Lion – Der lange Weg nach Hause ist ein US-amerikanisches Filmdrama des Regisseurs Garth Davis aus dem Jahr 2016. Der Film feierte im Rahmen des Toronto International Film Festivals 2016 seine Premiere und kam am 25. November 2016 in die US-amerikanischen Kinos. Der Film basiert auf dem Roman Lion: Der lange Weg nach Hause von Saroo Brierley aus dem Jahr 2014, in dem der Autor seine eigene Lebensgeschichte niederschrieb.

Im Rahmen der Oscarverleihung 2017 erhielt Lion in sechs Kategorien eine Nominierung, darunter als Bester Film und für das Beste adaptierte Drehbuch.

Handlung Im Jahr 1986 lebt der fünfjährige Saroo in einem kleinen Dorf bei Khandwa in Indien mit seiner Mutter Kamla, seinem älteren Bruder Guddu und seiner jüngeren Schwester Shekila in armen Verhältnissen. Sie ernähren sich durch Hilfsarbeiten und kleinere Gaunereien.

Eines Tages überredet er Guddu, den er bewundert, dass dieser ihn zu einer nächtlichen Arbeit mitnimmt. Als Saroo müde wird, soll er auf einem Bahnsteig auf Guddu warten, doch als dieser bis zum nächsten Abend nicht erscheint, steigt Saroo in einen leeren Zug und schläft dort weiter. Als er aufwacht, ist der Zug losgefahren, erst im 1600 Kilometer entfernten Kalkutta kann Saroo aussteigen.

In Kalkutta wird Bengalisch gesprochen, doch Saroo spricht nur Hindi, kennt seinen Familiennamen nicht und spricht den Namen seines Wohnortes ungewöhnlich aus. So kann ihm niemand helfen, zurück nach Hause zu kommen. Saroo lebt auf der Straße, entkommt mehrmals knapp Kinderfängern und wird schließlich in einem lieblosen Waisenhaus untergebracht, von wo er 1987 von einer wohlwollenden Aktivistin an australische Adoptiveltern vermittelt wird. Sue und John Brierley geben dem Jungen in Tasmanien ein liebevolles Zuhause.

mini|hochkant=1.2|Durch Jalebi, eine indische Süßigkeit, wird Saroo an seine frühere Heimat erinnert 20 Jahre darauf ist Saroo zu einem jungen Mann herangewachsen, der seine Adoptiveltern aufrichtig liebt und eine Ausbildung zum Hotelmanager anstrebt. Auf einer Party erinnert ihn die indische Süßigkeit Jalebi an seine Kindheit und weckt die lange verdrängte Frage nach seiner Herkunft neu. Ihm wird bewusst, dass er noch eine weitere Mutter hat, die ihn vermisst. Mit Hilfe von Google Earth und Recherchen versucht er nun, den Abfahrtsort des Zuges zu ermitteln, der ihn nach Kalkutta gebracht hat. Davon sagt er zunächst weder seinen Adoptiveltern noch seiner Freundin Lucy etwas, um nicht undankbar zu erscheinen. Nach jahrelanger erfolgloser Suche trifft er in Google Earth auf eine vertraute Landschaft, folgt einer Bahnlinie und erkennt den Wasserturm des Bahnhofs wieder, wo er auf Guddu gewartet hat, von da aus findet er endlich sein Heimatdorf.

Er beschließt, nach Indien zu reisen und seine ursprüngliche Familie aufzusuchen, ohne zu wissen, ob sie noch lebt. Seiner Adoptivmutter erzählt er davon erst kurz vorher; entgegen seiner Erwartung zeigt sie Verständnis. In Indien findet Saroo die Behausung seiner Kindheit wieder, die in einen Ziegenstall umfunktioniert wurde. Dessen Besitzer kann ihn zu seiner Mutter führen, die ihn überwältigt begrüßt. Auch seine kleine Schwester lebt noch, Guddu aber ist in der Nacht, in der Saroo davongefahren ist, tödlich verunglückt. Zudem erfährt er, dass er seinen eigenen Namen falsch ausspricht – eigentlich heißt er „Sheru“, was „Löwe“ bedeutet.

Am Ende zeigen dokumentarische Aufnahmen, dass ein Jahr später auch seine Adoptiveltern Saroos indische Heimat besuchen und seine Mutter begrüßen.

Produktion Hintergrund mini|hochkant=1.2|Am Bahnhof von Khandwa stieg Saroo als Fünfjähriger in einen Zug Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Saroo Brierley war als Fünfjähriger wirklich in einen Zug eingestiegen und erwachte 14 Stunden später in der ihm fremden Stadt Kalkutta. Dort hatte er sich zunächst wochenlang mit Bettelei über Wasser gehalten, bis er in ein Waisenhaus kam. Weil er weder den Namen der Stadt wusste, aus der er stammte, noch einen Familiennamen nennen konnte, wurde der Junge zur Adoption freigegeben. Das Ehepaar, das ihn adoptierte, lebte in Tasmanien, wohin sie ihn mitnahmen.

