mini|Klimadiagramm von München-Riem.Geoklima 2.1.

Trudering-Riem ist der Stadtbezirk 15 der bayerischen Landeshauptstadt München.

Lage und Gliederung mini|Unterbezirke, Stadtviertel und angrenzende Bezirke des Stadtbezirkes 15 in München

Der Stadtbezirk umfasst den östlichen Bereich Münchens. Im Westen grenzt er an die Stadtbezirke Berg am Laim und Bogenhausen, im Süden an den Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach, im Norden an Johanneskirchen und im Osten an die Gemeinden Aschheim, Feldkirchen, Haar und Putzbrunn (alle im Landkreis München).

Es existieren folgende Unterbezirke:

Am Moosfeld Gartenstadt Trudering Kirchtrudering Messestadt Riem Neutrudering Riem Straßtrudering Waldtrudering

Der alte Ortskern von Riem liegt um die Kirche St. Martin am Martin-Empl-Ring. Der alte Ortskern von Kirchtrudering liegt um die Pfarrkirche St. Peter und Paul in der Kirchtruderinger Straße, der von Straßtrudering an der Kreuzung der Truderinger Straße mit der Bajuwarenstraße.

Geschichte Geschichte Truderings Die älteste schriftliche Erwähnung fand Trudering 772 als Truhtheringa. Die Bezeichnung wird auf den Eigennamen eines Sippenoberhauptes Truhtheri oder Drudheri (in anderen Quellen Truchteri) zurückgeführt.

Frühgeschichte Schon während der Steinzeit war Trudering bewohnt. Grund der relativ frühen Besiedlung dürfte der Wasserreichtum der Gegend gewesen sein. Ein Steinbeil, das man an der Truderinger Bahnstrecke gefunden hat, wurde auf über 5000 Jahre geschätzt. Beim Bau des Flughafens München-Riem wurden 600 Meter nördlich der Gronsdorfer Kirche zwei hallstattzeitliche Grabhügel gefunden. Am Truchthari-Anger, ebenfalls in Nähe des Martin-Empl-Rings, wurden im Sommer 1999 bei Versuchsgrabungen ein Urnenfeld aus der Hallstattzeit, die Reste einer Siedlung aus der La-Tène-Zeit (und ein Brennofen aus der Römerzeit) entdeckt. Unter den über tausend entdeckten Fundstücken ist ein keltisches Grab mit relativ gut erhaltenem Skelett mit Bronzeschwert und Geschirrbeigaben archäologisch am wertvollsten. Teile dieser Ausgrabungen sind im Museum für Vor- und Frühgeschichte der archäologischen Staatssammlung in München zu sehen. Ende 2000 wurde eine frühlatènezeitliche Siedlung an der Haffstraße ausgegraben.

Durch Luftbildarchäologie konnten im Juni 1980 nördlich des Riemer Flughafens die Spuren eines vergangenen größeren Holzbaus lokalisiert werden. Bei dem rund 25 Meter langen und gut zehn Meter breiten, von einem Säulenumgang eingefassten Bau handelte es sich wahrscheinlich um einen römischen Gutshof.

Eines der größten frühgeschichtlichen Gräberfelder im Münchner Umland wurde im August 1955 südlich des Martin-Empl-Rings in der Nähe des Rappenwegs im neuen Messegebiet gefunden und vom Amt für Denkmalpflege systematisch freigelegt. Es handelte sich um etwa 100 bescheiden ausgestattete Gräber aus dem 7. Jahrhundert. Die erhaltenen Gegenstände wie Ohrringe, Gürtelschließen und anderer Schmuck, Messer und weitere kleine Objekte deuten auf bäuerliche Siedler hin. Ein Skelett hatte die Reste eines Sax in der Armbeuge. Auch Überreste von Helmen und Lanzen waren in einigen Gräbern zu finden.

Um 500 – Ansiedlung des „Truchtaro“ Möglicherweise um das Jahr 500 siedelte sich ein Bauer und Sippenführer namens „Truchtaro“ oder ähnlich samt seiner Sippe, Knechte und Mägde im Gebiet von Trudering an. Zu dieser Zeit lebten hier noch Bären und Wölfe in waldiger Umgebung (Sträucher-, Birken- und Eichenhaine). Truchtaro war wahrscheinlich Gefolgsmann eines Feudalherrn, eine Verbindung zu dem adligen Grundherrn Fagana wird vermutet. Die Adelsfamilie Fagana war eine der einflussreichsten Herrscherfamilien im Bayern der Frühzeit und wird im Lex Baiuvariorum ausdrücklich erwähnt. Wo Truchtaros Hof stand, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden. Nach umfangreichen Untersuchungen kommt als erste Siedlungsstätte am ehesten der Zehentbauerhof in Kirchtrudering in Frage. Als die Sippe des Truchtaro wuchs, gab es sicher Kontakte zu anderen Sippen, die sich in der Umgebung niederließen, und wahrscheinlich auch mit der ‚Urbevölkerung‘. So entstand aus der Ansiedlung des Truchtaro nach und nach ein Dorf, das die Leute nach dem ersten Siedler Truhtheringa, Truchteringa oder ähnlich nannten, was sich bis heute zu Trudering gewandelt hat. Truchteringa befand sich nicht allzu weit südlich von zwei wichtigen Herzogshöfen, nämlich Oberföhring mit dem Isar-Übergang und Aschheim, wo Herzog Tassilo III. 756/57 die erste bayrische Landessynode und den ersten bayrischen Landtag abhielt.

