mini|300px|Vikernes während seiner Haft; März 2009 Varg Vikernes bzw. nach Namensänderung Louis CachetKjetil Kolsrud: Vikernes skylder fortsatt millioner for nedbrente kirker i Norge. Aftenposten, 16. Juli 2013; abgerufen am 30. Juli 2014, „Ifølge folkeregisteret, er hans nye navn «Louis Cachet».“Neo-Nazi Sympathiser Vikernes Arrested in France. The Nordic Page, 16. Juli 2013; abgerufen am 30. Juli 2014, „He also officially changed his name to a French name, Louis Cachet.“ (* 11. Februar 1973 als Kristian Vikernes in Bergen, NorwegenBurzum and Varg Vikernes biography.), auch bekannt unter seinem früheren Pseudonym Greifi Grishnackh (bzw. übersetzt zu „Count“ Grishnackh) oder der von der norwegischen Presse verwendeten Bezeichnung Greven („der Graf“), ist ein norwegischer Musiker, Autor, Webvideoproduzent und verurteilter Mörder. Er ist Gründer der Metal- und Ambient-Ein-Mann-Band Burzum und als Autor und Aktivist ein Vertreter eines rechtsextrem ausgelegten Neuheidentums. Von 1993 bis 2009 verbüßte er wegen des Mordes an dem Black-Metal-Musiker Øystein „Euronymous“ Aarseth und mehrerer Kirchenbrandstiftungen eine Haftstrafe.
Leben Musikalisches Schaffen bis 1993 Vor Burzum gründete Vikernes zusammen mit zwei Freunden zunächst die Band Kalashnikov (später umbenannt in Uruk-Hai). Nach deren Auflösung spielte er unter anderem mit Olve „Abbath“ Eikemo (später bei Immortal) in der Death-Metal-Band Old Funeral. Er behauptet jedoch, sich nicht als Teil der Band gefühlt zu haben und nur Gastmusiker gewesen zu sein. Darüber hinaus spielte er mit Eikemo in einem Projekt namens Satanel. Dieser führte Vikernes auch in die Szene ein.
Vikernes freundete sich mit dem Mayhem-Gitarristen Øystein „Euronymous“ Aarseth an und sandte dessen Bandkollegen Per Yngve „Dead“ Ohlin Munition zu. 1991 erschoss sich dieser; gemäß Lords of Chaos gab Vikernes an, dass er Dead die Munition zugesandt habe, die dieser bei seinem Suizid benutzte.Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of ChaosVenice: Feral House 1998, S. 57. Zwischen 1991 und 1993 (nach Deads Suizid und bis zu dem Mord an Euronymous) spielte Vikernes selbst Bass bei Mayhem und ist auf dem Album De Mysteriis Dom Sathanas zu hören. Vikernes behauptete im Nachhinein, niemals wirklich Bassist der Band gewesen zu sein. Während dieser Zeit veröffentlichte er auch das Debütalbum und die Aske-EP seiner Band Burzum auf Euronymous’ Label Deathlike Silence Productions (DSP). Frühen Interviews zufolge war er mit DSP zufriedenInterview with Burzum, inzwischen behauptet er das Gegenteil. Während dieser Zeit erlangte er Aufmerksamkeit durch sein Auftreten gegenüber der Presse, mehrere Fälle von Kirchenbrandstiftung, verbale Angriffe gegen andere Black-Metal-Bands wie Profanatica, die Beteiligung an einem Anschlag auf Christofer Johnsson von der abwertend als „Life Metal“ bezeichneten Band Therion,Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos: The Bloody Rise of the Satanic Metal Underground. Feral House 1998, ISBN 0-922915-48-2, S. 91. und eine Briefbombe, die an die israelische Band Salem gerichtet war.
1993 stand ein Wechsel Burzums zu Earache Records zur Diskussion. Vikernes traf sich deshalb mit den Labelinhabern in England, nach seiner Rückreise entschieden diese sich allerdings aufgrund seiner rassistischen und rechtsextremen Äußerungen dagegen.Burzum signs with Earache? Vikernes gründete sein eigenes Label Cymophane Productions (von altgriechisch κῦμα und -φανής abgeleitet, siehe Kymophan) und veröffentlichte über dieses im August 1993 sein zweites Album. Im selben Monat wurde er auch wegen des Mordes an Euronymous verhaftet.
