mini|400px| Das Konzept einer Reichsfestung Belgrad fand 1941 seinen Niederschlag in einer „großen geheimen Denkschrift“ des Staatssekretärs und SS-Brigadeführers Wilhelm Stuckart, in der er „offenbar bereits zwischen SS, Innen- und Außenministerium akkordierte Überlegungen“ zur „Neuordnung des Südostraums“ entwickelt hatte.Arnold Suppan: Hitler-Beneš-Tito. Konflikt, Krieg und Völkermord in Ostmittel- und Südosteuropa. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2014, S. 1030. Das Papier behandelte die „Lage und das zukünftige Schicksal des Deutschtums im ehemaligen jugoslawischen Staatsgebiet“ nach dem Krieg gegen Jugoslawien. Frühe Entwürfe hierzu waren bereits im Jahr 1939 unter Werner Lorenz und der Volksdeutschen Mittelstelle (VoMi) ausgearbeitet worden.Österreichische Osthefte. Band 11–12, Österreichisches Ost- und Südosteuropa-Institut, Arbeitsgemeinschaft Ost, 1969, S. 22.

In Stuckarts Schrift war an ein Projekt des Feldherrn des Habsburgerreiches Eugen von Savoyen („Prinz Eugen“) angeknüpft und vorgeschlagen worden, die Festung von Belgrad zur „deutschen Reichsfestung“ einer neuen NS-deutschen Militärgrenze aufzurüsten, deren Garnisonsbesatzung aus wehrpflichtigen „Volksdeutschen“ des Banater Hinterlandes bestehen sollte. Eine Reichsfestung in der Stadt, für die der Name Prinz-Eugen-StadtErich Später: „Restlos ausgerottet.“ Vor 75 Jahren kapitulierte die Wehrmacht in Belgrad. In: konkret, 2016, S. 26–27.Aleksandar Lebl: Opasno neznanje ili nešto više. In: Danas vom 16. November 2008. Originaltext: „Stvaranje države podunavskih Nemaca, sa „Princojgenštat-om“ (Prinz-Eugen-Stadt, kako bi bilo novo ime Beograda) kao glavnim gradom.“ vorgesehen war, sollte die Vorherrschaft des Dritten Reiches über den Donauraum sicherstellen. In der Literatur wird angenommen, dass „Umsiedlungen von ‚Volksdeutschen‘ in dieses donaudeutsche Staatsgebilde [fraglos] die Konsequenz gewesen [wären]“.Hans-Ulrich Wehler: „Reichsfestung Belgrad.“ S. 73.Hans-Ulrich Wehler: Nationalitätenpolitik in Jugoslawien: die deutsche Minderheit 1918-1978. Vandenhoeck & Ruprecht, 1980, ISBN 3-52501-322-1, S. 71.Theodor Schieder et al.: Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Band V: Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien. S. 79E.

Der spätere „Sonderbeauftragte Südost“ Hermann Neubacher schlug 1941 eine Einbeziehung des Raumes um Belgrad als ein „Eisernes-Tor-Gebiet“ mit einem dort projektierten Kraftwerk für die Energieversorgung und wirtschaftliche Erschließung des Donauraums vor,Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichische Identität. Böhlau, Wien 1981, ISBN 3-20507-155-7, S. 423. jedoch wurden diese Überlegungen 1942 aufgegebenHans-Ulrich Wehler: „Reichsfestung Belgrad.“ S. 79, Fußnote 24. und blieben zusammen mit den anderen Erwägungen „im Bereich utopischer Pläne einer staatlich-wirtschaftlichen Neuordnung des Balkans“.Werner Conze, Adolf Diestelkamp, Rudolf Laun, Peter Rassow, Hans Rothfels und Theodor Schieder: Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Band V: Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien. II. Kapitel: Die Einwirkungen des Krieges auf die Lage des Deutschtums in Jugoslawien, Abschnitt Serbien. In: Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, 1961, S. 59E. Jedoch bildete Belgrad nach seiner Einnahme die Zentrale der deutschen Besatzung Südosteuropas.„Beim Mittagessen [am 29. Juni 1942] erwähnte Hitler, daß seine Wiener Landsleute immer wieder fragten, ob wir denn auch diesmal Belgrad wieder aufgeben wollten? ‚Nachdem wir es nun zum dritten Male hätten erobern müssen, sollten wir’s doch endlich behalten.‘“ → Gerhard Ritter (Hrsg.): Tischgespräche im Führerhauptquartier, 1941-42. Athenäum-Verlag, 1951, S. 101.