Die Schenkungsurkunde des Hiltiprant Aus dem Jahre 772 stammt die älteste bekannte und erhaltene schriftliche Erwähnung des Ortes Trudering in einer Schenkungsurkunde. Die Urkunde bezeugt, dass ein gewisser Hiltiprant Ländereien in Truhtheringa, die er lehnsweise von dem mit ihm verwandten letzten Agilolfinger-Herzog Tassilo III. erhalten hatte, dem Bistum Freising vermachte. Die Übersetzung des in Latein verfassten Schriftstückes lautet:

Im Namen Christi! Ich, Hiltiprant, stürzte meiner Sünden wegen, als ich unvorsichtig ritt, vom Pferd. Dabei zog ich mir einen Schädelbruch zu, so dass mich die Ärzte aufgaben. Von Schmerzen gepeinigt lag ich darnieder. Diese Leiden trieben mich dazu, meinen Herren, den durchlauchtigsten Herzog Herrn Tasillo, zu bitten, mir zu erlauben, etwas von dem mir lehnsweise überlassenen Gütern an die Kirche zu schenken. Herzog Tasillo stimmte eingedenk unserer Blutsverwandtschaft und in Abwägung meiner großen Verdienste in hochherziger Güte meiner Bitte zu. Ich hatte bisher die Ländereien, die ich als Belohnung für meine Verdienste erhielt, rechtmäßig genutzt. Sie liegen im Gebiet Truhtheringa […] Die Schenkung verfasst sich wie folgt: Die oben erwähnten Ländereien mit Leibeigenen, Höfen, Gebäuden, Wiesen, Weiden, Wäldern, Wasserläufen und allem, was zum Lehen gehört und dessen Gerechtsame unterliegt, habe ich der Kirche der reinen und unbefleckten Jungfrau Maria und Grabesstätte des Bekenners Christi, Korbinian, zu Freising übertragen und übereignet. Diese Schenkung war im Sinne meines durchlauchtigsten Herzogs. Sie soll Buße für meine Sünden sein. Dies ist in Anwesenheit des Bischofs Arbeo […] geschehen, damit ich durch meine Gabe bei dem gütigen Herrn, unsrem gnädigen Gott, in großer Maße verdiene, Verzeihung zu erlangen […] Dies geschah zu Freising im 25. Jahr der Regierung des Herrn Tassilo, unseres erlauchtigsten Herzogs, am Gerichtstag in den Iden des Septembers. Ich, Sundarheri, habe auf Befehl des Bischofs Arbeo diese Schenkungsurkunde geschrieben und Zeugen haben sie bestätigt.

Diese Schenkung und Beurkundung wurde durch Unterschriften mehrerer Adeliger bezeugt, wie etwa Ratolt, Popo, und Situli, die dem Geschlecht der Huosi zugeordnet werden können. Diese Adeligen stehen auch selbst im Zusammenhang mit der Gründung oder Erstnennung von Ortschaften, etwa Bogenhausen von Poponen, die Situli begründeten Freimann, die Ratolte gehören ebenfalls der Gründersippe von Freimann sowie des benachbarten Gronsdorf an. Trotz der großzügigen Schenkung Hiltiprants an die Kirche blieben weite Teile Truderings in adeliger Grundherrschaft.

Die edle Frau Uta und die Uta-Sage Eine andere wichtige Gründungsperson ist die edle Frau Uta.

Zwischen 1080 und 1090 übereignete die edle Frau Uta große Teile Truderings an die Kirche. Diese Urkunde ist nur in Drittschrift vorhanden. Dieses Ereignis zog schon bald mehrere Geschichten und Sagen nach sich.

Von Uta, welche ihr Land (550 Tagwerk Ackerland) an die Kirche in Trudering vergab, ist kaum etwas bekannt. Noch bis ins 20. Jahrhundert sollen, eingedenk der großherzigen Stiftung, die Truderinger allsonntäglich der hohen Frau gedacht und am Jahrestag für das Heil ihrer Seele gebetet haben. Damit die Leute umso freudiger am Gedächtnisgottesdienst teilnahmen, sollte ihnen eine Brotspende gereicht werden.

