Das Gymnasium der Diözese Eisenstadt Wolfgarten ist eine katholische Privatschule der Diözese Eisenstadt und befindet sich am Nordrand der Stadtgemeinde Eisenstadt im Burgenland.
Geschichte Das Gebäude wurde nach den Plänen des Architekten Ladislaus Hruska errichtet, die Grundsteinlegung erfolgte am 3. Oktober 1959.Nikolaus Bencsics und Matthias Skarics: Chronik. In: Gerald Tarnai, Matthias Skarics und Nikolaus Bencsics (Hrsg.): 20 Jahre Bildungs- und Erziehungsstätte Wolfgarten 1960–1980. Katholisches Schülerheim der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 1980, ohne Seitennummerierung. Beim Areal, auf dem das Schulgebäude zu stehen kam, handelte es sich um den einstigen Obst- und Gemüsegarten der jüdischen Familie Wolf – daher der bis heute beibehaltene Name Wolfgarten.Jüdisch-katholische (Liebes)-Geschichte – Gymnasium Wolfgarten Artikel vom 16. Jänner 2022 auf martinus.at, abgerufen am 17. Juli 2024. Am 11. September 1960 wurde das Gebäude in Anwesenheit von Diözesanbischof Stefan László geweiht und von der Katholischen Lehrerbildungsanstalt (LBA) bezogen, die zuvor im Haus der Begegnung Eisenstadt untergebracht war. Die Katholische Lehrerbildungsanstalt schloss mit Matura ab. Es handelte sich um eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht. In der LBA im Wolfgarten wurden nur Burschen unterrichtet, denn die Mädchen waren in der Lehrerbildungsanstalt Theresianum Eisenstadt untergebracht. Über die üblichen Gymnasialfächer hinaus wurde in der LBA großer Wert auf die Pflege der musikalischen und künstlerischen Komponente gelegt. Im beigeordneten Internat herrschte eine strenge Heimordnung mit Gottesdiensten, fixen Studierzeiten und allabendlicher Nachtruhe um 21 Uhr.Nikolaus Bencsics: Bildungsstätte Wolfgarten. In: Gerald Tarnai (Hrsg.): 30 Jahre Wolfgarten. Von der Katholischen Lehrerbildungsanstalt zum Gymnasium der Diözese Eisenstadt. Gymnasium der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 1990, ohne Seitennummerierung.Josef Mayer (Hrsg.): Gymnasium fünfundzwanzig – Wolfgarten 50. Gymnasium der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 2010, S. 27. Für die Haushaltsführung in der Katholischen Lehrerbildungsanstalt war die Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser zuständig.Einsatzorte unserer Schwestern In: sdr.or.at, abgerufen am 29. März 2026.
miniatur|Ab dem Schuljahr 1968/69 war die Schule im Gebäude der neuen Pädagogischen Akademie (PÄDAK) untergebracht (das Gebäude im Wolfgarten fungierte sodann als Katholisches Schülerheim). 1963 erfolgte, bedingt durch die gesetzliche Auflösung der Lehrerbildungsanstalten, die Weiterführung als fünfjähriges Musisch-pädagogisches Realgymnasium (vulgo MUPÄD) und die Projektierung einer Pädagogischen Akademie. Die auslaufende Katholische Lehrerbildungsanstalt wurde 1967 eingestellt, in diesem Jahr maturierte der letzte Jahrgang an dieser Bildungsstätte, im Folgenden wurde die Lehrerausbildung in der Pädagogischen Akademie (PÄDAK) fortgeführt.Nikolaus Bencsics: Bildungsstätte Wolfgarten. In: Gerald Tarnai (Hrsg.): 30 Jahre Wolfgarten. Von der Katholischen Lehrerbildungsanstalt zum Gymnasium der Diözese Eisenstadt. Gymnasium der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 1990, ohne Seitennummerierung. Ab dem Schuljahr 1968/69 war das Musisch-pädagogische Realgymnasium im benachbarten Gebäude der neuen Pädagogischen Akademie, die dort zu diesem Zeitpunkt ebenfalls mit ihrem Studienbetrieb begann, untergebracht. In diesem – 1966 bis 1968 nach Plänen des Architekten Josef Patzelt errichteten – großzügig dimensionierten Gebäude war nun auch ein moderner Turnsaal vorhanden, wohingegen es zuvor im alten Gebäude im Wolfgarten nur eine „Turnkammer“ gegeben hatte.Ehemalige PÄDAK als Kreativwerkstatt für Studierende Artikel vom 18. April 2018 auf martinus.at, abgerufen am 14. Juli 2024. Großes Entwerfen Denkmalpflege und Entwurf: Strategien der Erhaltung auf tiss.tuwien.ac.at, abgerufen am 14. Juli 2024. Thomas Orovits: Der Eisenstädter Wolfgarten als Standort für ein Pflegeheim In: Kurier, Online-Version vom 7. Februar 2020, abgerufen am 14. Juli 2024.Gerhard Simetits: Erinnerungen und Eindrücke. In: Gerald Tarnai, Matthias Skarics und Nikolaus Bencsics (Hrsg.): 20 Jahre Bildungs- und Erziehungsstätte Wolfgarten 1960–1980. Katholisches Schülerheim der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 1980, ohne Seitennummerierung. Das ehemaltige Schulgebäude im Wolfgarten wurde fortan als Katholisches Schülerheim betrieben, wobei es dort ein Vollinternat und ein Halbinternat gab. Die Schüler waren forciert, in einer dieser beiden Formen auch das Internat zu besuchen.Vgl. Gerald Tarnai: Gedanken zur katholischen Internatsschule. In: Gerald Tarnai, Matthias Skarics und Nikolaus Bencsics (Hrsg.): 20 Jahre Bildungs- und Erziehungsstätte Wolfgarten 1960–1980. Katholisches Schülerheim der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 1980, ohne Seitennummerierung. War das Musisch-pädagogische Realgymnasium bis zum Schuljahr 1970/71 fünfjährig geführt worden, so wurde es ab dem folgenden Schuljahr vierjährig fortgeführt.