Neben der allgemeinen Begeisterung der „Volksdeutschen“ der Region für die Siege der deutschen Truppen, vor allem in der Anfangszeit des Zweiten Weltkrieges,Thomas Casagrande: Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision „Prinz Eugen“. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-59337-234-7, S. 203. verfolgten viele von ihnen auch die Entwicklung der durchgesickerten Ideen reichsdeutscher Dienststellen für ein solches „Schutzgebiet“Holm Sundhaussen: Wirtschaftsgeschichte Kroatiens im nationalsozialistischen Großraum 1941–1945. Das Scheitern einer Ausbeutungsstrategie. Deutsche Verlags-Anstalt, München 1983, ISBN 3-42106-150-5, S. 57. mit großem Interesse, was manche Spekulation gedeihen ließ.Hans-Ulrich Wehler: Nationalitätenpolitik in Jugoslawien: die deutsche Minderheit 1918-1978. S. 51–56. Zur Bezeichnung eines solchen Territoriums kursierten Begriffe wie Prinz-Eugen-Gau,Beim „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich 1938 hatte der österreichische Reichsstatthalter Arthur Seyß-Inquart auf eine autonome Rolle für das annektierte Land gehofft, zu denen auch Raumordnungsprojekte wie ein Prinz-Eugen-Gau und eine Reichsfestung Belgrad gehörten, deren Benennung auf Seyß-Inquart zurückgeht. Adolf Hitler lehnte einen solchen „k. u. k. Reichs-Nationalsozialismus“ ab, da „Geschichte und Kultur den angestrebten Pangermanismus auf österreichischem Gebiet behinderten“.

→ Robert von Dassanowsky: Austrian Cinema: A History. McFarland, 2015, ISBN 1-47662-147-0, S. 89. Originaltext: „Notions of an autonomos role for the annexed Austria, such as the early Ostmark Governor Arthur Seyss-Inquart’s concepts of naming a future district the ‚Prince Eugene Gau‘ […] and the ‚Reich Fortress of Belgrade‘ (conjuring up images of Austro-Hungarian designs in the Balkans) were immediately dispelled by a Habsburg-detesting Hitler who rejected such ‚quasi-imperial and royal [Austrian] National Socialism‘. Nevertheless, Austrias history and culture continued to impede pan-Germanism in the Austrian territory.“ → Robert von Dassanowsky: Phantom Empires: The Novels of Alexander Lernet-Holenia and the Question of Postimperial Austrian Identity Studies in Austrian literature, culture, and thought. Ariadne Press, 1996, ISBN 1-57241-030-2, S. 91. Originaltext: „Arthur Seyss-Inquart even hoped the Anschluss would allow for some cultural autonomy, perhaps a specific Austrian mission. He and the Austrian National Socialists used the specter of Old Austria in plans for a Balkan Reichsfestung Belgrad and a Prinz-Eugen-Gau, but Hitler’s hatred of the Habsburgs and such ‚imperial and royal‘ National Socialism made him reject any cultural or historical excursions into the Austrian past for a German Ostmark.“ Reichsgau Banat,Vgl. den Gedankengang Triskas im Tel. v. 2. 4. 1941 aus Preßburg, P.A., Bd. 230 / 152798, „unter Bedachtnahme der Idee des Reichsgaues Banat“. In: Werner Conze, Adolf Diestelkamp, Rudolf Laun, Peter Rassow, Hans Rothfels und Theodor Schieder: Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Band V: Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien. In: Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, 1961, S. 78E, Fußnote 19. Donauprotektorat, Schwabenland, Donaudeutschland oder Autonomes Siebenbürgen. Ambitionen der „Volksgruppenführung“ unter Josef Janko in „Rumpfserbien“ zur Errichtung eines Banatstaates, eines „autonomen deutschen Gebietes um Belgrad“ unter Einschluss Ostsyrmiens,vgl. Telegr. Rasches an A A v. 23. 4. 1941, P. A., Bd. 245/161795. In: Werner Conze, Adolf Diestelkamp, Rudolf Laun, Peter Rassow, Hans Rothfels und Theodor Schieder: Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Band V: Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien. In: Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, 1961, S. 78E, Fußnote 20. wurden jedoch vom Deutschen Reich „im Keim erstickt“.Klaus Olshausen: Zwischenspiel auf dem Balkan: die deutsche Politik gegenüber Jugoslawien und Griechenland von März bis Juli 1941. Deutsche Verlags-Anstalt, 1973, ISBN 3-42101-642-9, S. 212. Politiker der Anrainerstaaten Königreich Ungarn und Königreich Rumänien nahmen die zirkulierenden Gerüchte mit Argwohn auf.

