Der Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) ist ein wissenschaftspolitisches Beratungsgremium, das Bund und Länder in Fragen der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Informationsinfrastrukturen berät. Die 24 ehrenamtlich tätigen Mitglieder werden von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) berufen.

Der RfII begleitet die Entwicklung des deutschen Wissenschaftssystems im Bereich der Informationsinfrastrukturen im digitalen Zeitalter. Ziel ist die Gestaltung zukunftsfähiger Informationsinfrastrukturen und -dienstleistungen für die Wissenschaft. Im Fokus der digitalen Transformation der Wissenschaft stehen neue Forschungs- und Publikationsformen, der möglichst offene Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, die Entwicklung innovativer Werkzeuge und Services sowie die Qualifizierung von Fachpersonal. Der RfII soll als Koordinationsgremium Synergiepotenziale aufzeigen und die Verzahnung der Aktivitäten in diesem Bereich verbessern.

Organisation Die Ratsmitglieder repräsentieren ein breites Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen, Einrichtungen und Institutionen (Stakeholder): 8 Vertretungen der wissenschaftlichen Nutzer, 8 Vertretungen von Einrichtungen der Informationsinfrastrukturen, 4 Vertretungen von Bund und Ländern, 4 Vertretungen des öffentlichen Lebens. Für die ersten 16 Vertretungen erfolgt eine Benennung analog zum Benennungsverfahren für Mitglieder des Wissenschaftsrates. Für die weiteren 8 Vertretungen liegt das Vorschlagsrecht bei Bund und Ländern in der GWK.

Zum ersten Ratsvorsitzenden wurde Otto Rienhoff gewählt, seine Stellvertreterin war bis 2016 Sabine Brünger-Weilandt. Im Anschluss übernahm Petra Gehring den stellvertretenden Vorsitz. Im November 2017 wurde Petra Gehring zur neuen Vorsitzenden gewählt, zum stellvertretenden Vorsitzenden Stefan Liebig. Im November 2018 sowie im November 2020 wurden die Vorsitzenden Petra Gehring und Stefan Liebig jeweils für eine weitere Amtszeit bestätigt und der Vorsitz um Lars Bernard als zusätzlichen Stellvertreter ergänzt. Nach dem Ausscheiden von Stefan Liebig zum Ende der zweiten Mandatsphase wurde Barbara Helwing zum Start der dritten Mandatsphase als neue Stellvertretung gewählt, während Petra Gehring und Lars Bernard erneut im Amt bestätigt wurden. Im Februar 2026 wählte der RfII Barbara Helwing als neue Ratsvorsitzende und Petra Gehring sowie Katrin Stump als stellvertretende Vorsitzende.

Die administrative Betreuung des RfII erfolgt durch eine von Bund und Ländern finanzierte Geschäftsstelle. Trägerin der 2014 eingerichteten Geschäftsstelle ist die Georg-August-Universität Göttingen.;

