middlesex: Volume 8, Islington and Stoke Newington Parishes, ed. T. F. T. Baker and C. R. Elrington (London, 1985), pp. 45–51. British History Online , abgerufen am 10. August 2016. In der Folge fanden in dem Haus aber weiter unterschiedliche Veranstaltungen statt. Nach und nach wurde das Haus mit Funktionsräumen wie einer Bar, Umkleideräumen für die Akteure und Werkräumen ausgestattet. Die Restaurierung der Fassade und die Umbaumaßnahmen wurden ab 1983 vom Architekturbüro Foley Fischer Burrell – Architect durchgeführt. Während dieser Zeit bildeten sich Initiativen, das Haus als ständiges Theater einzurichten.
Im November 1999 bekam das Almeida Theatre vom Arts Council of England eine Subvention in Höhe von 1,5 Millionen Pfund für notwendige Sanierungsarbeiten zugesprochen. Eine Unterstützung der National Lottery in Höhe von 5,8 Millionen Pfund ermöglichte eine Generalsanierung, die 2001 in Angriff genommen wurde.
2000 wurde das Haus wegen umfangreicher Renovierungen geschlossen. Als alternativer Spielort diente für die kommenden Jahre ein ehemaliges Busdepot in der Nähe vom Bahnhof King’s Cross. Architekten des Provisoriums waren ebenfalls Foley Fischer Burrell. Das letzte dort aufgeführt Stück war eine spektakuläre Inszenierung von Shakespeares Sturm, bei der die Bühne komplett geflutet und für Ariels Auftritt ein Loch in das Dach geschnitten wurde.Almeida Theatre dictionarycentral, abgerufen am 2. Oktober 2022
Der Saal, der vor der Restaurierung Platz für 500 Personen bot, hat heute 321/327 Sitzplätze, Die Zahl der Sitzplätze differiert in den Quellen da Bühne und Vorbühne jetzt den gleichen Raum einnehmen wie der Zuschauerraum. Eingangsbereich, Foyer, Bar und Treppenhaus befinden sich jetzt in einem seitlichen Anbau und sind durch eine große Glasfront einzusehen. In einem Gebäude unweit des Theaters sind die Verwaltung und ein Probenraum untergebracht.
Architektur Der Bau hat eine dreiteilige, zweigeschossige Fassade in den Formen des Klassizismus. Ober- und Untergeschoss sind durch ein gestuftes Gesims voneinander abgesetzt. Der mittlere Teil der Fassade ist als Risalit ausgebildet, der an beiden Seiten durch kräftige kolossale Pilaster markiert wird. Das umlaufende, mehrfach gestufte Hauptgesims ist ebenso wie der ganze Bau weiß verputzt. Im Mittelrisalit öffnen sich in jedem Geschoss jeweils drei Fenster. Die Fenster im Obergeschoss der Seitenteile werden durch breite Pilaster eingefasst. Die seitlichen ehemaligen Eingänge werden durch einen portikusartigen, pfeilergestützten Vorbau markiert.
An der linken Seite des Baus schließt sich ein einstöckiger Neubau mit Flachdach und einer durchgehenden Glasfront an. Hier befindet sich der heutige Eingang zum Theater sowie der Zugang zu einer breiten Rampe, mit der die Zufahrt von Lastwagen in das Haus ermöglicht wird.
Der ehemalige Lesesaal dient heute als Theatersaal. Bühne und Zuschauerraum sind etwa gleich groß. Der Bühnenraum wird durch eine gebogene, nicht verputzte Ziegelwand abgeschlossen, an die sich nahtlos die Empore für die Zuschauer anschließt. Die um 1900 eingebaute, auf gusseiserne Säulen gestützte Empore, die mit einer groldbrauen Prägetapete (Anaglypta) verkleidet ist, ist original erhalten.