Geschichte Politische Situation mini|Dreiteilung des Banats von 1920 mini|Situation nach der „Zerschlagung Jugoslawiens“ mini|Die Sprachgruppen Österreich-Ungarns im Jahr 1910 Das Königreich Ungarn hatte mit dem Vertrag von Trianon 1920 Kroatien, Slawonien, Prekmurje (Murgebiet) sowie die Regionen Batschka, Süd-Baranja und das westliche Banat an das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen abtreten müssen. Siebenbürgen mit dem Rest des Banats und Partium fielen an das Königreich Rumänien.

Am 25. März 1941 trat das Königreich Jugoslawien dem Dreimächtepakt bei. Nach einem Putsch serbischer Militärs und Oppositionspolitiker zwei Tage später fasste Adolf Hitler in einer wütenden Reaktion den Entschluss, Jugoslawien „so rasch als möglich“Walther Hubatsch (Hrsg.): Hitlers Weisungen für die Kriegführung 1939–1945. Dokumente des Oberkommandos der Wehrmacht. Frankfurt am Main 1962, S. 106. zu zerschlagen.Michael Portmann: Serbien und Montenegro im Zweiten Weltkrieg 1941–1945. GRIN Verlag, 2006, ISBN 3-63846-093-2, S. 4. Er versprach zum Ausgleich für die Teilnahme Ungarns am Krieg gegen Jugoslawien, der am 6. April begann und am 18. April mit der bedingungslosen Kapitulation Jugoslawiens endete, der Führung des Landes neben dem Murgebiet, der südlichen Baranja und der südlichen Batschka unter anderem auch die serbische Vojvodina mit dem Westbanat.Gyula Borbándi: Zweiter Weltkrieg. S. 254 f. In: Ungarn-Jahrbuch 21 (1993/1994), Verlag Ungarisches Institut, München 1995, ISBN 3-9803045-4-X, 346 S.

Bereits Ende 1939 hatten unter den Donauschwaben Gerüchte über ihre staatliche Zukunft kursiert. Die Auslandsorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei berichtete, „ein sehr großer Teil meine, dass aus den Volksdeutschen in Jugoslawien etwa in der Donauniederung ein deutsches Protektorat errichtet würde.“ Jedoch nur in dem auf „Rumpfserbien“ reduzierten Gebiet mit dem Westbanat, das vom deutschen „Militärbefehlshaber Serbien“ verwaltet wurde, nahmen die „Volksdeutschen“ eine Sonderstellung ein, denn hier wurde die deutsche Minderheit auffällig begünstigt.Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit: Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereichs, Teil 2. Deutsche Verlags-Anstalt, München 1999, ISBN 3-42106-499-7, S. 31. Andere Jugoslawiendeutsche fanden sich nach der Aufteilung des Königreichs in verschiedenen Interessenzonen mit unterschiedlichem staatsrechtlichem Status wieder, denn ihre Siedlungsgebiete standen jetzt unter ungarischer oder kroatischer Hoheit.

Den ungarischen Streitkräften blieb die Besetzung des Westbanats trotz deutscher Zusicherung verwehrt, da Rumänien (durch den Verlust Nordsiebenbürgens an Ungarn durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch vom 30. August 1940 bereits missgestimmt) gegen eine ungarische Besetzung des Gebietes Einspruch erhoben hatte. Hitler gab hier nach, da er eine Eskalation der Feindseligkeiten zwischen Rumänien und Ungarn und damit eine Störung der Vorbereitungen für den Krieg gegen die Sowjetunion zu vermeiden suchte. Ungarn gelang es nicht, Hitler zur Erfüllung seiner Versprechen zu bewegen. Das Deutsche Reich besetzte Ungarn letztendlich am 19. März 1944 in dem Unternehmen Margarethe.

Konzepte für eine „Neuordnung des Südostraums“