Copán war eine im heutigen Staat Honduras gelegene bedeutende Stadt der Maya während der klassischen Periode (etwa 250 bis 900). Im 8. Jahrhundert erlebte sie ihre Blütezeit, wurde bald darauf jedoch verlassen und verfiel, wie die meisten anderen Maya-Städte im Tiefland der Halbinsel Yucatán.

Die Ruinenstätte wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts erforscht und gehört seit 1980 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Wie der historische Name der Stadt lautete, ist noch nicht vollständig geklärt.vgl. Grube 2000, S. 120.

Geographische Lage mini|Die Lage von Copán Die Ruinenstätte von Copán liegt im Tal des Río Copán im äußersten Westen von Honduras unweit der heutigen Stadt San José de Copán im Departamento Copán auf etwa 600 Metern über dem Meeresspiegel; die Stadt befindet sich somit am östlichen Rand des von den Maya bewohnten Gebiets. Entlang des Flusses erstrecken sich fünf kleine Ebenen, deren größte mit etwa 13 Quadratkilometern die sogenannte Copán Pocket ist, in der auch die Stadt liegt. Flankiert wird das Tal von bis zu 2000 Meter hohen Bergen, die es von zerstörerischen Wettereinflüssen, etwa großen Wirbelstürmen, weitgehend abschirmen. Diese Lage verhindert auch, dass schwüle Luftströmungen die Region erreichen, was zu einem gemäßigt heißen Tropenklima führt. Im ehemaligen Gebiet der Maya kam dies in nur wenigen Städten vor, etwa in Toniná oder Chinkultic.

Der Río Copán stellte nicht nur die Wasserversorgung sicher, sondern überflutete die Copán Pocket bis ins 8. nachchristliche Jahrhundert hineinvgl. Fash 1991, S. 37. jedes Jahr und erneuerte durch die Ablagerungen die Bodenfruchtbarkeit. Kaum einen halben Kilometer vom Zentrum der Stadt entfernt befindet sich ein Vorkommen von grünem Tuffstein, der an dieser Stelle von verhältnismäßig stabiler Konsistenz ist. Aus diesem Material fertigten die Maya die unzähligen Stelen und Skulpturen; auch Gebäude wurden damit errichtet. In der weiteren Umgebung gibt es die größte Fundstätte von Jade in ganz Mesoamerika sowie ein kleines Obsidianvorkommen. Diese beiden Materialien nutzten die Einwohner zur Herstellung von Schmuck und Werkzeugen. Außerdem wurde noch eine Fundstätte von Granit für die Herstellung von Mahlsteinen sowie eine Lehmgrube für Keramiken benutzt. Für die Maya bot das Tal also eine Vielzahl von Vorteilen, die den Aufstieg Copáns begünstigten.

Die Stadt Copán wird durch die im Zentrum gelegene „Hauptgruppe“ dominiert, eine zentral gelegene Ansammlung von Gebäuden und auch Gebäudekomplexen mit einer Fläche von rund 12 Hektar. Sie wird wiederum durch eine große freie Fläche in eine nördliche und eine südliche Hälfte geteilt. Der nördliche Teil umfasst mit drei Stufenreihen, an die sich mehrere Plattformen anschließen, den „Großen Platz“, auf dem mehrere Stelen mit in Maya-Hieroglyphen verfassten Inschriften stehen. Die sogenannte Akropolis bildet dagegen neben einigen kleineren Bauten den Südteil der Hauptgruppe und besteht aus einer Vielzahl von Terrassen und Plattformen, auf denen sich wiederum weitere Gebäude erheben. Von der großen Fläche, die die Hauptgruppe teilt, führen zwei mit Kalk bedeckte Dammstraßen (Sacbeob) in nord-südlicher und ost-westlicher Richtung zu vier großen Wohngebieten, die vor allem von Adeligen bewohnt wurden. Dort lebte auch deren Hofstaat und eine Vielzahl von Handwerkern; der Herrscher der Stadt wohnte allerdings in seiner Residenz in der Hauptgruppe. Das einfache Volk besaß als Unterkünfte nur einfache Pfahlbauten. mini|Modelldarstellung der Hauptgruppe: der südliche Teil (links) ist durch den Großen Platz von der Akropolis und den ihr angeschlossenen Gebäuden getrennt. Die Anordnung der Gebäude und Komplexe nach dem viergeteilten Schema spiegelt das Weltbild der Maya wider. Die vier Wohnbezirke stellen die vier Himmelsrichtungen dar; die Dammstraßen selbst symbolisieren die Achsen des Kosmos, wobei besonders auf die Ost-West-Achse Wert gelegt wurde. Durch die Anlage der Herrscherresidenz im Zentrum wurde auf den speziellen Status des Königs als Bewahrer der Harmonie von göttlicher und menschlicher Welt hingewiesen. Die Stadt, mit der Hauptgruppe als Zentrum, ist damit nicht nur eine Wiedergabe der Ordnung des Kosmos, sondern auch der irdischen Welt. Die Ausrichtung nach dem Weltbild bestimmte auch die Errichtung von Gebäuden oder einzelnen Räumen. Dieses Schema ist mit einigen Variationen in fast allen Maya-Städten erkennbar, doch in Copán gilt es als besonders ausgeprägt.vgl. Grube 2000, S. 290.