Ab 1976 hatte die im Gebäude der Pädagogischen Akademie untergebrachte Schule die Bezeichnung Oberstufenrealgymnasium der Diözese Eisenstadt (ORG), das ebenfalls vierjährig bis zur Matura geführt wurde.Roland Widder (Hrsg.): Burgenland. Vom Grenzland im Osten zum Tor in den Westen. Wien/Köln/Weimar 2000, ISBN 3-205-98786-1, S. 87 (online). Während bis dahin in der unter verschiedenen Bezeichnungen von der Diözese Eisenstadt betriebenen AHS-Form nur Burschen unterrichtet worden waren,Eine Ausnahme stellte der in den Jahren 1966 und 1967 außertourlich angebotene Einjährige Maturantenlehrgang dar, den sowohl Burschen als auch Mädchen absolvierten. Hinsichtlich des 1968 letztmalig an der Schule angebotenen Einjährigen Maturantenlehrgangs gab es einen separaten „Lehrgang A“ für Mädchen und einen „Lehrgang B“ für Burschen. Vgl. Die Maturanten und Maturantinnen unserer Schule. In: Gerald Tarnai (Hrsg.): 40 Jahre Wolfgarten. Gymnasium der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 2000, ohne Seitennummerierung. wurde die Bildungseinrichtung ab dem Schuljahr 1982/83 im Sinne der Koedukation auch für Mädchen geöffnet.Josef Mayer (Hrsg.): Gymnasium fünfundzwanzig – Wolfgarten 50. Gymnasium der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 2010, S. 28.
1985 wurde im bisherigen Internatgebäude im Wolfgarten mit dem achtjährigen Gymnasium in koedukativer Langform begonnen. Das vormalige Heimgebäude war zuvor umfassend umgestaltet worden. Das Oberstufenrealgymnasium wurde übergangsweise bis 1992 weitergeführt.Die Langform als Gymnasium begann 1985 und hatte die erste Matura 1993. Im Jahr zuvor war das Oberstufenrealgymnasium ausgelaufen. Vgl. Claudia Schneider: Gerald Tarnai – Lehrer, Direktor und Zeitzeuge der burgenländischen Schulgeschichte. Ein Gespräch. In: phpublico. Fachzeitschrift für Bildung und Erziehung, Heft 8, Dezember 2021, S. 32–36, hier S. 35 (pdf).Nikolaus Bencsics: Bildungsstätte Wolfgarten. In: Gerald Tarnai (Hrsg.): 30 Jahre Wolfgarten. Von der Katholischen Lehrerbildungsanstalt zum Gymnasium der Diözese Eisenstadt. Gymnasium der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 1990, ohne Seitennummerierung.Josef Mayer (Hrsg.): Gymnasium fünfundzwanzig – Wolfgarten 50. Gymnasium der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 2010, S. 4 und 28. Zugleich mit der Inbetriebnahme des adaptierten Gebäudes im Wolfgarten war die Schule auf Gymnasium und Oberstufenrealgymnasium der Diözese Eisensatdt umbenannt worden.Gerald Tarnai: Der Weg von der katholischen LBA zum ORG und Gymnasium der Diözese Eisenstadt. In: Edmund Zimmermann (Hrsg.): Schule zwischen Tradition und Fortschritt. Die AHS im Burgenland 1969/70–1989/90. Eine Dokumentation unter Mitarbeit des Pädagogischen Institutes, der Direktoren, Fachinspektoren und Leiter der Landes-Arbeitsgemeinschaften. Rötzer, Eisenstadt 1990, S. 159. Seit dem Auslaufen des Oberstufenrealgymnasiums firmiert die Schule unter dem Namen Gymnasium der Diözese Eisenstadt Wolfgarten. Der Turnsaal wird von den Schülern und Lehrern des Gymnasiums im ansonsten seit 2008 ungenutzten GebäudeSeit der im Zuge der Etablierung der neuen Pädagogischen Hochschulen erfolgten Unterbringung im Industriegebiet von Eisenstadt steht das Gebäude der ehemaligen Pädagogischen Akademie (PÄDAK) leer. Vgl. Ehemalige PÄDAK als Kreativwerkstatt für Studierende Artikel vom 18. April 2018 auf martinus.at, abgerufen am 14. Juli 2024. der ehemaligen Pädagogischen Akademie (die nun an einem anderen Eisenstädter Standort als Private Pädagogische Hochschule Burgenland firmiert) frequentiert.