Mord an Euronymous und Inhaftierung Vikernes wurde 1994 wegen Mordes an Øystein Aarseth, Brandstiftung an drei norwegischen Kirchen, versuchter Brandstiftung an einer weiteren Kirche sowie Besitzes von Waffen und Sprengstoff (mit dem er laut der Presse den Nidarosdom, eigenen Angaben zufolge das Blitz House und das norwegische Parlament sprengen wollteFritt forum / Norsk blad interview, abgerufen am 3. Dezember 2012.) zur Höchststrafe von 21 Jahren Haft verurteilt. Der Mord an Aarseth war in eigenen Worten eine Vorsichtsmaßnahme, um zu verhindern, dass Aarseth seine eigenen Mordpläne an Vikernes würde umsetzen können. So sei es Vikernes gelungen, sich erfolgreich gegen Aarseths Angriff mit einem Messer zur Wehr zu setzen. Vikernes habe dann den fliehenden Aarseth getötet.Varg Vikernes: Interview with Varg Vikernes (March 1998), by Björn Hallberg. burzum.org (englisch); abgerufen am 7. Oktober 2023 Eine Beteiligung Vikernes’ an der Brandstiftung der berühmten Stabkirche Fantoft, die er sich selbst (angeblich zur Erregung von AufmerksamkeitMarco Lockhorts: Nifelheim magazine interview, abgerufen am 3. Dezember 2012.) zuschriebSatan Rides The Media, abgerufen am 3. Dezember 2012. und deren Überreste auf dem Cover der Burzum-EP Aske zu sehen sind, konnte vor Gericht nicht nachgewiesen werden.
Nach seiner Inhaftierung wurde Cymophane Productions vom Slayer-Herausgeber Metalion weitergeführtOvl. Svithjod: Burzum. Up From The Ashes ~ Or Into a Prison? In: A 1000 Years.. ...of lost pride and dignity. The Epitaph for religious propaganda, Nr. 1, abgerufen am 3. Dezember 2012. und vom französischen Filosofem-Herausgeber Wiking Herske und Baron von Abaddon von Black Funeral aus den USA unterstützt. 1998 bestritt Vikernes jedwede Mitwirkung Metalions an Cymophane.
Er schrieb für die Band Darkthrone die Texte zu Graven tåkeheimens saler, I en hall med flesk og mjød, As Flittermice as Satans Spys, En ås i dype skogen (auf dem Album Transilvanian Hunger zu finden) und Quintessence (auf dem nachfolgenden Album Panzerfaust).
Seine Zeit in Haft nutzte er darüber hinaus für weitere Aufnahmen seines Projekts Burzum, welche jedoch dem Ambient zuzuordnen sind, was Vikernes damit begründete, dass er sich mit dem Black Metal nicht mehr verbunden fühle und Metal „fremde“ Musik mit Wurzeln in der „Nigger-Musik“ (siehe auch Negermusik) sei (er gab jedoch auch bekannt, sollte er nach seiner Freilassung weitere Alben aufnehmen, würden diese stilistisch wieder den alten Veröffentlichungen ähneln.Interview mit Varg Vikernes), aber auch für das Verfassen mehrerer Bücher, am bekanntesten wohl Vargsmål, mit dem er begann, sich „im großen Stil“ offen politischen Themen zuzuwenden. Seine weiteren Bücher befassen sich mit dem Heidentum, ebenso zahlreiche Artikel auf seiner Internetseite.
1997 plante eine Gruppe norwegischer Rechtsextremisten, die sich als „Einsatzgruppe“ bezeichnete, Vikernes aus dem Gefängnis zu befreien. Zu dieser Zeit erschien auch ein Burzum-T-Shirt mit einem SS-Totenkopf und dem Aufdruck Support your local Einsatzkommando.
Ein Fluchtversuch im Jahr 2003, an dessen Ende Vikernes mit einem Automatik-Gewehr AG 3 und 700 Schuss Munition bewaffnet aufgegriffen wurde, führte zu einer Verlängerung der Haftstrafe um 13 Monate. Nach eigenen Angaben hatte Vikernes eine Flucht seit 1999 geplant, um mit den serbischen Streitkräften gegen „NATO-Verbrecher“ und Muslime in Albanien und der Türkei zu kämpfen.