Theater, Performance, Oper Almeida Opera Pierre Audi etablierte auch ein International Festival of Contemporary Music and Performance, ein Internationales Festival für zeitgenössische Musik und Musiktheater, welches bis 2007 jeweils im Sommer veranstaltet und als Almeida Opera weltbekannt wurde.Almeida Theatre: Archived Events, abgerufen am 11. September 2016. Es produzierte eine Reihe von Auftragswerken, Uraufführungen und britischen Erstaufführungen, darunter 1989 die Oper Golem von John Casken (* 1949)Giorgio Bagnoli: The La Scala Encyclopedia of the Opera, Simon and Schuster 1993, S. 164. Online abgerufen unter: am 11. September 2016. oder 1995 das szenische Konzert Experimentum Mund des italienischen Komponisten Giorgio Battistelli.Janet Goodridge: Rhythm and Timing of Movement in Performance: Drama, Dance and Ceremony, Jessica Kingsley Publishers 1999, S. 25. Online abgerufen unter: am 11. September 2016. Im Rahmen der Almeida Sommersaison wurden unter anderem Werke von Thomas Adès, Harrison Birtwistle, Xaver Dayer (* 1972), Peter Eötvös, Alexander Goehr und Michael Nyman sowie einer Reihe britischer Komponisten aufgeführt, die im deutschen Sprachraum nicht bekannt sind.Peter Moore Foundation, abgerufen am 23. August 2018. Die Londoner Tageszeitung lobte das Festival im Jahr 2006 wie folgt: „Es gab in den vergangenen zwanzig Jahren kein besseres Podium für neue europäische Oper in London als die Almeida Sommersaison.“Andrew Clement: Classical music: Les Aveugles, 26. Juni 2006, abgerufen am 11. September 2016.
Michael Attenborough stellte das Festival 2012 mit folgenden Worten ein: „Ich fühlte keine künstlerische Verwandtschaft mit dem Opernfestival. Die moderne Oper vermeidet geflissentlich alles, was so altmodisch ist wie Melodie oder Emotion. Mir erscheint dies ein Widerspruch zu dem, worum es bei Musik geht.“Tim Walker: Theatre director Michael Attenborough is no fan of modern opera, The Telegraph (London), 2. August 2012, abgerufen am 11. September 2016.
Künstlerische Leiter 1979–1989: Pierre Audi 1970–2002: Jonathan Kent und Ian McDiarmid 2002–2013: Michael Attenborough 2013–2026: Rupert Goold
Produktionen (Auswahl) 1990–1999
1990: Scenes From an Execution von Howard Baker; mit Glenda Jackson (Uraufführung als Theaterstück) 1990: Wenn wir Toten erwachen von Henrik Ibsen; Regie: Jonathan Kent, mit Espen Skjønbergals als Rubek, Suzanne Burden als Maja Rubek und Claire Bloom als Irene 1991: Betrayal von Harold Pinter; Regie: David Leveaux, mit Martin Shaw als Robert, Cheryl Campbell als Emma und Bill Nighy als Jerry 1991: Party Time, von Harold Pinter, (Uraufführung); Regie: Harold Pinter 1993: No Man's Land von Harold Pinter; Regie: David Leveaux, mit Harold Pinter in der Hauptrolle 1993: The Deep Blue Sea von Terence Rattigan; Regie: Karel Reisz, mit Penelope Wilton und Linus Roache 1994: Medea von Euripides; mit Diana Rigg in der Titelrolle 1994: Leben des Galilei von Bertolt Brecht; Regie: Jonathan Kent, mit Simon Russell Beale in der Titelrolle 1995: Hamlet von William Shakespeare; Regie: Jonathan Kent, mit Ralph Fiennes in der Titelrolle, Francesca Annis als Gertrud und Tara Fitzgerald als Ophelia