Aktuelle Mitglieder Stakeholdergruppe Name Institution Wissenschaftliche NutzerMarion AlbersUniversität Hamburg, RechtswissenschaftenStefan DeckerFraunhofer FIT und RWTH AachenPetra GehringTU Darmstadt, PhilosophieKurt KremerMPI für Polymerforschung, MainzAnne Lauber-RönsbergTechnische Universität Dresden Bettina Klingbeil (BMBF) und Anne Lauber-Rönsberg (TU Dresden) neue Mitglieder im Rat für Informationsinfrastrukturen, 12. Juli 2023, abgerufen am 12. Juli 2023. Astrid LambrechtForschungszentrum Jülich Stefanie Speidel Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) Abteilung für Translationale Chirurgische OnkologieRat für Informationsinfrastrukturen: Stefanie Speidel (NCT/UCC Dresden) als neues Mitglied in den Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) berufen, 1. März 2021, abgerufen am 5. August 2021. Joachim Wambsganß Zentrum für Astronomie Heidelberg (ZAH) EinrichtungenSören AuerTechnische Informationsbibliothek – TIB und Universität HannoverLars BernardTU Dresden, (Chief Officer Digitalisierung und Informationsmanagement)Andrea HängerBundesarchiv KoblenzRat für Informationsinfrastrukturen: Frau Dr. Andrea Hänger (Vizepräsidentin des Bundesarchivs) als neues Mitglied in den RfII berufen, 11. September 2024, abgerufen am 12. September 2024. Barbara HelwingVorderasiatisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin / Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK)Rat für Informationsinfrastrukturen: Barbara Helwing (Vorderasiatisches Museum Berlin) als neues Mitglied in den Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) berufen, 25. Mai 2021, abgerufen am 5. August 2021. Beatrice Rammstedt Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und Universität MannheimGerhard SagererUniversität BielefeldRat für Informationsinfrastrukturen: Gerhard Sagerer (Universität Bielefeld) als neues Mitglied in den Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) berufen, 2. Februar 2023, abgerufen am 6. April 2023.Katrin Stump Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)Ramin Yahyapour Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen (GWDG) Bund und LänderRüdiger EichelMinisterium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen (MWK)Andrea KienleMinisterium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW)Rat für Informationsinfrastrukturen: Andrea Kienle (Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen) als neues Mitglied in den RfII berufen, 18. Januar 2024, abgerufen am 23. Januar 2024.Christopher KarmannBundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)Rat für Informationsinfrastrukturen: Herr Dr. Christopher Karmann (Bundesministerium für Bildung und Forschung) als neues Mitglied in den RfII berufen, 28. Juni 2024, abgerufen am 28. Juni 2024.Elise GrauerBundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) Öffentliches LebenAnke BeckFrontiers MediaMarit HansenLandesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-HolsteinChristine RegitzSAP SEHarald SchöningSoftware GmbH

Ehemalige Mitglieder

Reinhard Breuer, Journalist, Gruppe: Öffentliches Leben (2014–2018) Sabine Brünger-Weilandt, FIZ Karlsruhe, Gruppe: Einrichtungen (2014–2022) Thomas Bürger, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Gruppe: Einrichtungen (2014–2018) Friederike Fless, Deutsches Archäologisches Institut (DAI) Berlin, Gruppe: Einrichtungen (2014–2021) Christiane Fricke, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Gruppe: Bund und Länder (2022–2024) Frank Oliver Glöckner, MPI für Marine Mikrobiologie & Jacobs University Bremen, Gruppe: Wissenschaftliche Nutzer (2014–2018) Thomas Grünewald, Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung (MIWF) Nordrhein-Westfalen, Gruppe: Bund und Länder (2014–2017) Gregor Hagedorn, Museum für Naturkunde Berlin, Gruppe: Einrichtungen (2014–2018) Albrecht Hauff, Georg Thieme Verlag, Gruppe: Öffentliches Leben (2014–2018) Michael Jäckel, Universität Trier, Gruppe: Einrichtungen (2014–2022) Nicola Jentzsch, Stiftung Neue Verantwortung, Gruppe: Öffentliches Leben (2018–2019) Bettina Klingbeil, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Gruppe: Bund und Länder (2023) Margit Ksoll-Marcon, Staatliche Archive Bayerns, Gruppe: Einrichtungen (2014–2018) Stefan Liebig, Freie Universität Berlin, Gruppe: Einrichtungen (2014–2022) Hans-Josef Linkens, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Gruppe: Bund und Länder (2017–2022) Stefan Luther, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Gruppe: Bund und Länder (2014–2018) Wolfgang Marquardt, vormals Forschungszentrum Jülich, Gruppe: Wissenschaftliche Nutzer (2014–2025) Dietrich Nelle, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Gruppe: Bund und Länder (2014–2023) Simone Rehm, Trumpf GmbH + Co. KG; ab 2016: Universität Stuttgart, Gruppe: Öffentliches Leben (2014–2018) Sandra Richter, Deutsches Literaturarchiv Marbach (DLA), Gruppe: Einrichtungen (2018–2024)