Zeit nach der Entlassung Vikernes wurde am 24. Mai 2009 auf Bewährung aus der Haft entlassen. Zuvor gab er an, er werde mit seiner Familie in die Telemark auf einen Bauernhof ziehen und dort arbeiten, Musik schaffen und Bücher schreiben. Außerdem sagte er im März 2009, dass er seit langem keinen Kontakt mit rechtsextremen Gruppierungen mehr gehabt habe. Das norwegische Justizministerium befürchtete hingegen, Vikernes werde nicht in der Lage sein, sich außerhalb des Gefängnisses zurechtzufinden. Nach Angaben des Ministeriums hatte er durchaus Bindungen zu Neonazi-Gruppen,Convicted Murderer VARG VIKERNES To Be Released From Prison. eigenen Angaben zufolge ist er nach wie vor Rassist.Varg Vikernes im Interview mit dem Dagbladet, zitiert nach Blabbermouth.net
Der offiziellen Seite zufolge lebt Vikernes mit seiner Familie auf einem Bauernhof in der Telemark und arbeitet an einem neuen Buch. Ein neues Burzum-Album namens Belus, das stilistisch den frühen Werken ähnelt, erschien am 8. März 2010. 2012 wurde berichtet, dass der Hof, den Vikernes’ Mutter 2006 erworben hatte, verkauft wurde; Vikernes soll mit seiner französischen Ehefrau und den gemeinsamen Kindern nach Frankreich gezogen sein und auch seinen Namen geändert haben.. Neben seiner Musikkarriere betrieb Vikernes seit 2012 den YouTube-Kanal ThuleanPerspective, auf dem er von 2015 bis zum Juni 2019 regelmäßig Videos veröffentlichte. Diese drehten sich hauptsächlich um seine metaphorische Interpretation europäisch-heidnischer Mythen, Reinkarnation und seine politischen Ansichten. Am 5. Juni 2019 wurde der Kanal im Rahmen einer Aktion gegen Hassrede und Verschwörungstheorien von YouTube gelöscht.
Im März 2013 veröffentlichte Vikernes den von seiner Ehefrau Marie Cachet produzierten Dokumentarfilm Forebears über prähistorische Bärenkulte in Europa zur Zeit der NeandertalerForebears, abgerufen am 14. Juni 2013. und deren seiner Ansicht nach bestehende Verbindung mit Autismus.Inside the Wild World of Varg Vikernes, Vice, 18. Juli 2013. Der Soundtrack zum Film im Synthesizer-Ambient-Stil erschien unter dem Titel Sôl Austan, Mâni Vestan. 2014 erschien mit The Ways of Yore ein weiteres Album, welches den musikalischen Weg des Vorgängeralbums fortführte. 2015 folgten vier Singles.
Anfang Juni 2018 erklärte Vikernes Burzum für beendet, da er mit seiner Vergangenheit abschließen wolle.
Seit 2025 erstellt Vikernes AI-generierte Musik unter dem Projektnamen Hyperborea Rising.Burzum, pubblicato un nuovo album con l'AI come Hyperborea Rising - metal.it
Erneute Festnahme in Frankreich 2013 und Verfahren 2014 Am Morgen des 16. Juli wurde Varg Vikernes zusammen mit seiner Frau Marie Cachet unter dem Verdacht, ein „Massaker“Un néo-nazi norvégien interpellé en Corrèze. rtl.fr, 16. Juli 2013 (französisch) geplant zu haben, auf seiner Farm in der Nähe von Salon-la-Tour festgenommen.Varg Vikernes er pågrepet i Frankrike. Han skal være mistenkt for planlegging av en massakre. auf aftenposten.no, 16. Juli 2013 (norwegisch)Varg Vikernes Arrested In France For Allegedly Planning A ‘Massacre’. blabbermouth.com, 16. Juli 2013 (englisch) In dem Zusammenhang wurde bekannt, dass Vikernes im Juli 2011 einer der Empfänger des Manifests A European Declaration of Independence war, das Anders Behring Breivik vor seinen Anschlägen am 22. Juli 2011 verschickte. Vikernes stritt dies später in seinem Blog ab. Im Hinblick auf Breivik sagte er, dieser hätte „statt Norwegern besser Juden töten sollen“. Bei der Durchsuchung seines Anwesens wurden fünf Feuerwaffen im Haus der Familie gefunden, vier davon hatte Cachet zuvor legal mit ihrer Erwerbserlaubnis erworben. Sie war zum Festnahmezeitpunkt mit dem vierten Kind schwanger.
Von seinen Nachbarn wurde er als zurückgezogener, aber friedlicher Familienmensch beschrieben. Auffällig sei gewesen, dass Vikernes meistens in Tarnkleidung herumlief und nur schlecht Französisch sprach.VARG VIKERNES Was a 'Family Man' Who Lived A Peaceful Life With His Wife And Children, 17. Juli 2013, abgerufen am 18. Juli 2013. Aufgefallen war Vikernes, nachdem er rassistische Kommentare in Internetforen abgegeben hatte.VARG VIKERNES' Former Lawyer Says Evidence Is 'Thin' In Case Against BURZUM Mastermind, 17. Juli 2013, abgerufen am 18. Juli 2013.
In der Nacht auf Donnerstag, den 17. Juli 2013, wurde Vikernes aus dem Gefängnis entlassen. Nach Aussagen seines Anwalts stellte sich der Verdacht auf Planung terroristischer Angriffe als unbegründet heraus. Vikernes wolle nur in Frieden mit seiner Familie leben, die Waffen habe das Paar legal für Freizeitaktivitäten erworben.VARG VIKERNES And Wife Released From Custody auf blabbermouth.com, 18. Juli 2013, abgerufen am 15. August 2013.