Eine Sage ist die in mehreren Abwandlungen bekannte Uta-Sage, in welcher Utas Mann ein gemeiner Ritter ist (oft Cuno mit Namen), der seine Leibeigenen schindet, wo er kann. Seine Frau wiederum hat Mitleid und versucht heimlich, das Unrecht, das ihr Gatte begeht, ein wenig zu mildern, indem sie Brot, Eier und Schinken aus dem Schloss an die Kranken und Hungernden vergibt. Eines Tages jedoch, als sie zum Schloss zurückkommt, sieht sie, wie das Schloss urplötzlich mit lautem Grollen von der Erde verschluckt wird – samt dem herzlosen Ritter Cuno. Dieses Loch nannte man seitdem die Uta-Höhle. Die Senke gab bzw. gibt es tatsächlich. Das Eigentümliche an der Senke (ca. fünf Meter) war, dass die oberen Erdschichten die gleichen wie die in der Umgebung waren. Es sah also so aus, dass tief unten der Boden eingesunken war und die oberen Erdschichten mit nach unten genommen hat. Die Bauern aus der Umgebung erzählten sich von einem Schloss und einem schlimmen Ritter, dessen Schreckensherrschaft ein entsetzliches Ende erfuhr.

Der Grund und Boden aus der Utaischen Schenkung an die Truderinger Kirche wurde von dieser an Bauern verpachtet, die dafür Abgaben zu leisten hatten. Die Kirche in Trudering ist erstmals in der Utaischen Schenkung (um 1085) erwähnt.

Ursprünglich wurde die Kirche im gotischen Stil gebaut. Der erste namentlich bekannte Ortsgeistliche, dessen Grabstein noch erhalten ist, hieß Haring (1474). Keine 20 Meter neben der Kirche beginnt der zur Entwässerung angelegte Truderinger Hüllgraben.

Trudering vom Mittelalter bis zur Neuzeit mini|Trudering und Riem auf einer Karte von 1858 mini|Truderinger Ortsfluren-Karte von 1854/55 mini|Luftbild von Straßtrudering (vorne rechts) und Kirchtrudering-Ost (hinten links), nach 1900 mini|Trudering, Messtischblatt-Ausschnitt von 1933 Im 12. und 13. Jahrhundert wuchsen die beiden frühmittelalterlichen Siedlungskerne Kirch- und Straßtrudering als Doppeldorf zusammen. Immer mehr geriet Trudering auch in das Interessenfeld des Münchner Bürgertums. Mit der Münchner Geschichte ist Trudering von Anbeginn stark verbunden, da durch Münchens Gründung 1158 die wichtige Salzstraße von Wasserburg am Inn bzw. Reichenhall/Salzburg über Truderinger Gebiet führte. Viele privilegierte Patrizier kauften nicht nur, sondern erhielten Lehen in Trudering, so z. B. Ulrich Ragausch im Jahre 1352.

Mit einer Ausnahme, einem großen Grund in Kirchtrudering, welcher wohl mit zum Kern der bajuwarischen Erstbesiedlung des 6. Jahrhunderts gehört, wurden die Gebiete der Hiltiprant-Schenkung häufig verschenkt, vertauscht oder verkauft.

In den nächsten Jahrhunderten erlebten die Truderinger Bürger ein ständiges Auf und Ab. Katastrophen, Pestepidemien und der Dreißigjährige Krieg bringen Trudering im 16. und 17. Jahrhundert mehrmals an den Rand des gänzlichen Zusammenbruchs.

Die Gemeindebildung erfolgte 1818 (aus Kirch- und Straßtrudering bestehend). Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden diverse Siedlungen auf dem Gemeindegebiet, so die Gartenstadt Trudering, Waldtrudering und Neu-Trudering. Die Eingemeindung nach München erfolgte am 1. April 1932;. der letzte Bürgermeister Truderings war Michael Keller.

Die Nähe zur Natur im Stadtbezirk wurde lange Zeit durch Fluglärm beeinträchtigt, da der frühere Flughafen München-Riem mitten zwischen Riem und Trudering lag. Trudering war auch von mehreren Flugzeugabstürzen betroffen. Der folgenschwerste ereignete sich am 6. Februar 1958, als der British-European-Airways-Flug 609 mit der Fußballmannschaft von Manchester United an Bord nach einem missglückten Start am Ortsrand von Trudering abstürzte. Von den 44 an Bord befindlichen Personen kamen 23 ums Leben, die anderen 21 wurden verletzt. Zu viel Schnee auf der Startbahn hatte verhindert, dass die Propellermaschine genügend Geschwindigkeit aufnehmen konnte, um sicher abzuheben. An der Absturzstelle befindet sich seit dem Jahr 2004 ein Gedenkstein.