mini|Trankgasse zwischen Dom und Deichmannhaus. Blick Richtung Westen. Rechts der Übergang zum Bahnhofsvorplatz Trankgasse ist der Straßenname einer 455 Meter langen Straße in der Kölner Altstadt-Nord, die direkt an die Domplatte und den Kölner Dom angrenzt und in Ost-West-Richtung verläuft.

Geschichte Die Trankgasse lässt sich bis in die Römerzeit zurückverfolgen.

Römerzeit und Frühmittelalter Die Trankgasse lag in der Römerzeit im Bereich des alten römischen Stadtgrabens direkt stadtauswärts vor der Pfaffenpforte und der Nordostecke der römischen Stadtmauer. Möglicherweise diente sie als Wallgasse, die von der Römerstraße Cardo Maximus gekreuzt wurde. Die erste größere Erweiterung des Stadtbildes erfolgte während des Frühmittelalters wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts, als das der Römerstadt vorgelagerte Überschwemmungsgebiet in den Schutz der Befestigung einbezogen wurde. An der Nordseite hob man parallel zur Römermauer zur Seite des späteren erzbischöflichen Gartens einen Graben aus, nach dem die heutige Trankgasse damals den Namen „Grabengasse“ erhielt. Da die nördliche Seitenmauer des Domes auf der Römermauer ruhte, wird der Graben wahrscheinlich bis zur Pfaffenpforte geführt worden sein, um auch dem Dom Schutz zu gewähren.Jacob Lintz, Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst, Band 28, 1909, S. 473 Dass der Trankgasse entlang ein schützender Graben gezogen war, geht unter anderem aus einer Schreinskarte vom Ende des 12. Jahrhunderts hervor, wonach sich neben der Propstei von St. Maria ad Gradus eine Brücke am Rhein () befunden hat; auch ein Wall lag hier, und zwar anscheinend an der Nordseite der Trankgasse, da dort ein Haus in einem Graben in der Nähe von St. Lupus () erwähnt wird.Hermann Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band II, 1910, Sp. 160 b

Mittelalter mini|Trankgasse/Maximinenstraße – St. Lupus (Anton Woensam, Kölner Stadtansicht von 1531) mini|Frankentor und Trankgassentor (Arnold Mercator, Kölner Stadtansicht von 1570)

Straßennamen Die Trankgasse hieß zunächst „platea valli“ (Wallstraße), dann „in vico potus“ (Tränkestraße) und „platea equorum“ (Pferdestraße). Dass zwei der ältesten Schreinsbücher des Niederich für die Trankgasse – statt „in platea potus“ – auch die Benennung „platea equorum“ führten, erwähnte bereits Johann Gerhard Aloys Imhoff im November 1849.Johann Gerhard Aloys Imhoff, in: Kölner Domblatt Nr. 56 vom 4. November 1849, Die erste Einbringung der Gebeine der Heiligen Drei Könige in Köln, S. 3 Nach Imhoff hieß sie im 13. Jahrhundert „drancgazzen“ (Niederich in den Jahren 1231, 1253 und 1259) und später „Drankgassen“ (1405), als über die Straße Treidelpferde zur Tränke an den Rhein geführt wurden und die Straße wohl zunächst als Viehtrift diente. Es erscheint unzweifelhaft, dass die Straße den Namen von einer Pferdetränke am Rheinufer hat, zu dem sie führte.Jahrbucher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande, 1882, S. 101 Aus der römischen „platea valli“ wurde schließlich „grave gaze“, also Grabengasse.Helmut Signon/Klaus Schmidt, Alle Straßen führen durch Köln, 2006, S. 334 Im Spätmittelalter hieß sie „dranggass“, „dranckgass“ oder „tranckgass“.

