Warpuny [] () ist eine Ortschaft in der Woiwodschaft Ermland-Masuren innerhalb der Landgemeinde Sorkwity () im Powiat Mrągowski (Kreis Sensburg), Polen.
Geographische Lage Warpuny liegt am Nordufer des Jezioro Warpuńskie () inmitten der Woiwodschaft Ermland-Masuren, elf Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Mrągowo ().
Geschichte Ortsgründung und -name Die Gründung des Ortes Warpuhnen in Ostpreußen im Quellgebiet der Kruttinna () geht auf den 22. Hochmeister des Deutschen Ordens, Winrich von Kniprode (ca. 1310–1382), zurück, der den örtlichen Grundbesitz des Ordens im Rahmen der Kolonisation aufteilte und am 25. Januar 1373 das Freigut Wersteinen anteilig dem prußischen Edlen Sanglobe und dessen Söhnen Warpune, Medite, Glabune und Permog als Lehen überschrieb.
Geschichtliche Entwicklung Im Jahre 1785 wurde Warpuhnen „ein köllmisch Dorf am See Weiß mit 26 Feuerstellen“ genanntWarpuhnen bei GenWiki. Am 8. April 1874 wurde das Dorf Amtsdorf und damit namensgebend für einen AmtsbezirkRolf Jehke, Amtsbezirk Warpuhnen, der bis 1945 bestand und zum Kreis Sensburg im Regierungsbezirk Gumbinnen (ab 1905: Regierungsbezirk Allenstein) in der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.
Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Warpuhnen gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Warpuhnen stimmten 380 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen keine Stimmen.Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 116
In Kriegsfolge kam 1945 Warpuhnen mit dem gesamten südlichen Ostpreußen zu Polen und erhielt die polnische Namensform „Warpuny“. Heute ist das Dorf Sitz eines Schulzenamtes () und als solches eine Ortschaft im Verbund der Landgemeinde Sorkwity (Sorquitten) im Powiat Mrągowski (Kreis Sensburg), bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugeordnet.
Einwohnerzahlen Jahr Anzahl 1818 191 1839 335 1871 488 1885 533 1905 575 1910 579 1933 573 1939 578 2011 480Wieś Warpuny w liczbach
Amtsbezirk Warpuhnen (1874–1945) Zum Amtsbezirk Warpuhnen gehörten bei seiner Errichtung vier Dörfer, am Ende waren es noch zwei:
Name Geänderter Name1938 bis 1945 Polnischer Name Bemerkungen Bothau Bałowo 1928 in die Gemeinde Sonntag eingegliedert Schellongowken Schillingshöfen Szelągówka 1920 nach Surmowen eingemeindet Sonntag Zyndaki Warpuhnen Warpuny
Am 1. Januar 1945 bildeten lediglich noch die Gemeinden Sonntag und Warpuhnen den Amtsbezirk Warpuhnen.
Kirchen mini|Evangelische Kirche Die evangelische Kirche ist eine 1881/82 als roter Rohziegelbau errichtete Pfarrkirche des 1866 gegründeten evangelischen Kirchspiels mit neugotischen (Strebepfeiler, Turmhelm) und neuromanischen (Rundbogenfenster) Stilelementen. Die katholische Pfarrkirche des 1938 gegründeten katholischen Kirchspiels wurde 1923/24 als neubarocker Putzbau auf hohem Feldsteinsockel errichtet.
