Die St.-Antonius-von-Padua-Kirche in Gąski () wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet und war bis 1945 zentrales Gotteshaus für das evangelische Kirchspiel Gonsken (Herzogskirchen). Sie ist heute römisch-katholische Pfarrkirche für die Pfarrei Gąski.
Geographische Lage Gąski liegt im Osten der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren südwestlich der Kreisstadt Olecko (Marggrabowa, umgangssprachlich auch Oletzko, 1933–1945 Treuburg) an der Landesstraße DK 65 (ehemalige deutsche Reichsstraße 132). Der Standort der Kirche befindet sich in der nördlichen Ortsmitte östlich der Hauptstraße und gegenüber der Einmündung der Straße von Kukówko (Kukowken, 1938–1945 Heinrichstal).
Kirchengebäude Die heutige Kirche entstand in den Jahren 1831 bis 1833 als Nachfolgebau einer 1741 errichteten Holzkirche.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 115, Abb. 522–523. Zunächst noch ohne Turm stand der Kirchbau unter dem Einfluss von Karl Friedrich Schinkel, der zu dieser Zeit Leiter der Oberbaudeputation in Berlin war. (mit historischer Aufnahme der Kirche)
Es handelt sich bei der Kirche um einen massiven Bau, an den man in den Jahren 1908/1909 im Nordwesten einen Turm als Verlängerung der westlichen Giebelwand anfügte. Im Innenraum waren Emporen eingezogen, die auf runden Säulen ruhten. Das Mittelschiff war von einem Tonnengewölbe überdeckt, während die Seiten flach überdacht waren. An der Ostseits stand eine Kanzelwand und auf dem Altar ein eisernes Kruzifix aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die Kirche erhielt eine Orgel, das Geläut bestand aus zwei Glocken.
Nach 1945 wurde die Kirche zwangsenteignet und der Römisch-katholischen Kirche in Polen übertragen. Die Innengestaltung der Kirche wurde daraufhin im Blick auf die Bedürfnisse geänderter liturgischer Zwecke umgestaltet und das Gotteshaus dem Namenspatron Antonius von Padua gewidmet.
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Im Jahr 1741 wurde im damaligen Gonsken eine evangelische Kirchengemeinde gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 484. Noch bis 1749 wurde sie von Stradaunen () aus pfarramtlich betreut, erhielt dann aber eine eigene Pfarrstelle, die bis 1945 ununterbrochen besetzt war. Anfangs war das Kirchspiel Gonsken mit seinen fast 20 Dörfern, Ortschaften und Wohnplätzen in die Inspektion Lyck (polnisch Ełk) eingegliedert.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 44. Bis 1945 gehörte es dann zum Kirchenkreis Oletzko (Treuburg) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Das anfänglich vom König wahrgenommene Kirchenpatronat oblag zuletzt den staatlichen Behörden. Im Jahr 1925 zählte das Kirchspiel Gonsken 3.005 Gemeindeglieder.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung machten nach 1945 evangelisches Gemeindeleben nicht mehr möglich. Die heute in der Region Gąski lebenden evangelischen Kirchenglieder orientieren sich zur Kirchengemeinde in Ełk (Lyck), einer Filialgemeinde der Pfarrei in Pisz () in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte Zum evangelischen Kirchspiel Gonsken (Herzogskirchen) gehörten 18 Dörfer, Ortschaften bzw. Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort.
Ortsname Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Ortsname Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName *Babken Babeck Babki Gąseckie *Kukowken Heinrichstal Kukówko Bartken Bartki Lakommen Łakome Bartkenhof Bartkowski Dwór Leschnicken Kleinheinrichstal Leśniki Dzingellen Dingeln Dzięgiele Oleckie Pomiannen Kelchdorf Pomiany *Gonsken Herzogskirchen Gąski Sabielnen Podersbach Zabielne Groß Gonschorowen Klinken (Ostpr.) Gąsiorowo *Sattycken Satticken Zatyki *Kiöwen Kijewo *Sayden Saiden Zajdy Kiöwenhorst Wólka Kijewska Schlepien Schlöppen Ślepie Klein Gonschorowen Kleinkiöwen Gąsiorówko *Schwiddern Świdry
Pfarrer Zwischen 1741 und 1945 amtierten an der Kirche Gonsken (Herzogskirchen) als evangelische Geistliche:
Christoph Mäding (Stradaunen), 1741–1749 Christoph Tidemann, 1749–1754 Friedrich Ludwig Boretius, 1754–1759 Johann Friedrich Kuleschewius, 1759–1771 Georg Gottfried Salomo, 1771–1777 Karl Heinrich Gregorovius, 1777–1797 Johann Jakob Paulini, 1792–1799 Andreas Frenzel, 1799–1807 Ernst August Frenzel, 1835–1847 Friedrich Ferdinand Kuhr, 1847–1881Angehöriger des Corps Masovia E. Albert Chr. Rud. Sapatka, 1882–1889 Gustav Friedrich Fenselau, 1889–1890 Wladislaus von Przybylski, 1891–1909 Georg Alfred Weinberger, 1909–1911 Otto Arthur Dignatz, ab 1912 Walter Schubert, 1936–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen des Kirchspiels Gonsken (Herzogskirchen) haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. 3. Auflage. Berlin 1992, S. 47. Taufen von 1800 bis 1874 mit Namenslisten.
Römisch-katholisch Bis 1945 waren die zahlenmäßig nur sehr wenigen katholischen Kirchenglieder Gonskens bzw. Herzogskirchens in die Pfarrkirche Marggrabowa (1928–1945 Treuburg, polnisch Olecko) im damaligen Bistum Ermland eingepfarrt. Die Neuansiedlung polnischer und überwiegend katholischer Bürger nach 1945 machte die Gründung einer eigenen Gemeinde in Gąski möglich, wobei das bisher evangelische Gotteshaus in eine katholische Pfarrkirche umgewidmet wurde. Hier besteht jetzt eine eigene Pfarrei, der in Kijewo () eine Filialkirche zugeordnet wurde.
Die Pfarrei () Gąski gehört zum Dekanat Olecko – św. Jana Apostoła im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen.
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1830er Jahren Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Antonius-von-Padua-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Olecko