Otto Rienhoff, Universität Göttingen, Gruppe: Wissenschaftliche Nutzer (2014–2018) Melanie Rüther, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Gruppe: Bund und Länder (2018) Louisa Specht-Riemenschneider, Universität Bonn, Gruppe: Wissenschaftliche Nutzer (2022–2023) Marion Steinberger, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Gruppe: Bund und Länder (2022–2025)

Annette Storsberg, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW), Gruppe: Bund und Länder (2017–2021) Klaus Tochtermann, Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW), Kiel, Gruppe: Einrichtungen (2014–2022) Andrea Voßhoff, Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Gruppe: Öffentliches Leben (2014–2018) Doris Wedlich (†), Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Gruppe: Wissenschaftliche Nutzer (2014–2020) Beate Wieland, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Gruppe: Bund und Länder (2021–2022) Die Mitgliederlisten werden jeweils in den Jahresberichten des RfII veröffentlicht.

Geschichte Die GWK beschloss im November 2013 die Einrichtung eines „Rates für Informationsinfrastrukturen“ sowie dessen gemeinsame Finanzierung durch Bund und Länder, zunächst für vier Jahre. Vorausgegangen war eine Bestandsaufnahme durch die „Kommission Zukunft der Informationsinfrastruktur“ (2009–2011) und durch den Wissenschaftsrat (2011–2012). Die Berufung des RfII war außerdem eine Maßnahme auf der Digitalen Agenda der Bundesregierung 2014–2017 im Bereich Bildung, Forschung, Wissenschaft, Kultur und Medien.

Tätigkeiten Die Arbeitsschwerpunkte des RfII liegen gegenwärtig im Bereich der Forschungsdaten, die im Verständnis des RfII sowohl digitale Datenbestände als auch analoge Materialsammlungen umfassen. Der RfII tagt zwei bis drei Mal jährlich. Darüber hinaus werden in sachbezogenen Ausschüssen und Arbeitsgruppen Empfehlungen vorbereitet. Analysiert werden auch die internationalen Verflechtungen von Informationsinfrastrukturen sowie die damit einhergehenden Chancen und Herausforderungen für den Wissenschaftsstandort Deutschland.

Erste Mandatsphase In der ersten Mandatsphase hat sich der RfII auf den Themenkomplex „Forschungsdaten – Nachhaltigkeit – Internationalität“ konzentriert. Als Basis der Zusammenarbeit wurden Begriffsklärungen für den deutschsprachigen Bereich festgelegt. Mit dem Positionspapier „Leistung aus Vielfalt“ (Juni 2016) sprach der Rat Empfehlungen zu Strukturen, Prozessen und Finanzierung des Forschungsdatenmanagements aus. Die Anregung zur Entwicklung einer arbeitsteilig organisierten, verteilten und vernetzten Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) wurde von der GWK aufgegriffen und umgesetzt. Außerdem wurden die Empfehlungen und Diskussionsimpulse des RfII im deutschen Wissenschaftssystem breit rezipiert. Im November 2018 wurde in einer Bund-Länder-Vereinbarung die Errichtung der NFDI beschlossen, die ab Januar 2019 für zunächst zehn Jahre mit einer Fördersumme von bis zu 90 Mio. € jährlich ausgestattet wird.

Zu den Aktivitäten des RfII gehört auch die Beobachtung internationaler Entwicklungen und die Vernetzung mit internationalen Akteuren. 2016 wurde ein erster Fachbericht zur Entwicklung der Informationsinfrastrukturen in Kanada, Australien, Niederlande und dem Vereinigten Königreich veröffentlicht. Im Rahmen der 11. Vollversammlung der internationalen Research Data Alliance (RDA) in Berlin organisierte der RfII ein „co-located event“ mit mehr als 80 Vertretern nationaler und internationaler Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, das Möglichkeiten der Nutzereinbindung in die Entwicklung von Informationsinfrastrukturen zum Thema hatte.

Zweite Mandatsphase Nach positiver Evaluation der ersten Mandatsphase seit 2014 durch die GWK wurde der RfII für weitere vier Jahre berufen. Für die zweite Mandatsphase seit November 2018 wurden vierzehn Mitglieder bestätigt und zehn neue Mitglieder benannt.