Besonderheiten des Schulgebäudes im Wolfgarten Der Maler Giselbert Hoke schuf sechs Wandgemälde in den Foyers vom Erdgeschoß bis zum zweiten Obergeschoß. Die Gemälde stehen unter Denkmalschutz (). Hoke erhielt den Auftrag für die Wandgemälde durch die Unterstützung des Malers Josef Dobrowsky innerhalb einer von der Apostolischen Administratur Burgenland einberufenen Jury, der unter anderem der bedeutende Kunsthistoriker Otto Benesch und der kunstverständige Priester Monsignore Otto Mauer angehörten. Dobrowsky konnte seinen Favoriten erst nach intensiver Kontroverse mit Otto Mauer durchsetzen. Die sechs Wandgemälde sind auf jeweils zwei im rechten Winkel zusammenlaufende Wände des Foyers aufgeteilt und umgeben damit einen zentralen, allgemeinen Aufenthaltsbereich. Die Bildfelder erstrecken sich über die gesamte Raumhöhe von 2,9 Meter und weisen eine Breite zwischen etwa 4 bis 5,5 Meter auf. Das ikonographische Konzept des unter dem Einfluss der klassischen Moderne stehenden Künstlers Hoke (eine konkrete inhaltliche Vorgabe seitens des Auftraggebers gab es nicht) geht von traditionellen biblischen Inhalten und Motiven des Neuen Testaments aus. Die Restaurierung der Wandgemälde wurde gegen Ende der 2000er-Jahre von Hokes Tochter vorgenommen. Bundesdenkmalamt, Denkmal des Monats April 2010.
Für die Nutzung des vormaligen Internatgebäudes im Wolfgarten als Gymnasium ab 1985 wurden teilweise Zwischenwände entfernt und ein zweites Stiegenhaus angebaut. 2013 erfolgte eine umfassende Generalsanierung.Claudia Schneider: Gerald Tarnai – Lehrer, Direktor und Zeitzeuge der burgenländischen Schulgeschichte. Ein Gespräch. In: phpublico. Fachzeitschrift für Bildung und Erziehung, Heft 8, Dezember 2021, S. 35 (pdf).
Wechselnde Schulbezeichnungen und Unterbringung im Überblick von bis Bezeichnung Unterbringung der Schule 1960–1967 Katholische Lehrerbildungsanstalt Schulgebäude Wolfgarten 1963–1976 Musisch-pädagogisches Realgymnasiumder Diözese Eisenstadt Schulgebäude Wolfgartenab 1968: PÄDAK-Gebäude 1976–1985 Oberstufenrealgymnasiumder Diözese Eisenstadt PÄDAK-Gebäude 1985–1992 Gymnasium und Oberstufenrealgymnasiumder Diözese Eisenstadt Schulgebäude Wolfgarten seit 1992 Gymnasiumder Diözese Eisenstadt Wolfgarten Schulgebäude Wolfgarten
Schulpartnerschaft Seit 1996 mit dem katholischen Privatgymnasium Apor Vilmos Iskolaközpont in Győr
Leitung
1960–1967: Eduard FoltinDirektoren. In: Gerald Tarnai, Matthias Skarics und Nikolaus Bencsics (Hrsg.): 20 Jahre Bildungs- und Erziehungsstätte Wolfgarten 1960–1980. Katholisches Schülerheim der Diözese, Wolfgarten, Eisenstadt 1980, ohne Seitennummerierung. 1967–1968: Anton Wellansich 1968–1974: Johann Haider 1974–2000: Gerald TarnaiGerald Tarnai auf oesterreichwiki.org, abgerufen am 24. Oktober 2024.Omas Lungenbraten. Radiosendung über Gerald Tarnais neu erschienenes Buch Von Lehrern, Schülern und anderen Menschen in der Sendereihe Mahlzeit Burgenland von Radio Burgenland. In: bglv1.orf.at, 13. Dezember 2004, abgerufen am 4. November 2020 (web.archive.org). 2000–2020: Josef Mayer 2020–2026: Andrea Berger-Gruber Nachdem sie seit der Abberufung von Direktor Josef Mayer zunächst interimistisch die Leitung übernommen hatte, wurde Andrea Berger-Gruber ab September 2021 zur Direktorin bestellt. Vgl. Personalia: Andrea Berger-Gruber ab September Direktorin des Gymnasiums Wolfgarten In: martinus.at, 25. Mai 2021, abgerufen am 18. Juli 2024.