Evangelische Kirchengemeinde Kirchengeschichte Um eine bessere seelsorgerische Betreuung der wachsenden Bevölkerung zu gewährleisten, wurden zwischen 1853 und 1893 in Ostpreußen 23 neue Kirchspiele mit eigenen Gotteshäusern gegründet. Das evangelisch-lutherische Kirchspiel Warpuhnen wurde mit Einpfarrungsurkunde vom 17. Juni 1866 aus 18 Ortschaften gegründet, die zuvor in den Kirchspielen Bäslack, Rössel, Bischofsburg, Sorquitten, Sensburg und Seehesten eingepfarrt waren. Warpuhnen gehörte innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen zur Diözese Sensburg im preußischen Regierungsbezirk Gumbinnen (bis 1905) bzw. Allenstein (1905 bis 1945). Der evangelische Gottesdienst fand zunächst in den Schulen von Warpuhnen und den umliegenden Orten statt. Am 17. Juni 1881 erfolgte die Grundsteinlegung für das neue Kirchengebäude, das am 8. August 1882 eingeweiht wurde. Erster Seelsorger der neuen Kirche war Pfarrer Borkowski (1881–1885). Der Gottesdienst wurde auf Deutsch und Polnisch bzw. Masurisch gehalten, das die örtliche Bevölkerung damals überwiegend sprach. Gottesdienste auf Masurisch fanden bis zum Verbot des Masurischen als Kirchensprache Ende 1939 zuletzt – wegen der Verdrängung des Masurischen durch das (Platt-)Deutsche – nur einmal monatlich durch Pfarrer Erich Schimba statt, der bis 1945 auch den deutschsprachigen Gottesdienst hielt. Danach durften Gottesdienste nur noch auf Polnisch abgehalten werden, allerdings ließ es sich die Gemeinde nicht nehmen, die Kirchenlieder weiter auf Deutsch zu singen.Auskunft von Pastor Fryderyk Tegler, Scharnebeck, am 28. Februar 2016. Die seelsorgerische Betreuung erfolgte von Sorquitten aus durch die Pfarrer der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen (Kościół Ewangelicko-Augsburski w Polsce) Alfred Jagucki (1914–2004) und Wilhelm Firla (1915–1990). Als Folge von Krieg, Flucht, Vertreibung und Aussiedlung der deutschen Bevölkerung existiert im heutigen Warpuny (anders als im nahegelegenen Sorkwity) keine eigene evangelische Gemeinde mehr. Während das Kirchspiel in den frühen 1950er Jahren noch mehr als 2.000 Gemeindeglieder zählte (nach über 4.000 vor dem Zweiten Weltkrieg), sank die Zahl seit 1957 durch die möglich gewordene Aussiedlung drastisch und betrug zum Amtsantritt von Pfarrer Mutschmann 1986 nur noch 16.Auskunft von Pfarrer Krzystof Mutschmann, Sorkwity, vom 23. April 2016. Entsprechend schwierig gestalten sich Nutzung und Erhalt der heute zur Diözese Masuren (Diecezja mazurska) gehörenden Kirche. Auf Initiative des Vereins der „Freunde Masurens“ fand am 24. April 2016 ein feierlicher Festgottesdienst zum 150. Gründungsjahr des Kirchspiels statt.
Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Warpuhnen 18 Dörfer, Ortschaften bzw. WohnplätzeWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 501Der * kennzeichnet einen Schulort:
Name Polnischer Name Name Polnischer Name Bothau Bałowo Samkowen Zamkowo *Burschewen1938–1945 Prußhöfen Burszewo *Schellongowken1938–1945 Schillingshöfen Szelągówka Dürwangen Wola *Siemanowen1938–1945 Altensiedel Szymanowo *Giesewen1938–1845 Giesenau Gizewo Sonntag Zyndaki *Gonswen Gązwa *Spiegels–Jeesau Groß Ottern1928–1945 Ottern Otry Spieglowken1938–1945 Spiegelswalde Śpiglówka Klein Ottern Oterki Surmowen1938–1945 Surmau Surmówka Klein Stamm Stamka *Warpuhnen Warpuny *Loszainen1936–1945 Loßainen Łężany *Widrinnen Widryny
Das Kirchspiel Warpuhnen bestand nur bis 1945. Danach wurden die Orte zur Pfarrei Sorkwity überstellt, die jetzt die Kirche Warpuny betreut.
Pfarrer An der evangelischen Kirche Warpuhnen amtierten als Geistliche:
Oskar Adolf Hugo Hensel, 1874–1875 Julius Nieszytka, 1876–1878 Ludwig August Ernst Borkowski, 1881–1885 Franz Theodor Engelhardt, 1886 Paul Gottlieb Kelch, 1887–1900 Johann Franz Pilchowski, 1900–1901 Max Rauer, 1901–1934 Erich Szimba, 1935–1945
Seit 1945 besteht in Warpuny keine eigene Pfarrei mehr. Die Versorgung der Kirche übernehmen die Pfarrer in Sorkwity.
Kirchengebäude Die Kirche stellt mit ihrer originalen Bausubstanz, erhaltenen Ausmalung und Innenausstattung ein einzigartiges bauzeitliches Zeugnis des in der Tradition der Schinkelschen Bauschule stehenden staatlichen preußischen Kirchenbaus im späten 19. Jahrhundert dar. Sie wurde als staatliches Bauwerk durch das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten ausgeführt und dürfte deshalb auf Entwürfen des Kirchenbaurats Friedrich Adler beruhen.Auskunft von Peter Lemburg, Berlin. Adler war Absolvent der Schinkelschule und prägte als langjähriger preußischer Kirchenbaudezernent (1877–1900) maßgeblich das gesamte preußische Sakralbauwesen des späten 19. Jahrhunderts. Nach seinen Skizzen und Entwürfen entstanden mehr als 300 Kirchenbauten, u. a. die Jerusalemer Erlöserkirche, die St.-Peter-u.-Pauls-Kirche in Bromberg (Kościół pw. Piotra i Pawła, Bydgoszcz) und die Berliner Thomas-Kirche.