Saroo, der noch heute in der Firma seiner Eltern arbeitet, fing als Erwachsener an, mithilfe von Google Earth nach seiner früheren Heimat zu suchen. Er suchte die Aufnahmen von ganz Indien nach Anhaltspunkten ab und berechnete schließlich, wie weit er in jener Nacht wohl gefahren sein könnte. Schließlich zog er einen entsprechend weiten Kreis um Kalkutta und kam so zu dem Ort Khandwa in Zentralindien. Saroo zoomte in die Karte hinein und erkannte vieles wieder, darunter auch einen Springbrunnen, an dem er als Kind gespielt hatte.Saroo Brierley: A Long Way Home. A Memoir. Penguin 2014 (E-Book, Version 1, sine pagina). Nachdem er im Jahr 2012 seine Familie in Indien wiedergefunden hatte, veröffentlichte Brierley 2014 den Roman A Long Way Home, in dem er seine Lebensgeschichte niederschrieb. In: heute.at vom 24. August 2014. Das Buch erschien unter dem Titel Mein langer Weg nach Hause auch in deutscher Sprache.Mein langer Weg nach Hause In: ullsteinbuchverlage.de. Abgerufen am 7. August 2016.

Stab und Besetzung Die Regie übernahm der Australier Garth Davis. Die filmische Adaption des Romans stammt vom Drehbuchschreiber Luke Davies.

Der Schauspieler Dev Patel, mit dem bereits vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten Probeaufnahmen stattfanden'Lion', Starring Dev Patel, Nicole Kidman, and Rooney Mara, Notches Four Golden Globe Nominations (Including Best Picture) and Zurich Film Festival Diversity in Film Award In: Vanity Fair, 29. Dezember 2016., ist im Film in der Rolle von Saroo im Erwachsenenalter zu sehen. Als Kind wird Saroo von Sunny Pawar gespielt. Nicole Kidman und David Wenham übernahmen die Rollen seiner australischen Adoptiveltern Sue und John Brierley. Im Juli 2015 wurde die Besetzung von Lucy mit Rooney Mara bekannt, die im Film Saroos Freundin spielt.Alex Ritman: Rooney Mara Joins Weinstein Co.'s 'Lion' Alongside Nicole Kidman and Dev Patel In: The Hollywood Reporter, 7. April 2015. Abhishek Bharate übernahm im Film die Rolle seines leiblichen Bruders Guddu Khan, Divian Ladwa als Mantosh Brierley die Rolle seines Adoptivbruders und Pallavi Sharda die der indischen Studentin Prama. Die Rolle von Kamla Munshi, Saroos leiblicher Mutter, wurde mit Priyanka Bose besetzt. Deepti Naval spielt Saroj Sood, die Gründerin der indischen Adoptionsbehörde ISSA. Tannishtha Chatterjee ist in der Rolle von Noor und Nawazuddin Siddiqui in der Rolle von Rama zu sehen.

Iain Canning, einer der Produzenten des Films, sagte über die Besetzung der Hauptrolle mit Patel: „Dev bringt eine unglaubliche Tiefe in diese Rolle, die über alles hinausgeht, was wir bisher von ihm gesehen haben.“ Viele der anderen Schlüsselrollen wurden mit erfahrenen indischen Schauspielern besetzt. So ist Siddiqui, der im Film in der Rolle von Rama zu sehen ist, einer der größten Filmstars Indiens und wurde vielfach ausgezeichnet. Auch Bose, Chatterjee und Naval sind als Schauspieler in Indien hoch angesehen. Jadhav, der im Film den jungen Mantosh spielt, ist ein indischer Junge, der an einer von einer NGO betriebenen Schule entdeckt wurde. Ladwa ist hingegen wie Patel Brite.

Synchronisation Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Michael Schlimgen und Christoph Cierpka im Auftrag der Scalamedia GmbH, Berlin, wobei Cierpka auch die Dialogregie übernahm. Es existieren eine komplett synchronisierte und eine teilsynchronisierte Fassung. Für das Kino wurden lediglich die englischsprachigen Dialoge synchronisiert, während jene in Hindi und Bengali untertitelt wurden. Für die TV-Ausstrahlung wurde der Film hingegen komplett synchronisiert.Lion – Der lange Weg nach Hause. In: blu-ray-rezensionen.net. Abgerufen am 19. August 2019. Lion – packendes Filmdrama um einen unfreiwilligen Ausreißer