Gebäude Die ersten Gebäude in der Trankgasse dürften im 12. Jahrhundert entstanden sein. Zwischen 1164 und 1176 kauften die Domherren () ein Haus in der „platea equorum“, auch Dompropst Ludwig von Dollendorf bezog hier nach 1184 ein Haus von Albert Suevus.Manfred Groten, Priorenkolleg und Domkapitel von Köln im Hohen Mittelalter: Zur Geschichte des kölnischen Erzstifts und Herzogtums, Bände 109-111, 1980, S. 238 Im Jahre 1173 wird erstmals die Pfarrkirche St. Lupus erwähnt (1803 während der Säkularisation geschlossen, 1808 abgerissen), sie lag in Höhe der Trankgasse, wo heute die Bahntrasse zum Kölner Hauptbahnhof führt. Um 1200 verfügten Graf Wilhelm von Jülich und Gattin Mettilde gegenüber dem Dom über das Haus „zum Thurm“.Anton Fahne, Geschichte der Grafen, jetzigen Fürsten zu Salm-Reifferscheid, sowie ihrer Länder und Sitze, Band I, 1866, S. 44 In Trankgasse Nr. 25 stand bereits 1215 das Haus „Drachenfels“ des Heinrich von Niederich.Anton Fahne, Der Cölner Dom in seinen Umgebungen, 1864, S. 54 FN 100 Nachbar war in Nr. 23 Haus „Wolkenburg“ des Richmod von Wolkenburg, erstmals 1215 erwähnt. Um 1220 bewohnten der Ministeriale Rutger von Galen und Gattin Hadwig ein Haus in der „Dranggasse“. Nach dem Erwerber Heinrich III. von Sayn wurde der von ihm 1232 erworbene „Saynerhof“ benannt.Anton Fahne, Forschungen auf dem Gebiete der rheinischen und westphälischen Geschichte, Band 1.1, 1864, S. 60–81 Die Kommende Breisig erwarb 1237 in der Trankgasse einen großen Hof „zuome Temple“, ein erster Hinweis auf die Ausdehnung des Templerordens in Köln.Thomas Bohn, Gräfin Mechthild von Sayn (1200/03-1285), 2002, S. 63 Das Haus „zum Tempel“ wurde von Rudolf vom Tempel 1259 dem Zisterzienserinnenkloster Dalheim geschenkt.Hermann Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band II, 1910, Sp. 158a Nr. 1–3 Domherr Johannes vermachte inzwischen 1246 dem Domstift unter anderem ein Steinhaus in der Trankgasse.Hugo Stehkämper, Bürger und Kirchen in Köln im Hochmittelalter, 2007, S. 31 In einer Urkunde vom 25. Juni 1261 über eine Grundstücksübertragung durch das Domkapitel ist von einem Bibliotheksturm in der Trankgasse die Rede.Peter Fuchs (Hrsg.), Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 1, 1990, S. 214 Am 30. März 1266 kaufte der Domkanoniker Walram von Sponheim vom Domkapitel ein Haus in der Trankgasse gegenüber dem Dormitorium.Theodor Josef Lacomblet, Archiv für die Geschichte des Niederrheins, Band 6, 1868, S. 34 Im Jahre 1271 wird erstmals Meister Arnold beim Kauf des Hauses „Drachenfels“ in Nr. 25 als Dombaumeister erwähnt.Herbert Rode, Meister Arnold bereits 1271 Kölner Dombaumeister, in: Kölner Domblatt 21/22, 1963, S. 164 Nach dem Tod seiner Frau verkaufte er das Haus bereits 1274. Ritter Johann von Merheim erhielt 1284 vom Domkapitel ein Haus in der Trankgasse in Erbpacht gegen einen Erbzins von 6 Mark jährlich mit einem Vorkaufsrecht für das Domkapitel.Hugo Böhlau, Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte: Germanistische Abteilung, Band 4, 1863, S. 212 Das Trankgassentor wurde im Jahre 1293 als „turis de Drancgassin“ erstmals namentlich erwähnt.Hermann Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band II, 1910, S. 158, Sp. a

Das Haus in Nr. 2 neben der Pfaffenpforte gehörte 1304 dem Ritter Johann Scherfgen zusammen mit Everhard von Schwan nebst Gattinnen. Im Jahre 1310, „am Tage nach Johannis des Täufers Geburt“, erwarb Meister Johann von Bueren das Haus „Lutzelinburg“ in der Trankgasse von Hermann von Jülich, einem Geistlichen.Bonner Jahrbücher, Bände 72-75, 1882, S. 101 Dieses ging 1333 auf Johannes dictus Roytgin als Mitbesitzer über und hieß nun „Luzzillinburg“.Ludwig Röhrscheid, Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein insbesondere das Alte Erzbistum Köln, Ausgaben 41-60, 1896, S. 239 Roytgin stellte wohl Waffen, und zwar Schwerter, her (). Seit dem 1. Mai 1487 hieß das Haus in der „dranckgassen“ nun „Lutzelenburg“. Nachdem Dombaumeister Nikolaus van Bueren („Meister Claiws von Buere“) im Juli 1433 in der Straße gegenüber dem Nordportal des Domes ein Haus erwarb (heute Trankgasse Nr. 9), belastete er es am 3. August 1433 mit einer Erbrente von 12 Goldgulden.Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande, Bände 75-77, 1883, S. 104 Im Jahre 1445 erbten Conrad Kuenen und Styngin (die Nichte des Dombaumeisters) ¼ dieses neben dem Haus „Groß-Geldern“ gelegenen Hauses, das aus dem Nachlass des am 16. Mai 1445 verstorbenen Dombaumeisters stammte.Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande, Bände 75-77, 1883, S. 115 Inzwischen hatte 1327 Tilmann (Theoderich) von der Trankgasse sein „Haus Ysenburg“ an Gobelin Morart verkauft,Verlag Butzon & Bercker, Bonner Jahrbücher des Rheinischen Landesmuseums in Bonn und des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, Band 74, 1882, S. 105 1330 gab es einen zweiten Hinweis auf den Templerorden in der Trankgasse durch das Haus „Zum neuen Tempel“. Im Jahre 1351 entstand für den Afterdechanten vom Dom ein Bau in der Trankgasse Nr. 9, der 1583 neu errichtet wurde. Der 1370 erstmals bezeugte FrankenturmJürgen Wilhelm, Das große Köln-Lexikon, 2008, S. 148 stand am Ende der Trankgasse neben dem Trankgassentor. Der Schöffe Johann Overstolz lebte mindestens seit 1380 in der Trankgasse, weil er in jenem Jahr 40 Mark für die Wachen während der Fastnachtszeit erhielt.Wolfgang Herborn, Die Geschichte der Kölner Fastnacht von den Anfängen bis 1600, 2009, S. 28 „Haus Schiderich“ in Nr. 13 gehörte Richmodis Schiderich, es wurde am 17. Juli 1397 erstmals urkundlich erwähnt, als die Brüder Indenacker hieran einen Erbzins erwarben.

