mini|Max Mell in Der Bücherwurm 18.1933, S. 167 mini|Max Mell, um 1934 Max Mell (* 10. November 1882 in Marburg an der Drau, Herzogtum Steiermark, Österreich-Ungarn; † 12. Dezember 1971 in Wien) war ein österreichischer Dichter.

Leben mini|hochkant=0.90|Max Mell Gedenktafel an seinem Wohn- und Sterbehaus, Wien 13. Gestiftet von der Josef Weinheber Gesellschaft für ihr Ehrenmitglied mini|hochkant=0.90|Grabstätte von Max Mell

Max Mell war der Sohn des Juristen Alexander Mell und dessen Ehefrau Marie Rocek. Die spätere Burgschauspielerin Mary Mell war seine Schwester. Sein Schwager war der Maler und Bühnenbildner Alexander Demetrius Goltz.

Bereits mit vier Jahren kam Mell 1886 nach Wien, wo sein Vater die Leitung eines Blindenheims übernommen hatte.

Nach einer humanistischen Schulbildung am heutigen Gymnasium Kundmanngasse studierte Mell Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Dieses Studium schloss er 1905 mit einer Dissertation über Wilhelm Waiblinger ab. Bereits während seines Studiums debütierte Mell mit Gedichten. Sein erster publizierter Text erschien 1901 in der Wiener Zeitung.Rebecca Unterberger: Vom Diarium zur Zeitung: Wiener Zeitung auf litkult1920er.aau.at, verfasst März 2017, redaktionell ergänzt Februar 2019

Mell gehörte keinem literarischen Zirkel an und initiierte keine eigene „Schule“. Befreundet war er mit Felix Braun, Hans Carossa, Hugo von Hofmannsthal (langer Briefwechsel) und Anton Wildgans.

Ab 1916 machte Mell den Ersten Weltkrieg als Einjährig-Freiwilliger mit und erlebte anschließend den Zusammenbruch, was ihn stark prägte. Auf Anregung von Viktor von Geramb beschäftigte er sich mit Fest- und Volksschauspielen und erhielt dadurch Anregungen für die eigene literarische Produktion, die Mysterienhaftes mit ausgesprochen Realistischem verknüpfte.

Mell war in den 1930er Jahren ein Anhänger des Austrofaschismus. 1933 trat er mit anderen österreichischen Autoren demonstrativ aus dem P.E.N.-Club aus, da dieser die Bücherverbrennung im Mai 1933 in Deutschland verurteilt hatte, und bekannte sich dadurch zum nationalen Lager. Er avancierte in der Folge 1937 zum Präsidenten des in der Verbotszeit NS-nahen „Bundes deutscher Schriftsteller Österreichs“ und publizierte nach dem „Anschluss Österreichs“ in diversen NS-Anthologien wie dem „Bekenntnisbuch österreichischer Dichter“ 1938,Bund Deutscher Schriftsteller Österreichs (Hg.), Bekenntnisbuch Österreichischer Dichter, Krystall Verlag, Wien 1938 das den „Anschluss“ begeistert begrüßte.Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,2 MB), S. 202f, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013

Mells Verhältnis zum Nationalsozialismus ist jedoch ambivalent zu beurteilen: Die ihm angetragene Leitung der Reichsschrifttumskammer Wien lehnte er ab. 1940 erließ Joseph Goebbels ein Aufführungsverbot für Mells Drama Das Spiel von den deutschen Ahnen sowie im Folgejahr für Sieben gegen Theben. Goebbels widersetzte sich 1940 auch der Zuerkennung des Grillparzer-Preises an Max Mell; nach Fürsprache des Literaturwissenschaftlers Josef Nadler erhielt Mell den Preis schließlich doch.Karin Gradwohl-Schlacher et al.: „Durch unsern Fleiß ward deutsch dies Land und deutsch woll'n wir's bewahren“. Steirische Literatur im Nationalsozialismus. Edition Strahalm, Graz 1988, S. 18. Mell beantragte am 20. Februar 1940 die Aufnahme in die NSDAP, jedoch zog er seinen Aufnahmeantrag am 19. Februar 1942 zurück, als ihm schon eine Mitgliedsnummer und -karte mit Aufnahmedatum 1. Juni 1940 bewilligt war, so dass die Parteimitgliedschaft nicht in Kraft trat.Bundesarchiv R 9361-II/702026 Er unterhielt jedoch weiterhin ein gutes Verhältnis zum Gauleiter Baldur von Schirach, der ihm auch den Ehrenring der Stadt Wien anlässlich seines 60. Geburtstags verlieh. Noch 1944 publizierte er im nationalsozialistischen Bozner Tagblatt.Bozner Tagblatt, Ausgabe vom 28. September 1944, S. 2 (Online bei digital.tessmann.it) Nach Kriegsende wurde Mell von der Registrierungspflicht im Zuge der Entnazifizierung befreit, da er in einem Ansuchen behauptete, dass er die NSDAP-Abzeichen nur als Schutz vor Anfeindungen getragen und etwa den Schriftstellerkollegen Wladimir Hartlieb vor Verfolgung bewahrt sowie der 87-jährigen Baronin Gabriele Oppenheimer bei der Ausreise geholfen habe. Beides konnte er durch Briefe von Hartlieb und Oppenheimer aus dem Jahr 1942 belegen.

Nach 1945 wurde er zu einem der prominentesten Vertreter der katholischen Dichtung in Österreich.