Schauspieler Rolle Synchronsprecher Dev Patel Saroo Brierley Tino Mewes Sunny Pawar Saroo als Junge Anshumali Dhillon Nicole Kidman Sue Brierley Petra Barthel David Wenham John Brierley Michael Lott Rooney Mara Lucy Kaya Marie Möller Pallavi Sharda Prama Shanti Chakraborty Abhishek Bharate Guddu Khan Divian Ladwa Mantosh Brierley Marios Gavrilis Priyanka Bose Kamla Munshi Deepti Naval Saroj Sood Mala Bose Tannishtha Chatterjee Noor Ana Purwa Nawazuddin Siddiqui Rama Emilie Cocquerel Annika Jessica Walther-Gabory Arka Das Sami Imtiaz Haque Keshav Jadhav Mantosh als Junge Ishaan Dhillon

Dreharbeiten Die Dreharbeiten fanden in Indien und ab April 2015 in Australien, unter anderem in Melbourne und Hobart statt. Insgesamt dauerten die Dreharbeiten 53 Tage.Brian Brooks: 'Lion' For Thanksgiving? Dev Patel, Nicole Kidman & Rooney Mara Star In Awards Hopeful – Specialty B.O. Preview In: deadline.com, 23. November 2016.

In den ersten sechs Wochen fanden die Dreharbeiten in Indien statt, so in der Industriestadt Indore und in Kalkutta in Westbengalen, wo man an der Howrah Junction Railway Station drehteCailey Rizzo: Where 'Lion' Shot All Those Incredible Tasmanian Scenes In: travelandleisure.com. Abgerufen am 7. Januar 2017., dem ältesten Bahnhof der Stadt und dem größten Komplex innerhalb des indischen Eisenbahnsystems, der sich einige Kilometer westlich des Zentrums der indischen Großstadt befindet und Ankunftsort der wichtigsten Züge von Süden und Westen ist. Diesen verglichen die Produzenten des Films mit dem New Yorker Grand Central Terminal, allerdings würden an der Howrah Station täglich Millionen von Menschen abgefertigt. Weitere Aufnahmen entstanden dort an der Howrah Bridge, die über den Hugli Kalkutta mit Howrah verbindet und als eines der Weltwunder Indiens gilt, das von Menschenhand geschaffen wurde.

Im zweiten Teil des Produktionsprozesses wurden die Dreharbeiten auf der Insel Tasmanien fortgeführt, die sich im Süden Australiens befindet. Die dortigen Dreharbeiten erstreckten sich über viereinhalb Wochen. Im April 2015 erfolgten an acht Tagen Aufnahmen in Hobart, der Hauptstadt von Tasmanien, die im Film zu Saroos neuer Heimatstadt wird.Emma Hope: Oscars buzz starts early for Saroo Brierley’s blockbuster biopic Lion In: couriermail.com.au, 2. September 2016. Am nahe der Hafenstadt gelegenen Mount Wellington wurde die Szene gedreht, in der Saroo und Lucy auf die Stadt Hobart blicken. Am Marion Bay erfolgten die Aufnahmen der Szene, in der die Familie am Strand Cricket spielt. Weitere Drehorte in Tasmanien waren die Bruny Island südöstlich von Tasmanien, die im Überflug gefilmt wurde, der Recherche Bay an der Südküste Tasmaniens und Cape Hauy, das die äußerste Spitze der Insel bildet.Cailey Rizzo: Where 'Lion' Shot All Those Incredible Tasmanian Scenes In: travelandleisure.com. Abgerufen am 7. Januar 2017.

Filmmusik und Marketing

Die Filmmusik wurde von Dustin O’Halloran und Volker Bertelmann alias Hauschka komponiert, die gut miteinander befreundet sind. Der Regisseur Garth Davis hatte nach zwei verschiedenen Komponisten gesucht, die für die Filmmusik der beiden Hälften, in die Lion aufgeteilt ist, verantwortlich sind. Davis wollte Hauschka für die erste Hälfte des Films, weil dessen Musik eine große Menge kindlicher Elemente aufweist und eine gewisse Kühnheit zum Ausdruck bringt. O’Halloran übernahm die Komposition der Filmmusik in der zweiten Hälfte des Films, der von einer eher emotionalen Geschichte geprägt ist. Hauschka und O’Halloran arbeiteten anfänglich getrennt voneinander in ihren jeweiligen Studios in Düsseldorf und Los Angeles und setzten sich erst später zusammen, um ihre Ideen zusammenzubringen.Jon Burlingame: Unusual Musical Approaches Pay Dividends for 'Moonlight', 'Nocturnal Animals', 'Lion' In: Variety, 1. Dezember 2016. Insgesamt hatten Hauschka und O’Halloran sechs Monate an der Musik für den schon so gut wie fertigen Film gearbeitet.