Baubeschreibung Der Kirchenbau wurde landschaftsbildprägend auf einer zum Großen Sonntagschen See hin abfallenden Anhöhe nach den formalen Vorgaben des Eisenacher Regulativs von 1861 (Ostung der Kirche, länglicher rechteckiger Grundriss, gotische Formensprache, erhöhter Altarraum usw.) errichtet. Die Spitze des achteckigen gotischen Turmhelms ist von einer Weltkugel unter dem Kreuz bekrönt. In der Zeitschrift für Bauwesen von 1881 wird die Ausführung des Bauwerks wie folgt beschrieben: „Die auf Blatt 61Atlas zur Zeitschrift für Bauwesen, Jg. XXXI, Bl. 61. in Grundriss und Giebelansicht dargestellte Kirche in Warpuhnen wird ebenfalls mit Rundungsformen im Rohbau, aber ohne Formziegel, 23 × 12,9 m groß einschiffig ausgeführt. Die Strebepfeiler der Längsfront gehen in Kämpferhöhe neben den gekuppelten Fenstern in Lisenen über; an den Ostgiebel schließen sich Apsis und Sakristei mit Walmdächern an. Der bis zum Kranzgesims 30 m hohe Thurm schließt mit Giebeln ab und wird mit 8seitigem Holzhelm bekrönt. Das Schiff erhält eine Decke wie Nr. 1 [schräg ansteigende Holzdecke] in 8,4 bis 10,4 m Höhe über dem Fußboden“. Die Summe des Kostenanschlags für das Bauwerk ist mit 60.500 Reichsmark beziffert, die Zahl der Sitzplätze wird mit insgesamt 664 angegeben (430 im Schiff, 152 auf der Empore, 82 für Kinder), die Baukosten pro Sitzplatz werden mit 91 Reichsmark ermittelt. mini|Linkes Rundfenster
Innenraum und Ausstattung Die Wände der polygonalen Apsis, die das Kirchenschiff in östlicher Richtung abschließt, sind im oberen Rundbogenbereich jeweils durch buntverglaste Rundfenster (Oculi) akzentuiert. Gewölbter blauer Apsishimmel mit Sternen, Ausmalung des Altarraums mit floraler und geometrischer Ornamentik. Das mittlere Rundfenster der Apsis zeigt ein gleichschenkliges Griechisches Kreuz, das linke Fenster die Inschrift „Ich bin die Wahrheit und das Leben – Moses“, das rechte Fenstermotiv symbolisiert durch Kelch und Ähre das Sakrament des Abendmahls. Weitere ornamentale Fenstermotive sind der christlichen Pflanzensymbolik entnommen: immergrüner Efeu als Symbol von Treue, Unsterblichkeit und ewiges Leben; der Weinstock mit Ranke und Traube als Christus-Symbol. Der Altaraufsatz aus neugotischem Schnitzwerk zeigt im Zentrum die Auferstehung Christi. Motiv und Ausführung des Gemäldes (unleserliche Signatur mit Jahreszahl 1890) gleichen dem Altarbild des damals für seine Christus-Darstellungen berühmten spätnazarenischen evangelischen Kirchenkünstlers Bernhard Plockhorst (1825–1907) in der Berliner Immanuelkirche. Links vom Altar befindet sich die Kanzel mit Treppe, rechts davon der freistehende oktogonale Taufstein mit neugotischem Dekor. Von der Ausstattung sind außerdem die beiden 18-armigen Deckenleuchter, Kruzifix, Antependien und zahlreiche Liedertafeln erhalten. Der Bodenbelag des Kirchenschiffs besteht im Altarraum, Mittel- und Quergang aus quadratischen Terrazzo-Fliesen im Kreuzverband, in den Rand- und Sitzbereichen aus Mauerziegeln im Läuferverband. Emporen auf Holzständern. Die Kirche verfügt über eine Koks-Warmluftheizung, die in den 1930er Jahren zwei bauzeitliche Kohleöfen ersetzt hat.
Orgel miniatur|Empore mit Terletzki-Orgel