Da Copán durch seine Lage eine Art Außenposten des Maya-Gebietes darstellte, fand dort ein reger Warenhandel statt. Handwerker stellten Schmuck aus Muscheln und Obsidianklingen her, der vor allem an Städte im Norden geliefert wurde. Bemerkenswert hierbei ist, dass es im ganzen Maya-Gebiet kein einziges großes Obsidianvorkommen gibt; das Material wurde vor allem aus der zentralmexikanischen Stadt Teotihuacán eingeführt. Der Einfluss dieser Metropole zeigt sich in vielen klassischen Städten der Maya und beschränkte sich nicht nur auf wirtschaftliche Aspekte, sondern lässt sich auch in Kunst und Architektur erkennen. Inwieweit dieser Einfluss nur durch Handel zustande kam oder auch durch militärische Eroberungen, ist bislang nicht vollständig geklärt. Zumindest für Tikal ist eine solche Eroberung für das Jahr 378 nach Christus erwiesen.vgl. Grube 2000, S. 159.

Im Folgenden sollen die wichtigsten Strukturen, Gebäude und Monumente näher beschrieben werden. Freilich gibt es in Copán sehr viel mehr Bauten als die unten beschriebenen, doch soll hier nur ein Überblick gegeben werden. Für detaillierte Informationen über die anderen Bauwerke sei auf die am Ende des Artikels angegebene Literaturliste und die Weblinks verwiesen.

Die Akropolis Den Großteil der südlichen Hälfte der Hauptgruppe nimmt die fast exakt in Nord-Süd-Richtung ausgerichtete Akropolis ein. Sie hat einen annähernd rechteckigen Grundriss und war zur Zeit der Maya das religiöse und politische Zentrum der Stadt. Die Akropolis ist ein Konglomerat aus vielen einzelnen Gebäuden, Plattformen und Terrassen, die alle zu verschiedenen Zeiten errichtet wurden. Die meisten Bauten sind um zwei Plätze gruppiert, den östlichen und den westlichen Hof, zwischen denen sich der massive Tempel 16 erhebt. Im Süden schließt sich eine Ansammlung von wesentlich kleineren Wohnhäusern an, die einen Platz umschließen, der von den Bewohnern der heutigen Siedlung El Cemeterio („Der Friedhof“) genannt wird. Diesen Namen erhielt er, nachdem Forscher von der Carnegie Institution of Washington dort mehrere Gräber von Bewohnern der Wohnhäuser entdeckt hatten.

Mit der Errichtung der ersten Bauten der heutigen Akropolis wurde etwa 400 nach Christus begonnen. Im Laufe der Zeit wurden alte Gebäude niedergerissen oder von neueren und größeren überbaut, bis schließlich mit der Errichtung von Tempel 16 um 800 nach Christus der heute sichtbare Gebäudekomplex mit seinen Innenhöfen entstanden war. In heutiger Zeit bemühen sich die Archäologen, besonders die überbauten und somit heute verborgenen Bauten zu erforschen, um auch Erkenntnisse über die Frühzeit Copáns, also auch die Zeit der Präklassik, zu erlangen, da erwartet wird, dass sich darunter noch Hinweise auf zahlreiche frühere Strukturen verbergen. Allerdings hat der Río Copán im Laufe der Zeit besonders den östlichen Teil der Akropolis unterhöhlt und somit einige Bauwerke dort zerstört.

Die Akropolis beheimatete nicht nur den Verwaltungsapparat und die Residenz des Ajaw, sondern stellte in der Gesamtheit seiner Gebäude ein Spiegelbild der Maya-Mythologie dar. Ein Beispiel dafür ist etwa der am östlichen Innenhof gelegene Tempel 22, der zu Beginn des 8. Jahrhunderts errichtet wurde und den Berg Mo' Witz darstellt, den Ort, an dem nach einer Legende der Mais erschaffen wurde und der auch Sitz einer Schutzgottheit der Stadt Copán ist.