1996: Who's Afraid of Virginia Woolf? von Edward Albee; Regie: Howard Davies, mit Diana Rigg in der Hauptrolle 1997: Der Revisor von Nikolai Gogol 1997: Ivanov von Anton Tschechow; Regie: Jonathan Kent, mit Ralph Fiennes in der Titelrolle, Harriet Walter als Anna und Bill Paterson als Lebedev 1997: Naked (Vestire i ignudi) von Pirandello; Regie: Jonathan Kent, mit Juliette Binoche als Ersilia Dei 1998: The Tempest von William Shakespeare; Regie: Jonathan Kent, mit Ian McDiarmid als Prospero und Aidan Gillen als Ariel 1998: Britannicus von Jean Racine; Regie: Jonathan Kent, mit Kevin McKidd (Britannicus), Toby Stephens (Nero), Diana Rigg (Agrippina), Julian Glover (Narcissus). 1998: Phèdre von Jean Racine; Regie: Jonathan Kent, mit Toby Stephens (Hippolyt), Diana Rigg (Phèdre), Barbara Jefford (Oenone) 1999: The Jew of Malta von Christopher Marlowe; Regie: Michael Grandage, mit Ian McDiarmid in der Hauptrolle 1999: Der Eismann kommt von Eugene O’Neill; Regie: Howard Davies, mit Kevin Spacey in der Hauptrolle 2000–2019 2000: Celebration und The Room von Harold Pinter, (Uraufführung); Regie: Harold Pinter 2003: Die Frau vom Meer von Henrik Ibsen; Regie: Trevor Nunn, mit Natasha Richardson und Eoin McCarthy in den Hauptrollen und Benedict Cumberbatch als Lyngstrand 2004: The Goat or Who is Sylvia? von Edward Albee, Regie: Anthony Page, mit Jonathan Pryce als Martin und Kate Fahy als Stevie 2005: The Cricket Recovers, Kinderoper von Richard Ayres, (Uraufführung) 2006: Hedda Gabler von Henrik Ibsen; Regie: Richard Eyre 2008: The Goat or Who is Sylvia? von Edward Albee; mit Jonathan Pryce in der Hauptrolle 2008: The Last Days of Judas Iscariot von Stephen Adly Guirgis; Regie: Robert Goold 2008: Waste von Harley Granville Barker; Regie: Samuel West 2009: Duet for One von Tom Kempinski; Regie: Matthew Lloyd, mit Henry Goodman und Juliet Stevenson 2012: King Lear; Regie: Michael Attenborough, mit Jonathan Pryce in der Titelrolle 2013: Gespenster von Henrik Ibsen, Regie: Richard Eyre, mit Lesley Manville als Helene Alving und Billy Howle als Osvald 2013: Chimerica von Lucy Kirkwood (Uraufführung); Regie: Lyndsey Turner 2015: King Charles III von Mike Bartlett (Uraufführung); Regie: Rupert Goold, mit Tim Pigott-Smith als Prince Charles 2016: Orestie von Aischylos; Regie: Robert Icke, mit Luke Thompson als Orest und Lia Williams als Klytemnestra 2016: They Drink it in the Congo von Adam Brace (Uraufführung); Regie: Michael Longhurst 2016: Richard III. von William Shakespeare; Regie: Rupert Goold, mit Ralph Fiennes in der Titelrolle und Vanessa Redgrave als Margaret 2017: Against von Christopher Shinn, (Uraufführung); Regie: Ian Rickson, mit Ben Whishaw in der Hauptrolle 2017: Hamlet von William Shakespeare; Regie: Robert Icke, mit Andrew Scott in der Titelrolle, Jessica Brown Findlay als Ophelia und Juliet Stevenson als Gertrude 2018: The Writer von Ella Hickson (Uraufführung); Regie: Blanche McIntyre, mit Michael Gould, Romola Garai, Lara Rossi 2018: Richard II. von William Shakespeare; Regie: Joe Hill-Gibbins, mit Simon Russell Beale in der Titelrolle und Leo Bill als Bolingbroke 2019: Die Herzogin von Malfi von John Webster; Regie: Rebecca Frecknall, mit Lydia Wilson als Herzogin Khalid Abdalla als Antonio und Leo Bill als Bosola 2020− 2023: A Streetcar Named Desire von Tennessee Williams; Regie Rebecca Frecknall, mit Paul Mescal als Kowalski und Patsy Ferran als Blanche 2025: A Moon for the Misbegotten von Eugene O’Neill; Regie Rebecca Frecknall, mit Michael Shannon, Ruth Wilson, David Threlfall
Auszeichnungen