Im 13. Wiener Gemeindebezirk wurde 1985 im Bezirksteil Hacking an der Erzbischofgasse der Max-Mell-Park nach ihm benannt. 2013 wurde im Forschungsbericht Straßennamen Wiens seit 1860 als politische Erinnerungsorte Mells nationalsozialistische Einstellung thematisiert (siehe hier, S. 202). In Graz-Geidorf gab es eine Max-Mell-Allee (u. a. Adresse des Universitäts-Sportzentrums). Eine Kommission der Stadt Graz hat 2018 die dortige Max-Mell-Allee als historisch höchst bedenklich eingestuft. 2022 wurde entschieden, die Max-Mell-Allee in Oktavia-Aigner-Rollet-Allee umzubenennen. Sie war eine der ersten Frauen, welche in Graz ein Medizin-Studium abschloss.

Max Mells letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32C, Nummer 58) in einem Ehrengrab der Stadt Wien.

Auszeichnungen

1914 Bauernfeld-Preis 1927 Literaturpreis der Stadt Wien 1929 Grillparzer-Preis 1929 Heidelberger Dramatikerpreis 1935 Burgtheater-Ring 1937 Wolfgang-Amadeus-Mozart-Preis der Goethe-Stiftung 1940 Grillparzer-Preis 1942 Ehrenring der Stadt Wien 1951 Peter-Rosegger-Preis 1954 Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur 1956 Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1957 Adalbert-Stifter-Medaille 1959 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst Grillparzer-Ring

Werke (in Auswahl)

Lyrik

Das bekränzte Jahr, 1911 Gedichte, 1919 Gedichte, 1929

Erzählungen und Novellen

Lateinische Erzählungen, 1904 Die drei Grazien des Traumes, 1906 Jägerhaussage und andere Novellen, 1910 Barbara Naderers Viehstand, 1914 Die Brille, 1916 Hans Hochgedacht und sein Weib, 1920 Die Osterfeier, Novelle in Versen, 1921 Morgenwege, Erzählungen und Legenden, 1924 Mein Bruder und ich, 1933 Das Donauweibchen, 1938 Adelbert Stifter, 1939 Steirischer Lobgesang, 1939

Theaterstücke

Wiener Kripperl von 1919, 1921 Das Schutzengelspiel, 1923 Das Apostelspiel, 1925 Das Nachfolge-Christi-Spiel, 1927 Sieben gegen Theben, 1931 Das Spiel von den deutschen Ahnen, 1935 Der Nibelungen Not, 1944 Jeanne d’Arc, 1956

Filmografie Cordula, 1950 Frühlingsstimmen, 1951 Das Apostelspiel (TV), 1954 Jeanne d’Arc (TV), 1959 Das Apostelspiel (TV), 1959 De apostelen (TV), 1963 Das Apostelspiel (TV), 1963 Das Apostelspiel (TV), 1965

Als Herausgeber

Heldentaten der Deutschmeister 1697–1914. Insel Verlag, Leipzig 1915 (= Österreichische Bibliothek. Band 2) Die österreichischen Lande im Gedicht. Insel Verlag, Leipzig 1915 (= Österreichische Bibliothek. Band 14).

Literatur

Peter Autengruber: Schriftsteller. In: Peter Autengruber, Birgit Nemec, Oliver Rathkolb, Florian Wenninger (Hrsg.): Umstrittene Wiener Straßennamen. Ein kritisches Lesebuch. Wien/Graz/Klagenfurt 2014, S. 172–209 (Digitalisat online im Austria-Forum). Begegnung mit Max Mell, hrsg. v. Margret Dietrich u. Heinz Kindermann. Böhlau, Wien u. a. 1982, ISBN 3-205-07192-1. Christoph Heinrich Binder: Max Mell. Beiträge zu seinem Leben und Werk (= Arbeiten aus der Steiermärkischen Landesbibliothek. Band 16). Steiermärkische Landesregierung, Graz 1978. Christoph Heinrich Binder: Großdeutsche Sehnsüchte und nationalsozialistische Wirklichkeit. Max Mells Haltung in den Jahren 1933 bis 1945. In: Blätter für Heimatkunde. Band 63, Graz 1989, Heft I, 3-9 (PDF-Datei auf historischerverein-stmk.at).

Isolde Emich: Max Mell. Der Dichter und sein Werk. Versuch einer Deutung. Amandus-Verlag, Wien 1957. Vajda György: Mells Jeanne d’Arc und Paul Claudel. In: Karlheinz F. Auckenthaler (Hrsg.): Numinoses und Heiliges in der österreichischen Literatur (= New Yorker Beiträge zur österreichischen Literaturgeschichte. Band 3). Lang, Bern u. a. 1995, ISBN 3-906753-88-3. Paul Anton Keller: Dreigestirn. Josef Weinheber, Max Mell, Josef Friedrich Perkonig. Begegnungen, Erinnerungen. Verlag Bertl Petrei, Maria-Rain 1963. Renée Liliane Stahel: Max Mells Tragödien. Juris Dr. u. Verlag, Zürich 1967. Tragik und Harmonie, hrsg. v. Christoph Heinrich Binder. Böhlau, Wien u. a. 1984, ISBN 3-205-07239-1.

Zeit der Befreiung. Wiener Theater nach 1945. Hrsg. v. Hilde Haider-Pregler u. a. Picus, Wien 1997, ISBN 3-85452-413-7. Jan Zimmermann: Die Kulturpreise der Stiftung F.V.S. 1935 - 1945. Darstellung und Dokumentation. Hrsg. von der Alfred-Toepfer-Stiftung F.V.S. Christians, Hamburg 2000.

Weblinks

Briefwechsel mit Arthur Schnitzler: Arthur Schnitzler – Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Hrsg. Martin Anton Müller, Gerd-Hermann Susen, Laura Untner online

Einzelnachweise

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