Der Ballspielplatz mini|Der große Ballspielplatz von der Akropolis gesehen Der Spielplatz von Copán für das mesoamerikanische Ballspiel ist nach der Anlage in Chichén Itzá der zweitgrößte, der je im Gebiet der Maya entdeckt wurde. Er liegt in der freien Fläche, die die beiden Hälften der Hauptgruppe trennt. Sein Spielfeld wird von zwei aus Tuffstein errichteten Böschungen so eingegrenzt, dass es ungefähr die Form des römischen Buchstaben „I“ einnimmt. An jede Böschung grenzt etwas erhöht je ein Gebäude an, das möglicherweise als Aufenthaltsraum für Zuschauer gedacht war.vgl. Grube 2000, S. 191. Entlang der Längsachse des Spielfeldes sind drei steinerne Markiersteine in den Boden eingelassen.

Die Bewohner der Stadt legten den ersten Ballspielplatz bereits im 5. Jahrhundert nach Christus unter dem ersten König Copáns an. Er wurde mehrere Male überbaut; der heutige Platz stammt aus dem frühen 8. Jahrhundert, der Zeit von König „18 Kaninchen“. Auch diese Anlage weist auf einen zentralen Mythos der Maya hin, nämlich den Ursprung des Ballspiels. Auf dem nördlichen Markierstein sind die beiden Brüder Junajpu und Xb’alanke zu sehen, die mythischen ersten Ballspieler, die in der Unterwelt gegen die Götter antraten und durch eine List siegten. Auch der gegenüberliegende Stein zeigt eine Szene aus dieser Geschichte, während sich 18 Kaninchen auf dem mittleren Markierstein als Ballspieler im Wettstreit gegen die Götter abbilden ließ. Der gesamte Ballspielplatz symbolisierte somit einen Eingang zur Unterwelt.

Tempel 26 mini|hochkant|Die Hieroglyphentreppe Am Nordrand der Akropolis steht der zwischen 738 und 756 erbaute Tempel 26. Diese Stufenpyramide ist vor allem wegen der Hieroglyphentreppe bekannt, die an der Frontseite zu dem kleinen Heiligtum an der Spitze des Tempels führt. Die 2200 Hieroglyphenblöcke, verteilt auf 55 Stufen, berichten von der Geschichte Copáns, beginnend mit dem Begründer der Herrscherlinie der Stadt. Die Treppe stellt in ihrer Gesamtheit den längsten in Stein gemeißelten Text in Maya-Schrift dar.vgl. Riese 2006, S. 85.

Im Treppenaufgang stehen sechs Figuren, die Könige von Copán darstellen. Sie tragen jedoch, anders als auf früheren Statuen, die Tracht der Krieger der zu diesem Zeitpunkt schon untergegangenen Stadt Teotihuacán. Erstmals tritt hier der bislang vorherrschende mythologische Aspekt zugunsten einer kriegerischen Darstellung in den Hintergrund, vermutlich aufgrund des einige Jahre vor dem Baubeginn erfolgten Überfalls der Stadt Quiriguá.vgl. Grube 2000, S. 110. Auch das Heiligtum am oberen Ende der Treppe weist auf einen wieder erstarkten kulturellen Einfluss Teotihuacáns hin, denn in ihm befinden sich zwei Inschriften aus dem Jahr 751, wobei ähnlich wie beim Stein von Rosette derselbe Text zweimal in verschiedenen Sprachen verfasst wurde, einerseits in der Schrift der Maya, andererseits in den Hieroglyphen von Teotihuacán.

Wie so viele andere Tempel überdeckt auch hier der heutige Bau einige ältere Tempel. So entstand das erste Bauwerk am Ort von Tempel 26, der sogenannte „Papagayo“, gegen Mitte des 5. Jahrhunderts. Dieses ließ der vierte König von Copán zum Teil einreißen und mit einem Tempel überbauen, der um 600 wiederum überbaut wurde. Es folgte noch ein weiterer Bau darüber, bis schließlich der heute sichtbare Tempel 26 entstanden war.

Im 16. oder 17. Jahrhundert wurde der gesamte Tempel durch ein Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen. Dabei gerieten alle Stufen über der 15. Stufe wie ein Erdrutsch in Bewegung. Die Zeichen der höheren Stufen sind heute willkürlich eingesetzt, der Text dieses Teils der Inschrift ist nicht mehr zu rekonstruieren. Unter dem Tempel selbst fand man auch einige Gräber aus der frühen Klassik, aber die Grabstätte von K’ahk’ Yipyaj Chan K’awiil, dem Herrscher, unter dem das Gebäude fertiggestellt wurde, wurde bis jetzt noch nicht entdeckt. mini|hochkant|Stele A, errichtet 731 von Waxaklajuun Ub'aah K'awiil

Altar Q mini|links|Altar Q