Im Jahre 1431 wurde der Kölner Dom bereits als Durchgang vom Domhof zur Trankgasse benutzt.Franz Theodor Helmken, Der Dom zu Köln, 1887, Nachdruck 2012, S. 15 Im Jahre 1447 wohnten der Kölner Dombaumeister Konrad Kuene van der Hallen und Gattin Styne im „Haus Mirweiler“ in Nr. 41. Im Jahre 1449 übernahm der spätere „Kölnische Hof“ am westlichen Ende der „Drankgass“ in Nr. 7 nach und nach die Rolle des erzbischöflichen Palastes am Domhof. Dies weist ein Protokoll vom 22. Oktober 1449 nach, als der Kölner Patrizier Hirtzelin im Gebäude mit einer Schadensforderung abgewiesen wurde.Leonard Ennen, Geschichte der Stadt Koeln, Band 3, 1869, S. 405 Am 16. Mai 1485 übergaben Dekan und Kapitel die Domkurie in Nr. 7 an Ulrich Kreidweiß gegen übliche Pacht.

Der Kölnische Hof war inzwischen ab 30. November 1473 Quartier Kaiser Friedrichs und Sohns Maximilian (Kölner Stiftsfehde). Letzterer fand an seinem Quartier jedoch keinen Gefallen, es fand im Gegenteil „der Majestät ganzes Missfallen“.Hans Vogts/Fritz Witt, Kunstdenkmäler der Stadt Köln, in: Paul Clemen: Die profanen Denkmäler, Band II, IV, 1930, S. 342 Die Absicht des Erzbischofs Ernst, den Kölnischen Hof durch den benachbarten „Wittgensteinschen Hof“ zu erweitern, stieß beim Rat der Stadt Köln im Oktober 1584 auf Ablehnung. Nach einem Brandschaden am 9. Januar 1593 berichtete der Kölner Chronist und Ratsherr Hermann von Weinsberg über bauliche Details des frühen Kölnischen Hofes:

Da der Hof auch von dem päpstlichen Nuntius bewohnt wurde, plante man seinen sofortigen Wiederaufbau.

Buchdrucker Erster Buchdrucker in der Straße schien Arnd von Aich gewesen zu sein, dessen zwischen 1514 und 1536 erschienenen Bücher den Hinweis „by Sankt Lubus“ tragen, weil seine Wohnung in der Trankgasse vor St. Lupus lag.Rochus Freiherr von Liliencron/Franz Xaver von Wegele, Allgemeine deutsche Biographie: Van der Aa – Baldamus, Band 1, 1875, S. 165 Um 1518 erschien hier die älteste deutsche Liedersammlung „75 hubscher lieder myt Diskant, Alt, Bas und Tenor“.75 hübsche Lieder für Sopran, Alt, Bass und Tenor In Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570 heißt die Trankgasse „Die dranck gass“. Sie war vom Rheinufer an vollständig bebaut und ging ab der Pfaffenpforte in „Voir St. Andreae“ (heute: Komödienstraße) über. Seit 1597 befand sich die Offizin des Druckers Johann Büreich (Bureckius, Bürich) in der „Dranckgassen“. Büreich arbeitete zuvor in der Druckerei der Nachfahren des Heinrich Quentell. Drucker Wilhelm Friessem war seit 1638 in seiner Offizin „im Bäumgen vor St Paul“ als Buchhändler registriert, seit 1648 firmierte er „zum Erzengel Gabriel in der Tranckgasse“ und entwickelte sich schnell zu einem der größten Druck- und Verlagshäuser und Buchhandelsunternehmen in Köln.Birgit Boge, Literatur für das „Catholische Teutschland“: Das Sortiment der Kölner Offizin Wilhelm Friessem im Zeitraum 1638–1668, 1993, S. 30 f. Noch 1672 weist das von Gaspar Sevenstern verfasste Buch „Societatis Jesu: Cum approbatione et facultate Superiorum“ im Impressum nach, dass es „bei Wilhelm Friessem in der Trankgassen“ erschien.

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